1. #1
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    Oh, geliebtes Menschenkind

    Oh, geliebtes Menschenkind


    - für Norman -

    Ein Sommertag, kaum mehr,
    gewiß mit Sonnenschein und Lächeln,
    doch kurz und kaum bedeutungsschwer,
    so scheint ein Menschenleben.

    In meinen Augen, Menschenkind -
    und soll ich Dir erzählen,
    was mir Äonenjahre sind,
    in denen ich Dich missen werde.

    Du reichst mir Deine Hände dar -
    wie sollte ich sie fassen?
    Als jener, der Erschaffer war,
    auch Deiner, wunderbares Wesen.

    Noch hat der Glockenturm geschwiegen,
    noch blickt Dein Spiegelbild recht jung.
    Doch werden auch an Dir die Jahre siegen,
    und es ist nicht an mir das Schicksal zu betrügen:

    Ein Gott, der seine Schöpfung liebt,
    ein Narr, der da noch hoffen mag.
    Wenn morgen auch die Welt vergeht,
    so bleibt mir dieser Sommertag -
    für's Leben.


    *eingelöste Wettschuld im Rahmen des Esszimmer-Fadens

  2. #2
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    Hallo liebe Gott

    Ich freu mich ganz besonders über dein schönes Werk und möchte mich bedanken für die Mühe die du dir gemacht hast, weil man ja weiß, dass du noch anderes zu tun hast.

    Drum Dankeschön bis Bald
    Norman
    Letztendlich sind alles Lügen- unterhaltsame Lügen, und ist das nicht die echte Wahrheit? Die Antwort lautet: Nein.


  3. #3
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    Hallo Norman!

    Phew, Glück gehabt. Ich hätte ja auch völlig daneben liegen können. Schön, daß es Dir gefällt - so oft verschenke ich wirklich keine Gedichte. Aber wer derart mit Anagrammen liebäugelt...

    alles liebe
    gott

  4. #4
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    Oh, geliebtes Menschenkind

    Liebe gott,
    ich habe immer das Gefühl, mich bei benannten Widmungen nicht "einmischen" zu dürfen - ist falsch, weiß ich, sonst stünde es nicht hier. Ist halt so'n Gefühl.
    Da Normam aber nicht 15 x sagen kann, dass es ihm gefällt, sage ich, dass ich das Gedicht wunderschön finde.
    Die letzte Strophe ist einfach zauberhaft.
    Liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  5. #5
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    Norman darf sich glücklich schätzen,
    denn ein göttliches Gedicht,
    wohlgeformt in schönen Sätzen,
    bringt ihm nicht nur Gleichgewicht.

    Sehr gelungen wie ich finde,
    deine Widmung, wäre froh,
    auch ein solche Wortgebinde
    vorzufinden, irgendwo...

    Hoffnung keimet aus den Zeilen
    und ein Schimmer Licht fällt ein
    in den Ort, an dem wir weilen;
    könnte Trost für vieles sein.

    Deine Dichtkunst, liebe Lia,
    ist beachtlich, keine Frage.
    Und mit diesem Lobgewieher
    ich, der Gaul, jetzt weitertrabe...

    Liebe Grüße
    crux

  6. #6
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    Ein Dichter ist oftmals auch Diener
    (Wer will, auch Verbalmediziner)
    Vom Schöpfer berichtet,
    was Gott hier gedichtet’
    Der Herr ist, wie’s scheint, ein Berliner.

    Liebe Gott,
    im Ess.zimmer schriebst du besser spät als nie. Ich habe nicht einen Moment daran gezweifelt, dass du dein Versprechen einlösen wirst. Gut Ding braucht oft Weile. Um so schöner für Norman. Aber auch ich möchte dir hier noch dafür danken, dass du unser kleines Spielchen mit diesem Preis unterstützt und bereichert hast.
    Zitat Zitat von gott
    Aber wer derart mit Anagrammen liebäugelt...
    Von diesem Satz hat sich Pringles offensichtlich zu interessanten Interpretationsansätzen hinreißen lassen, die auch mich das Gedicht noch einmal mit anderen Augen lesen ließen:

    Glockenturm – Gern umlockt
    Sommertag – Magst more?
    Menschenkind – Mensch kniend
    Wunderbares Wesen - Sense, Erbe war wund!

    Das kann jetzt jeder so deuten, wie er mag

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  7. #7
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    Hallo Ihr vier!

    Entschuldigt die verspätete Antwort, aber momentan bin ich etwas beschäftigt und komme kaum dazu zu antworten.

