1. #1
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    Bekanntschaften im Aufzug

    Bekanntschaften im Aufzug


    Lena, eine hübsche, natürliche Endzwanzigerin, betrat den Fahrstuhl des Bürogebäudes und grüßte den alten Martin Tappe, der für die hier ansässige Versicherung im zweiten Stock arbeitete. Kurz, bevor sich die Fahrstuhltüren schlossen, sprang noch ein dunkelhaariger Mittdreißiger im schwarzen Anzug in den Lift. Sehr groß und sportlich, Ansätze eines Dreitagebartes, aber dennoch nicht ungepflegt. Guter, herber Duft, den viele Männer verwendeten. Dunkelbraune Augen, die gleichgültig, aber nicht unfreundlich blickten. Lena hatte ihn in den letzten Tagen ein paar Mal gesehen, konnte ihn aber nicht zu einer der im Gebäude vertretenen Firmen zuordnen.
    Er blickte sie kurz an, lächelte, und stellte sich dann ins rechte hintere Eck des Fahrstuhls.
    Während der nächsten Sekunden war außer der im Hintergrund dudelnden Fahrstuhlmusik und dem schweren Atem von Martin Tappe, der seinen morgendlichen, besorgten Heute-wird-ein-schlimmer-Tag-Blick aufgesetzt hatte, nichts zu hören.

    Im zweiten Stock verabschiedete sich Lena mit einem freundlichen Nicken und einem etwas zerknautschten „Schönen Tag!“ von Martin Tappe und drückte dann ihr Stockwerk, den 15. und vorletzten Knopf. Der unbekannte Anzugträger beugte sich an ihr vorbei und drückte den obersten Knopf. Die Türen schlossen sich wieder.
    Der Anzugträger machte ein paar Schritte nach vorn, neben Lena. Er lauschte der Musik, dann sagte er, ohne Lena anzublicken: „Ich möchte gerne mit Ihnen vögeln.“
    Sie glaubte, sich verhört zu haben. „Wie bitte?“, fragte sie irritiert.
    „Ich sagte, dass ich gerne mit Ihnen vögeln würde.“ Nun blickte er sie an und lächelte.
    „Sie haben ja einen Knall.“
    Er zuckte mit den Schultern, dann war drei Sekunden lang nichts zu hören als der Musik, die immer die Gleiche war und sich ständig wiederholte.
    Lena war besorgt. Mit einem Psychopathen in einen engen Raum gesperrt zu sein, ist kein angenehmes Gefühl. Sie überlegte, ein paar Stockwerke früher auszusteigen, um diesem Kerl zu entgehen, als er sagte: „Ich würde wirklich sehr gern mit Ihnen vögeln. Und ich glaube, dass Sie das auch wollen.“
    „Wie kommen Sie auf diesen Blödsinn?“
    „Sie sind Lena Markus, arbeiten für Beck und Heise als Anwaltsgehilfin. Sie sind 28 Jahre alt, verheiratet mit Bernd und Sie leben in Neu-Isenburg. Sie haben eine fünfjährige Tochter, Marie. Ein entzückendes Mädchen, kommt ganz nach Ihnen. Ich habe mich prächtig mit Ihr verstanden. Im Moment ist sie in einem gemütlichen Raum im Keller meines Hauses und spielt vermutlich mit den Spielsachen, die ich ihr gekauft habe. Das Zimmer ist übrigens sehr nett eingerichtet, es ist so richtig kuschelig, wenn ich das sagen darf. Ich würde Ihnen nur empfehlen, mit mir schlafen zu wollen, denn sonst könnte es sein, dass Ihre Tochter meine Gastfreundschaft ein wenig länger nutzen wird. Also, wollen Sie nun mit mir vögeln?“
    Lena war blass und zitterte am ganzen Körper.
    „Und? Was sagen Sie?“
    Mit letzter Kraft konnte sich Lena zu einem Nicken überwinden.
    Der Anzugträger nickte zufrieden. „Das ist gut. Übrigens, die Frage, ob zu Ihnen oder zu mir, stellt sich nicht wirklich. Wir nehmen natürlich Ihr Haus, wenn Bernd arbeitet.“
    Schweigen, während der Fahrstuhl die letzten Stockwerke nach oben fuhr.
    „Nervt Sie eigentlich die Fahrstuhlmusik auch so wie mich?“
    Geändert von Roderich (02.11.2006 um 20:00 Uhr)
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  2. #2
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    Guten Morgähn Roderich wollt ich erst schreiben aber das Gähn spar ich mir nach deiner Geschichte.
    Verdammte Hacke, das nenn ich Psycho vom allerfeinsten. Im Alltag erscheint doch das böseste am häufigsten dann, wenn man es nicht erwartet.
    Habe leider keine Zeit mehr zu schreiben, da ich zur UNI muss. Heute abend oder morgen mit Sicherheit mehr dazu.
    Nur soviel. Sehr gerne gelesen.
    LG Leif
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  3. #3
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    Lieber Roderich!

