1. #1
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    War lang das Ende

    Du schaust mich an;
    in deiner Stimme
    klingt ein Staunen,
    und immer wieder
    das Befragen ~
    dass ich plötzlich
    eine Fremde
    sei, warum?

    Ich fühle dann,
    wie ich ergrimme
    bei den Launen,
    die mich nieder-
    schlagen ~
    sag lediglich,
    war lang, das Ende,
    und bleib stumm.
    Geändert von Dana (22.10.2006 um 16:21 Uhr)
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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  2. #2
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    Gedicht auf Wunsch der Autorin verschoben

    yarasa / Moderatorin
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  3. #3
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    Liebe dana,

    dein Gedicht in freier Form gefällt mir gut. Ich sehe daran eine Person, die von einer ihr vertrauten Person, plötzlich wie eine Fremde behandelt wird. Das lyr. ich trägt schwer an etwas Vergangenem und ist niedergeschlagen. Jetzt noch mehr durch die Worte der anderen Person, die sie wie Schwertstiche treffen. Es will sich jedoch nicht über Einzelheiten auslassen, trotz eindringlichen Nachfragens. Es sagt nur, das Ende war lang. Dies bezieht sich m. E. auf das Ende einer langen Beziehung. Gern gelesen und kommentiert.

    Liebe Grüße
    Speedie
    [FONT="Arial Narrow"]Fantasien sind für manche Menschen unvorstellbar. (Gabriel Laub)

  4. #4
    Tessa Guest
    Liebste Dana,

    dein Werk, erst jetzt entdeckt, beschreibt die Trennung des LI vom LD.
    Ich versuche mich mal:

    Du schaust mich an;
    in deiner Stimme
    klingt ein Staunen,
    und immer wieder
    das Befragen ~
    dass ich plötzlich
    eine Fremde
    sei, warum?
    Fragende Blicke des LD, es versteht nicht.
    Staunend fragt das LD nach dem Warum,
    schließlich war doch alles in Ordung und "nun das".
    LI versucht zu erklären.
    Befangen reagiert das Gegenüber, weil es nicht sieht, nicht sehen will.
    Das LI spricht die Wahrheit aus und genau in diesem Moment, werden sich beide fremd, können nicht einmal mehr miteinander sprechen, geschweige,
    sich "nackt" zu zeigen oder ungeniert miteinander zu verkehren.
    Warum? Nach so vielen Jahren leben zwei Fremde unter einem Dach.


    Ich fühle dann,
    wie ich ergrimme
    bei den Launen,
    die mich nieder-
    schlagen ~
    sag lediglich,
    war lang das Ende,
    und bleib stumm.

    Das LI wird zornig, weil LD nicht verstehen will, launisch reagiert.
    Böse wird, zynisch und LI resigniert,
    genug der Worte.
    Ein langes Ende, eine lange Wegstrecke, ein langer Trennungsgang.
    Immer wieder hat LI versucht zu erklären, nun bleibt nur noch stummes Schweigen, jedes Wort wäre zu viel.


    Eine lange, vertraute Beziehung wird beendet, Vertrauen weicht der Befremdung,
    viele haben diese Situation schon erlebt, "plötzlich fremd".

    Ein nachdenkliches Werk, in gelungenem Leserhythmus, Dana eben.
    Es bleibt das Sinnieren, ein trauriger Nachhall und eine Mappe.
    Ich weiß (selbst in der Hölle mit dir!) und schicke dir ein Licht,
    mein Kompliment und mein großes Lob.
    Wirklich gut gemacht ,
    ganz liebe Grüße,
    Tessa

  5. #5
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    Hi Dana,

    der Stil gefällt mir sehr gut.

    Ich interpretiere es so:
    Das LI erkennt, dass das LD in best. Situationen sich bewusst darüber wird das LI gar nicht richtig zu kennen, worüber das LD erstaunt ist - es kommt zu einer Distanzierung.
    Das LI fragt warum siehst Du (LD) mich nach all der Zeit immer noch nicht so wie ich wirklich bin?

    Bei dem Rest schließe ich mich Tessa an, obwohl sie mehr noch herausinterpretiert.

    Gruß
    bg

  6. #6
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    Liebe Dana

    mit deinen bewährten Mitteln, eine zwischenmenschliche Problemsituation so zu komprimieren und gekonnt darzustellen, dass daraus immer etwas sehr Ansprechendes resultiert, zeigst du uns auch mit diesem Werk erneut welche Stil- und sonstige Mittel angetan sind, dieses Ziel souverän zu erreichen.

    Mit wenigen Zeilen schaffst du eine dichte, beklemmende Atmosphäre, in der sich das LI immer unwohler fühlt, da seine engste Umgebung einfach nicht verstehen will, was passiert ist und welch langer Entwicklungsprozess hinter seiner Entscheidung steht. Ich kan mir diese spannungsgeladene Situation gut vorstellen und somit den Gedanken und Gefühlen deines LI nachspüren. Tessi hat es ganz wunderbar auf den Punkt gebracht, dem ist kaum noch etwas hinzuzufügen.

