1. #1
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    Was bleibt uns?

    Was bleibt uns?

    Die Hoffnung verreckt auf dem Seziertisch der Erkenntnis
    Und ihre Erben verdursten in der Prophetenwüste,
    Verkaufen ihre Seele für Salzwasser,
    Das ihnen der Herr zu Blut macht.

    Für uns bleibt nichts zu holen.
    In den Kornkammern der Kultur
    Ist das Opium ausgegangen.
    Es bleibt ein Schmerz,

    der keinen mehr inspiriert
    Geändert von Florestan (19.10.2006 um 21:41 Uhr)
    Was nützt es, dass du die Schlacht gewinnst, wenn du tags zuvor den Geschichtsschreiber beleidigt hast.... (W. Brudzinski)

  2. #2
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    Hallo Florestan!
    Was für Schmuckstücke man doch findet, wenn man ein wenig stöbert.
    Einer Interpretation kann ich noch nicht präsentieren (und das will was heißen), aber ich kann dir sagen, dass mich dein Gedicht sehr beeindruckt hat.
    Es gefällt mir aufgrund der Metaphern, die sich gut ins Gesamtbild zu fügen wissen. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen und dann mit einer Interpretation. Bis dato will ich mir Gedanken machen.
    Ich habe es sehr gerne gelesen und werde mich auch spezifisch mit deinem Gedicht noch auseinander setzen.
    Ein Lob von mir, da es mir auf den ersten Blick an gefallen hat.
    Liebe Grüße,
    Kügelchen
    "Kunst ohne Ethik ist Kosmetik"
    (Marina Abramovic)

  3. #3
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    Hi

    Also die ersten beiden Zeilen haben mich schonmal sehr begeistert!

    Die Erkenntnis sagt es gibt nichts zu holen, es bleibt die Hoffnung, wenn auch in kleinstem Maß. Das vertrauen zu Gott is dahin, daher der Deal mit dem Teufel!? Um physisch am Leben zu bleiben? Übel, übel....

    Ich schließe mich KugelImGesicht an; wirklich klasse Metaphern

    die zweite Strophe hat sich mir noch nicht so erschlossen

    ich les da sowas wie: Die Kultur ist nicht mehr betäubt so das es wieder deutlich wird das sie vergessen ist/nicht mehr ernährt wird und der Schmerz darüber kehrt zurück.

    Mein Versuch der Interpretation
    Das Gedicht gefällt mir
    gern gelesen und drüber gesinnt
    lg
    bg

  4. #4
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    Hallo ihr beiden,



    @ Kugel

    ja dann bin ich mal gespannt, ob du noch dran denkst. Ich habe mich in letzter Zeit verstärkt mit möglichen Perspektiven beschäftigt, der Kulturpessimist schlägt natürlich immer irgendwo durch

    @bengroh

    Interessant, deine Interpretation - auch wenn sie durchaus nicht das trifft, was ich mir während des Schreibens dabei gedacht hatte. Aber das macht ja nichts, du eröffnest mir hier eine weitere Beobachtungsebene .



    Vielen Dank für eure anerkennenden Worte


    Gruß

    Flo
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  5. #5
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    Hallo Flo!ich darf doch?
    Wie angekündigt habe ich mich mit deinem Gedicht genauer beschäftigt und möchte dir hiermit meine Auffassung mitteilen.
    Vorweg habe eine kleine Sache zu bekritteln: In Strophe1 Vers 2 wurde mir nicht ganz deutlich, wessen Erben gemeint sind. Die der Hoffnung oder jene der Erkenntnis? Vielleicht kannst du mich aufklären oder eben diese Stelle nochmal deutlicher gestalten. Ich habe die Erben einfach mal auf die Erkenntnis bezogen.

    Die Erkenntnis, die als solche schwer zu definieren ist, ist einerseits eine gewonnene Erkenntnis (=Kartharsis) aus Erfahrungen, Erlebnissen und andererseits der Prozess dieser Verlaufsphase. Jene hat laut Gedicht ihren Todeskrampf durchlebt und liegt aufgebahrt auf dem Seziertisch, damit eine innere Leichenschau vorgenommen werden kann. Dabei stirbt die Hoffnung beim näheren Begutachten der Erkenntnis, die bekanntlich Menschen eine gewisse Sicherheit widerspiegelt, da sie einer gedachten Wahrheit sehr nahe ist.
    Die Erben bzw. Nachfolger der Erkenntnis (hier: eventuell das Wissen, da es nach dem Prozess der Erkenntnis eintreten kann und die Einsicht) sterben in einem Ödland, auf dem ihre „Früchte“ nicht mehr getragen werden können, sprich: der Glaube ihre Botschaft ( = Prophet) kann nicht mehr gedeihen. So verkaufen sie ihre Seele, das Gleichgewicht zwischen Geist und Körper, für Salzwasser. Womöglich da Salzwasser geeignet für Biotope/neues Leben/neue Früchte ist. Doch der/unser Glaube (=Herr/Gott) treibt sie in den endgültigen Tod. (Das ist sogar wissenschaftlich bewiesen, dass das Trinken von Salzwasser die Lebensdauer verkürzt.)
    Der Glaube bringt womöglich das Wissen um, da es eher ein gefühlsbedingtes Vertrauen und subjektiv ist; eine Rechtfertigung für die Wahrheit gibt es hier einfach nicht. Punkt.
    In Strophe 2 Vers 1 wird verdeutlicht, dass wir dadurch nicht einmal das ehemalige Wissen mehr sehen können.
    In den Vorratshallen (= Kornkammern) der Kulturen ( = ein Gesamtbild vom Geschaffenen der Menschen) ist sowohl die Schmerzlinderung als auch die Abhängigkeit nicht mehr vorhanden.
    Bei den Kornhallen grüble ich noch, ob nicht das Sprichwort „ein Körnchen Wahrheit finden“ auch gemeint wäre. Aus diesem Dilemma bleibt nur noch ein dumpfer Nachhall übrig (hier: der Schmerz), da der Einhauch von Leben (=Inspiration) verloren gegangen ist durch das gewichene Wissen, das Platz machen musste für den Glauben.

