1. #1
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    Bestialisches Spiel

    Die Bestie wütet übers Land.
    An einer Wand steh’n Hand in Hand
    zehn Kinder, spielen blinde Kuh.
    Die Augen zu und raus bist du!

    Zehn Blitze, Donner, dunkler Rauch
    und Mütter, Väter spielen’s auch.

    Die Bestie frisst sich dick und rund
    und eine Wand ganz kunterbunt.
    Die Bestie zieht sich nun zurück.
    Ein neues Spiel, ein neues Glück!
    (Du wärest nicht der Strassenreimer,
    wenn am Ende noch ein Vogelzwitschern zu hören gewesen wäre,
    eher hätte dir der fliegende Freund auf den Kopf gemacht.) Tessa

    Stolpersteine (alles aus Reimerhand)

  2. #2
    Rosiel ist offline Theatralisches Gebilde
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    Hallo Strassenreimer,
    Wollt dir eigentlich nur sagen (auch wenns ja neuerdings unter Spam fällt) dass ich dein Gedicht sehr interessant find. Leider hab ich moment keine Idee worauf du anspielts, sowohl mit den Kindern, den Eltern, der Bestie und der zahl zehn! Das 'blinde Kuh-Spiel' könnte ich mir vielleicht noch unter sowas wie Ignoranz vorstellen, aber auch das bleibt nur Vermutung. Hoffe jedenfalls dass noch wer anders was dazu schreibt, werd auf jeden Fall dranbleiben.

    LG
    Rosiel
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    ...frech grinsend in Richtung Schweiz

  3. #3
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    Hallo Rosiel!
    Ich möchte dich nicht länger auf die Folter spannen. Mit der Bestie meinte ich den Krieg. Vielleicht kannst du dir jetzt ein makaberes Bild machen vom weiteren Text. Wenn dich die ganze Interpretation interessiert, schreib ich dir gerne eine PN, weil ich anderen noch die Chance geben will.
    Danke für deinen Komment und dein Interesse
    Liebe Grüße vom Strassenreimer
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  4. #4
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    Lieber Strassenreimer!

    Diesmal hast Du mich erwischt, wie ich am Schlauch steh trotz noch- und nochmaligem Lesen und Gruebeln

    Beim erstmaligen schnell durchflitzen hatte ich die spielenden Kinder an der Wand 'gesehen', der dunkle Rauch zeigte mir, kein Gewitter...Kriegsbilder also, das war mir sofort klar.
    Die kunterbunte Wand: schockierende Gedanken haben mich beschlichen...Kinder, die beim Spielen im Kugelhagel umkommen, die Wand faerbt sich mit ihrem Blut...die Bestie ist vielleicht ein Panzer...grauenvolle Vorstellung, obwohl sowas ja leider taeglich passiert...

    Dann beim wiederholten Eintauchen in Deine Worte hat sich das Ganze ein wenig aufgehellt, denn das 'Vater und Mutter spielen es auch', und eben, dass die Wand 'kunterbunt' ist..das hat die dramatischen Bilder im Kopfkino verblassen lassen.

    Was sich mir dann aufdraengte, ...es ist irgendein Spiel...hatte Playstationspiele im Kopf, da wuerde zwar die bunte Wand passen (Heimkino), aber die Kinder, 10 an der Zahl geht damit net konform. Auch die Bestie, die sich sattfrisst und dann zurueckzieht.

    Also, letzte Schlussfolgerung: es ist irgendein Spiel an einer Jahrmarktsbude, wo man vielleicht Baelle in den Schlund eines grauslichen Drachen oder aehnlichem wirft, das koennte zusammengehen mit der Aussage, dass auch die Eltern mitballern, wenn die Baelle verschossen sind, zieht sich das gefraessige Ungeheuer zurueck, ein neues Spiel ist angesagt. Kunterbunte Wand, ja...das passt auch zu meinem Bild....hm...irgendwie stimmts trotzdem net...

    Ok...Du lyrischer Folterknecht , nun verzeih, dass ich so ungeniert mit meinen Gruebeleien Deinen Faden zumuelle... ich bleib am Ball hier, das laesst mir keine Ruhe. Ich werde meine Neugier jedoch bezaehmen und Dich nicht per PN um Erleuchtung und Absolution bitten, da ich genauso gespannt bin wie Du, zu welchen Schluessen andere Leser noch gelangen.

    Nun iss mir noch was aufgestossen... ..die Rubrik, in der es steht...menno..nu passt auf einmal gar nix mehr...

    Also...alles umsonst. Ich poste meine Antwort trotzdem, damit Du siehst, was Du angerichtet hast mit dieser harten Nuss!
    Mein Hirn hat sich nun in Falten gelegt... ..kann nimmer denken..

    Gefallen hats, guter Zeitvertreib sind Deine Dingser allemal, daher Lob von mir.

    Herzliche Gruesse
    von Lailany
    Geändert von Lailany (20.10.2006 um 18:50 Uhr)

  5. #5
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    hi straßenreimer,

    ja, ich hab mir schon gedacht, dass es um den krieg geht und insbesondere um die tatsache, dass der krieg wie eine art glücksspiel ist. man kann versuchen sich zu schützen, wenn man sich in einem kriegsgebiet befindet, aber letztendlich entscheidet das glück (bzw. äußere umstände) über leben und tod.

    s3v2 versteh ich nicht ganz. könnte sein, dass die wand vom blut und den innereien der abgeschlachteten menschen farbig ist. wäre über aufklärung dankbar.

    gefällt mir sehr gut dein gedicht.

