1. #1
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    Wenn Beeren in Bären verkehren

    Die Mehrzahl der Bären beseelt das Begehren,
    die wehrlosen Beeren im Wald zu verzehren.
    Verzehren sich Beeren vermehrt auch nach Bären?
    Gewiss, sie begehren, sich selbst zu vermehren.

    Denn wären die Beeren nicht bärenbegehrt,
    dann wär die Vermehrung der Beeren erschwert.
    So lassen die Beeren die Bären gewähren,
    die, während sie gären, die Bären beschweren.

    Drum werden die Beeren sich niemals beschweren,
    wenn Bären die Sträucher von Beeren entleeren.
    Entleeren sich Bären, bescheren, gebären,
    wie lehrend, sie Samen der nährenden Beeren.

    (P.S. Verkehrt herum verkehrt wäre verherend.)
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  2. #2
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    Hallo Steffen,

    ja, ich hab mal wieder gelacht. Aber jetzt klingelt, oder besser brummt, es mir noch bärig in den Ohren.
    Trotz der Klangwiederholungen abwechslungsreich und bequem zu lesen. Was ist eigentlich der Plural von Amphibrachys? Jedenfalls sind die Dinger sauber.

    Da der Text sehr verwirrend klingt, wollte ich dann doch noch in Ruhe überprüfen, ob der Inhalt auch Sinn macht, oder ob du uns hier mit einem sprachlichen Wollknäuel einen Bären aufbinden willst.

    Hier hänge ich an folgenden Versen:
    Gewiss, sie begehren, sich selbst zu vermehren.

    Denn wären die Beeren nicht bärenbegehrt,
    dann wär die Vermehrung der Beeren erschwert.
    Wieso ist es für die Vermehrung der Beeren notwendig, sich von Bären verzehren zu lassen?
    Danach wird es erstmal wieder logisch. Bis zu folgenden Versen:
    Entleeren sich Bären, bescheren, gebären,
    wie lehrend, sie Samen der nährenden Beeren.
    Ich bin kein Bio-Experte, hätte aber nicht vermutet, dass die Bären Beerensamen ausscheiden (allenfalls düngen).
    (P.S. Verkehrt herum verkehrt wäre verherend.)
    Verheerend ja, aber wäre das nicht ein irre komisches Bild?

    Äh, ich glaube, jetzt hab' ich es zerredet, obwohl ich vorher richtig abgelacht habe. Ganz schön blöd, oder?

    Ein Gruß von Beer zu Bäre

    VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  3. #3
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    Hallo VC,
    ich danke dir für deine ausführliche Analyse
    Nun, ich bin zwar kein Fachmann, denke aber, es ist von oben bis unten logisch Die Samen sind meist so angelegt, dass sie dem Verdauungstrakt widerstehen. Wenn sie an ganz anderer Stelle ausgeschieden werden, dann wurden sie ordentlich "gestreut" Andernfalls wäre die vermehrung erschwert, weil die Samen ja nur nach unten fallen, wo schon eine Pflanze steht. Wäre doch blöd...
    Auch z.B. die Vögel werden übrigens als Samenverteiler benutzt.
    Was um Himmels Willen ist ein Amphibrachys? Klingt wie Eidechse

    Keine Angst, zerredet hast du nix, ich habe mich über deinen Kommentar sehr gefreut
    VG Steffen
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  4. #4
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    hi ihr zwei,

    ich denke auch, dass das gedicht logisch und sehr ausgefeilt ist. aber ein bisschen hab ich mich drüber geärgert, da ich vor kurzem über das selbe thema (beeren, bären) schreiben wollte. da dein gedicht mir allerdings soo gut gefällt, werde ich es bleiben lassen. eine steigerung ist in meinen augen nur sehr schwer möglich. vllt sogar unmöglich

    nur die satzstruktur der letzten beiden verse ist mir ein rätsel. wäre nett, wenn du da ein paar erklärende worte hättest. stehe leider irgendwie ausm schlauch (bzw sitze ich drauf )

    @VC: hihi, du hattest wohl keinen bio-unterricht in der schule... :P

    MfG,
    Der Panther

  5. #5
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    Hallo Panther,
    dank dir erst mal und ärgere dich bitte nicht mehr, bitte Nun komm, lass dich nicht entmutigen. Ich würde gern demnächst ein Beeren-Bären-Gedicht von dir lesen. Es gibt ja auch nicht nur ein Gedicht über Herzschmerz
    So und nun die Aufklärung (die Entwirrung) der letzten beiden Zeilen:

