Thema: Mario gesucht

  1. #1
    Registriert seit
    Feb 2006
    Beiträge
    4.042

    Mario gesucht

    Mario gesucht

    Durch die Stadt
    bin ich geirrt,
    dich gesucht
    in Kneipen,
    Supermärkten
    und im Casino
    am Spieltisch rechts.

    An die Ladentüren
    mein Lieblingsfoto
    mit dem gelben T-Shirt geklebt
    und mein Erspartes
    in den Glücksbrunnen geworfen.

    Bei der Polizei
    Deinen Fingerabdruck
    hinterlassen,
    mit allen Daten
    und Lebensstationen.

    Deine blödesten Lieblingslieder
    hab ich gehört –
    Milva sogar
    und die Pet Shop Boys.

    Und immer
    wenn`s klingelt -
    irgendwo

    Mario?

  2. #2
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    4.379

    Mario gesucht

    Liebes kerlchen,
    viele werden genau nachvollziehen können, was man nicht alles "anstellt" um den Einen/Eine wieder zu treffen oder zu finden - oder auch nur für einen Augenblick zu erspähen.
    Ja, und die "blödesten Lieder" werden zu Offenbarungen an das Leben.
    (Ich habe früher meine Freundin in die Kneipe geschickt, damit sie mir sagt, ob er da wäre. Als sie herauskam und glücklich bejahte, traute ich mich nicht mehr "rein - kennst du das auch? - Vergiß nicht, das war früher, vor zig Jahren )
    Deine Verdichtung solcher "Unmöglichkeiten" hat mir sehr gefallen.
    Liebe Grüße
    Dana


    PS:
    Lieber Stefan,
    ich lasse meinen ersten Kommentar so stehen, um dir zu zeigen, was eigene Stimmungen beim Lesen bewirken können. Vorhin war ich ca. eine Stunde unterwegs und dein Gedicht fiel mir wieder ein.
    Meine Stimmung war inzwischen auch verwandelt (ins Melacholische/Traurige) und dein Gedicht bekam eine andere Bedeutung:
    Das lyr. ich sucht verzweifelt nach einem "verschwundenem" lyr. Du. Muss nicht unbedingt eine Liebe oder ehem. Liebe sein. Es könnte auch jemand sein, der Hilfe braucht. Eine langsam gewachsene Freundschaft, die durch das plötzliche Verschwinden das lyr. ich zur Verzweiflung bringt. Das lyr. ich weiß, es bedeutet nichts Gutes. Darum der Hinweis auf Polizei.
    Diesmal eher betroffen,
    Dana
    Geändert von Dana (22.10.2006 um 19:49 Uhr)
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  3. #3
    Tessa Guest
    Liebes Kerlchen,

    ein Verlust, den das LI noch nicht überwunden zu haben scheint,
    hört es doch immer noch auf vertraute Geräusche.
    Was stellt man nicht alles an, wenn Trauer, Sehnsucht, Verlust die Seele zu brechen drohen. Viell.ein Selbstschutz, später klingt es fast lächerlich.

    Wobei ich nicht sicher bin, ob hinter deinen Zeilen nicht eine Tragödie (in Form von Unfall/Suizid) steht. Diese Interpretation ist sicher falsch, kann ich aber auch lesen.

    Sehr gelungenes Schema, lässt sich völlig holperfrei lesen,
    fast durch den Text schweben.
    Mein Kompliment, gern gelesen, gern gedacht.
    Ganz liebe Grüße,
    Tessa

  4. #4
    Registriert seit
    Sep 2006
    Ort
    Guayaquil
    Beiträge
    685
    hallöchen

    Zitat Zitat von Dana
    Deine Verdichtung solcher "Unmöglichkeiten" hat mir sehr gefallen.
    bin da etwas anderer meinung

    hmm, nicht böse sein, aber von verdichtung im engeren sinne kann ich hier leider nichts erkennen. in meinen augen ist dein text sehr nah an der prosa. nur, weil ein text in strophen gepresst ist und hier und da ein prädikat abhandengekommen ist, ist es noch kein gedicht.

