Thema: Weltschmerz

  1. #1
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    2.387

    Weltschmerz

    Weltschmerz


    Du bist nicht besser als wir Menschen,
    du kannst es gar nicht sein.
    Und wie erbärmlich ist das Hoffen
    der Kreatur allein.

    Doch auch im Geben und im Nehmen
    da schwankt das Gleichgewicht,
    denn der geringste uns´rer Brüder
    erkennt dein Wunder nicht.

    Aus meiner Seele bluten Worte,
    von müder Hand geschrieben.
    Ach Welt, ich sah zu viel von dir,
    zu viel, um dich zu lieben.

    >>:<<

    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

  2. #2
    Registriert seit
    Aug 2006
    Ort
    Mönchengladbach
    Beiträge
    1.398
    Liebe Eva,
    hab das Gedicht angeklickt ohne zu sehen, dass es von dir ist und hab nur gedacht "wow"!
    Schwer zu beschreiben was ich tatsächlich fühle... am meisten hat es mir die Letzte S. angetan" aus meiner Seele bluten Worte", es ergibt ein superstarkes Bild , man kann deine Gefühle beim Schreiben so gut nachvollziehen. Diese müde Resignation...kein lauter Aufschrei sondern ein festellen wie es ist. Gleichzeitig spricht eine gewisse Hilflosigkeit mit in den Zeilen"aber warum muß es denn so sein?"

    Liebe Eva supergerne gelesen...

    Babsi

  3. #3
    Registriert seit
    Oct 2006
    Ort
    Einem kleinen Dorf namens Wald im Zürcheroberland
    Beiträge
    9
    ECht toll! Gefällt mir! Aber man könnte es konkreter machen, z.B. als protest! gegen die Reichen die nichts den Armen geben!

    Du bist nicht besser als wir Armen,
    du kannst es gar nicht sein,
    wie erbärmlich ist das Hoffen,
    des Reichen nur allein

    Doch auch im Geben und im nehmen
    da schwankt das Gleichgewicht,
    denn die reichen dieser Welt
    kennen eines dieser Worte nicht.


    ich will dich nicht kritisieren das gedicht is echt gut

  4. #4
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    2.387
    Vielen lieben Dank für dein wow, @Babsi, schön, dass es dir gefällt und einige Gefühle zulässt. Es wird hier tatsächlich eine müde Resignation beschrieben, mit keinerlei Ambitionen etwas zu ändern. Ich hing tatsächlich tief und enttäuscht "drinnen" bei diesem Werk und freu mich jetzt aber sehr über deinen Kommentar. Bis bald!

    Hi @Baudolino,

    ich sehe, das hier ist dein erster Eintrag, den du mir gewidmet hast. Na dann willkommen hier. Danke für deinen Vorschlag, aber hier geht es mir nicht nur um arm und reich, sondern um die scheinbare Ungerechtigkeit auf der Welt schlechthin, um die Unfähigkeit des einzelnen, die Dinge zu ändern, und um eine daraus hervorgerufene Resignation. Trotzdem freu ich mich über deine Wortmeldung, danke.

    Liebe Grüße
    Eva
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

  5. #5
    Registriert seit
    Oct 2005
    Beiträge
    6.325
    Liebe Eva,

    dein Text trifft genau den Nerv, wenn man ganz unten ist und sich über nichts mehr freuen kann.
    Zum Glück ist das nur phasenweise so; hätte man öfter diese Stimmung, kämen mir Bedenken....

    Deine Worte sind für das Thema sehr gut gewählt, berühren und rütteln auf.

    Sehr gern gelesen und sich Gedanken gemacht.

