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  1. #1
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    Erkläre mir: Charles Bukowski

    Hallo meine lieben Kollegen ,

    ich habe jüngst einiges von Charles Bukowski gelesen, der (u.a.) die Gossensprache in Amerika etabliert hat. Nun sind seine "Gedichte" auch eher Erzählungen, aber ich konnte nichts, aber auch gar nichts an ihnen finden - von sehr wenigen Werken einmal abgesehen. Fassungslos suchte ich den amerikanischen Originaltext, da ich dachte, der Übersetzer sei einfach zu schlecht, jedoch Fehlanzeige: Ich kann auf keiner Sprache dieser Welt eine Begründung für sein internationales Ansehen finden.
    Vielleicht ist er auch nur ein Gag dekadent gewordener Literaturwissenschaftler, keine Ahnung
    Bitte, erkläre mir jemand Charles Bukowski!
    Was nützt es, dass du die Schlacht gewinnst, wenn du tags zuvor den Geschichtsschreiber beleidigt hast.... (W. Brudzinski)

  2. #2
    yaira Guest
    Hallo Florestan,

    ich will mich hier mal deiner Frage anschließen. Ich kenne zwar keine Gedichte, doch habe ich vor wenigen Stunden die letzten Seiten von "Faktotum" hinter mich gebracht. Seit ich dieses Buch angefangen habe, zweifle ich an mir selbst, da ich nach den vielen Lobeshymnen, die mir über Bukowski schon vorgesungen wurden, den Grund für diese nicht verstehen kann.
    Also, helft uns, bitte, bitte.
    Grüße
    yaira

  3. #3
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    Hallo ihr beiden!
    Ich kenne nur Gedichte von Bukowski und ein paare Ausschnitte seiner Bücher. Weshalb der Erfolg bei ihn so groß war, liegt eventuell am Zeitgeist, denke ich. Bukowski schreibt sehr unverblümt, sprich: Er nennt die Scheiße beim Worte! Ich glaube, zu jener Zeit war der zeitgenössischen Büchermarkt in Deutschland eher "kraftlos" zu "seicht". Da war Bukowski natürlich der Autor. Seine Protagonisten klassische Anti-Helden, aus Randgruppen, unterer Schichten ect. mit der gewissen Portion Selbstironie.
    Von den einen eben gehasst (zu sexistisch, geschmackslos usw.) und den anderen eben geliebt aufgrund dem gewissen Nachhall, den seine Werke hatten. Vielleicht war es auch seine Person, die ihn gefragt machte - Alkoholiker, eher ein "Rumtreiber", und so weiter.
    Wobei ich selber sagen muss, dass viele Gedichte von ihm mich eher an zuhackten Short-Storys erinnern...naja, Geschmackssache?
    So kann ich es mir erklären, aber vielleicht weiß ein anderer User mehr.
    Liebe Grüße
    "Kunst ohne Ethik ist Kosmetik"
    (Marina Abramovic)

  4. #4
    Gemini Guest
    Es ist ein wenig so wie es Kugel beschreibt. In der Zeit, in welcher Buk veröffentlicht wurde, glaubten die Menschen noch an den Amerikanischen Traum. Dieses Weltbild wurde im Werk von Bukowski zerstört.
    Was man noch anmerken kann ist, dass Bukowski oft sehr gelungene Wendungen in seinen Texten hat. Kombiniert mit einer klaren Sprache hat dies sicher seinen Reiz und durch das Hervorstellen der Figur ist eine Identifikation relativ einfach. Man kann sich gut in den Texten von Bukowski wiederfinden.
    Auch ist sein Werk von einer ewigen Sinnsuche geprägt.
    Die Gegenüberstellung der oftmals brutalen Sprache zu einer tiefen Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung ist ein weiteres Merkmal.
    Ich habe, glaube ich, alles von ihm gelesen was ins Deutsche übersetzt wurde.