    Da ich davon ausgehe, dass du nicht so beschränkt bist und in plumper Weise meine Kurzgeschichte als Grundlage für eine minderwertige Ansammlung von Buchstaben benutzt, muss ich annehmen, dass dieses höchst subtile "Werk" als Affront gegen meine Person gemeint ist. Nun gut.
    Ich habe generell nichts dagegen meine literarischen Fähigkeiten herausgefordert zu sehen, im Gegenteil, von solchem gegenseitigen Ansporn lebt Kunst. Doch erwarte ich von meinem Gegenüber wenigstens ein Mindestmaß an stilister und sprachlicher Feinfühligkeit, sowie einen intelligenten und mit künstlerischer Substanz versehenen Inhalt, um ihn als solchen überhaupt wahrzunehmen.
    Da du, lieber Roderich, diese Kriterien meiner Meinung nach nicht erfüllst, und dein obiges dilettantenhaft zusammengestelltes Werk weder mich noch meine Kurzgeschichte herauszufordern versteht, betrachte ich es als nichtiges, triviales und banales Machwerk, welches hiermit abgetan ist.

    Hochachtungsvoll
    jad

    P.S.: Fast hätte ich es versäumt dir zu danken, denn mit diesem literarischen Versuch wirst du sicherlich dazu beitragen, dass "Fahrstuhlmusik" einige Leser dazugewinnt.
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  4. #4
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    Hallo ihr zwei,

    @ leif85: Vielen Dank für deinen Kommentar. Freue mich schon auf eine längere Fassung, wenn du dazu kommst.

    @ jad: Jetzt mal bitte schön langsam. Habe heute, als ich die Kommentare zu meiner Fahrstuhlmusik lesen wollte, erst festgestellt, dass du mir mit dem Titel zuvorgekommen bist. Ich wollte dir darauf hin eine PN schicken, habe dann aber gesehen, dass du mir hier zuvorgekommen bist und so schreibe ich halt gleich hier, um die Sache richtig zu stellen.

    Fakt ist, dass ich in der letzten Zeit nichts in der Prosaecke gelesen habe, da ich mich auf Lyrik konzentriert habe. Fakt ist, dass ich mir meine Geschichte erst heute in der Früh gleich nach dem Aufstehen eingefallen ist (hatte einen Traum mit Fahrstühlen). Ich habe daher die Geschichte noch vor dem Duschen in den Computer gehackt und habe sie online gestellt. Du kannst eh die Zeit sehen, wann ich sie online gestellt habe.

    Ich habe in keinster Weise Bezug auf deine Geschichte mit dem gleichen Titel Bezug genommen, denn bis heute Abend habe ich nicht gewusst, dass es sie gibt. Das mag nun seltsam klingen, aber so ist es nun mal - ein seltsamer Zufall.

    Ich bitte dich, in Zukunft derartige Unterstellungen wie hier zu unterlassen. Glaube mir - ich hatte es in der Vergangenheit nicht nötig und habe es auch jetzt nicht nötig, einen Affront gegen irgendjemanden hier oder woanders zu hegen. Im Gegenteil - ich denke, dass ich ein äußerst friedvoller Zeitgenosse bin und jeder hier kann dir das gerne bestätigen.

