1. #1
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    Exclamation Fahrstuhlmusik Teil 3

    ,,Du komponierst also Fahrstuhlmusik.”
    ,,Ja, und das schon seit zehn Jahren.”
    Ich hatte es wider Erwarten nicht fertig gebracht ihr abzusagen, meine Mutter vorzuschieben kam mir plötzlich verachtenswert vor, besonders wenn ich bedachte dass sie sich gerade auf einer Kreuzfahrt mit ihrem neuen Freund befand, und mir war schlicht und ergreifend nichts besseres eingefallen. Also musste ich gezwungenermaßen in den sauren Apfel beißen und das Date möglichst unbeschadet hinter mich bringen.
    ,,Ich hätte nie gedacht dass man sowas beruflich machen kann, ich meine, ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber wer achtet schon darauf welche Musik gespielt wird während man im Fahrstuhl steht? Es könnte doch jeder x-beliebige Song gespielt werden und niemand würde auch nur die kleinste Notiz davon nehmen. Im Grunde genommen ist das doch eine sehr unbedeutende Nebensache.”
    Ihre Offenheit gefiel mir, auch wenn es schmerzte sie so über meinen Beruf herziehen zu hören.
    ,,Vielleicht hast du ja Recht;”, entgegnete ich mit sich auf der Stirn abzeichnender Denkerfalte ,,vielleicht ist es wirklich so dass niemand Notiz von dem nimmt was ihn während der Fahrstuhlfahrt begleitet. Aber hast du dir schon mal überlegt dass die großen Kaufhäuser und Hotels für die ich komponiere, es vielleicht gar nicht darauf abgesehen haben offensive Musik direkt in den Gehörgang des Gastes zu pumpen? Die Musik dient nur als kleiner, aber wichtiger Bestandteil im großen Ganzen. Und auch wenn dir die Musik nicht wirklich auffällt, sie beeinflusst dich doch, du fühlst dich durch sie...”
    ,,...gleich viel wohler, heimisch sozusagen.”, beendete sie meinen Satz.
    ,,Du sagst es.” Sie dachte mit, dass gefiel mir.
    Wir sassen in der hintersten Ecke der besten und gleichwohl teuersten Pizzeria der Stadt und für den entsprechenden Flair hatten die Kellner durch Kerzenlicht und klassische Musik gesorgt. In einem solchen Laden musste ich Gott sei Dank nicht damit rechnen meine eigenen Sachen um die Ohren gehauen zu kriegen. Auch das Restaurant an sich trug einiges dazu bei, uns in eine angenehm, romantisch angehauchte Stimmung zu bringen. Direkt neben unserem Tisch hing ein Bild der griechischen Göttin Aphrodite(ich versuchte über die Unstimmigkeit einer italienischen Pizzeria mit der antiken griechischen Götterwelt hinwegzusehen), über unseren Tisch war eine weinrote Tischdecke ausgebreitet, das Besteck wirkte edel und auch wenn das Fischernetz mit den verschiedenen Gummifischen und Seesternen darin dieses romantische Gesamtbild etwas verwässerte, gefiel mir dieses Restaurant, dieser Abend. Verdammt, meine Feigheit war ja doch zu etwas nütze!
    Lene passte perfekt in die Skizze die das Restaurant vorgezeichnet hatte. Sie trug ein weißes, leicht durchsichtiges Kleid unter dem sich ihre Brüste deutlich abzeichneten, so dass ich schon genau wusste was mich erwarten würde, sollte ich sie jemals unverhüllt zu Gesicht bekommen. Ihre Haut hatte einen natürlichen braunen Ton, der durch den Kontrast den sie mit dem weißen Kleid einging nur noch verstärkt wurde. Diesen Kontrast gingen auch ihre strahlend weißen Zähne ein, die sich hervorhoben wie ein Trauergast auf einer Beerdigung der beschlossen hat zur Abwechslung einmal weiß zu tragen, die Prozedur an sich war ja schon düster genug.
    Pünktlich um elf Uhr setzte ich sie vor ihrer Wohnung ab, kein ,,Noch Lust auf einen Kaffee?” und auch kein schüchterner Abschiedskuss. Nur eine leichte Umarmung und das Versprechen sie am nächsten Tag anzurufen.

