Thema: Winterahnung

  1. #1
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    Winterahnung

    Nur Tauben gurren,
    Spatzen tschilpen,
    zum Himmel ragen kahle Äste,
    Schneelast tragen alle Zweige.

    Die Sonne - blass,
    dunstverschleiert
    flimmern schwach die Sterne.
    Zum Schlafe breitet Natur ein weißes Linnen,
    uns scheint`s zum Sterben,
    und trübe Gedanken,
    trauernde Sinne,
    singen lautlos weinend
    de profundis.

    Gehüllt in viele Schalen
    trotzen wir dem ersten Biss der Kälte
    graben tiefer in die Taschen unsre Fäuste,
    wärmesuchend, wärmespeichernd.

    Füße stampfen
    festen Schnee,
    wehren Frost den Griff an Zehen.

    Nadelstiche in die Ohren,
    Zähneklappern,
    rote Nasen
    bringt des Winters Bote,
    der November.

    Wir alle tragen
    Winter schon im Herzen,
    frierend hüllen unser Ich wir ein,
    ängstlich verbergen, ersticken wir Herz und Seele,
    verschließen alles
    fest vor den anderen.

    Den trüben Gedanken Schranken zu weisen,
    welch Glück für den, der `s kann.
    Nicht wissen wollen,
    dass neues Leben
    die Eiskruste bald bricht im Lenz,
    welch Unglück für jeden,
    der selbst sich verurteilt.

    Hoffen - billig verteilter Trost.
    Wissend glauben ist bessere Tat.

    Glaub an den Frühling,
    er kommt!

    Erhalte die Flamme
    allen Frösten zum Trotze,
    beuge zuweilen das Knie,
    niemals dein Herz.
    Weine und traure
    im kalten November,
    doch öffne die Seele
    für künftige Freuden
    des siegenden Frühlings.
    Geändert von Festival (20.05.2009 um 23:23 Uhr)

  2. #2
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    Lieber Heinzi,

    ich bin mir sicher, du hast dir bei der unterschiedlichen Zeilenlänge etwas gedacht
    Da macht ja das Ixen keinen Spass

    Der Grundtenor deines Textes -
    Verabschiedung des Herbstes, Vorausschau auf den kommenden Winter - Zuversicht und Freuen auf den Frühling, ist eindeutig.
    Deine gewählten Worte haben auch durchaus lyrisch-poetische Züge.
    Vielleicht solltest du doch mehr verdichten und die Strophen einheitlicher gestalten?

    So weit so gut.
    "Spatzen tschilpen noch" - Spatzen tschilpen auch im Winter.

    Sehr gut gefällt mir der letzte Absatz.

    Lieben Gruß,
    Katzi
    Geändert von Chavali (30.10.2006 um 07:03 Uhr) Grund: Schreibfehler
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


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  3. #3
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    Guten Morgen

    Also ich habe dein Gedicht gestern schon gelesen, und mir das Nämliche punkto
    Zeileneinteilung gedacht. Ich meine, dass du damit vl etwas zeichnen willst, so
    wie da mal ein Panzer zustandegekommen ist, aber ich komm einfach nicht
    drauf, was es sein könnte... mehr als eine Skyline seh ich nicht drinnen, oder vielleicht der Baum...
    Nun dachte ich am Morgen vl eher, aber es hat sich nichts geändert. So bin ich schon sehr
    gespannt, was du uns dazu erzählst, denn grundlos hast du das sicher nicht gemacht..

    Ansonsten gefällt mir deine Winterahnung... (nur der kommende Winter mag mir
    nicht so sehr gefallen...)

    liebe Grüße

    Shadow...
    neu: Düsteres Tal
    Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt den Augen verborgen.
    ( Der kleine Prinz, Saint Exupéry )


  4. #4
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    Liebe supikatzi, liebe Lady,
    ich habe die Winterahnung mal in ihre ursprüngliche Fassung gebracht. Ohne eigene Werke interpretieren zu wollen: Stellt Euch bitte mal eine sehr (!) hoffnungslose Situation vor. Das "de profundis" - aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir - sollte auf den Tiefpunkt einer Lebenssituation hindeuten. supikatzi: Der vollständige erste Vers müsste lauten: Nur noch Tauben gurren, nur noch das Tschilpen der Spatzen ist zu hören (vom Gesang anderer Vögel kein Wort mehr). In welcher Situation verbirgt man seine Gefühle, wann greift die Kälte nicht nur an die Ohren usw.? Die letzte Strophe in ihrer annähernden Regelmäßigkeit - Rückkehr zur inneren Ruhe wegen der Gewissheit, dass der Kälte/dem drohenden Tod etwas Besseres folgt?
    Danke dafür, dass Ihr Euch Gedanken gemacht habt.
    Liebe Grüße!
    heinzi

  5. #5
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    Lieber Heinzi,

    so geschrieben, erhält dein Text doch eine ganz andere Wirkung.
    Dazu kommt noch deine Erklärung - dann ist es nachvollziehbar.
    Nicht nur ein Ausblick oder Blick auf die Jahreszeiten, sondern einen Einblick in die Seele eines zerrissenen,
    traurig-melancholischen Menschens, der hofft, sich wieder erholen zu können.