    Zu deiner Kritik: Ich bin mir nicht sicher, inwieweit diese in der Hitze des "Gefechts" entstanden ist, nehme sie aber einmal zur Kenntnis und kann dazu sagen, dass wir augenscheinlich über unterschiedliche Geschmäcker verfügen. Nun gut, jedem das seine.

    Ich werde mich jetzt nicht bei dir entschuldigen, dass ich ein Werk mit dem gleichen Titel eingestellt habe, denn selbst wenn ich von deiner Geschichte gewusst hätte, gibt es auf Titel kein Copyright. Ich hoffe aber, dass ich hiermit klarstellen konnte, dass ich in keinesfalls beabsichtigt habe oder beabsichtige, dich in irgendeiner Weise anzugreifen und möchte dir hiermit brüderlich und virtuell die Flosse reichen.

    Ich hoffe, dass wir noch ein gutes Miteinander im Forum pflegen werden und dass dieses nicht durch dieses Missverständnis, das auf einem lächerlichen Zufall beruht, getrübt wird.

    Viele Grüße

    Thomas
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  5. #5
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    Lieber Roderich,

    wenn die Situation so wie du sie darstellst der Wahrheit entspricht, dann möchte ich mich in aller Form dafür entschuldigen, dass ich dich eines Angriffs gegen mich verdächtigt habe. Du wirst aber einsehen, dass es frappante Details in deiner Kurzgeschichte gibt, die meinen Verdacht nähren. Dies ist nicht nur auf den Titel bezogen, sondern beispielsweise auch auf den Namen der Heldin deiner Kurzgeschichte. Und der letzte Satz deiner Geschichte, der völlig ausserhalb jedes Zusammenhangs steht, war für mich eine gezielte Provokation. Ich will damit nur deutlich machen, welche Gedanken sich mir aufdrückten. Aber, wie schon gesagt, ich möchte dich in keinster Weise zu Unrecht beschuldigen und nehme hiermit meine Anschuldigung zurück.
    Jedoch ändert das nichts daran, dass ich deine Geschichte schlecht finde, was aber weiter nicht schlimm ist. Ich habe übrigens eben einige deiner Gedichte gelesen, um zu wissen mit wem ich es zu tun habe, und ich muss sagen, dass sie gut gemacht sind. Auf diesem Gebiet habe ich noch zu lernen, vielleicht entwickelt sich also noch eine konstruktive Partnerschaft zwischen uns, die den lyrischen bzw epischen Dilettanten aus uns vertreibt.
    In diesem Sinne möchte ich dir ebenfalls die Flosse reichen und sehe dieses Missverständnis als geklärt an.

    Mfg
    Jad
    Geändert von jad (26.10.2006 um 00:18 Uhr)
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  6. #6
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    Hallo Jad,

    der Name ist auch noch gleich? Also langsam wird das Ganze echt unheimlich. Denn ich kann dir versichern, dass ich kein einziges Wort deiner Geschichte gekannt habe, als ich meine geschrieben habe (was ich aber noch nachholen werde).

    Es freut mich, dass wir das so einvernehmlich klären konnten und vielen Dank auch für dein Pauschallob. Was die Kritik an dieser Geschichte betrifft, so ist es durchaus möglich, dass ich sie zu schnell geschrieben habe. Da ist sicherlich noch Verbesserungspotential vorhanden. Aber, wie gesagt: Habe sie heute morgen nach dem Aufstehen geschrieben, wobei ich es eilig hatte, da ich meinen Bus erwischen musste. Vermutlich sieht man der Geschichte das an.

    Ich werde übrigens bei der Moderation einen anderen Titel für meine Geschichte beantragen - damit sollten dann eigentlich alle Unklarheiten restlos beseitigt sein.

    Es würde mich im Übrigen freuen, wenn sich hier eine konstruktive Partnerschaft, wie du schreibst, entwickeln könnte, denn auch ich bin lernbegierig und mir sicher, dass wir beide davon sehr profitieren könnten. Am Wochenende, wenn ich wieder mehr Zeit habe, werde ich mir übrigens deine Geschichte mal genau ansehen und dir dazu mein Feedback schreiben.

