1. #1
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    Der purpurne See

    Erst einmal das Vorwort:
    Diese Kurzgeschichte ist gerade in der Entstehung und ich werde sie am besten Kapitel für Kapitel Posten, da ich weiß, dass lange Texte viele abschrecken (ich gehöre übrigends auch zu diesen )

    Die Geschichte handelt von einer Person, die Abgeschieden am Rande von Maine in einem Haus am See wohnt.
    Im Verlauf der Geschichte erfährt sie mehr und mehr über ihre wahre Herkunft und was ihr eigenes Schicksal mit ihrem bisherigen Erlebnissen zu tun hat.

    Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und freue mich auf positive, sowie negative Kritik!

    Liebe Grüße
    Wendy


    Kapitel 1
    Der Morgen graut

    Eines morgens wachte ich auf, schweißgebadet und am ganzen Leibe zitternd. Was war das nur für ein schrecklicher Traum gewesen? Ich versuchte meine Gedanken zu ordnen, mich daran zu erinnern. Was war es nur gewesen? Wie schon so oft hatte ich den Traum vergessen und doch erfüllte mich ein Unbehagen, als ich aus dem Bett stieg. Ich musste unbedingt unter die Dusche, musste mich reinigen von diesem Nachgeschmack des Bösen. Wieder war das Wasser eisig kalt, der Boiler müsste endlich mal ausgetauscht werden, sonst würde ich demnächst als Eiswürfel wieder hervorkommen. Als ich mich abtrocknete fühlte ich, wie sich langsam die Wogen glätteten und die Normalität zurückkehrte. Normal, in den letzten Wochen war nichts Normal gewesen. Ich hatte einige merkwürdige Zwischenfälle gehabt und an meinem Arbeitsplatz war auch nichts mehr von der einstigen Harmonie zu spüren. Alles schien aus dem Ruder zu laufen. Und dann war da noch dieser Traum, der mich zu verfolgen schien, mich jede Nacht wieder heimsuchte. Ich sah auf die Uhr. Es war 4 Uhr 45 und ich hätte eigentlich erst in 2 Stunden aufstehen müssen, doch an schlafen war jetzt nicht mehr zu denken. Also ging ich in die Küche, setzte eine Kanne Kaffee auf und setzte mich mit meinem neuen Roman auf das Sofa im Wohnzimmer. Der Bademantel fiel von meinem Bein herab und ich fror ein wenig- so kalt war es in meiner Wohnung doch gar nicht, das Thermometer an der Wand zeigte 22° an. Ich kramte die Wolldecke hinter der Couch hervor und deckte mich zu. Zum lesen war mir auch nicht wirklich zu mute, ich konnte mich einfach nicht konzentrieren, warum, war mir nicht genau klar. Irgendetwas draußen im Himmel zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Wieder erhob ich mich vom Sofa, ließ die Decke einfach liegen und schlenderte gemächlich zum Fenster. Die Morgendämmerung hatte bereits eingesetzt und am Horizont war ein sanfter Schimmer zu erkennen. Wie schön es doch war abgeschieden an einem See zu wohnen, als kleines Kind war ich öfters in diesem Haus gewesen, es hatte meiner Großmutter gehört und nach ihrem tot hatte sie es mir vermacht. Manchmal war es schon ein bisschen unheimlich hier so ganz alleine, doch mit der zeit hatte ich mich an die Einsamkeit gewöhnt. Schon als Kind war ich ein Einzelgänger gewesen und hatte es gehasst, in der Stadt unter all den Menschen zu wohnen die mir so fremd erschienen. Nein, hier gehörte sie her, hier und nirgendwo anders. Der See nahm inzwischen eine purpurne Färbung an und das Wasser war absolut still. Ich ging wieder in die Küche- mein Kaffe musste inzwischen schon durch sein. Ich goss mir eine Tasse ein, verfeinerte sie mit einem Stück Würfelzucker und einem kleinen Schuss Sahne. Ich rührte ihn um während ich zurück zum Fenster ging, alles war unverändert, es war nur ein wenig heller geworden. Mir schwirrte die Frage durch den Kopf, warum ich überhaupt noch zur Arbeit fuhr, das Geld, dass mir meine Großmutter hinterlassen hatte reichte vollkommen um hier mein Leben in absoluter Ruhe zu verbringen. Ich hätte sogar das Geld dazu, dass obere Stockwerk zu renovieren und mein altes Zimmer, das dort oben noch genauso war wie zu alten Zeiten, wieder neu herzurichten. Doch irgendwie fühlte sich das falsch an. Ich konnte doch nicht vor allem weglaufen. Ich war bereits vor meinen Eltern weggelaufen, indem ich hier hergezogen war und mich nicht mehr meldete, vor meiner unschönen Vergangenheit war ich davongelaufen indem ich den Kontakt zu all meinen alten Freunden abgebrochen hatte. In meinem Leben war ich einfach immer und immer wieder vor allem davon gelaufen, was mir Angst einjagte. Plötzlich fühlte ich mich unnütz und beschämt, weil ich nicht die Kraft hatte mein Leben so zu führen, wie ich es eigentlich immer gewollt hatte, wie Großmutter es gewollt hatte. Genau in diesem Moment, in dem ich so in Gedanken versunken war knarrte über mir eine Diele, was mich aufschrecken ließ. War dieser verdammte Marder etwa wieder da? Aber dieser war nie so laut gewesen, es hatte zwar hin und wieder mal gescheppert, aber nie hatte eine Diele unter seinem Gewicht solch ein Geräusch von sich gegeben. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken und ich bekam eine Gänsehaut, als ich in Richtung Flur und der Treppe ging, die nach oben führte. Eigentlich wollte ich gar nicht nachschauen gehen, aber eine Stimme in mir sagte mir, ich sollte doch endlich mal den Mut haben und nicht immer davonlaufen. Die Stufen ächzten unter meinem Gewicht und ich hatte Angst, dass sie jeden Moment brechen würden, aber sie taten es nicht. Oben angelangt ging ich langsam in Richtung meines alten Zimmers- ich war ewig nicht mehr hier oben gewesen und noch länger nicht in diesem kleinen Raum, der so viele Erinnerungen barg. Bilder meiner Kindheit spielten sich vor meinem inneren Auge ab, ein kleines Mädchen mit blonden Haaren die zu zwei Zöpfen geflochten waren und bis zur Hüfte reichten, die ein Kleid anhatte, dass sie von ihrer Tante zum Geburtstag bekommen hatte rannte in Richtung Großmutters Zimmer. Das kleine Mädchen von damals war nun schon 28. Ich hatte zwar immer noch die blonden Haare, aber sie waren inzwischen wesentlich kürzer. Auch aus Kleidern machte ich mir nichts mehr, ich war eher der sportliche Typ, eine bequeme Jeans, T-Shirt und Turnschuhe. Extravagantes war einfach nicht meine Welt, ich wollte nicht auffallen, lieber in der Menge untergehen. Ich hatte die Tür zu meinem Zimmer erreicht aus dem – wie ich glaubte - das Geräusch gekommen war. Die Tür war nur angelehnt, ich stieß sie auf und… nichts…es war niemand im Zimmer oder besser gesagt nichts, Lebendiges, dass dieses Knarren hätte verursachen können. Ich wagte mich hinein, wagte es, zu dem kleinen Bett zu gehen und Lili meine alte Lieblingspuppe hochzunehmen. Alles hier war so vertraut und doch so fremd, als ob diese Zeit nie wirklich existiert hätte, als ob ich mir die Geschichte damals nur ausgedacht hatte. Aber sie war gewesen diese Zeit, diese Zeit in der alles friedlich war.
    Geändert von DarkSideOfMe (17.10.2006 um 05:29 Uhr)
    "Wir sprechen von den Gesetzen des Krieges -
    als ob der Krieg nicht die Zerstoerung aller Gesetze waere."
    Sadi Carnot

  2. #2
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    Hallo Darkside

    Diesen Einstieg find ich sehr gelungen.
    Er erzeugt Spannung und man wartet, zumindest geht es mir so, schon gespannt auf die Fortsetzung.
    Es gibt verschiedene Richtungen in die dieser Anfang leiten kann und genau das find ich super gemacht....

    Bin echt begeistert und warte auf Fortsetzung.
    Copyrigth by ALF23176
    Gruss aus der schönen Schweiz !

    NEVER EVER GIVE UP !!!

    Auf was ich noch hinweisen wollte:
    Dein Sonnenschein; Die Welt; In Love;
    Elfchen; Du bist mein kleiner Stern;
    Alleine in der dunklen Welt; Feelings(Englisch);

  3. #3
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    Liebe/r ALF23176
    Ich danke dir für deinen Beitrag und hoffe dir wird das Folgende auch noch gefallen

    ferdi

    Danke für deine Kritik und ich werde den Text gleich nocheinmal durchgehen und Gegenfalls etwas ändern

    Hat mich sehr gefreut
    "Wir sprechen von den Gesetzen des Krieges -
    als ob der Krieg nicht die Zerstoerung aller Gesetze waere."
    Sadi Carnot

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