Zu Tische schmausen die Gefühle,
sinnieren über alte Zeiten.
Und aus dem Erdenreichgewühle
kommen alte Grausamkeiten.

Die beiden alten Kontrahenten,
im Volksmund gern und oft benannt,
sie sind bei Wein und Pekingenten
in einem Streite neu entbrannt.

LIEBE:
Hass, du alter Schwadronierer:
Hier gibt’s nur Schmach und Peinlichkeit,
die bestenfalls mein Herz freut.
Denn das Gefühl mit stärkster Kraft,
die makellose Macht erschafft,
verantwortlich für alle Triebe,
ist’s, du weißt schon, ich, die Liebe!
Bereits ein Kind weiß zu berichten,
was Liebe vermag anzurichten.
Später dann ist es der Saft,
der hemmungslosen Leidenschaft.
Den Quell der Liebe erst entfacht,
ist was den Mensch zum Menschen macht.


Hass:
Kollege Liebe weiß zu werben,
für sich und seine Teufelssaat.
Doch, ach, sehr schnell liegt sie in Scherben,
denn was er sät wird alsbald fad.
In Sachen Kraft bist du mir würdig,
freilich stark und ebenbürtig.
Doch zur Entfesslung dieser Kraft,
braucht es mehr als Leidenschaft.
Die Erwiderung dergleichen,
ist nur schwerlich zu erreichen.
Wird die Liebe nicht erwidert,
bleibt nur ein Biedermann gegliedert.
So stark wie ich kannst du nur sein,
wenn du lebst im Herz von zweien.

Der Hass – und nun sprech von mir –
ist ein ganz anderes Getier.
Er existiert für sich allein,
und braucht nur sich zum glücklich sein.
Erreicht man nicht sein trautes Ziel,
macht er einen wieder agil.
Die Schuld, so flüster’ ich ihm ein,
liegt nicht bei ihm, so muss es sein.
Er sucht sich einen andren Täter,
nennt mir einen bessren Äther!
Frischer Mut bringt ihn in Tritt,
der Hass macht seine Kunden fit.



Und während Hass und Liebe schwatzen,
falln die andern von den Stühlen.
Der alte Streit mag sie nicht kratzen,
und auch in euch sollt es nicht wühlen!