    MfG,
    Der Panther

  6. #6
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    Lieber Reimer,
    das mit dem Krieg war mit auch schon klar, ich lese es so:
    Kinder sind immer und in erster Linie die unschuldigen Opfer von Gewalt und Terror. Bei dem Satz"Mütter und Väter spielen es auch" hatte ich die Kindersoldaten im Kopf. Mit dem Beispiel der Eltern, wird der Umgang mit Waffen zu Normalität, da laufen 10 Jährige mit einer Kalaschnikov rum genau wie Papa und der große Bruder. Die Frauen und Mütter sofern nicht selber mit Waffe in der Hans sind die stillschweigenden Dulder. Eventuell noch stolz auf die Opfer in der Familie niemand erhebt seine Stimme bis die Bestie Krieg wieder einmal ins Dorf/Stadt einfällt und das nächste Kind im Kugelhagel stirbt oder selber tötet, wobei jedesmal auch ein Stück Kindheit stirbt. Solange Erwachsene meinen Probleme wie Religion, Nationalität und Hautfarbe mit Gewalt lösen zu müssen, wird der Krieg immer genug Nahrung finden um sich daran zu mästen( und die Waffenindustrie wied erst recht dick und fett, ich möchte nicht wissen wie viele Streitigkeiten geschürt werden um noch ein paar Landminen und noch ein bischen Giftgas zu verkaufen)

    Lieber Strassenreimer, bin gespannt wie es ausgeht , du jedoch hast hier ein sehr aufrüttelndes und wütend machendes Gedicht geschrieben. Wütend nicht auf dich sondern auf die die hinter solchen Machenschaften stecken und denen die Opfer egal sind.

    Liebe Grüße
    Babsi

  7. #7
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    Hallo Strassenreimer,
    hmmm das mit dem Krieg ist mir im Nachhinein auch gekommen (die 2. Strophe hat mich drauf gebracht) aber ich würd mich trotzdem freuen wenn du mir den Rest noch verraten würdest!

    LG
    Rosiel
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  8. #8
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    Hallo Ihr lieben!
    Vielen Dank für euren Kommentar und euren Mut dies zu interpretieren. Es ist scheinbar wirklich nicht so einfach, wie ich dachte. aber ihr liegt ja alle nah dran.

    Meine Intension war eine Anklage an Menschen, wie Politiker oder Clanchefs in ärmeren Ländern, die den Krieg wie ein Spiel (Computerspiel) behandeln oder führen. Sie sitzen ja in ihrem bequemen Sessel und steuern das ganze Geschehen von dort aus. Im einzelnen;

    Die Bestie wütet übers Land.
    An einer Wand steh’n Hand in Hand
    zehn Kinder, spielen blinde Kuh.
    Die Augen zu und raus bist du!
    Der Krieg wird ausgerufen und fegt wie ein Sturm über ein Land. Die Bevölkerung kann nichts machen, sie stehen quasi mit dem Rücken an der Wand. Kinder sind leider Gottes immer die ersten, die von solchem Elend betroffen sind, dabei spielt die Zahl zehn keine Rolle, soll ein Beispiel sein um das Bild detaillierter zu machen. Sie stehen halt wie vor einem Erschießungskommando an der Wand.

    Zehn Blitze, Donner, dunkler Rauch
    und Mütter, Väter spielen’s auch.
    Zehn Schüsse, Rauch der Gewehre oder brennendes Land. Es wird getötet, wer vor die Flinte gerät. Mütter und Väter sind die nächsten, die drankommen. Leider bleiben es aber Zivilisten und die Betonung liegt bei "Es sind immernoch Mütter und Väter" und keine Feinde.

    Die Bestie frisst sich dick und rund
    und eine Wand ganz kunterbunt.
    Die Bestie zieht sich nun zurück.
    Ein neues Spiel, ein neues Glück!
    Der Krieg fordert seine Opfer und beutet das Land, die Menschen dort aus. Nimmt alles mit, rücksichtslos. Die blut- oder eingeweide- bzw. gehirnbeschmutzte Wand ist Symbol für das vergossene Blut der Menschen. Das ist das was übrigbleibt, nachdem sich der Krieg gelegt hat. Es gibt hier nichts mehr zu holen und so zieht man weiter und fängt in einem anderen Land ein neues "Spiel" an, einen neuen Krieg. Ein neues "Glück" soll die Machenschaft bedeuten, die ungestraft bleibt. Glück gehabt, dass uns niemand auf die Schliche gekommen ist und uns dafür bestraft.

    Ihr seht, es hört sich mächtig nach dem Irakkrieg an. Hatte ich ursprünglich auch im Kopf. Lailany mit ihrer Jahrmarktgeschichte fand ich auch toll. Eher hätte ich gedacht an Computerspiele.

    Ich hoffe nun, es gefällt euch mit dieser meinen Interpretation genauso gut.

    Nochmals vielen Dank an Euch alle und liebe, herzliche Grüße vom Strassenreimer
    (Du wärest nicht der Strassenreimer,
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    eher hätte dir der fliegende Freund auf den Kopf gemacht.) Tessa

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