    Einstweilen eine gute Nacht und schöne Tage!

    Viele Grüße

    Thomas
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  7. #7
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    Lieber Roderich,

    ich möchte dir meinen Dank ausrichten für deine zuvorkommende Geste, auch wenn das nach der Klärung dieses Missverständnisses nicht mehr nötig gewesen wäre. Aber ich weiss es zu schätzen!
    Seltsamer Zufall, könnte beinahe aus einem Hollywood-Film stammen, oder?
    Na ja, wie dem auch sei, jedenfalls bin ich jetzt sehr gespannt, was du zu meiner "Fahrstuhlmusik" zu sagen hast.

    Viele Grüße

    Jad
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  8. #8
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    Hallo Roderich.
    Nun endlich, nachdem ich euch auch erstmal aus"sprechen" lassen wollte und einer turbulenten ersten UNIwochen Zeit komme ich dazu, dich nochmals zu loben.Ich muss ehrlich zugeben, dass ich Jad`s Fahrstuhlmusik vor diesem Werk gelesen hatte und auch erst davon ausging, dass du seine Idee als Anstoß nahmst. Verwundert war ich darüber schon, schreibst du doch normalerweise (hier ja, wie sich herausstellte auch )aus eigenem Antrieb sehr schöne Dinge.

    Deshalb war ich sehr angetan von der plötzlichen Wendung in diesem Werk, bin es nun aber immer noch. Am Anfang vermutete ich kurz eine kleine Erotische Geschichte im Aufzug, welche sich dann aber sehr schnell durch die direkte Formulierung, welche für mich als riesen Krimi/thriller Fan keinen anderen Schluss übrig ließ, als kleines feines Psycho Werk heraus, welches den Schrecken im Alltag und die Ohnmacht einer Mutter in einer solchen Situation, in nur wenigen Zeilen gut vorzeigt. Auch das nicht bemerken des Beobachtet sein, (der Entführer kennt sogar den Namen ihres Mannes) birgt einen feinen Schrecken und eine Angst die wohl jeder inne trägt.Sehr gern gelesen schon wieder

    In diesem Sinne, mehr aus dieser Sparte, ich warte

    LG Leif
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  9. #9
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    Hallo Jad,

    leider kam ich noch nicht dazu, deine Geschichte zu lesen, da mich das Wochenende mehr in Beschlag genommen hat als ursprünglich geplant - werde das aber morgen oder spätestens übermorgen nachholen und dir dann schreiben.

    @ leif85: Das mit jad's Fahrstuhlmusik ist wirklich ein seltsamer Zufall. Meine Geschichte muss dann auf dich beim ersten Lesen ziemlich eigenartig gewirkt haben - quasi: Spinnt der Roderich jetzt komplett?

    Es freut mich aber, dass die Geschichte auch für sich selbst in deinen Augen Bestand hat. Mich interessieren solch überraschende Wendungen, mit denen man als Leser nicht rechnet, immer sehr - baue sie aber noch zu wenig in meine eigenen Texte ein. Das ist so ein Punkt, den ich mir mal gezielt vorknöpfen will und deshalb auch dieser Text, der sicherlich noch bearbeitungswürdig ist, da er innerhalb von zehn Minuten geschrieben wurde (aus Zeitmangel, wie weiter oben schon erklärt).

    Ein wenig wurde ich hier vom Fall Natascha Kampusch inspiriert und mein Gedanke war: Es könnte sich wirklich jeder Durchschnittstyp als Psychopath herausstellen und es kann im Grunde jeden treffen. Die Fahrstuhlmusik im Hintergrund, die ja immer schön einlullt und friedlich vor sich hin dudelt, ist hier als Kontrast zu dem kranken Gespräch gedacht. Mit derartigen Kontrasten spiele ich ganz gerne - manchmal erfolgreich, manchmal weniger erfolgreich.

    Aber so ganz in die Psychosparte nicht die meine. Vielleicht fällt mir aber noch der eine oder andere Text hier ein - ich weiß nie so genau, wann und wie es mich das nächste Mal wieder in den Fingern beißt und juckt und eine Geschichte raus will.