    Puhh, ich habe mich wohl in dein Gedicht fast hineingesteigert. Es ist aber auch ein starker Tobak, den du uns hier präsentierst, Florestan.
    Auch wenn ich mich in was verrannt habe und meine Interpretation nicht mit deiner Intention übereinstimmen sollte, gefällt mir dein Werk sehr.
    Ich widerrufe meinen ersten Eindruck nicht - ein starkes Gedicht!
    Gerne nochmal gelesen, interpretiert und schließlich kommentiert.
    Liebe Grüße,
    Kügelchen
    "Kunst ohne Ethik ist Kosmetik"
    (Marina Abramovic)

  6. #6
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    Sooo Kugel,

    viel zu spät danke ich dir jetzt für deine ausführliche Beschäftigung mit meinem Werk Ich gehe einfach mal chronologisch zu deinen Aussagen vor.

    Es sind die Erben der Hoffnung gemeint, die sich jetzt betrogen und orientierungslos durch das Leben bewegen. Diejenigen, die mit der modernen Welt, ihren Entwicklungen und Erkenntnissen überfordert sind. In sofern sind sie natürlich auch Erben der Erkenntnis, wenn auch keine glücklichen. Die Gefahren, die aus dieser geistigen Verlorenheit erwachsen (Radikalisierung in vielerlei Hinsicht, religiöser Fundamentalismus), sind sehr groß. Ein Großteil der Menschen ist nun auch bekanntlich nicht besonders interessiert an geistigen Anstrengungen oder -weniger negativ gesagt- durch ihre täglichen Zwänge&Ängste ist ihnen eine überlegene Sicht gar nicht möglich. Wobei ich mich frage, ob es diese überlegene Sicht überhaupt gibt.

    Da setzt dann Strophe 2 ein: Auch die Kultur ist kein Anker mehr. Sie ist entweder dekadent geworden, oder zu oft missbrauch worden, als das sie noch Schmerzen stillen könnte. Natürlich steht das Opium auch für das heutige Fehlen von Überrationalen Elementen. "Mit der Kunst ist es aus, seit die Künstler keine Geschlechtskrankheiten mehr kriegen/ Drogen nehmen....etc." Das ist nur ein ironisch er Verweis

    Im Endeffekt ist es ein kulturpessimistisches, misanthropisches Werk, das ich hier geformt habe. Das GEfühl, dass wir unseren Zenith schon so weit überschritten haben, dass uns nichts mehr zum Trost bleibt. Das tötet die Kunst.


    Mit düsteren Impressionen verabschiede ich mich und danke nochmal für deine ausführliche BEschäftigung.


    LG

    Flo (natürlich )
    Was nützt es, dass du die Schlacht gewinnst, wenn du tags zuvor den Geschichtsschreiber beleidigt hast.... (W. Brudzinski)

  7. #7
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    Hallo Flo!
    Ich habe sehr neugierig deine Intention gelesen,
    die in meinen Augen sehr interessant und auch nachvollziehbar ist.
    Ich habe mich bei meiner Interpretation wohl zu sehr
    an gewissen Punkten geklammert (siehe Glaube ect.).
    Aber das lag ja an mir.(zwinker)
    Ich habe dein Gedicht gleich nochmals gelesen
    und es gefällt mir immer noch aufgrund
    der gewissen Tiefe, die beim erstmaligen Durchlesen
    noch nicht ganz zum Vorschein kam; zumindest bei mir.
    Sprichst du in diesem Werk auch den Zeitgeist an,
    der an dem Verfall der Kunst und der Wahrnehmung beteiligt ist?
    Sehr gerne wieder gelesen.
    Liebe Grüße,
    Kugel
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    (Marina Abramovic)

  8. #8
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    Zitat Zitat von KugelImGesicht
    und es gefällt mir immer noch aufgrund
    der gewissen Tiefe, die beim erstmaligen Durchlesen
    noch nicht ganz zum Vorschein kam; zumindest bei mir.
    "Diese gewisse Tiefe" hat mir wahrscheinlich wieder keiner zugetraut Nein, ich hoffe, dass man meine Intention auch ohne meine Erläuterungen nachvollziehen kann. Verschiedene Lesarten sind immer interessant, nur freut sich meine Eitelkeit, wenn auch meine eigene dabei ist


    Lieben Gruß

    FLo
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