    @ Dana: Du weißt ja, daß ich des öfteren widme, wenn auch meist anonymisiert. Aber grundsätzlich veröffentliche ich keine Gedichte, die ich nicht auch zur Diskussion stellen möchte. Diese zu persönlichen Gedichte bleiben brav in der heimischen Schublade. Also keine Angst - ich freue mich über Dein Lob.

    @ Crux: Eigentlich ist es absolut einfach von mir ein Gedicht zu bekommen - abgesehen von der Möglichkeit, daß ich mich auf eine Wette einlasse, reizen mich immer Herausforderungen, gerade Dinge zu thematisieren, die ich sonst wahrscheinlich nicht anpacken würde. Ich sehe das dann auch nicht als "Auftragsgedicht", sondern als Blick über den Tellerrand. Dank Dir jedenfalls für Deine verdichtete Antwort, Du weißt, darüber freue ich mich immer sehr.

    @ pringles: Typisch! Nein, dieses Gedicht hatte eigentlich keinen sexuellen Hintergrund, sondern war mehr ein Versuch an "Was passiert, wenn Gott sich in einen Menschen verliebt". Natürlich kann man fast überall irgendetwas hineininterpretieren - manchmal ist ja auch genau das der Spaß an der Sache. Anagramme sind übrigens Wörter mit vertauschten Buchstaben. Verbalcarpaccio hat ja noch Beispiele gebracht, aber um es eingängiger zu machen rot-Tor, Liebesdichter - die Sterbliche, pringles - Sperling.

    @ Verbalcarpaccio: Na, ohne Dich wäre dieses kleine Werk ohnehin nicht zustande gekommen. Also danke ich widerum Dir, denn eine solche Thematik, wie sie Norman sich dann gewünscht hat, hätte ich wahrscheinlich so nie angepackt.

    alles liebe
    Lia

  8. #8
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    Lia,

    ich habe es gelesen und in mir aufgesaugt wie ein Schwamm was Vergossenes... sehr sehr schön! Ein Fühlgedicht. Danke dafür!
    Ich werde es mir mal ausdrucken!

    Gruß vom Kerlchen

  9. #9
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    Hallo Kerlchen!

    Vielleicht sollte ich öfter mal Wetten verlieren bzw. Auftragsgedichte schreiben.

    Freut mich, dass es Dir gefallen hat.

    Geniess die Tage
    gott

  10. #10
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    Göttlich!
    ... zu blöd zu ahnen, dass der Witz schon alt ist ...

    Ich gratuliere dir zu dem schönen Werk, gott, es hat mich heute nacht ähhh früh gefesselt wie kein anderes!

    Doch ist es an den Jahren, zu obsiegen,
    und nicht an mir, dein Schicksal zu betrügen.


    Was hältst du davon? So scheint es mir etwas spannender formuliert, und kohärenter bei den Verslängen, besonders S4Z4.

    Lieben Gruß (Feiertage inbegriffen),
    fatcat
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

    Tippsen: \_anamolie_/\_Flamme_/\_Anti Chris._/ ~ Bewegungsschule(fit for fun) ~

  11. #11
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    An sich nicht schlecht, nur für meinen Geschmack, liegt hier semantisch ein etwas anderer Kontext vor.

    Deine Version würde nahelegen, dass das lyr. Ich damit konform geht, dass das geliebte Menschenkind irgendwann stirbt, was aber logischerweise hier die Crux darstellt. Es stellt dies ja trauernd und als unüberwindbares Hindernis fest. Dies könnte man nur durch "Es sind die Jahre, die obsiegen" überwinden, aber das klingt dann wieder blöd.

    Dennoch danke für den Vorschlag, eigentlich mag ich das Wort "obsiegen" ja.

    alles liebe
    gott

  12. #12
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    Guten Morgen, Gott!

    nicht schon wieder der alte Witz ...

    Aber meine Version beinhaltet doch dieselbe Resignation, oder?

    Ist ja auch nicht so wichtig: Meine "Vorschläge" dienen manchmal (auch hier) nur dazu, dem Autor zu vermitteln, dass ich einen bestimmten Aspekt, der noch nicht angesprochen wurde, erkannt habe. Manch einer schreibt Romane als Interpretation, ich nur eine kurze Alternative zum Wortlaut
    Ich empfand dieses Zugeständnis gegenüber der "Zeit" ziemlich wichtig, und das aus Gottes Mund! Sehr spannend! Aber philosophische Diskussionen darüber will ich hier nicht entbrennen lassen, damit dürftest du dich ja auskennen (bei dem Nick, meine ich). Hm?

    Ja, ich bin ein komischer Kauz, weiß selbst, weiß selbst...

    Tolles Gedicht, welches mein Pushing verdient!

    Ciao,
    fatcat
    fatcat's Zahmlose
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