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  1. #1
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    zu grosses Herz

    Ich möchte endlich wieder
    Sterne durch
    die Wolken sehen;

    hüpfend den Weg entlang
    zur Wohnung eilen,
    die mein Glück birgt
    für diese Stunden;

    Rosen riechen im Winter
    und verrückt werden
    vor Freude -

    aber noch
    stehst du mir im Weg
    mit deinem breiten Rücken
    und deinem zu grossen Herz.
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  2. #2
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    Hi Yarasa...

    Ich versuche mal eine Interpretation...

    Das Li möchte sich mit dem Geliebten treffen ... Wohnung die das Glück birgt
    für diese Stunden... und Rosen riechen im Winter...
    Doch der noch vorhandene Partner steht noch im Wege .. der bewölkte Himmel
    zeigt das Auseinanderleben dieser Partnerschaft... und durch sein großes Herz
    und seinen breiten Rücken, macht er es schwer, sich von dieser Partnerschaft zu lösen...

    Hmm bin gespannt, ob das halbwegs so stimmt.

    Dein Gedicht gefällt mir gut, stimmige Bilder, die du da herauslockst..

    lg... Shadow...
    neu: Düsteres Tal
    Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt den Augen verborgen.
    ( Der kleine Prinz, Saint Exupéry )


  3. #3
    yaira Guest
    Hallo yarasa,

    auch mich haben deine Zeilen gleich gefangen und das besonders durch den ersten Absatz. Der bedeckte Himmel, der das LI bedrückt, das sich doch nur diese schlichte Form des Glückes sehnt, ist ein starkes Bild. Vielseitig interpretierbar, nachvollziehbar und wirklich schön.
    Inhaltlich gingen meine Gedanken in dieselbe Richtung wie bei Shadowlady.
    Gerne gelesen und gerne berührt worden.
    Liebe Grüße
    yaira

  4. #4
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    Hallo yarasa,

    dein Text ist tatsächlich in mehreren Richtungen interpretierbar.
    Meine Sichtweise ist eine ganz andere, als die von Shadow und yaira.

    Ich sehe eine Beziehung in gewohnten Bahnen, ohne Kick, ohne Höhepunkte ( ), ohne besondere
    Vorkommnisse und ohne Schmetterlinge im Bauch.
    Das alles aber wünscht sich dein LI zurück - mit dem Manne eben,
    das es hat; denn ein großes Herz ist doch etwas Wunderbares.

    Nun kann es sein, dass ich danebenliege - das macht aber nix, denn mir gefällt meine Interpretation.

    Netter kleiner Text, den ich gern gelesen habe.

    Lieben Gruß,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

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  5. #5
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    Hallo yarasa!

    Fast hätte ich es so gelesen wie superkatzi, wenn da nicht die Aussage "für diese Stunden" stehen würde. Hmmm über das zu große Herz muss ich stutzen. Es ist so groß, dass bewacht werden muss? Und das beim Einlass? Vielleicht kommt mir ja noch ne Eingebung wie das gemeint sein kann...oder du klärst es später mal auf!

    Ich kann mich dem "Gerngelesen" nur anschliessen! Sehr, sehr!

    Grüßend
    sora

  6. #6
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    Hallo ihr lieben

    Danke erst mal für's 'gern gelesen'.

    Eure Interpretationen sind in jeder Hinsicht schlüssig, denn sie lassen sich am Text belegen.

    Die Intention ist eine etwas andere, die ich euch aber nicht aufdrängen muss, da wie gesagt die Offenheit ja eher für den Text spricht.
    Geschrieben ist es so, dass das Lyr. Ich nicht aus einer gescheiterten Beziehung loskommt und so das Glück des Frisch-Verlieben nicht erleben kann. Das Lyr. Du legt eine Anteilnahme zu Tage, die dem Loskommen eher hinderlich ist

    Aber wie gesagt - das 'für diese Stunden' lässt sich doch auch als den Besuch beim Geliebten lesen - kein Problem.

    LG
    yarasa
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  7. #7
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    Grüß Dich, Yarasa
    "Ich möchte endlich wieder Sterne durch die Wolken sehen", ich denke, dieser fromme Wunsch ist unerfüllbar. Ich bin ja nicht so begriffsstutzig als dass ich nicht wüsste, was Du meinst. Aber das Bild ist unstimmig. Kein Mensch kann Sterne durch Wolken sehen. Die Frage ist, wie Du das hinkriegst, das mit den Wolken und den Sternen. Eigentlich möchtest Du doch, dass die Wolken Dir nicht mehr den Blick auf die Sterne verstellen. "Endlich wieder am wolkenfreien Himmel Sterne sehen", das wäre ein Verbesserungsvorschlag "aus dem Handgelenk". (Oder: ".. am entwölkten Himmel...") Und dann die Semikolonsetzung (das Wort habe ich nur erfunden, weil ich den Plural von Semikolon nicht kenne) - weshalb? "Hüpfend den Weg entlang/ zur Wohnung eilen", ich weiß nicht genau, was mich daran stört. Vielleicht, weil man auf einem Weg hüpft. Probier doch mal "frohen Herzens hüpfend/ zur Wohnung eilen", dann bleibts es bei den drei Hebungen im ersten und den zwei Hebungen im dritten Vers. Aber, wie gesagt, das nur auf die Schnelle.
    Beste Grüße.
    heinzi