    Viele Grüße

    Thomas
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  10. #10
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    Hi Rod,

    Die Geschichte ist kurz, herrlich abgedreht und funktioniert. Zwei Dinge würde ich ad hoc korrigieren: Die all zu detaillierte Beschreibung der Protagonistin erscheint mir zuviel des Guten. Man könnte das stark abkürzen und schreiben: "Die schöne Frau stieg in den Aufzug." Mehr brauchts da, glaub ich, nicht.
    Und der Querverweis auf den Fall Kampusch wirkt bemüht und kann ersatzlos gestrichen werden.
    Ansonsten war es wieder mal ein Vergnügen, Dich zu lesen.

    lg/Peter

  11. #11
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    Hallo Peter,

    vielen Dank für deine Kritik. Mit scharfem Auge hast du auch gleich die Schwachstellen herausgepickt - mit Personenbeschreibungen habe ich es noch nicht so und das merkt man dem Text auch an. Da habe ich noch viel zu lernen. Auch der Verweis auf Natascha Kampusch muss nicht unbedingt sein, da gebe ich dir Recht, allerdings wollte ich die Möglichkeit offen lassen, dass der Täter in meiner Geschichte eine Art Nachahmungstäter ist. Muss mir diesen Punkt also noch überlegen.

    Fürs Erste werde ich mal die Beschreibung meiner Protagonistin ein wenig kürzen und straffen.

    Freut mich, wenn die Geschichte bei dir funktioniert hat. Das Vergnügen war ganz auf meiner Seite.

    Viele Grüße

    Thomas
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  12. #12
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    Mir persönlich gefällt die Geschichte weniger. Sie ist nicht schlecht, aber auch nicht wirklich überzeugend. Mir fehlt es an Spannung, an atmosphärischer Dichte und an der Lebhaftigkeit der Charaktere.

    Es ist klar: Diese Fahrstuhlfahrt dauert wahrscheinlich nur einige Sekunden lang, viel länger als 50 - 60 sicherlich nicht. Da ist von vorneherein kein Platz für Action, ausschweifende Dialoge etc.
    Umso mehr muss also der Schwerpunkt darauf liegen, diese wenigen Sekunden möglichst intensiv schreiberisch zu erfassen. Das fehlt mir an der Geschichte.
    Die Raktion der Frau auf die direkte "Offerte" ist der Gedanke:

    "Mit einem Psychopathen in einen engen Raum gesperrt zu sein, ist kein angenehmes Gefühl."

    Eine ziemlich seltsame Reaktion, finde ich. Kein angenehmes Gefühl, dabei denk ich z.B. an blendend helles Licht, einen schrillen Ton, aber in einem Aufzug mit einem Psychopathen, das ist ein Sch***gefühl (evtl. Zensur vorgreifend)
    Dann, wenn ihr ihre absolute Hilflosigkeit bewusst gemacht wird, erwartet man so Gefühle wie Panik, Verzweiflung, tiefen Hass auf den Psychopathen, innere Verwirrung, all das kann man nur Erahnen in der Zeile:

    "Lena war blass und zitterte am ganzen Körper."

    Auch in der Zeile:

    "Mit letzter Kraft konnte sich Lena zu einem Nicken überwinden."

    ist nochmal eine Andeutung der psychischen "Strapazen" zu erahnen, aber dennoch trotz allem für meinen Geschmack zu dünn.

    Den Bezug zu Natascha Kampusch würde ich auch weglassen, da ich mit diesem Fall in erster Linie die Sensationsgeilheit der Medien verbinde, obgleich es natürlich auch ein Beispielloses Verbrechen war. Für mich hat an dieser Stelle die Geschichte ein wenig an Natürlichkeit verloren. Geschmackssache.