    Liebe Grüße
    crux

  7. #7
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    Liebe Dana,

    das Gedicht ist schon treffend interpretiert worden, was kann ich jetzt noch beitragen? Vielleicht, dass ich diesmal besonders den Titel interessant finde, weil er sich "stückeln" lässt und den Inhalt unterstreicht. "War lang, das Ende", was nochmal betont, dass der Zustand des lyr. Ichs und Dus über längeren Zeitraum wohl sehr zermürbend sein muss. Eben "die Länge des Endes", noch ein Zeitraum nach der gemeinsamen Zeit, in der es die Entfremdung noch nicht gab. Jedenfalls scheint sich das lyr. Ich nicht allzu fremd geworden zu sein, wie es sich dann zu neuen Wegen aufmacht.
    Und er verweist auch auf einen langen Zeitraum, den man zusammen verbracht hat, "war lang", doch nun ist "das Ende" da. Gut ausgewählt zu deinen Zeilen, wie ich finde.
    Es ist wieder ein spröderes Werk von dir; erstaunlich, wie dir der Wechsel zwischen fließend und spröde in deinen letzten Gedichten gelungen ist .

    Gern gelesen und Erdnuss dagelassen,
    lieben Gruß,
    Malle

  8. #8
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    War lang, das Ende

    Hallo ihr Lieben : speedie, Tessi, bengroh, crux und Malle

    mit meiner Antwort versuche ich mich ebenso kurz zu fassen.
    Die meisten haben treffend interpretiert (bes. Tessi und crux).
    Ich freue mich ganz besonders darüber, dass diese Art von Umsetzung angekommen ist. Sie sollte ein wenig die Lage des lyr. Ich "übersetzen", ja, und "spröde" wirken.
    Für mich eine andere Übung und gleichzeitig Freude, dass so viele sich darauf eingelassen haben.

    Nicht weniger und kürzer dafür sollen Euch
    meine lieben Grüße erreichen,
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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  9. #9
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    Hallo Dana,

    habe eben beim Stöbern Dein Gedicht entdeckt.

    Ohne die interpretierenden Beiträge hier zu lesen erweckte Dein Gedicht in mir eine seltsame Art von Interesse. Ich habe den roten Faden in Strophe 2 verloren und wusste mich nach wie vor darin nicht zurecht zu finden. Andererseits fesselt es mich so, besonders an all jene fragenden Gedanken, die nach einer "Lösung" suchen.

    Wie das Platzen einer Seifenblase kam es mir dann in den Sinn, dass genau diese Ver- und Entfremdung der Weg durch diese Zeilen ist. Das wurde dann durch die Beiträge von crux und Tessa sowie abschließend von Dir bestätigt.

    Vielen Dank für einen kleinen Lesegenuss.
    Metapher

  10. #10
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    Hallo Dana!

    Ist das auch wieder verflixt heute!
    Immer dann, wenn ich eigentlich gar keine Zeit für dotcom habe, finde ich so viele wunderschöne Gedichte, die alle geradezu nach einer Antwort schreien.
    Ich kann unmöglich daran vorbeigehen, ohne etwas zu sagen.

    "Spröde" nennt es Frau Malle und das erse Bild, das mir dazu in den Sinn kommt, ist ein altes Haushaltsgummie, der unter der nächsten Belastung zerreißen wird (und ja, du darfst jetzt ruhig schmunzeln *smile*)
    Trotz allem finde ich, dass dieses Bild auf das Gedicht bezogen gar nicht so unrecht hat.
    Zwar hält irgendetwas zumindest äußerlich das lyr. Ich und das lyr. Du zusammen - das verdeutlicht vor allem der strophenübergreifende Reim - aber es ist eben nur noch formal, wenn überhaupt.
    Die Launen sind dann die Belastung, die das Gummie endgültig zum Reißen bringen.
    Das gibt wiederum einen sehr schönen Bezug zur Überschrift - es dauert lange, bis ein Gummie reißt, aber wenn, ist es immer das Ende (kein Gummie der Welt lässt sich flicken).

    Hat mir sehr gut gefallen, insbesondere die letzten drei Verse.
    Oder wie Metapher sagt: es fesselt.

    Liebe Grüße
    raven
    The doctor says, I´ll be alright
    but I´m feelin blue
    Tom Waits

  11. #11
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    War lang das Ende

    Hallo Metapher,
    hast du gemerkt, wie treffend dein Kommentar ist: "seltsame Art von Interesse, roten Faden verloren und dann die Seifenblase"?
    Ich bin begeistert, denn Seifenblase trifft es. Schillernd schön, peng und dann die Fragen.....
    Ich danke dir.

    Hallo raven,
    schau 'mal, was ich Metapher schrieb - dein Vergleich zum lang benutzten Gummi passt ebenfalls. Man bedient sich, fast gleichgültig und staunt (hinterfragt) warum es plötzlich nicht funktioniert. Verschleiß, es hat sich verbraucht (vielleicht wegen mangelnder Pflege ).

    Hallo syranie,
    ich kenne das Gefühl, manchmal nichts sagen zu wollen, zu können oder nicht müssen wollen. In der Schlichtheit und Kürze - mein Lieblingsgedicht - liegt so viel. Mir hast du eine große Freude bereitet.

    Ich grüße Euch alle ganz herzlich und bedanke mich für die schönen Kommentare,

    Dana
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