1. #1
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    Der Zeit grobes Sieb

    Ein Blick aus dem Fenster
    denn heut' ist der Tag
    die Erde begräbt
    meinen Albtraum im Sarg

    Umarmung der Jahre
    verliert ihre Macht
    doch all meine Fragen
    betäubt durch die Nacht

    Die Antworten fliehen
    vorm Zeiger der Uhr
    bedeckt, was geschehen
    wie Schnee eine Spur

    Erinnerung schwandt
    doch das Rätsel es blieb
    fällt hilflos wie Sand
    durch der Zeit grobes Sieb
    Geändert von °Jala° (18.09.2007 um 15:25 Uhr)
    Heimat ist etwas Verlorenes,
    eine Sehnsucht, die sich nie erfüllen lässt.
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  2. #2
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    N'Abend,

    da hab ich ja mal ein noch unkommentiertes Werk von dir gefunden und das eignet sich ausgezeichnet um mal wieder ein wenig ins Schreiben zu kommen, also werd ich mal ein wenig kritisieren.


    Ein Blick aus dem Fenster
    denn heut' ist der Tag
    die Erde begräbt
    meinen Alptraum im Sarg

    xXxxXx
    xXxxX
    xXxxX
    XxXxxX

    Wie du siehst metrisch nicht ganz sauber, ist aber auch logisch, da du in V2 mit männlicher Kadenz endest und dies gleichzeitig der Reim zu V4 ist, muss dieser auch eine männliche Kadenz haben. Nun gut, lässt sich aber trotzdem vom Rhythmus her gut lesen. Jedoch gefällt mir der syntaktische Aufbau sowie der logische Aufbau noch nicht wirklich. Betrachten wir die Verse mal einzelne, oder besser gesagt als grammatikalische Einheiten in Verbindung zu ihrem Inhalt.

    Ein Blick aus dem Fenster
    denn heut' ist der Tag


    Nun, weil heute der Tag ist - die Frage bleibt offen, welcher Tag? - blickt das lyr. Subjekt aus dem Fenster. Das ergibt vorsichtig formuliert keinen Sinn. Der Blick wird zwar durch das "denn" sprachlich begründet, inhaltlich liefert der Vers allerdings keine Antwort.

    die Erde begräbt
    meinen Alptraum im Sarg


    Dies schließt du direkt an V1/V2 an, ohne Satzzeichen - genauer gesagt ohne Punkt, es wirkt also so, als wenn dies die Begründung für den Blick aus dem Fenster sein sollte. Das passt aber meiner Meinung nach nicht. Inhaltlich ok, vielleicht etwas schwammig formuliert, da hier die Erde den Alptraum begräbt, und zwar im Sarg, nicht in der Erde, respektive in sich selber. Aber nun gut, ich will mal nicht zu viel mäkeln.

    Achso, unschön auch der unreine Reim, den du hier verwendest.


    Umarmung der Jahre
    verliert ihre Macht
    doch all meine Fragen
    betäubt durch die Nacht

    xXxxXx
    xXxxX
    xXxxXx
    xXxxX

    Hier stört die Auslassung in V1, zudem fehlt in V3 oder V4 ein Wörtchen. Z.b. müsste nach "Fragen" etwas wie "sind" stehen, sonst ist die Syntax unvollständig. Und auch hier wieder, das widersprechende "doch" aber inhaltlich fehlt dann der Widerspruch.

    Ansonsten ok.


    Die Antworten fliehen
    vorm Zeiger der Uhr
    bedeckt, was geschehen
    wie Schnee eine Spur

    xXxxXx
    xXxxX
    xXxxXx
    xXxxX

    Etwas unsauber das "vorm", das klingt gar nicht. Grammatikalisch allerdings völlig falsch das "bedeckt", das bezieht sich nämlich auf die Antworten, muss also im Plural stehen. Insgesamt sind die beiden letzten Verse unsauber, die Syntax ist sehr konstruiert, es klingt nicht flüssig. Grade der angesetze Vergleich "wie..." klingt sehr alleine im Raum stehend, weil du das Wort bedeckt zum einen dafür nutzt auf die Antworten zurückzugreifen, andererseits bedecken diese dann auch wieder das Geschehene und letztlich bezieht sich das Wort auch wieder auf den Vergleich. Sprich ein Wort, für drei sprachliche Satzbauten, das ist etwas viel des guten.

    Erinnerung schwandt
    doch das Rätsel es blieb
    fällt hilflos wie Sand
    durch der Zeit grobes Sieb

    xXxxX
    XxXxxX
    xXxxX
    XxXxxX

    "Schwand" ohne "t" hinten. Sprachlich gefällt mir das hier schon besser, immer noch ein sehr staccatohaftes Gebilde, aber das passt hier grammatisch und bezüglich des Inhaltes gut.

    Insgesamt gerne gelesen, sonst hätte ich mich sicher nicht zu ner längeren Antwort hinreißen lassen. Und als Tipp noch, längere Verse, jedenfalls wenn du im Daktylus schreibst ist das von Vorteil, grade weil zweiheber schon sehr staccatohaft sind, wenn dies durch die Grammatik noch unterstützt wird ist das schnell zu viel des Guten.

    Gruß,
    Flo
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
    Die Melancholie des Seins - Gesammelte Werke

  3. #3
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    danke für deinen kommentar und dass du dich so ausführlich damit beschäftigt hast. diese unstimmigkeiten kommen wahrscheinlich daher,dass ich das gedicht nur geschrieben hab um ein erlebnis aus meiner vergangenheit zu verarbeiten.. also ist es nicht schlimm dass es kein meisterwerk geworden ist. aber trotzdem danke
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  4. #4
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    Hallo Jala,

    Was man auch immer an der Form auszusetzen vermag, der Inhalt überzeugt mich und deshalb soll es bei meinem Lob bleiben

    Grüße
    Sonnengewitter

  5. #5
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    Hallo sonnengewitter. Da hast du aber was altes ausgekramt, mit dem ich eigentlich auch nicht mehr zu tun haben wollte. ist aber nicht schlimm, das konntest du ja nicht wissen. trotzdem schön, dass dir der inhalt gefällt.

    LG jala
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