    Entleeren sich Bären, bescheren sie Samen der nährenden Beeren.
    (im Sinne von hervorbringen)
    Entleeren sich Bären, gebären sie Samen der nährenden Beeren.
    (immer noch im Sinne von hervorbringen)
    Weil das eine Aufzählung ist (bescheren,gebären), habe ich ein Komma dazwischen gesetzt

    Ist das nicht sehr lehrrend
    (im Sinne von lehrreich) Diese Apposition musste ich auch in Kommas quetschen.
    So, Wasser marsch, runter vom Schlauch
    Nochmal, ganz lieben Dank und VG
    Steffen
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  6. #6
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    jup, das wasser fließt wieder.

    begeistert bin ich allerdings nicht davon. ich halte das gedicht für brilliant. aber diese beiden verse machen (zumindest für mich) einiges zu nichte.
    du willst mit den worten gebären, bescheren, lehren, bären, beeren und nähren spielen. ich finde aber, dass die das in diesen beiden versen nicht so gut gelungen ist. der satz ist zu verschnörkelt (in barock wäre man begeistert gewesen) und das nur, um bestimmte wörter unterzubringen.
    eigentlich müssten die letzten beiden verse etwas besonderes sein und das werk abrunden.
    den aspekt "quantität" hast du mit bravur gemeistert. die "qualität" ist auf der strecke geblieben.

    MfG,
    Der Panther

  7. #7
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    Hallo Panther,
    weißt du was? Das ist ein richtig toller Kommentar von dir, finde ich richtig Klasse. In der Tat ging es mir auch darum, möglichst viele ähnlich klingende Worte einzubauen, aber es sollte dennoch rund bleiben. Dass du mir sagst, es wäre dir zu verknotet, ist Grund genug, darüber nochmal nachzudenken. Vielleicht ist in der Tat weniger manchmal mehr. Wahrscheinlich muß ich nur ein Wort kicken, um den Abschluß gefälliger zu machen.
    Ich danke dir herzlich für den Kommentar!!!!
    VG Steffen
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  8. #8
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    Lieber Lachmalwieder!

    Eine tolle Spielerei mit Worten, hab mich zerkugelt ueber Deine Spitzfindigkeit, Baerenbeerenschiss so originell zu verpacken.
    Baerenstark, das Dings...

    Muss gestehen, dass ich jede Strophe doppelt lesen musste, um dem Sinn auf die Spur zu kommen...aber - ich hab erfolgreich den Knoten entwirrt...

    Da sollte eine Warnung fuer den Konsumenten obenan stehen:
    nur in nuechternem Zustand zu goutieren....lol...denn:
    bei zuviel Baeren-beeren-Gelalle kanns leicht sein, dass sich der Leser auf der Couch unseres Forumpsychiaters wiederfindet...

    Schmunzelnde Gruesse
    von Lailany
    Geändert von Lailany (29.10.2006 um 08:07 Uhr)

  9. #9
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    Zitat Zitat von Der Panther
    @VC: hihi, du hattest wohl keinen bio-unterricht in der schule... :P
    mach dich nur lustig, meine Eltern konnten sich keinen Schulbesuch für mich leisten. Dann kam der Krieg und 15 Jahre später die Nazis. Wieder Krieg, wo ich zwar russische Bären beobachten konnte, aber keine Beeren zu Gesicht bekam, weil in Stalingrad gerade Winter war. Danach bekam ich zwar gelegentlich wieder Beeren zwischen die Zähne, doch hatte nicht ein einziger Kleingärtner einen Bären im Schrebergarten. An Schule war nun schon lange nicht mehr zu denken, so dass ich die Bären im Tierpark besuchte. Nie aber hatte einer der Petze Beerensträucher im Käfig. Es war wie verhext. Längst hatte ich mich damit abgefunden, die Wahrheit über den Zusammenhang zwischen B&B in dieser Welt nicht mehr zu erfahren bis mir Steffen Lachmalwieder einer Erleuchtung gleich die Augen öffnete, auf dass ich sie nun ohne die Furcht der Unwissenheit für immer schließen kann. (wenn es denn nun soweit sein sollte.)

    Nein, im Ernst, danke Steffen für die Aufklärung. Dein Dings (ich liebe dieses Wort) ist jetzt für mich schlüssig, rund und witzig. Ich verstehe Panthers Bedenken bezüglich der beiden letzten Zeilen auch, habe es aber nicht so problematisch empfunden.

    Gruß an euch beide

    VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  10. #10
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    Hallo Lailany und VC,

    @lailany: Dank dir. Ich werde deinen Rat befolgen und bei ähnlich verschärften Wortspielen, sollten sie mir gelingen, elektronische Warnhinweise anbringen. Schließlich soll ja niemand total verdreht enden und zu Schaden kommen

    @VC: Na bei dieser schlüssigen Erklärung wird sicher jeder sofort nachvollziehen können, warum sich dir der Sinn des Gedichtes nicht auf Anhieb erschlossen hat *ggg* Dank dir nochmal Was die letzten beiden Zeilen betrifft, ich habe noch nix besseres Gefunden. Mir gefällt das "Entleeren" gleich hintereinander weg so gut Na mal sehen...

    VG Steffen
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  11. #11
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    Hallo Steffen und alle,

    nun bin ich also der Dritte (!), der sich des Themas der beerenfressenden Bären angenommen hat. Das scheint also ein verlockendes Thema zu sein und so, lieber Steffen, wie Du das Ding angefasst hast, isses nicht zu toppen!!!

    Mein beeriges Bärengedicht fällt dagegen glatt hinten rüber. Weil ich es aber bereits 1999 geschrieben habe und es 2001 in meinem ersten Buch erschienen ist, isses nun mal da und ich muss damit leben, was ich aber ohne weiteres kann, das Deinige ist um Klassen besser!!!

    Super-Klasse!

    Liebe Grüße von Bruno

  12. #12
    Tessa Guest
    Lieber Steffen,


    Wenn Beeren sich verzehren,
    nach zotteligen Bären,
    sich diesmal nicht verwehren,
    den Magen zu beschweren.
    Drum wird der Bären Lehren,
    an Büschen zu entleeren,
    die wunderbaren Beeren,
    ihr Leben wohl erschweren.
    Denn sollen sie nicht gären,
    den Magensaft begehren,
    die Übelkeit bescheren,
    sich unsanft hier vermehren,
    dann dürfen hier die Bären,
    die Beeren nicht bekehren.


    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    Ich denke, ich habe verstanden .
    Hänge mich einfach an das Lob von Bruno,
    Super-Klasse, mein Kompliment.
    Gern gelesen, ein Wortgefecht ,
    ganz liebe Grüße Tessa

  13. #13
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    Die Bärensaga

    Eine Granate von Lachmalwieder,
    die es wie folgt zu loben gilt:


    Dieses Werk ist nicht nur heil,
    sondern einfach obergeil.
    Zwerchfell kann sich gar nicht wehren,
    möchte lachend sich verzehren,
    während Zähren heftig fließen,
    von den Augen zu den Füßen,
    denn das Kichern will nicht enden.

    Also klatsch ich mit den Händen,
    Steffen, dir, dem Funpoeten
    heftig Beifall. Hätt ich Tröten
    oder gerne auch Fanfaren
    würd' ich damit offenbaren:

    Hört, ihr Leser, hört global
    dieses Zeichen, dies Signal,
    das da kündet von dem Dichter,
    der hier setzt die Glanzeslichter,
    geht's um humoreske Werke.
    Seine absolute Stärke
    ist, die Worte so zu setzen,
    dass sie zünden zum Ergötzen
    aller Leser, fabelhaft.

    Steffen, du bist sagenhaft
    und ich platt, total geschafft...

    Beste Grüße vom Kollegen,
    spende Beifall wie auch Segen...

    crux

  14. #14
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    Lieber Bruno, liebe Tessa, lieber crux

    Ich binde mir am Schreibtisch vorn,
    sonst schlag ich mir am Kopf ein Horn,
    mal lieber fest, sonst schweb ich weg
    und schlage an der Decke leck!

    Ich bin zutiefst gerührt und hoch geschüttelt, habt ganz vielen Dank Nicht so übertreiben, ihr Lieben. Aber natürlich freu ich mich riesig.

    @crux: Mein Gott, wie machst du das nur in so kurzer Zeit, so ein Gedicht zu schreiben Hab herzlichen Dank, ich bin wieder mal hin und weg...
    @tessa: Jetzt merke ich erst mal, was ich angerichtet habe. Als ich dein Gedicht las, kullerten meine Augen auch wie wild
    @bruno: Dank dir Ich würde dennoch dein Gedicht gerne lesen, deine Art zu schreiben finde ich auch so toll, kann nur gut sein!!

    LG an euch alle und nochmals vielen Dank
    Steffen
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

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