Vorspiel:
Ein Wind weht mir
Warm wohlig
Durch mein müdes Haar.
Ich liege da
Und schaue in die Ferne,
Zum Ende meiner Welt.

Ein Zeh bewegt sich
Unscheinbar,
Ganz unbemerkt
Streckt er sich hin
Zur Sonne.

Und so zieht sich der Traum
Vom guten Leben
Noch eine Weile hin
Für mich
Und hält mich
Bei der Laune.

I.
Eine blütenweiße zarte Unschuld
Blickte einst aus meinem Hinterkopf,
Sie wohnte dort
Und spielte gern
Mit meinen Ängsten.

Das Blumenfeld,
Das blüht nicht mehr
Und auch die Jahre sind vergangen,

Doch würd ich wohl,
Hätt ich mehr Mut,
Was mir gehört,
Zurück verlangen.

II.
Siegesgewiss grinst mein Phantombild
Von dem schwarzgefärbten Fetzen
Meines an mir nagenden Gewissens.

Ich frage mich nicht,
doch wissen will ich’s trotzdem.

Ich pflanze neue Blumen
Jedes Jahr
Für jeden neuen Frühling
Noch ein paar.

Doch auch dieses Stück Erinnerung
Wird einst verloren sein.
Auch diese alte Schuld
Verliert sich einst
In schönem Schein.

III.
Es knackt in meinem Glaspallast.
In meinem Turm aus Elfenbein
Wird’s kälter mir
Und Blicke streifen mich
Und fragen mich ob’s weiter geht…

…Du fordertest mich auf zum Tanz?
Ich sage „ja“ und tanze mit.
Komm tanz mit mir den Untergang,
Geliebte, meine Sehnsucht.

IV.
Gegen die Beharrlichkeit von Meinungen,
Gegen den Wind pfurzen
Und hoffen,
Dass der durchdringende Geruch
Ein Zeichen ist.

Die Beweglichkeit der Welt
Und ein Gespenst das Fürchten macht:
Der Mensch:
Ein Spiegelkabinett mit Sollbruchstellen.

Und dabei dachte ich noch…
Doch Denken kann das nicht.

Ein Schmetterling fliegt her zu mir,
Setzt sich auf meinen Hinterkopf.
Ich bleibe still,
schau was er will.

Ein Stein verhindert meinen Gang,
Er hält mich auf in meinem Lauf,

Und während ich mit einem Arm
Mich zu ihm runter strecke,
Löst sich ein Pfurz
Aus meinem Darm...

…Also hoffen wir.

V.
So sehr ich mich verstecke,
So sehr ich auch versuche
Nicht da zu sein,

So sehr holt es mich ein,
Zerrt mich aus meiner dunklen Ecke.

Rastlos treibt es mich
Zu Dir,
In Deine Arme,
Meine liebliche Erinnerung.

„Komm wärme Dich“
Spricht sie zu mir
Mit ihrer blassen zarten Stimme
Und lockt mich
In die Zeit hinein.

Und so zieht es mich
Und so falle ich
Und so bricht es sich,
Das Licht,
Auf meiner angstbenetzten Haut.

Zwischenspiel:
Sanfter süßer Honigduft
Des buntgescheckt Lebendigen,
Des Lebens froher Sinn,
Ich grüße Dich
Aus weiter Fern.

Ich winke Dir,
Du winkst zurück.
So nähern wir uns
Stück für Stück
Vielleicht dem Glück.

VI.
Am Boden liegend
Sieht diese Welt
Noch düst’rer aus.
Also stehe ich auf.

Und dieses Leben,
Das mich anlacht
Oder auslacht,
Mich gesund macht
Oder krank macht,
Ich will es
Und ich will es nicht.

Also entscheidet es sich:

Das nervöse Gefühl,
Das mich weitertreibt
Auf dem Fluss der Leben heißt,
Die unsagbare Angst,
Die mir sagt,
Dass diese Welt zu klein ist für uns zwei,

Der Frühlingsduft der warmen Winde,
Die mich vergessen lassen,

Und all das and’re Kunterbunte
Dieses schönen Scheins,
Der diese Welt bedeckt,

Sie fesseln mich
Und quälen mich
Und reißen mich hinfort.
Ich wehre mich,
Doch schaff es nicht
So bleibe ich,
Mal hier mal dort.

VII.
Radikalisierte Radikale
Und dein Körper hustet Lungengift.
Die Mülltransporte rollen wieder,
Wohin und wie auch immer.

Ob’s besser wird?
Ich weiß es nicht.
Auf jeden Fall wird’s schlimmer
Auf jeden Fall geht’s immer.

VIII.
Die Welt, die ist kein Narrenhaus
Die Welt, die ist ein Leichenhaus

Massengrab, Massenschlachtung, Massenmord,
Massig muss es sein
Und massenhaftes Grausen.

Und so wie das Leben Leben schafft,
Schafft Menschenhand mehr Leichen,
noch mehr Leichen, Berge von Leichen,
Massig muss es sein
Und massenhaftes Grausen.

IX.
Es gibt keine Kugel, die sich verirrt.
Jede Kugel will töten.

Doch die Sonne bricht sich durch,
Ein Lächeln im Gesicht
Schaut sie mit gleichem Mut
Den Henker und das Opfer.

„Was guckst du doof, du kleiner Mensch?“
Fragt sich es mich
Und schweigt mich an.

Ich lade nach.
Ich ziele scharf.
Ich renne weg
Aus Angst vor mir.

X.
Nicht Geld regiert die Welt,
die Angst ist es, die diese Welt beherrscht.

Aus Angst davor allein,
Aus Angst davor zu zweit,
Aus Angst davor wie all die Anderen zu sein,
Sind wir uns alle gleich:

Ein planloser Haufen Irrender
Mit Mordgelüsten und Schmerzfantasien.
Also peinigen wir unsere Nächsten
Mit der Sinnlosigkeit unserer Existenz,
In dem festen Glauben
Erwählte zu sein,
Kämpfer einer guten Sache,
Das Leiden liebend
Und noch ein paar Freunde,
Und der eisernen Angst
Nicht am Leben zu sein.

Und so schließt es sich,
Und am Horizont
Erscheint der Mond,
Mit seinem kühlen Blick
Die Lage überblickt,
Betritt er die Bühne dieser Zeit,
Ein Leuchten in der Dunkelheit
Und lacht.

Also lache ich mit.

Nachspiel:
Also hüpft mein Zwirbeldrüsenwesen
Durch die Gänge meines Kopfquartiers,
Scheucht alle Geister auf,
Macht jedes Pferd verrückt,
Rennt gegen eine Wand,
Stößt sich den ausgestreckten Zeh
Und weint.

Also tröste ich ihn,
Bis er an meiner Schulter
Weiterträumt.