Thema: Männerwahl

  1. #1
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    Talking Männerwahl

    Männerwahl 24.01.1989 geschrieben.

    Träume vom Kind und glücklicher Ehe,
    ausgeträumt, wenn die Männer ich sehe!

    Der Eine gebrechlich und viel zu labil,
    das kann ich nicht sehen, das ist nicht mein Stil.

    Ein Anderer verhätschelt, verpäppelt, verwöhnt,
    heißt es, dass dieser das Leben verschönt?

    Ein Dritter ist stattlich, was Frauen gefällt,
    er hat nur den Fehler: Er hat niemals Geld.

    Und noch einer kommt um die Ecke gebogen,
    spricht nur ein Wort und hat schon gelogen.

    Der Fünfte sympathisch, mit Geld und verläßlich,
    das Urteil liegt zwischen scheintot und häßlich.

    Der Sechste, denkst du, ist der Mann deines Lebens,
    es war Casanova, die Müh war vergebens.

    Ein letzter Versuch, oh Schreck, welch ein Flegel,
    im Hintergrund ein Kind und ein Kegel.

    Ich grüble jetzt nach und mache das Beste,
    stoße kurz auf und sammle die Reste!



    Eure Erwartungen in diesem Forum sind hoch gesteckt und ich weiss nicht, ob ich dem Gerecht werde, da ich Laie bin. Dennoch hat es mich so in den Fingern gejuckt mal eins meiner Gedichte an die "Öffentlichkeit" zu bringen und hoffe, dass wenigstens ein Schmunzeln herauszulocken ist.

  2. #2
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    Sorry, habe zu spät gelesen, dass ich als Anfänger ins Arbeitszimmer sollte. Vielleicht kann ein Admin das noch korrigieren. Danke.

  3. #3
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    Hallo Loretta,

    du bist hier schon richtig und die hohen Anforderungen sind (leider) oftmals nur ein Wunschgedanke. Jedenfalls ist dein Gedicht bei weitem besser als das vieler Anfänger, die sich hier tummeln. Du hast großes Potential, wie ich finde, da du über Witz und sprachliche Fähigkeiten verfügst. Auch Rhythmusgefühl scheinst du zu haben, wenngleich es bei der Metrik ab und an mal ein wenig rumpelt. Aber dazu gleich mehr.

    Zunächst einmal zum Inhaltlichen: Die einzelnen Strophen sind mit Witz und Schwung dargebracht, auch die Pointe sitzt - sie ist zwar ein bisschen makaber, aber das passt schon gut. Ich jedenfalls habe herzlich geschmunzelt angesichts des Stoßseufzers des lyrischen Ichs.

    Zum Formalen: Erst einmal ein großes Lob für die Reime - du hast vom Handwerklichen jedenfalls eine Ahnung, das sieht man. Zwar sind nicht alle Reime wirklich originell (Ehe/sehe, Beste/Reste), aber dafür hast du auch wieder einige wirklich gute Reime wie zB. labil/Stil. Gefällt mir!

    Der Paarreim eignet sich für derart humorvolle Werke ganz ausgezeichnet, da er sehr schwungvoll ist. Wenn man hier noch einen guten Lesefluss erzeugen kann, dann ist das Formale jedenfalls bestens bedient.

    Und damit zur Metrik: Wie schon vorher geschrieben, verfügst du augenscheinlich über ein gutes Rhythmusgefühl und woran es hier lediglich fehlt, ist der Feinschliff.

    Ich male dir mal die Metrik auf (X = betonte Silben, x = unbetonte Silben):

    Träume vom Kind und glücklicher Ehe,
    ausgeträumt, wenn die Männer ich sehe!


    XxxXxXxxXx
    XxXxxXxxXx (du scheinst den Daktylus zu mögen, wenngleich er nicht konsequent durchgezogen ist)

    Der Eine gebrechlich und viel zu labil,
    das kann ich nicht sehen, das ist nicht mein Stil.


    xXxxXxxXxxX (schöner Daktylus mit Auftakt - bringt viel Rhythmus)
    xXxxXxxXxxX (sehr schön durchgezogen)

    Ein Anderer verhätschelt, verpäppelt, verwöhnt,
    heißt es, dass dieser das Leben verschönt?


    xXxxxXxxXxxX (hier hättest du wieder einen perfekten Daktylus, wenn du "And'rer" schreiben würdest)
    XxxXxxXxxX

    Ein Dritter ist stattlich, was Frauen gefällt,
    er hat nur den Fehler: Er hat niemals Geld.


    xXxxXxxXxxX
    xXxxXxxXxxX (perfekt!)

    Und noch einer kommt um die Ecke gebogen,
    spricht nur ein Wort und hat schon gelogen.


    xXxxXxxXxxXx
    XxxXxXxxXx (hier nicht mehr konsequent verfolgt)

    Der Fünfte sympathisch, mit Geld und verläßlich,
    das Urteil liegt zwischen scheintot und häßlich.


    xXxxXxxXxxXx
    xXxXxxXxxXx (hier wieder ein kleiner Fehler in der Metrik)

    Der Sechste, denkst du, ist der Mann deines Lebens,
    es war Casanova, die Müh war vergebens.


    xXxXxXxXxxXx (hier bin ich tatsächlich schwer ins Stolpern geraten)
    xXxxXxxXxxXx (und hier ist es wieder super zu lesen)

    Ein letzter Versuch, oh Schreck, welch ein Flegel,
    im Hintergrund ein Kind und ein Kegel.


    xXxxXxXxxXx (passt nicht ganz)
    xXxXxXxxXx (hier stocke ich beim Lesen auch, gibt mehrere Betonungsmöglichkeiten, die aber allesamt nicht rhythmisch sind)

    Ich grüble jetzt nach und mache das Beste,
    stoße kurz auf und sammle die Reste!


    xXxxXxXxxXx
    XxxXxXxxXx (beide Verse metrisch nicht ganz einwandfrei)

    Du siehst, dass du noch einige Stolpersteine im Gedicht hast, aber mir gefällt, wie du immer wieder den Leser mit dem Daktylus in Laune versetzt. Ich persönlich finde diesen ja relativ schwierig - habe selbst erst ein Gedicht im Daktylus geschrieben und das war nicht so besonders. Wie schon gesagt - das Rhythmusgefühl ist bei dir sicherlich gut ausgeprägt und jetzt geht es nur noch um die Feinarbeit. Am besten liest du dir die Metrikfäden im Sprechzimmer durch - dort findest du viele wertvolle Infos.

    Hat mir jedenfalls gefallen, dein Gedicht und ich freue mich auf mehr!

    Viele Grüße

    Thomas
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
    Jorge Luis Borges


    Mein Wiedereinstiegsgedicht nach all der Zeit: So ist mein Herz ein dunkler Teich

    Meine Werke und meine Empfehlungen.

    Freiwillige Selbstverpflichtung 3:1

    Und hier noch auf Wunsch von Nachteule etwas von ihm (als Dank für die Hilfe im Mod-Faden): Nachteule

  4. #4
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    hallo thomas,

    vielen dank für deine tips. ich habe mich sehr über deine positiven aussagen gefreut und werde an mir feilen.

    gruss
    birgit( loretta)

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