1. #1
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    Si silva tacet!

    Solum in silva
    liberos audio.
    semper integros
    semper beatos!
    Postea tum:
    Bellum audiunt
    ex silva venire.
    Liberi rident!
    Parentes audiunt, audite!
    Silva tacet semper
    in bonis et malis temporibus
    Nunc et tum etiam!

    Dt. Übersetzung


    Allein im Wald
    höre ich die Kinder.
    immer unberührt
    immer glücklich!
    Später dann:
    Sie hören den Krieg
    aus dem Wald kommen
    Die Kinder lachen!
    Die Eltern hören, hört!
    Der Wald schweigt immer
    in guten und schlechten Zeiten
    Jetzt und dann auch!

  2. #2
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    Hallo,
    ich finde die Idee sehr ausgefallen und mutig von dir, ein vollständig in lateinischer Sprache gehaltenes Gedicht zu verfassen.
    Dies ist dir für meine Begriffe sehr gut gelungen. Zumindest könnte ich sowas nicht, soviel weiß ich.
    Nichtsdestotrotz bleibt zu sagen, dass in lateinischer Sprache eigentlich nicht mit betonten oder unbetonten Silben gearbeitet wurde, sondern mit lang oder kurz betonten.
    Von da her besteht ein Unterschied zwischen damaliger und heutiger Betonung, die es mir schwer macht dein Gedicht genaustens zu analysieren.
    Außerdem finde ich deine Übersetzung für Liberi mit die Kinder nicht sehr treffend.
    Im eigentlichen heißt liberi nämlich die freigeborenen Kinder, was denke ich zu ergänzen wäre.
    Außerdem war Liber ein Gott - ich kann gerade nicht sagen welcher - was dem Gedicht wiederum einen neuen interpretatorischen Aspekt abgewinnt.

    Hochachtungsvoll
    Sommerfeld

  3. #3
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    Hallo
    Nun da muss ich mich doch rechtfertigen: In der Tat ist Liber, der altrömische Gott der Zeugung, der später dann auch mit Bacchus (Dionys) gleichgesetzt wurde.
    Liberi heisst "freigeborene" Kinder, ja, also keine Sklavenkinder! Aber Kinder sind in meinen Augen Geschöpfe, wo man nicht unterscheiden sollte zwischen Sklavenkinder und freien Kinder. Oder siehst du einem kleinem Kind an, ob es frei oder unfrei ist? Ich glaube mit der Übersetzung "Kinder" ist dem genüge getan:
    und nun zu den langen und kurzen, unbetoneten zeugs: man hat gaaar keine ahnung,w as lang und was kurz war. oder kennst du noch jemanden aus der zeit, der das sagen kann.
    Ausserdem schreibe ich Gedichte für heute und nicht wie damals, schon gar nicht nehme ich mir Vorbild altrömischer Gedichte! SIE SIND EINFACH NUR LATEINISCH!
    Mit besten Grüssen
    Sir. Dragimius

  4. #4
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    hi dragi,

    interessante idee ein gedicht mal auf lateinisch zu verfassen. hut ab!!

    bin inhaltlich nicht ganz durchgestiegen, muss ich leider gestehen. wäre sehr nett wenn du das gedicht inhaltlich aufschlüsseln könntest.

    meine lateinkenntnisse sind nicht so toll und es ist auch schon etwas her, dass ich mich damit beschäftigt habe.
    Aber müssten die adjektive in v3 und v4 nicht im nominativ stehen? du hast sie im akkusativ pl.
    also: integ(e)ri und beati
    bin da aber absolut nicht sicher, ob die formen stimmen.

    MfG,
    Der Panther

  5. #5
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    Der Ansatz mit den "freigeborenen Kindern" war ein rein interpretatorischer, das wollte ich noch anmerken !
    Natürlich weiß man heutzutage, was kurz- oder langbetont war. Der Unterschied liegt allein darin, dass es fast unmöglich erscheint, dies heutzutage flüssig vorzulesen, da sich eben Hebungen und Senkungen der Stimme weitläufig durchgesetzt haben.
    Ich hab dein Gedicht einfach oberflächlich durchgelesen und wurde daraus, was die Metrik anbelangt, nicht schlau, was aber auch nicht von tragender Bedeutung ist.
    Ich habs ja schon gesagt:
    Ich finde dein Gedicht überaus gelungen.

