1. #1
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    Post Federleichter Musesegen


    Ein sanfter Kuss der Muse weckt
    Die Feder aus vertieftem Traum,
    Im Kiel nun reges Leben steckt,
    Sie schüttelt sich den Staub vom Flaum.

    Sie springt erfreut ins Tintenfass
    Und spritzt verspielt auf das Papier,
    Beruhigt sich schließlich, tropfend nass
    Und paraphiert nun mit Dosier.

    Vor Scham errötet ihre Schrift,
    Zutiefst verlegen warmer Blick,
    Sie fühlt sich wie ein plumper Stift,
    Vertuscht ist schnell das Missgeschick.

    Penibel säubert sie das Blatt,
    Dies Wort hat für sie Wichtigkeit,
    Verziert verliebt, kein schwarzes Matt,
    Mit Ornament der Deutlichkeit.

    Einst federleicht im Wort geprunkt,
    Der Muse Segen klingt nun ab,
    Kaum leserlich der Abschiedspunkt,
    Zu Boden schwebt sie sacht herab.
    Geändert von dajaga (08.02.2007 um 17:21 Uhr)

  2. #2
    LeLe ist offline Die mit den Krümmeln schiesst
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    oh ...wenn meine Muse das mal machen würde ^^

    die erste und zweite Strophe ist mein Liebling

    eine zuckersüße beschreibung
    ich hatte wirklich soatwas wie eine kleine elfe oder so vor den Augen ^^
    hat mir sehr gefallen
    schöne Bilder und eine sehr gute Wortwahl

    ein Lob von mir und mein (ich glaube erster) Keks an dich ^^
    lg Lea
    Werkle: Gefangen Versinkende Herzen Widerstehen Die Elemente Ein kleines Winterspiel
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    und wie ich finde die besten: Zwillinge Des Schreiberlings Traum


    Mein neustes: Äonen und Gedanken

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    also bitte erst fragen, bevor man sie kopiert.

  3. #3
    Flamme ist offline Krauseminze, Minze, krause
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    Hallo Dajaga

    ein wunderbares Gedicht
    diese süßen Umschreibungen erzeugen verspielte Bilder, die sehr gut zum Thema passen und die Feder förmlich zum Leben erwecken, tolle Idee!
    Gleich im ersten Vers ist von einer Muse die Rede- als Ausgangspunkt, als Inspiration. Die folgenden Verse beziehen sich aber auf die Feder, wenn ich mich nicht irre
    Voller Vorfreude taucht sie ins Tintenfass, um sofort mit dem schreiben zu beginnen. Dabei stellt sie sich etwas ungeschickt an und richtet eine Sauerei beim schreiben an (Übermut tut selten gut ), merkt es aber erst, als sie sich von ihren Schreibwahn beruhigt hat- und beseitigt (verlegen) ihre Missgeschicke, außerdem gibt sie ihrem Werk den letzten Schliff

    und das ganze könnte man genauso auf einem Dichter beziehen: von der Muse geküsst, schreibt er übermütig hastig ein Gedicht, um ja nichts wieder zu vergessen und diese Phase bestmöglich auszunutzen- voller Übermut achtet er aber nicht auf formale Aspekte, bzw. Inhaltliche Feinheiten. Wenn er wieder zu Besinnung gekommen ist, erschreckt er und gibt seinem Gedicht in Ruhe den letzten Schliff.
    Und das kenne ich- Gedichte entstehen sicher oft (auch bei anderen) aus so einer hektischen Phase heraus, wenn man einen Geistesblitz bekommen hat und übermütig zum Papier greift

    sehr gerne gelesen
    lg
    Flamme


    Sag nichts dagegen, gewiß, Du kannst alles widerlegen, aber zum Schluß ist garnichts widerlegt. (F. Kafka - Das Schloß)

  4. #4
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    Liebe Lele, liebe Flamme,

    es freut mich wirklich, dass euch mein Gedicht so gut gefällt und dass das, was ich ausdrücken wollte gut angekommen ist.

    @Lele: Ja es ist mein erster Keks und er wird wie versprochen eingerahmt und an eine Wand gehängt. Das Bild mit der kleinen Elfe kann ich mir auch gut vorstellen und wäre schon eine Anregung für ein weiteres Gedicht. Mal schauen, ob ich auch einen kleinen Kuss der Muse bekomme.

    @Flamme: Dein Übertragung auf den Dichter gefällt mir sehr gut. Er kommt zwar im Gedicht selber nicht vor, aber das lässt viel Freiheit zur Inspiration und du hast diese gut ausgenützt.

    Vielen Dank für eure Kommentare!

    Liebe Grüße,
    dajaga

  5. #5
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    Hallo Dajaga,
    was für ein federleichtes und schönes Gedicht.
    Es verbindet alles, was ein Gedicht an sich zum Enstehen braucht.
    Eine kleine Muse, die Feder (die Zauberhand) und den Dichter.
    Letzterer wird zwar nicht spezifisch erwähnt, aber in meinem Kopfkino,
    das ich bei deinem Gedicht hatte, sah ich einen, jedoch
    nur als Beobachter der wunderlichen Dinge, die hier geschehen.
    Von der Muse bezirzst, schreibt die Feder Worte, lässt sie entstehen
    und die Hand des Dichters lässt sich von ihr führen in die Welt der Traumgebilden von der Feder und der Muse.
    Wirklich sehr schön geschrieben.
    Da bekommt man Lust auf mehr und möchte sogleich drauf losschreiben.
    Sehr gerne gelesen, denn die Feder und die Muse haben hier großes verwirklicht - und natürlich auch du.(zwinker)
    Ich lese es gleich nochmal.
    Liebe Grüße,
    Kugel
    "Kunst ohne Ethik ist Kosmetik"
    (Marina Abramovic)

  6. #6
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    Hallo Dajaga

    Ja, "federleicht" passt wirklich hervorragend. Dein Gedicht gefiel mir außerordentlich gut. Was der Kuss der Muse bewirkt, zeigt uns dein wunderbar leichtes fröhliches Gedicht. Unbeschwertheit beim Schreiben ist das Wertvollste, sodass die Worte förmlich aus der Feder fliegen.

    So sollte es immer sein...

    gern gelesen
    liebe Grüße
    "Zeit die wir uns nehmen, ist Zeit die uns etwas gibt" (Ernst Ferstl)

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