1. #1
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    Bruchstück eines Gedankens

    Möget ihr auch ärmlich sein
    und in der Gosse leben,
    täglich diese Schmach und Pein,
    dem Schicksal euch ergeben.

    Vom Rinnsal mögt ihr trinken,
    stetig wühl’n im Stadtmorast,
    in Selbstmitleid versinken.
    Euer Geist ist ein Palast!
    (Du wärest nicht der Strassenreimer,
    wenn am Ende noch ein Vogelzwitschern zu hören gewesen wäre,
    eher hätte dir der fliegende Freund auf den Kopf gemacht.) Tessa

    Stolpersteine (alles aus Reimerhand)

  2. #2
    Falderwald Guest
    Lieber Strassenreimer,

    tja, was haben wir denn hier?
    Ein Gedicht, welches von der Strasse kommt?
    Von ganz tief unten, wo die Not und das Elend weithin sichtbar sind?
    Ich denke, daß du hier den typischen Obdachlosen ein Gedicht gewidmet hast.
    Jeden Tag, wenn man durch die Stadt geht, sieht man sie, und ich habe den Eindruck, daß es in der letzten Zeit immer mehr werden. Woran mag das liegen?

    Möget ihr auch ärmlich sein
    und in der Gosse leben,
    täglich diese Schmach und Pein,
    dem Schicksal euch ergeben.

    Hier wird der Obdachlose und sein Leben beschrieben, ärmlich, in der Gosse und jeden Tag aufs Neue dieser Schmach ausgesetzt. Und dennoch haben sich viele mit diesem Schicksal bereits abgefunden.

    Vom Rinnsal mögt ihr trinken,
    stetig wühl’n im Stadtmorast,
    in Selbstmitleid versinken.
    Euer Geist ist ein Palast!

    Sie trinken aus dem Rinnstein und durchwühlen den Abfall nach was Eßbarem oder noch zu gebrauchenden Dingen. Manche bedauern sich wohl selbst.
    Die letzte Zeile ist aber wohl ausschlaggebend und die Hauptaussage dieses Gedichtes.
    Denn trotz der vorher geschilderten Umstände handelt es sich hier immer noch um Menschen.
    Deshalb habe ich auch bewußt das abwertende Wort "Penner" in diesem Zusammenhang nicht verwendet.

    Ja, dieses Gedicht stimmt nachdenklich, denn oft macht man sich keine Gedanken um das Schicksal dieser Menschen.

    In diesem Sinne, gerne gelesen und gerne kommentiert...


    Liebe Grüße

    Bis bald

    Falderwald

  3. #3
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    Hei Strassenreimer..

    Du hast diesen Menschen mit deinem Gedicht wirklich Respekt gezeigt..!

    Eine sehr mutige Aussage am Ende deines Gedichts*
    Fraglich jedoch, ob sie sich das erhalten können, wenn sie doch kaum ihre Grundbedürfnisse erfüllen können..

    Hat mich wirklich nachdenklich gestimmt!

    Liebe Grüsse

    Wunnie
    ___Nicht am Rand-nein-Mittendurch___

  4. #4
    Tessa Guest
    Lieber Strassenreimer,

    wenn überhaupt ein Palast, dann sicher unser Geist.
    Bei Obdachlosen, sowie bei Akademikern.
    Wobei diese auch oft unter den Obdachlosen zu finden sind.
    Macht man sich einmal die Mühe, zu hinterfragen, warum und weshalb diese Menschen durch das soziale Netz gefallen sind, wird man erschrecken.
    Schicksale, die auch unsere sein könnten, wenn niemand da ist, der uns auffängt.
    Ich kenne auch andere Meinungen, kann sie teilweise nachvollziehen, hier könnte man kontrovers diskutieren.
    Doch sollte niemand zu schnell aburteilen, wer weiß..was unser Schicksal sein wird.

    Kurz, knapp, prägnant.
    Ein nachdenkliches Werk, mein Kompliment.
    Finde es gelungen und mutig, gern gelesen.

    Ganz liebe Grüße,
    Tessa

  5. #5
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    Hei Tessa,

    Ja und da gibt auch diejenigen, die um ihre Lebensphilosophie leben zu können, in dieser Gesellschaft leider diesen Preis zahlen müssen...

    habe deinen Beitrag auch etwas als eine Antwort auf den meinen gelesen(richtig?)
    Du hast vollkommen recht, wollte einfach sagen, dass viele dieser Menschen ja um ihre Existenz bangen müssen..aber stimmt, unsere Gedanken kann uns niemand nehmen! Ich wünsche denjenigen (und nat. auch allen anderen) allen, das sie sich dies bewahren konnten..ich kenne manche die es aufgeben mussten, weil sie ständig um den nächsten Tag bangen müssen...

    Lieber Gruss

    Wunnie
    ___Nicht am Rand-nein-Mittendurch___

  6. #6
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    Wink

    Hallo Ihr alle!

    Vielen Dank fürs Vorbeischauen und fürs dalassen eurer Visitenkarten.

    Das Gedicht sollte eigentlich die pure Hoffnung wiederspiegeln. Ich wollte sagen; Egal wie dreckig es dir auch geht, in und mit deinem Kopf kannst du alles erreichen, was immer du willst.

    Ralf Waddel oder Alf Lerwadd oder Fred oder Ewald oder einfach nur Faldi! Meine Gedichte sind allesamt Dir gewidmet, da ich das Schreiben Dir zu verdanken habe. Ohne Deine Hilfe bei allem, würden meine Ideen klanglos untergehen. Du warst immer mein Ansporn besser zu werden. Wenn du nun ein Obdachloser dadurch bist, das mag ich nicht einzuschätzen.
    Auch hier merkt man, dass es mehr werden. Noch vor einem Jahr ist mir noch nie eine große Warteschlange aufgefallen, doch jetzt sieht man eine riesige Schlange vor der warmen Sozialküche. Schlimm und Niederschmetternd.

    wunni - Ich zeige ihnen nicht nur Respekt, sondern hoffentlich auch Hoffnung. Hast du dir mal ein Geschichte von einem angehört? Es kamm mal einer zu mir und wollte eine DM damals noch haben. Bevor ich sie ihm gab hörte ich mir seine Geschichte an, warum er so geworden ist. Und diese Geschichte hätte auch meine oder deine sein können. Das macht mich heute noch nachdenklich, wie schnell das gehen kann. Es stimmt, wenn das nötigste schon nichte mehr da ist, gibt man sich zu schnell auf. Deshalb aber auch diese Aussage, denn wenn gar nichts mehr geht hast du immernach deinen Verstand. Danke auch dir...

    Tessa -
    Doch sollte niemand zu schnell aburteilen, wer weiß..was unser Schicksal sein wird.
    Dieser Satz hat in meinem Gedicht noch gefehlt, aber schön, dass er doch noch kam. Wie war doch gleich der Spruch von Novalis? Irgendetwas mit Gleichgesinnten! Danke dir und liebe Grüße vom Strassenreimer
    (Du wärest nicht der Strassenreimer,
    wenn am Ende noch ein Vogelzwitschern zu hören gewesen wäre,
    eher hätte dir der fliegende Freund auf den Kopf gemacht.) Tessa

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