  6. #6
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    Solum in silva
    liberos audio.
    semper integros
    semper beatos!
    Postea tum:
    Bellum audiunt
    ex silva venire.
    Liberi rident!
    Parentes audiunt, audite!
    Silva tacet semper
    in bonis et malis temporibus
    Nunc et tum etiam!

    1. Natürlich wissen wir ganz genau, welche Silben lang und welche kurz waren! Es gibt ja nun wahrhaftig genug lateinische Lyrik, um das zu rekostruieren, das ist nun wirklich nicht strittig.
    2. Solus muss es heissen, wenn der Erzähler allein sein soll, sonst ist es das adv. solum (nicht an der Satzspitze!) solum allein i.S. v. "nur"
    3. postea tum ist nicht lateinisch, einfaches postea reicht
    4. bonis et malis temporibus, das in fehlt gewöhnlich, wenn nicht der Zeitpunkt, sondern die Zeitumstände gemeint sind (stilistisch unschön, kein reiner Grammatikfehler).
    5. nunc et tum etiam ist lateinisch völlig unverständlich, besser viell nunc et semper, oder nunc et postea. (man würde diese tum immer auf die vergangenheit beziehen). Ich würde kein zweites etiam verwenden, außerdem steht etiam vor dem Wort, das gesteigert wird.

    Gerade weil das Lateinische eine freie Satzstellung hat, kommt den Partikeln so eine wichtige Funktion zu. Man darf sie nicht einfach irgendwo in den Satz streuen.
    Ich finde Deine Argumentation korrekt, dass du ein lateinisches Gedicht schreiben darfst, dass sich nach den modernen Vorstellungen von Rhythmus und Ictus organisiert; aber wenn es Latein sein soll, müssen dennoch die Syntaxregeln beachtet werden

    Zum Inhalt: Ich verstehe nicht alles: Was meint die Zeile parentes audiunt: audite?
    Insgesamt finde ich, dass der Text etwas unbeholfen wirkt, so als habe man hauptsächlich darauf geachtet, dass das mit der lat. Sprache irgendwie hinkommt. Sie ist nicht künstlerisch eingebracht worden, sondern es ist ein reiner Prosatext, der sich wie eine Schulklausur liest.

    Insgesamt aber sprachlich sehr sicher!
    Geändert von LordJim (23.10.2006 um 10:01 Uhr)
    Wie eine Klippe sollst du unbekannte und ungewöhnliche Wörter meiden (Julius Caesar de analogia)

    Neu: Drum halte still
    Die volle Schale (Werkverzeichnis)

  7. #7
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    Vielen Dank euch allen!
    War das letzte mal, das ich ein lat. Gedicht geschrieben habe
    Danke

  8. #8
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    Zitat Zitat von Sir. Dragimius

    Vielen Dank euch allen!
    War das letzte mal, das ich ein lat. Gedicht geschrieben habe
    Danke
    Hm??? Ich denke, das sollten Hilfen sein.. mach dir nichts draus.. Latein zu schreiben ist sau*sig schwer...



    O.O

    Das ist toll...

    Ich hab mein Latinum (fast.. ist nur noch nciht güötig ohne Abitur).. und wir sollten andauernd Stilmittel über Stilmittel heraussuchen...
    Mir fielen Lautmalereien auf...


    - Solum in silva

    - Liberi rident!


    (Ich kanns eben nciht lassen..)

    es ist zu lange her, dass ich Latein hatte (3 Jahre), darum kann ich nicht sagen, ob Fehler drin sind oder nciht... ich weiß aber, dass es unheimlich schwierig ist, einen lateinischen text zu formulieren, schließlich hab ich es selbst oft mit Briefen versucht.. *SCHWITZ*
    Deshalb honoriere ich deinen versuch.

    Außerdem finde ich den Titel gelungen.
    Geändert von Yuki Eiri (25.10.2006 um 23:27 Uhr)
    "Schreiben ist eine Kunst wie jede andere: der Künstler legt mit jedem neuen Wort ein Stück mehr von seiner Seele hinein; niemand kann mir erzählen, dass Schreiben ein Handwerk ist..."
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