Thema: Haiku

  1. #1
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    Haiku

    Seelenflucht in die
    dunkle, stumme Tiefe der
    tauben Traurigkeit

  2. #2
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    Hallo Zimtstern,

    genau betrachtet handelt es sich nicht um ein Haiku.
    Erzwungenermaßen hälst du lediglich die Silbenzahl pro Vers (5-7-5) ein.
    Allerdings handelt es sich bei den 3 Versen um einen durchgängigen Satz, der an völlig ungewohnter Stelle getrennt wurde.
    Zudem erfordern traditionelle Haiku einen Bezug auf die Jahreszeiten (Jahreszeitenwort im Text).
    Ein Haiku beschreibt mit wenigen Worten eine intensive Beobachtung in sachlicher Weise.
    Deine Beschreibung der Traurigkeit widerspricht diesem Grundsatz.

    Der Text an sich ist in seiner Kürze angenehm zu lesen. Er stellt aber kein Haiku dar und sollte deshalb auch nicht zwanghaft so präsentiert werden.

    (aber, man könnte es ja als experimentelles Haiku bezeichnen , dann steht's hier richtig)

    Gruß

    Garahn
    Geändert von Garahn (19.10.2006 um 23:16 Uhr)
    Blicke zurück, um zu lernen.
    Schaue nach vorn, um zu träumen.
    Halte inne, um zu leben.

  3. #3
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    erstmal vielen lieben dank für eure kritik.

    ihr habt wohl recht das es sich doch eher nicht um ein haiku handelt.

    trotzdem findes ich es schade, dass sich traditionelles haikus, nur auf jahreszeiten beziehen, weil ich denke, dass man mit diese kurzen form, so vieles so klar darstellen kann.

    ich werde versuchen eure punkte zu beachten und ein richtiges haiku zu standen zu bringen =)

    aber so wie es ist, lasse ich dieses haiku, als experimentelles haiku, wie du so schön gesagt hast hier stehen.

    lg zimtstern

  4. #4
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    Ähnelt es nicht einem Senryu?

    Ave
    Weisheit bedeutet, keine Angst und keine Absicht zu haben.

  5. #5
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    Nabend, zusammen !

    @ Zangan, nein leider auch nicht wirklich. Das Senryû unterliegt den gleichen Regeln wie das Haiku, vllt. abgesehen von dem Jahreszeitenwort (heute auch oft einfach der Naturbezug), das notfalls verzichtbar ist. Es geht um eine klare Aufnahme, konstreiche Eindrücke eines Moments, die aber einen Nachklang auslösen. Beim Senryû ist dieser ironisch, sarkastisch bis komisch (in diesem Forum lese ich auch viele romantische Senryû, weiß aber ehrlich gesagt nicht, wo und wann diese Art entstanden ist).

    Da es sich hier um westliche Lyrik handelt, eindeutig an den Metaphern und an der Phonetik festustellen, nicht um die reine Wiedergabe von etwas wahrgenommenem, wäre es dann auch kein Senryû.

    @ Zimtstern, Dein Kurzgedicht lässt viele Bilder entstehen, enthält auch viele Bilder und ist deswegen gut geschrieben - es erreicht.

    Wenn ich auch inhaltlich nicht wirklich konform gehen kann, denn eine Seele wird nicht die Traurigkeit wählen, denke ich, um zu fliehen. Wird sie nicht vielmehr in eine Traurigkeit gestoßen und flieht aus dieser, in welche Richtung auch immer? Traurigkeit kann nicht beschworen werden, so meine ich.

    Zur Form habe ich mich ja schon kurz geäußert, es ist keine japanische Form, wenn auch die Atempausen dem Text wirklich gut tun . Dein "trotzdem findes ich es schade, dass sich traditionelles haikus, nur auf jahreszeiten beziehen, weil ich denke, dass man mit diese kurzen form, so vieles so klar darstellen kann." finde ich nicht gut durchdacht. Ein wirklich gutes Haiku ist zwar in der Natur begründet, aber der Nachhal im Inneren des Lesers ist ein menschlicher Blick, eine Reaktion, die reflektiert, was gesehen wird und eine andere Tiefe (seelisch) findet und darüber erstaunt. (Hättest Du bspw. einen Naturmoment gefunden, der im Leser als Nachhall eine Empfindung von Trauer und Zaghaftigkeit entstehen lässt, hättest Du mit einem echten Haiku eine ähnliche Empfindung wie nach diesem Gedicht ausgelöst, nur eben auf anderem Wege). Dennoch gern hier gelesen.

    Liebe Grüße
    Anke


    edit: Das "Experimentelle" dieser Kategorie meint nicht 'eigene Experimente' in Gedichtformen, sondern ganz bestimmte Arten von Gedichten, bitte mal die Forenerklärungen dazu lesen!
    Geändert von therzi (23.10.2006 um 21:10 Uhr)

  6. #6
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    Ja, aber von meiner Seite aus war's nur so gemeint, dass dieses Gedicht, da nicht die Natur, sondern die Menschen bzw. dessen Gefühle im Mittelpunkt stehen, eher einem Senryu ähnelt. Alles andere ist mir klar gewesen. Darum schrieb ich auch
    Ähnelt es nicht einem Senryu?


    Ave
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  7. #7
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    Ooops, ich "Schnelleser".

    Ich suche für Zimtstern gerade nach dem Faden mit der Erläuterung der Experimentellen Lyrik. Kann mir jemand sagen, wo der sich hingeschummelt hat... Tse.

    Ansonsten steht unter dem Titel des Forums eine Kurzbeschreibung dessen, was hier hineingehört .

    edit: So, ich find es grad nicht, aber ein Zitat des Eintrags findet man hier: http://www.gedichte.com/showthread.p...451#post210451
    Geändert von therzi (23.10.2006 um 21:36 Uhr)

  8. #8
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    @ therzi

    ich weiß nicht genau ob man überhaupt über den inhalt diskutieren kann, denn ich denke mal das jeder seine emotionen anders erlebt.
    mit "seelenflucht" wollte ich den zustand beschreiben, den man erreicht hat, wenn man sich aus der ersten traurigkeit, die einen überrennt und die noch sehr mit zorn usw. vermisch tist, zurückzieht in eine traurigkeit, die einen vielleicht nicht sofort umhaut, aber dumpf ist und einen taub gegen alles andere macht.
    ich hoffe ich konnte dir damit ein bisschen näherbringen, wie ich das mit der "seelenflucht" gemeint hab.

    aber anscheinend hat dir mein kurzgedicht, oder was auch immer es eigendlich genau ist doch ein wenig gefallen, was mich sehr gefreut hat.

    mein gedanke wegen der naturgebundenheit, war eher, dass ich die form von haikus, wegen ihrer knappheit sehr gern mag, um empfindungen auszudrücken und mir fällt nicht immer ein naturmoment ein, der damit im zusammenhang steht.

    danke nochmal für deinen kommentar!

    lg zimtstern

    ps: muss zugeben ich hab mir die forenbeschreibung, noch nicht durchgelesen

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