  8. #8
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    Hallo yarasa,
    es wurde schon oft gesagt, ich sag es nochmal: durch das Zumüllen der Kategorie Liebe und Romantik gehen die guten Gedichte zu schnell unter. Also hole ich dieses wieder nach oben.
    Ich mag daran besonders die Schlusspointe, weil die wirklich überraschend kommt. Zunächst ist es der leicht verständliche Wunsch, sich wieder verlieben zu wollen. Man liest es als das Gedicht einer Einsamen. Und dann ganz überraschend: es ist gar nicht die Einsamkeit, die das Verliebtsein unmöglich macht, sondern da ist jemand, der nimmt sehr viel Raum ein und ...vielleicht sogar zu viel. Nicht nur seine Schultern, sondern auch sein Herz sind (zu?) groß.
    Es gibt ja die Ansicht, dass der "Thrill" (sorry für das Wort) des Verliebtseins nicht nur durch Vertrautheit, sondern auch durch ein Stück Fremdheit ensteht, wenn der andere als der andere auch wirklich erscheint und dadurch geheimnisvoll und überraschend bliebt. Der Mann mit dem großen Herzen: allzu bekannt, allzu nah, allzu treuherzig? Man kann ihn nicht verlassen, weil man ihn nicht verletzen will, aber der ANDERE ist er auch nicht mehr....
    Sprachlich sehr schön, gerne gelesen!!


    P.S. mir gefällt dein neuer custom-title!
    Wie eine Klippe sollst du unbekannte und ungewöhnliche Wörter meiden (Julius Caesar de analogia)

    Neu: Drum halte still
    Die volle Schale (Werkverzeichnis)

  9. #9
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    Hallo yarasa,

    die ersten Zeilen des Gedichts haben mich auf eine ähnliche Fährte gebracht wie LordJim, umso besser gefällt mir der Schluss.
    Und er lässt sich auf zweierlei Arten lesen, wenn's vermutlich auch die stärkere Spur ist, dass das lyr. Ich sich einen anderen Partner wünscht als den immer präsenten und überaufmerksamen. Wenn er mit seinem übergroßen Herzen die Tür versperren würde, die zum Raum des lyr. Ichs und dessen "Stundenglück" liegt, könnte er immerhin mal zur Seite rücken, ein wenig Abstand nehmen und später wieder durch diese Tür zum lyr. Ich hereinkommen.
    Ist eine fiese Situation, denn das lyr. Ich hat sich wahrscheinlich schon gefragt, warum es nicht rundum zufrieden ist, wo doch buchstäblich "alles" und noch mehr gegeben wird; auch verständlich aber, dass es sich nicht ersticken lassen möchte, auch nicht von Liebe.

    Würziger Schluss, gern gelesen.

    Lg,
    Malle

  10. #10
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    da wo die echten hexen herkommen :)
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    hm.. mir hat das nicht so gefallen. ich weiß nicht, ich habs zwar gelesen aber nichts dabei gefühlt. zu der form kann ich wie immer (noch) nichts sagen..
    glauben sie nicht auch,
    dass sie vielleicht traurig ist,
    wie sie da sitzt und weint?!

  11. #11
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    zu grosses Herz

    Liebe yarasa,
    ich möchte auch und ganz sicher viele andere - wenn da nicht die liebe Bremse wäre, wirklich liebe, zuverlässige, gute, schützende - ach was weiß ich.
    Dieser breite Rücken und das zu große Herz sind gut - aber auch wegweisend.
    Diese Güte wagt man nicht zu verletzen, also schaut man die Sterne, wenn sie klar da sind. Alles ist da, wozu also "alberne" Ausgelassenheit?
    Ich weiß auch nicht, ob man Bewährtes schätzen soll und auf "Verrücktsein" verzichten muss.
    Dauerglück nervt, ständig unterbrochenes Glück auch.

    So lese ich die verdichteten Zeilen des lyr. Ich und kann durchaus nachvollziehen.
    Wenn daneben, macht auch nichts. Jede Sichtweise ist erlaubt.
    Dein Gedicht bietet es an, darum ist es gut
    Liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  12. #12
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    Hallo ihr lieben alle

    Mein compi streikt immer mal wieder und die ungestörten Momente im Netz sind rar. Daher habe ich solange geschwiegen. Verzeiht, verzeiht.