    Ich überließ die Videothek am Tag darauf Kingsley und setzte mich in meinen Sportwagen , wo mich brütend heiße Ledersitze und drückende 40 Grad Celsius erwarteten. Fünfzig Kilometer galt es zurückzulegen, ohne Klimaanlage, dafür mit Fenster. Im Radio 80er Jahre Musik, vor, neben und hinter mir Autos und die jämmerlichen Überreste der von Menschenhand zerstörten Natur. Ich kannte diese Straße, kannte den Weg, ich war ihn jahrelang tagtäglich gefahren. An diesem Tag würde ich ihn zum letzten Mal fahren.
    Sieben Jahre lang ein gemeinsamer Weg.
    Im Radio lief ,,Personal Jesus” und ich schlug die Finger zum Takt auf dem Lenkrad. War das nicht ihr Lieblingslied gewesen? Meine Finger erstarrten, ein flaues Gefühl bemächtigte sich meiner Magengegend. Pochendes linkes Ohr. Ankunft.
    Geändert von jad (25.10.2006 um 15:13 Uhr)
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  2. #2
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    Da wo du nich bist =)
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    Verdammt, meine Feigheit war ja doch zu etwas nütze!
    Herrlich
    Verdammt... deine Geschichte gefällt mir immer besser >.<

    Ich kannte diese Straße, kannte den Weg, ich war ihn jahrelang tagtäglich gefahren. An diesem Tag würde ich ihn zum letzten Mal fahren.
    wargh... warum so spannend? warum so spannend? ich werde sehnsüchtig auf den vierten Teil warten

    aber sag mir mal bitte?! warum finde ich nichts, was ich daran aussezten kann?

    MfG Das Daihatschi
    Wie viel Blut muss vergossen werden, um die Wolken rot zu färben?

  3. #3
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    Freut mich immer wieder so positives feedback zu kriegen! Würde dir gerne den gefallen tun und den vierten teil schon heute reinstellen, aber ich hab noch einige korrekturarbeiten zu erledigen. Morgen gehts weiter, definitiv!
    mfg
    jad
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  4. #4
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    Hallo Jad,

    wie versprochen, bin ich weiter dran. Die Geschichte entwickelt sich und ich habe das Gefühl, dass du den Aufbau sorgfältig geplant hast. Du behältst deinen kurzweiligen Stil bei, die Situationen wirken "echt" (also für den Leser nachvollziehbar), die Szenen fahren sich nicht fest. Du verstehst es, den Spannungsbogen gegen Ende jeden Kapitels mit wenigen Worten nach oben zu ziehen. Das sollte dir die Leserschaft bei der Stange halten.
    Zum leichten Lesefluss trägt auch deine durchweg akzeptable Orthographie bei (man bekommt hier oft unerträgliches vorgesetzt). Hier und da fehlt mal ein Komma, darüber kann ich bei längeren Texten hinweg sehen. Ich weiß, man wird beim Schreiben ein wenig textblind und hat auch nicht immer einen Korrekturleser.

    Zitat Zitat von jad
    ,,...gleich viel wohler, heimlich sozusagen.”, beendete sie meinen Satz.
    Hier meintest du wohl "heimisch", oder?

    Nun gut, dann schau'mer mal auf Teil 4, nich?

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  5. #5
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    Hallo VC!

    Danke für die positive Kritik, ich hoffe, dass dir auch der vierte Teil zusagt. Was meinen Fauxpas betrifft, so hast du natürlich vollkommen recht, ich habe ihn sofort korrigiert. Danke also auch für deine Aufmerksamkeit!

    Mfg Jad
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