    LG Gem

  5. #5
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    Also ist Bukowski so etwas wie sozialkritischer HipHop? Ich habe diese Sehnsucht nach Liebe fast nirgendwo finden können und empfinde seine Werke als äußerst hart aber nicht im positiven Sinne. Es ist eine einfältige Härte ohne Träume, geprägt von Selbst- und Weltekel.... nunja vielleicht besticht gerade das ja auch....
    Was nützt es, dass du die Schlacht gewinnst, wenn du tags zuvor den Geschichtsschreiber beleidigt hast.... (W. Brudzinski)

  6. #6
    Gemini Guest
    Sozialkritischer Hip-Hop ist gut.
    So in etwa würde ich es auch nennen.
    Als ich sein Werk damals gelesen habe, hat es mir eine etwas andere Sichtweise ermöglicht.
    Das ist nun auch schon etwas länger her.
    Von Bukowski bin ich dann zu Henry Miller gekommen. Dann zu Louis Ferdinand Celine-Die Reise ans Ende der Nacht (Was nach eigenen Angaben Buks Lieblingsbuch war) dann zu Sartre.
    Empfehlen kann ich von Buk: Der Mann mit der Ledertasche
    Darin wird seine Zeit als Postler beschrieben. Ich finde, dass er da auf dem Höhepunkt seines Schaffens war. Dieses Buch ist auch sehr witzig.

  7. #7
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    Antwort an Charles Bukowsky

    Zitat Zitat von Florestan
    Hallo meine lieben Kollegen ,

    ich habe jüngst einiges von Charles Bukowski gelesen, der (u.a.) die Gossensprache in Amerika etabliert hat. Nun sind seine "Gedichte" auch eher Erzählungen, aber ich konnte nichts, aber auch gar nichts an ihnen finden - von sehr wenigen Werken einmal abgesehen. Fassungslos suchte ich den amerikanischen Originaltext, da ich dachte, der Übersetzer sei einfach zu schlecht, jedoch Fehlanzeige: Ich kann auf keiner Sprache dieser Welt eine Begründung für sein internationales Ansehen finden.
    Vielleicht ist er auch nur ein Gag dekadent gewordener Literaturwissenschaftler, keine Ahnung
    Bitte, erkläre mir jemand Charles Bukowski!
    Hallo, ich bin noch etwas neu hier, daher weiß ich nicht ob ich das alles so richtig mache. Ich werde die Regeln sicher bald verstehen. Nun - falls dieser Satz von Bukowski ist, dann ist er genial! Sollte er von Ihnen sein, stimmt das auch. Nun meine Sicht und Interpretation des Satzes:

    Was nützt es, dass du die Schlacht gewinnst, wenn du am Vortag den Geschichtsschreiber beleidigt hast?

    Eine Schlacht gewinnt immer nur das Ego, der Ehrgeiz, der Kämpfer. Der Geschichtsschreiber (dein höhers Selbst u. a. dein Herz) in dir notiert aber nicht deine Siege, sondern die Fähigkeit, lieben zu können und ein offenes Herz zu haben. Wenn du dein Herz beleidigst, was nutzen dir alle Siege= Wenn du nicht lieben kannst - bist du Herztod.
    Man muss Bukowsky vielleicht aus einer metasphärischen Ebene betrachten, das heißt post-logisch. Vielleicht öffnet Ihnen dieser Blickwinkel eine neue Betrachtungsweise.
    Mit freundlichen Grüßen aus dem Lipperland
    HKD

  8. #8
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    Hallo kopp-Delaney,

    der Satz hat nichts mit Buk zu tun, sondern ist Bestandteil meiner Signatur. Im Original stammt er von dem polnischen Satiriker Wieslaw Brudzinski
    Was nützt es, dass du die Schlacht gewinnst, wenn du tags zuvor den Geschichtsschreiber beleidigt hast.... (W. Brudzinski)

  9. #9
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    was ich an bukowski so schätze, ist das lebendige, das hoffnungsvolle hinter der ganzen facade von trostlosigkeit und alltagstrott. die bücher und short-stories (die gedichte kenne ich kaum) wirken zutiefst menschlich und authentisch. dazu kommt die typische prise bukowski humor und all die schönen sätze. ham on rye (auf deutsch: das schlimmste kommt noch oder fast eine jugend) ist eines der berührendsten und schönsten bücher, das ich je gelesen habe.

    in a world of conformity, bukowski wrote about the people nobody wanted to be: the ugly, the selfish, the lonely, the mad
    donnerstag - nie wieder
    fernsehzimmer

    Ahora soy un axolotl. Julio Cortazar

    Malgré soi, on est de son siècle. Auguste Comte

  10. #10
    Gemini Guest
    Ja, dieses Buch hat mir auch gut gefallen. Ich wundere mich, wie er es vermochte, dieses Buch so durchgehend zu schreiben und all diese Emotionen, welche er als Kind hatte so gut wiederzugeben.
    Auch ein starkes Werk. War da nicht die Passage mit dem "Baum des Lebens"