    @Kulturheinzi: Dass kein Mensch Sterne durch Wolken sehen kann, ist vom physikalisch-logischen her absolut klar. Aber - es geht auch nicht um den Wunsch, die Wolken mögen sich verziehen, denn das frisch verliebte Herz sieht die Sterne eben auch hinter den Wolken. Insofern geht das Bild verloren, wenn es logisch folgerichtig korrigiert würde. Es geht ja gerade um den unsinnigen Überschwang. *lach*

    @ LordJim, Fraum Malle, Dana

    Schön, dass der Schluss wirklich so 'überraschend' kommt wie geplant. Jemand, der einfach nur unglaublich lieb ist, ist ja eben keine Herausforderung mehr. Wir wissen es alle... *seufz*

    @HorrorPüppchen

    Danke auch dir für den Kommentar. Vielleicht kannst du ja präzisieren, warum der Text dir nichts sagt. Oder ist einfach das Thema nicht berührend für dich?
    Das würde mich interessieren.

    LG
    yarasa
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  13. #13
    Tessa Guest
    Liebe yarasa,

    ein wirklich gut gelungenes Gedicht,
    vielseitige Interpretationsmöglichkeiten,
    habe nicht alles gelesen, mitunter "verhedder" ich mich dann.

    Das LI möchte das "Kribbeln im Bauch", auf "Wolken tanzen" und "kindische/alberne/unwirkliche Dinge" erleben, spüren, dass es "lebt".

    All diese Momente, die das LI kennt, hat der Alltag gefressen und es würde lieber heute als morgen gehen, diesen Zustand ändern.
    Selbst wenn es allein "hüpfen" müsste.
    Doch ist noch jemand im Leben des LI, mit breiten Schultern (Sicherheit)
    und einem großen Herz (Verständnis).
    Das macht das "Gehen" nicht leicht. Noch nicht!

    Hoffe, so etwa, doch so hat es mir gefallen.
    Wirklich gern gelesen, großer Spielraum, interessant.

    Ganz liebe Grüße,
    Tessa

  14. #14
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    Liebe Yarasa,

    sag einmal, beobachtest du mich vielleicht ? Ich glaube ja eigentlich nicht mehr an Schicksal, aber dein Gedicht muss es einfach sein. Nach langer Zeit treibe ich mich ab heute mal wieder etwas mehr herum und dein Gedicht ist das erste, das ich hier geöffnet habe. Und ich hätte weinen können. Ich fürchte ich bin diejenige mit dem zu großen Herzen und mein ehemaliger Partner das leider zu fröhliche lyr. Ich. Mag einer sagen, was er will, aber es war Bestimmung das hier zu lesen! *kopfschüttel*(ich komm´einfach nicht klar xD)

    Ich muss Kulturheinzi aber mal wiedersprechen: Wieso kann man Sterne nicht durch Wolken sehen? Manchmal sind sie so zart wie auseinander gezogene Watte, dass man die Sterne sehr wohl hindurchflimmern sehen kann...

    Sonst ist mir das mit dem "hüpfen" auch etwas zu...nun ja...fröhlich? Passt irgendwie nicht so recht zu deiner übrigen Wortwahl (oder wie soll man das sagen? xD).

    Ansonsten mit Befreiung, dass es mein Schicksal wohl sonst auch noch auf der Welt ein zweites Mal gibt/geben kann, gelesen.
    die faint
    Den Kamelen ging es gut, und dann kam ich...

  15. #15
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    zu großes herz

    Liebe yarasa,

    werde mich hüten und hier reimend kommentieren. Noch weiß ich, wo der Frevel anfängt...

    Interessante Betrachtungen hast du bis dato schon zu deinem relativ kurzen Gedicht geerntet und einige davon gefallen mir recht gut. Da aber auch mich das "hüpfend" nicht so richtig begeistern will, suche ich verzweifelt nach einem überzeugenden Ersatz, der mir aber noch nicht eingefallen ist. Vielleicht könntest du dich ja mit der Umstellung von S2 wie folgt anfreunden:

    zur Wohnung eilen,
    erwartungsvoll,
    die mein Glück birgt
    für diese Stunden;

    Ansonsten habe ich nichts zu kriteln, ganz im Gegenteil, denn die gut verdichtete Geschichte lässt tatsächlich manchen Blickwinkel zu, wobei ich eher zu der Annahme tendiere, dass du die oftmals auftauchenden Schwierigkeiten, z.B. die des Loslassenkönnens oder auch die noch nicht ganz vollzogene emotionale Ablösung in der Übergangsphase von einer Beziehung zur nächsten ansprichst, denn alte Schatten wirken oftmals weit länger als man vorher angenommen hatte. Dein LD scheint ja noch einen für das LI unerwartet großen Einfluss auf dieses auszuüben, der breite Rücken macht das sehr deutlich und auch das zu große Herz lässt den Leser ahnen, wie die Dinge zusammenhängen, besser -hingen.

    Wir schleppen also, so scheinbar die Botschaft, immer auch einen Teil der alten Beziehung mit hinein in die neue, was zwar nicht zwingend zu Konflikten in dieser führen muss, aber es durchaus kann.

    Weiß jetzt gar nicht so recht, ob ich dieses Werk als typisch yarasaisch einstufen soll oder doch eher als leichten Abweichler davon, what's your own opinion?

    Liebe Grüße
    crux

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