    Nochmals nachgedacht und zu diesem Schluss gekommen

    Lieben Gruß
    Katz
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


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  6. #6
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    Liebe Katzi,
    vielen Dank für Deine frohe Botschaft. Aber selbstkritisch, wie ich zu sein erstrebe, muss ich sagen: Ein Werk wie dieses, das einer zusätzlichen Erklärung bedarf, ist ja eigentlich nicht das Gelbe vom Ei. Ich gelobe Besserung.
    Einen lieben Gruß, heinzi

  7. #7
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    Hallo Heinz!

    Dich kann man an dem Wort "Lenz" erkennen,
    häufige Wiederholung "Lenz" in Deinen Gedichten
    führt dazu, dass ich Dir Dieses Ergebnis-Erkentnis mitteilen mochte. So was!

    Ansonsten... gern mal wieder gelesen
    und kommentiert !!!

    Liebe Grüße von Tanjuscha.

  8. #8
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    Guten Abend, liebe Tanjuscha,
    wie tief hast Du denn da gegraben, um ausgerechnet so ein trauriges Ding auszubuddeln? Wie ich damals schon der leider schon toten Shadowlady versucht habe zu erklären, war ich in einer üblen Situation (hier darf man das LyRIch ruhig vergessen - es war meine Lage). Mich erkennt man am "Lenz" und das im Frühjahr. Toll erkannt, aber nur, wenn man viele Gedichte von mir gelesen hat, denn hier kommt das Wort nur einmal vor und zweimal Frühling. In anderen Werken habe ich dann schon mal "Nebelung" für einen Monat verwendet oder Widdersprung statt Lenz. Aber was soll ich machen, der ältere Name für Frühling ist nun mal Lenz. Springtime ist mir zu englisch, ich werde mir andere Namen einfallen lassen. Nun mach Dir mal einen schönen Lenz in diesem Frühjahr und schau zu, wie die Widder springen.
    Liebe Grüße,
    Heinz

  9. #9
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    Heinz,

    ich bohr noch weiter, still und leise
    und manchmal schau ich nach raus,
    schmeiße Dich mit "Lenz" naus! )))

    Es kommt immer wieder mal vor, dass Du das Wort "Lenz" in verschiedenen Gedichten verwendest, das ist mit aufgefallen.
    Es ist doch nicht schlimm... nimm es als Dein "Loggo oder Motto" oder?!!!

    Du sollst nichts machen, bleib bei Deinen Sachen!!!

    Einen schönen Abend von Tanjuscha.

  10. #10
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    Hallo, Tanjuscha,
    erleichtert atme ich auf. Aber beim Stöbern kommst Du ausgerechnet im Monat, in dem sich Widder und Stier küssen, auf winterliche, traurige Sachen? Mach Dir das Leben nicht so schwer, trink mit mir einen Wodka und lass uns fröhlichere Lieder singen!
    Liebe Grüße,
    Heinz

  11. #11
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    Lieber Heinzi,
    Ein ausführliches Gedicht, das gerade jetzt in seiner Beschreibung zur Situation draußen passt. Kurz und bündig viele Eindrücke ums Thema angerissen. Ein jeder kennt das Geschilderte nur zu gut.
    Doch dann der Glaube, die Hoffnung auf den Frühling, diese Vorfreude ist doch immer etwas wunderbares.

    Obwohl für mich der Winter etwas sehr Schönes ist, ich genieße den Schnee ausgiebig, habe ich Deine Worte mit Freude gelesen!

    Mit lieben Grüßen Sophia-Fatima
    Glückliche Gedichte glänzen wie Goldschmuck mit göttlicher Gravur

  12. #12
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    Guten Morgen, liebe Sophia-Fatima,
    meine Güte, das Ding ist - wenn ich an seinen Ursprung denke - uralt und im Forum ist es auch schon mindestens vier oder fünf Jahre. Dennoch: Besten Dank für Deinen freundlichen Kommentar. Der Vers "Glaub an den Frühling - er kommt!" war sozusagen ein Befehl an das eigene Herz, denn da war aus mehr als einen Grund "Winter" im übertragenem Sinn, Frost, Eiseskälte und Hoffnungslosigkeit. Lebenserhaltend war für mich mein Optimismus, der mir offensichtlich als Konstante eingebaut ist und - wow!, ich habe Recht behalten und alle meine Peiniger überlebt.
    Liebe Grüße nach Köln,
    Heinz

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