    MfG,
    Der Panther

  5. #5
    Registriert seit
    Oct 2006
    Ort
    Bern
    Beiträge
    391
    N'Abend kerlchen,

    mir gefällt dein Gedicht, der Suchende zeigt seine Verzweiflung so klar und auch liebevoll, dass man sich sofort in seine Situation hineinversetzen kann..

    gerne gelesen

    Lg Wunnie
    ___Nicht am Rand-nein-Mittendurch___

  6. #6
    Registriert seit
    Feb 2006
    Beiträge
    4.042
    Hallo Ihr...

    ich mache es mal in einem Rutsch. Sicher kann man dem Text wenig Verdichtung unterstellen. Oder zumindest weniger als bei vielen meiner anderen Gedichte. Über dieses "leidige" Thema gab es ja schon viele Forumschlachten. Ich denke aber, dass man sich durchaus auch mal einen Text leisten darf, der dem Prosa etwas angenähert ist. Es ist ein Jammer, dass dann gleich die Formalisten kommen und einem das Gedicht absprechen wollen.
    Es gibt jede Menge Dichter - allen voran Erich Fried, die gern mal ein "Prosagedicht" verfasst haben und heute zu den großen Dichtern zählen.
    Der Panther mag Recht haben, wenn man ganz enge Normen ansetzt. Allerdings bin ich kein Freund dieser Normen wie einige ja wissen. Daher will ich die übliche Verbalschlacht über dieses Nervthema auch vermeiden.

    Den anderen ein Danke für die netten Worte. Tessa - sicher könnte es auch um eine Person gehen, die man durch einen Unfall oder ähnlcihes verloren hat. Das hatte ich bewusst offen gelassen.

    Dana Danke was die Verdichtung der Unmöglichkeiten betrifft. Eigentlich würde mich per Nachricht Deine Ansicht zum Thema Prosa auch interessieren -Du kennst ja gaaanz viele Kerlchen Texte - und Bordsteingespräche auch .

    Wunnie - Du auch mal wieder ?

    Gruß und Wink aus der Schwabenmetropole
    Geändert von Kerlchen40 (22.10.2006 um 20:54 Uhr)

  7. #7
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    4.379

    Mario gesucht

    Liebes kerlchen,
    da deine Antwort auf die Kommentare und mein PS im Kommentar sich überschnitten haben, denke ich ist es erlaubt, mich nochmals zu melden.
    Eigentlich will ich mich nur zu "Prosa" melden.
    Meine Meinung dazu ist entgegengesetzt. Nur weil Reime fehlen oder die Metrik ausgelassen wird, ist es nicht sofort kein Gedicht.
    Verdichtung bedeutet für mich, etwas so zu erzählen, dass u.a. mehrere Interpretationsmöglichkeiten bleiben.
    Außerdem wird gerade heute viel darüber gestritten, was eindeutig Prosa von einem Gedicht unterscheidet und eine eindeutige "Richtlinie" gibt es immer noch nicht. Gerade darum wird es immer möglich sein, gegesätzliche Behauptungen aufzustellen, die jedoch "Geschmackssache" bleiben.
    Dein Erfolg und dein Gedichteband müssten dir eigentlich bestätigen, dass das Einpressen in Normen nicht notwendig ist.
    Damit will ich dir, Panther, nicht streitbar widersprechen auch nicht deine Meinung verbiegen. Weil du mich aber zitierst, dachte ich wäre es wichtig, mich mit eben meiner Meinung zu äußern.
    Liebe Grüße euch beiden,
    Dana
    Geändert von Dana (23.10.2006 um 15:14 Uhr)
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  8. #8
    Registriert seit
    Feb 2006
    Beiträge
    4.042
    Danke an Dana.

    nach Deinen Worten muss ich nun wirklich nicht mehr auf das Prosa oder nicht Prosa Problem eingehen. Abgesehen davon gibt es auch Mischformen. Wie Du schon sagtest... Einpressen in Normen tut so mancher Lyrik gar nicht gut.
    Sicher müssen die Grundpfeiler sitzen - das tun sie...aber das Gestalten soll immer noch mit persönlicher Note erfolgen.

    Es gab schon viele Beweise in der Kunst (und nicht nur in der Lyrik), die das bewiesen haben.

    Gruß vom Expressle

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. mario
    Von wortsport im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 20.07.2016, 02:03
  2. mario vs. wario
    Von DAS LAB im Forum Experimentelle Lyrik
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 01.05.2008, 10:37
  3. Schriftsteller gesucht
    Von Arwen52 im Forum Suchanzeige aufgeben ...
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 26.04.2008, 20:40
  4. Für Mario
    Von schwarzeliebe im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 15.11.2007, 21:56
  5. gesucht.
    Von Glasauge Bill im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 20.07.2007, 12:31

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden