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  1. #1
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    Winterfluchtzeit

    Winterfluchtzeit

    Im Stadtpark liegt ein Blättermeer,
    der Herbst scheint schon bereit,
    die Sonne glimmt vom Strahlen leer,
    gedämpft durchs bunte Kleid.

    Kein Singen mehr im Morgentau,
    zur Winterflucht ist Zeit,
    der Südenflug nach Vogelau,
    das Frühjahr ist noch weit.

    Kastanienbraun im gräsergrün,
    die Nüsse fall`n herab,
    das Leben wird erst neu erblühn,
    wenn`s schmilzt das graue Grab.
    Geändert von Kerlchen40 (12.11.2006 um 08:52 Uhr)

  2. #2
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    Winterfluchtzeit

    Liebes kerlchen,
    gefährlich wird es, wenn nach dem Posten das Forum abstürzt.
    Dein Gedicht ist aber noch auf der ersten Seite und gut zu entdecken.
    Erstmal zum Titel: "Herbstliche Klänge" ist zwar poetischer aber bestimmt oft verwendet worden, wenn auch nur ähnlich. "Winterfluchtzeit" ist interessanter finde ich - mal sehen, was andere dazu sagen.

    Zitat Zitat von kerlchen32
    Winterfluchtzeit

    Im Stadtpark liegt ein Blättermeer,
    der Herbst scheint schon bereit,
    die Sonne kämpft vom Strahlen leer,
    gedämpft durchs bunte Kleid.

    Die ersten zwei Verse sind wunderschön, man befindet sich sofort im Park.
    Die kämpfende Sonne macht mir ein wenig zu schaffen. Habe aber nicht sofort einen Vorschlag zur Hand. Vielleicht kannst du etwas von "Schwäche" oder "Sonnenstand" einbringen.


    Kein Singen mehr im Morgentau,
    zur Winterflucht ist Zeit,
    der Südenflug nach Vogelau,
    das Frühjahr ist noch weit.

    Schon deshalb finde ich den Titel passender, weil das Wort hier vorkommt. Dies ist meine Lieblingsstrophe, vor allem: "der Südenflug nach Vogelau" - daruaf muss man erst kommen. Das ist so geschickt, dass es mich empören würde, wenn jemand vom erzwungenen Reim spräche. Schöner kann man nicht erzwingen.

    Kastanienbraun im Gräsergrün,
    die Nüsse fall`n herab,
    (die Nüsse fallen ab )
    das Leben wird bald neu erblühn,
    (das Leben wird dann neu erblühn,)
    wenn`s schmilzt das graue Grab.
    (dahin schmilzt auch das graue Grab)

    Hier imponiert mir der erste Vers besonders. Die Änderungsvorschläge sind eigentlich nicht so ernst gemeint, mich störte nur das "wenn's" .



    Ich war mir nicht sicher ob "Herbstliche Klänge" oder "Winterfluchtzeit"
    (s. o.)

    Aber kerlchen, ich bin von deinem Naturgedicht sehr angetan. Ich stelle mir vor, dass es beim Spaziergang durch deinen Park entstanden ist. Habe dich direkt gesehen.
    Ich finde Natur und Jahreszeiten stehen dir gut. Richtig interessant wird es, wenn du Reime präsentierst - schön
    Liebe Grüße,
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  3. #3
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    N'Abend Stefan,

    jetzt komme ich dazu dir zu antworten. Erstmal zum Titel, den hast du richtig gewählt, der ist kerlchen-like.
    Zum Gedicht, mir gefällt es, die Reime klingen nicht erzwungen, vor allem den von Dana angesprochenen Reim finde ich hervorragend. Die Bilder sind sehr stimmig und gehen in einander über, auch da arbeitest du gut.
    Eine Idee zu S1V3, statt kämpft vielleicht das Wörtchen scheint. Ist sogar doppeldeutig und passt in beiderlei Hinsicht. Bis auf dieses Wörtchen eben gefällt mir deine Wortwahl gut, auch wenn ich sage, dass "wenn's" in S3V4 stört mich auch ein wenig. Eine gute Idee dafür hab ich bisher allerdings noch nicht.

    Gruß,
    Flo
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
    Die Melancholie des Seins - Gesammelte Werke

  4. #4
    yaira Guest
    Hallo kerlchen,

    auch mir gefällt deine Naturbetrachtung sehr. Habe persönlich kein Problem mit dem "kämpft". Wenn's aber tatsächlich sanfter sein sollte, würde ich "blickt" vorschlagen. "Scheint" fände ich wg. der dadurch entstehenden Wiederholung nicht so passend.
    Was mich etwas irritiert, ist eine klitzekleine Logik-Sache:

    [QUOTE]das Frühjahr ist noch weit.[/QUOTE]
    das Leben wird bald neu erblühn,
    Das widerspricht sich ein bisschen. Ist aber nur eine kleine Anmerkung zu einem gelungenen Gedicht.

    Viele Grüße
    yaira

  5. #5
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    Arg, hab komplett übersehen, dass vorher schon scheint verwendet wurde. Schande über mich, dann ist mein Vorschlag natürlich Nonsens.
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  6. #6
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    Hallo Flo, Dana und yaira

    Erstmal Danke für Eure Worte zur Winterflucht. Die kleinen Angebote habe ich überdacht und zum Teil übernommen. Was den Titel betrifft, seid Ihr ja einer Meinung!
    Tatsächlich fuhr ich in der S Bahn am Stadtpark vorbei und schrieb sofort drauf los

    Gruß vom Kerlchen

  7. #7
    Florestan Guest
    Hi Stefan,

    ich hab mich etwas schwer getan mit diesem Werk, deswegen auch der verspätete Kommentar. Ist mir persönlich zu harmlos Das ist allerdings keine Qualitätsaussage sondern nur eine Aussage über mein eigenes Unvermögen, das Schöne im Kleinen zu entdecken. Keine Ahnung, was mir dazu fehlt.
    Irgendwas zwischen Geduld, Muße & einem Mangel an Romantik

    So my dear, ich meld mich dann wieder bei "fin de siècle" Texten

    Lieben Gruß

    Flo

  8. #8
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    Hi Flo, das ist sehr legitim. Und vor allem ist es gut wenn ich Unterschiede spüren darf.

    Vom dem her ist auch das ein wichtiges Feedback für mich.

    Grüßle vom Stefan

  9. #9
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    hallo Stefan,

    wenn auch mit ziemlicher Verspätung, nun aber dann doch endlich mein Kommentar.

    Hier wohl eine Rubrik in der du selten tätig bist (momentan weiß ich nicht mal genau, ob du schon hier gepostet hast) und dann noch im durchgängigem Reimschema. Trotz der Herbstzeit in der viele eher melanchonisch unterwegs sind, hast du es geschafft ein hoffnungstimmendes Gedicht zu schreiben, welches schon einen Ausblick auf den wiederkehrenden Frühling liefert.

    Schon allein des Gedichteendes wegen habe ich dieses Werk gern gelesen.

    Zu deiner Unsicherheit bezüglich des Titels: Ich persönlich finde Winterfluchtzeit besser. jEs weckt die Neugier. Titel wie herbstliche Klänge liest man m. E. öfter.

    Ich möchte noch einmal betonen, dass ich es sehr gut finde", dass du hier der Herausforderung gestellt hast, etwas Neues auszuprobieren. (versuche ich, wie du weißt ja auch gerade).

    Trotzdem bleibst du für mich "der geborene freie Gedichteschreiber."

    Liebe Grüße
    Speedie
    Geändert von speedie84 (31.10.2006 um 17:20 Uhr)
    [FONT="Arial Narrow"]Fantasien sind für manche Menschen unvorstellbar. (Gabriel Laub)

  10. #10
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    Hallo Speedie,

    Danke was den geborenen freien Gedankenschreiber betrifft. Ja ich war schon mal mit meinem wie ich finde schönen Gedicht "Morgenstille" hier. Allerdings ist es wirklich sehr selten, dass ich mich in diese Rubrik ranwage.
    Ich glaube inzwischen ist das mit der Winterfluchtzeit eindeutig.

    Danke für die netten Zeilen

    sKerlchen

  11. #11
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    Moin Expressle,

    kam eine Weile hier nicht vorbei und entdecke soeben dein Herbstgedicht. Obwohl dieses Genre im Moment schon fast inflationäre Züge annimmt, sticht dein Werk schon noch aus dieser Flut hervor, denn -wie viele schon richtig bemerkten- zeichnest du ein sehr individuell geprägtes Bild dieser Jahreszeit, die sich alljährlich geradezu zum Verdichten aufdrängt.

    Einzig der Neologismus "Vogelau" in S2,Z3, bei dem mich die Ending "lau" ein wenig stört, weshalb ich lieber "Vogelsau" gelesen hätte, wäre am Rande als kleine Nörgelei zu erwähnen....

    Gefällt mir immer besonders, wenn du wie hier auf meine Seite der Dichtungsschwerkraftfelder überwechselst und auch auf dieser Uferseit dein Können unter Beweis stellst.

    Grüßle vom Gaul

  12. #12
    königindernacht Guest
    Dem schließe ich mich gerne an.

    Das Gedicht wirkt eher schlicht, fast ein wenig naiv, das ist legitim bei solchen romantischen Gedichten.
    Die dritte Strophe erscheint mir allerdings nicht ausgegoren- ich lasse sie beim Lesen in Gedanken einfach weg- "Das Frühjahr ist noch weit" ist für mich ein wunderbarer Ausklang deines Herbsttextleins,

    herzlichst, KÖ

  13. #13
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    Hallo kerlchen,

    das gefällt mir persönlich nicht so recht, auch wenn es metrisch einwandfrei daherkommt. Der Kreuzreim und die abwechselnd drei- und vierhebigen Jamben können aber über die ganz schlichten, manchmal zu schlichten Reime nicht hinwegtrösten, da es auch inhaltlich zu flach ist, um begeistern zu können.

    Es ist nicht nur flach, es ist widersprüchlich und verwirrt daher. Wenn bereits Blättermeere am Boden liegen, ist der Herbst nicht bereit, sondern voll im Gange. Wenn die Sonne bereits nur noch glimmt, weil sie strahlenleer ist, dann muss sie nicht mehr gedämpft werden und das auch noch von einem am Boden liegenden Blättermeer. Unterstellt, es wäre noch auf den Bäumen, dann dämpfte es die geglimmten Strahlen nicht nur, es machte vermutlich das Licht aus.

    Wenn bereits kein Singen mehr ist, dann ist nicht Zeit für den Vogelzug, sondern dann sind die offenbar schon weg. Der Südenflug klingt ungewollt komisch und dem Metrum geschuldet, Vogelau ist Reimschuld in Reinkultur und zudem auch noch neologistisch, überhaupt ist dieser eingeschobene „Südenflug“ seltsam. Bezieht es sich auf die Winterflucht, hätte dem Dativ angewendet werden müssen. Der nächste Nebensatz ist nun völlig putzig: Das Frühjahr zu erwähnen ist seltsam, denn den Vögeln wurde ja nun gerade erst der Aufbruch angekündigt!?

    Die Kastanienbräune und das Gräsergrün, das sind zwar Farben des Herbstes, wirken hier aber doch arg farbig, wenn es doch alles schmutziggrau unter der Schneedecke liegt. Und wieso eigentlich Schnee und wo liegen die Blätter?

    Nein, das ist irgendwie noch nicht richtig konstruiert, damit kann ich nichts anfangen. Aber was soll man von einer Winterfluchtzeit im Sommer bei Blätterfall und Schneedecke im Morgentau auch halten?

    Verwirrte Grüße

  14. #14
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    crux und Königin,

    freut mich, dass es Euch gefällt, wenn auch die kritische Königin (schön, dass Du wieder da bist ) die dritte Strophe etwas gewächt empfindet. Ist er wohl auch. Die ersten beiden sind stärker.

    Crux - warum lau ...es ist doch Vogel au gemeint

    freakazoid

    Ich respektiere Deinen Einwand, dass es Dir nicht gefällt. It`s up to you! No problem. Dennoch kommst Du mir so vor, als ob Du Lyrik mit Geodreiecken misst. Dies ist weder mein Stil, noch mein Denken. Daher erspare ich mir auch weitere Kommentare.

    Gruß Kerlchen32
    Geändert von Kerlchen40 (13.11.2006 um 01:29 Uhr)

  15. #15
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    Das wäre auch mein Einwand gewesen. Das Gedicht an sich liest sich recht flüssig, das Gedicht für sich ist allerdings recht unlogisch, aus den von freakazoid genannten Gründen, wobei mir der Neologismus "Vogelau" recht gut gefiel. Desweiteren finde ich den Titel recht ungünstig gewählt: der Winter ist noch nicht mal angekommen und schon ist Zeit ihm zu entfliehen? Das passt irgendwie nicht. Das hat nichts mit zu strengen lyrischen Regeln zu tun, sondern stört mich als kritischen Leser.

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