von der Schwerelosigkeit

Einst wurde der Astronaut seines stärksten inneren Wunsches bewilligt.
Und noch beim Aufstieg der eisernen Stufen in Richtung des Portals
spürte er zum letzten Mal den Sog der unendlichen Macht,
die Kraft aller Lasten dieser Welt.
Man hatte ihn auf seine Mission wohl vorbereitet, doch kam ihm
dies älteste Empfinden der Menschen sonderbar neu vor,
ja, fast fremd, möchte man sagen.
Er war vollständig auf die Änderung eingestellt worden,
sozusagen umprogrammiert.
Als der Himmel und die Erde anfingen, Feuer zu speien,
wie ein blutrünstiger Drache,
war der orbitale Transfer geschehen.
Es zog den Astronauten weit
in die höchsten Höhen des Kosmos hinauf,
dorthin, wo die Befreiung
ihn erwarten sollte.
Welch schöpferisch Phänomen!
Sobald der gewählte Ort im Nichts erreicht war,
öffnete der Astronaut die Luke.
Schwerelosigkeit.
Er spürte sein Herz vor lauter Glück pochen,
fing vor Freude an zu tanzen
und dankte der Transzendenz
für ihr ach so wundervolles Werk.

Sind wir fremd an einem Ort,
so sind wir froh und sehr befreit,
doch sind wir niemals vor dem Verlassen
unserer Heimat gefeit.

Nun also, trug es sich aber so zu,
dass der Besucher der Sphären selbst,
trotz ihrer unausweichlichen Folge,
dem Verluste jeglicher sicheren, festen Haltepunkte,
mit den Schwerelosigkeiten des neu gewonnenen Raumes,
sich durchaus zufrieden gab.
Bedauerlicherweise geschah es allerdings nun,
dass ein Meteorit,
auf seinem Wege durch die schier endlosen Bahnen
einen heftigen Hagel
von schwerelosem
und dennoch Schwere in sich birgendem Gestein
auslöste.
Einige von den zuvor genannten zerstörten des
Astronauten Lebensgrundlage,
seinen Raumanzug.

Mit Tränen in den Augen
sehnte er sich nach seinem Ursprunge
und nach der ihm nun garnicht mehr
so schlimm erscheinenden
Last der Schwere,
welche er auf eine fremde Art,
erst kurz zuvor erfahren hatte.

Schwerelosigkeit benötigt zu ihrer Schöpfung zunächst
den Verzicht auf alles Feste und Gewichtige,
was leider für niemanden von uns
auf vollständige Art und Weise
möglich ist.