    Liebe Grüße,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  6. #6
    Registriert seit
    Mar 2005
    Beiträge
    997
    hallo Eva,

    auch mir gefällt diese traurig, melanchonisch stimmende Gedicht über Hoffnungslosigkeit, Resignation, Verzweifelung. Ich sehe hier eine Person, die sich fragt, warum Gott die Ungerechtigkeit zuläßt. Er greift nicht ein, also kann er nicht besser aein als die Menschen. Das lyr ich beklagt sich über das Ungleichgewicht im Geben und Nehmen, wahrscheinlich erhält es nur einen Bruchteil von dem zurück, was es gibt, für andere tut. Nächstenliebe gibt es kaum noch. Das Leben so mancher wird geringgeschätzt. Keiner ist bereit etwas zu ändern. Das lyr. ich resigniert, verzweifelt. Es hält Worte und Taten von nun an für überflüssig, kann es doch nichts ändern. Es hat so viel Elend und Not gesehen, dass es nicht mehr ertragen kann. Es ist der Welt überdrüssig geworden. Wahrscheinlich liege ich wieder mal voll daneben. Gern gelesen und darüber nachgedacht. Warte gespannt auf deine nähere Erklärung.

    Alles Liebe
    Speedie
    [FONT="Arial Narrow"]Fantasien sind für manche Menschen unvorstellbar. (Gabriel Laub)

  7. #7
    Registriert seit
    Apr 2006
    Ort
    Göttingen
    Beiträge
    3.572
    Ich frag mich immer wieder, weshalb die echten Perlen in dieser Rubrik so schnell untergehen. Ich hab dein Gedicht genossen, es fliest sehr schön, die Wortwahl ist für mich annähernd perfekt und die letzte Strophe im Sinne der Klimax gesetzt worden, was will man als Leser mehr?

    Ich möchte das Gedicht nicht wirklich weiter zerfleddern, dafür scheint es mir zu gut und das gefühl was ich beim Lesen hatte würde ich damit zerstören.

    Gruß,
    Flo
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
    Die Melancholie des Seins - Gesammelte Werke

  8. #8
    Registriert seit
    Aug 2006
    Beiträge
    892
    Liebe Eva,

    ein Gedicht in gewohnter Eva-Qualität, was aber bei deiner Bandbreite an Themen, Stimmungen und Aspekten nicht langweilig werden kann .

    Vielleicht ist das hier eines der wenigen Gedichte in der Rubrik, die diesem Titel gerecht werden. Da kommt wirklich das Hadern mit Außenbezug raus, und die Schnittstellen von dem, was scheinbar harmonisch gefügt sein sollte, aber einfach nicht passte, passt und vermutlich nicht passen wird.
    Kunststück in deinen Zeilen, zu unterlegen, dass eigentlich beide Seiten, schöpferische und erlebende, gleichermaßen unzufrieden sein müssten mit dem, was ist.

    Ein rundes Werk, eines derjenigen, die die Rubrik polieren. Hat mich überzeugt, und ist gern gelesen .

    Lieben Gruß,
    Malle

  9. #9
    Johan Guest
    Liebe Eva,

    dein Werk geht nahe, in seinen Emotionen; ein tief geschliffener Spiegel dessen, was allgemein doch so banal als ‚Leben’ betitelt wird; zumindest ein Abschnitt dessen, in dem beide Seiten zu einer Entscheidung gekommen sind, die, im erlebenden Fühlen geboren, unumkehrbar geworden ist.

    Sicher, man kann sich selbst oder den Gegenüber nach dem Warum fragen, so, wie es in deiner ersten Strophe deutlich anklingt. Aber alles hat seine Zeit. Und dieser Zeitbogen ist sehr gekonnt zu den letzten beiden Zeilen deines Gedichts gespannt worden.

    Wenn man deine Verse in einigen Jahren wieder liest, könnten sie, nach meinem Verständnis, den Untertitel ‚Es war einmal’ erhalten – wenn, ja wenn es nicht noch eine zweite, weitaus wichtigere Bedeutungsebene gäbe, die sich mir im ersten Wort ‚Du’ auftut. Und dann werde ich bei diesem ‚geschriebenen Zwiegespräch’ still.

    Mit Mitgefühl und aufrichtigem Dank gelesen.

    Johan

  10. #10
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    2.387
    Hi @supikatzi, hab vielen Dank für deine Gedanken und dass du hier vorbeigeschaut hast.