  11. #11
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    Bukowski hat die Sprache, wie er sie um sich fand genutzt, hat sie mit Metallbürsten gereinigt und zu einer Art Hochsprache des Proletariats gemacht. Bukowski war immer nur er selbst und man merkt seinen Texten an, dass es ihm nie um die Anerkennung einer sich selbst so definierenden künstlerischen Schickeria geht. Wenn man sich ein wenig mehr in sein Werk einliest, findet man immer und immer wieder den Hinweis, dass ihn das Schreiben vor dem Wahnsinn bewahrt hat. Natürlich kann das auch eine Art Liebäugelei mit seinem Ruf gewesen sein, mag aber auch einfach nur wahr sein.
    Seine eher melancholischen Abschiedsgedichte gefallen mir persönlich am besten.

    Für einen Gag dekadenter Literaturwissenschaftler hat er sich zu lange und zu gut verkauft. Ich hatte eher den Eindruck, dass Bukowski für Literaturprofessoren und betuliche Schöngeistschreiber das Äquivalent zum Furunkel am seidenglatten Popo war. Die konnten den auf den Tod nicht ausstehen - verständlich, oder? Ohne auf Formalismen zu achten hat er mit seiner unzensierten Sprache die amerikanische Gesellschaft seziert, in dem er sich selbst in die Mitte der Handlungen stellte. Und nicht so, wie es viele Hip Hop Sozialkritiker gerne machen; sich selbst zum Opfer einer sozialpolitischen Strömung zu stilisieren: modern posing --> hey yo, ihr habt die welt zerstört, uns die hoffnungen geraubt, die chancen abgebaut, hey yo fuck u in da face nigha

    Er hat nur sein Leben beschrieben. Klar und deutlich. Das kann einem gefallen, muss es aber nicht. Vielen hats gefallen, die sich durch die Unmittelbarkeit seiner Sprache angezogen fühlten und fühlen. Mir gings auch so. Und wenn ich jetzt mal Abends wieder in einem seiner Gedichtbände blättere, tuts mir leid, dass der alte Buk schon übern Jordan ist.

    lg/Peter

  12. #12
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    Also Leute, wenn ich das hier so Lese weiß ich ja fast gar nicht was ich darauf antworten soll, weiß es aber natürlich doch. In was für süßen unbefleckten Käfigen lebt ihr denn. Wenn man Bukowski ein wenig verstehen will dann muß man zumindest eine Ahnung davon haben wie beschissen es einem gehen kann.
    Was lest ihr denn nur für Sachen, den ganzen Tag nur zarteste Schmuselyrik, oder gibt es in eurer Welt auch ein paar Dichter die sich etwas näher ans Leben ran trauen . Rimbaud kommt bei euch wahrscheinlich genauso schlecht weg, weil er sowas wie ein Landstreicher war, ja sagt mal, gehts denn noch?

  13. #13
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    Zitat Zitat von Schmickler
    ja sagt mal, gehts denn noch?
    Zumindest so gut, dass wir uns mit ner Sache ernsthaft auseinandersetzen und nicht einfach sagen: "Is Mist, beschäftige ich mich net weiter mit."
    Von daher ist dein Kommentar hier absolut idiotisch und fast schon dreist, damit die Ahnung des jeweiligen User deuten zu möchten.
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
    Die Melancholie des Seins - Gesammelte Werke

  14. #14
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    Also tut mir ja sehr Leid, aber wenn ich Dir mit dem Kommetar auf die Füße getreten bin dann weiß ich es auch nicht. Es kann schon angehen das ich nicht ganz so politisch korrekt bin wie der Großteil der anderen User, aber meine Kommetare gleich als idiotisch abzukanzeln halte ich doch für mittelschwer übertrieben. Ruhig Brauner.

  15. #15
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    Nun, du wirfst uns, bzw. denen die ihr Unverständnis bezüglich der Texte von C.B. kundtaten vor, dass sie einfach nur in "süßen unbefleckten Käfigen" leben, und nur das empfand ich als idiotisch. Aber gut, darüber sollten wir jetzt nicht weiter diskutieren, bringt eh nichts. Zumal ich dich nicht persönlich damit angreifen wollte, lediglich die einzige Aussage die du hier getätigt hast. Und damit solls das jetzt von meiner Seite auch gewesen sein.

    Gruß
    Neustes Werk aus meiner Feder:
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