    Das Ende hingegen finde ich gut, den letzten Satz, den Sarkasmus, wenn nicht gar Zynismus des Gegenüber. Da ich "Fahrstuhlmusik" bis dahin nicht kannte, konnte ich es auch ohne aufkeimende Verdächtigungen aufnehmen

    Noch eine Frage zum Inhalt: Wieso drücken die beiden die Tasten für ihre Zielstockwerke erst, als Kollege Martin Trappe den Fahrschul im 2. OG verässt? Normalerweise drückt man die Taste direkt nach dem Einsteigen, so kenne ich es jedenfalls. ISt mir nur so als Kleinigkeit aufgefallen, die mir nicht ganz logisch erscheint.

    Die Idee an sich finde ich ganz gut, gerade auch mit dem von dir gewählten Ende, aber die Ausführung finde ich zu dünn, für mich kommt zu wenig Stimmung auf und von einer Gänsehaut war ich weit entfernt.

    Gruß,

    J._J.

  13. #13
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    Hallo ihr zwei,

    vielen herzlichen Dank für eure Rückmeldungen und ausführlichen Kommentare.

    @ Speedie: Tja, hier stecke ich derzeit, obwohl ich mich auch über meinen lyrischen Output im Moment nicht beklagen kann.

    Freut mich, dass dir meine kleine Geschichte gefallen konnte. Sie war nur als kurze, abgedrehte Psychostory ohne größerem Hintergrund geplant und wenn sie als solche ankommt, dann ist schon alles super.

    @ Jakobus: Vielen herzlichen Dank für deine ausführliche Kritik. Ich gebe dir natürlich Recht, dass es an atmosphärischer Dichte und Komplexität fehlt und möchte mich auch gar nicht wirklich auf die kurze Dauer einer Fahrstuhlfahrt ausreden. Es ist bloß so, dass ich diese Geschichte wirklich sehr schnell heruntergefedert habe aus Zeitmangel und von daher kommen wohl auch die Mängel. Vielleicht werde ich sie mal umschreiben, wenn es mich gerade packt. Denke, dass da noch viel Potential drinnen steckt, das ich bisher ungenützt gelassen habe.

    Die Reaktion der Frau finde ich aber nicht wirklich untertrieben, denn nur weil jemand zudringlich wird, muss man nicht gleich in Panik geraten. Vielmehr stelle ich mir die Frau eher als Kontrollfreak vor - sie hat eine Familie, einen guten Job, mit 28 Jahren schon ein eigenes Haus - eine solche Frau kann meiner Ansicht nach gar nicht daran glauben, dass irgendetwas außer ihrer Kontrolle sein könnte und wenn es dann doch passiert, wird es erst gar nicht mal so richtig realisiert. Erst später, als der Psychopath seine wahren Plänen offenbart, wird ihr das so richtig klar.

    Was aber die Zeile betrifft, in der sie blass wird und am ganzen Körper zittert: Da ist mir akut die Zeit ausgegangen - ich musste schnell weg. Hier hätte ich wirklich noch ansetzen sollen, mehr Stimmung und Atmosphäre reinbringen müssen. Das wird mir in Zukunft eine Lehre sein - lieber liegen lassen und einige Tage später online stellen. Nur bin ich weggefahren und habe nicht gewusst, wann ich das nächste Mal an der Geschichte schreiben konnte und von daher war ich gespannt auf die ersten Reaktionen. Eigentlich dumm von mir. Den Fehler werde ich jedenfalls kein zweites Mal machen.

    Fall Natascha Kampusch: Wird ersatzlos gestrichen. Bin ja schon bei Nathschlägers Kommentar ins Grübeln geraten und dein Kommentar hat mir das noch einmal bestätigt.

    Frage, warum erst nach dem Aussteigen die Knöpfe drücken: Gut, da habe ich von mir selbst auf andere geschlossen. Denn wenn ich in einen Lift komme, in dem schon jemand ist, der ein Stockwerk vor dem meinen gedrückt hat, dann warte ich für gewöhnlich immer und drücke erst dann, wenn die Person schon ausgestiegen ist. Keine Ahnung, warum. Für mich ist es jedenfalls ziemlich normal.

    Freut mich aber, wenn dich das Ende sowie die Idee an sich überzeugen konnten. Darauf kann ich schon mal aufbauen.

    Viele Grüße

    Thomas
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