    Hallo @speedie,

    vielen Dank für deine Wortmeldung. So voll daneben liegst du gar nicht. Obwohl das "du" hier nicht als Anrede für Gott dient (den hab ich hier eigentlich aus dem Spiel gelassen) sondern einfach für die Welt selbst. (Sie kann auch nicht besser sein, als die Menschen, die auf ihr wohnen - siehe 1.Vers).

    Und auch die Ungerechtigkeit, die es nun mal gibt, und die der Mensch so oft und gern zu erklären versucht. Sei es durch Religion, Wiedergeburt oder sonst was - wir hoffen immer ein wenig von dem zurückzubekommen, was wir gegeben haben.
    Das lyr. ich hat schon viele Situationen erlebt, in dem das Geben und Nehmen nicht ausgleichend ist. Und auch verzweifelt ist über die Ohnmacht des einzelnen. Es sah zu viel Unglück und Unschönes, um an der Welt noch Gefallen finden zu können.
    Also du siehst, eigentlich stimmen deine Ausführungen. (Kälbchengrüße!)

    Hi @Ensimismado,

    vielen Dank für die Perlen! Ich hab mir mit dem Werk Mühe gemacht und hätte am Ende noch gerne eine positive Wendung genommen - aber es gelang mir nicht und so hab ich es einfach gelassen. Ich denke aber jetzt, es sollte so sein. Darum freut es mich besonders, wenn du ein wenig in meine Gedanken und Gefühle eintauchen konntest.

    Hi @Mallilein,

    ich danke dir für deinen Qualitätsstempel. Deine Auslegung ist wie immer richtig: es ist ein Hadern mit sich und der Umwelt, mit den Umständen, einfach mit der Existenz schlechthin. Es ist traurig und düster, und mir ging´s beim Schreiben überhaupt nicht gut. Aber so ist das Werk zu mir gekommen und so gebe ich es gerne an dich, meine Liebe, weiter.

    Hi @Johan,

    ich danke dir wirklich für das Mitfühlen, es zeigt mir wie sehr du dich mit meinen Gedanken auseinandergesetzt hast. Ja, das Wort "du" bezieht sich auf das Zwiegespräch mit der Welt. Schon allein der Begriff Welt an sich in schwierig, finde ich. Es freut mich, dass du hier vorbeigeschaut hast.

    Meine liebsten Grüße euch allen
    Eva
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

  11. #11
    Johan Guest
    Zitat Zitat von EvaAdams

    Ja, das Wort "du" bezieht sich auf das Zwiegespräch mit der Welt. Schon allein der Begriff Welt an sich in schwierig, finde ich. Es freut mich, dass du hier vorbeigeschaut hast.
    Vielen Dank für die Aufklärung! Dann habe ich mit meinem Zweitblick vollkommen vorbeigeschaut. Naja, kommt vor.

    Liebe Grüße
    Johan

  12. #12
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    4.379

    Weltschmerz

    Liebe Eva,
    ich muss es auch noch loswerden:
    Ein schmerzliches Gespräch, aber so melodisch verdichtet, dass man gleich mehrmals liest und -schön- sagt. Schön zur Sprache, die Nachdenklichkeit bleibt.
    Liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  13. #13
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    2.387
    Hallo Dana,

    da ich heute schon supikatzi übersehen habe, möchte ich mich auch bei dir für die ausstehende Antwort entschuldigen - sorry, hab´s übersehen, aber du weißt ja, wie wichtig du hier bist, vor allem jetzt. Ich hoffe sehr, du kommst bald wieder.

    Schön zur Sprache, die Nachdenklichkeit bleibt.

    Danke Dana, und alles Gute für dich, wo immer du bist .

    Dein Schwesterchen
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Weltschmerz
    Von Glanon im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 20.05.2017, 13:38
  2. Weltschmerz
    Von FrYzZyTrooL im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 05.03.2013, 19:39
  3. Weltschmerz meiner kleinen
    Von Nyneve im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 25.07.2006, 10:28
  4. Weltschmerz
    Von nabenderbert im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 24.12.2003, 04:40

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden