1. #1
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    Suche Christnacht der Hallig

    Hallo,
    suche für meine Mutter das Gedicht Christnacht der Hallig von L. Strauß von Torney.
    Vielen Dank bereits im Vorraus für eure Hilfe.
    ocmp

  2. #2
    zuckerschnäuzchen ist offline DroElfteEdeLyrikProstiStuTante
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    suche unter
    Lulu von Strauß und Tornay
    keine ahnung ob du was findest aber so heißt sie mit vollem namen soweit ich das herausbekommen habe
    glg pringles

  3. #3
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    Zitat Zitat von ocmp
    Hallo,
    suche für meine Mutter das Gedicht Christnacht der Hallig von L. Strauß von Torney.
    Vielen Dank bereits im Vorraus für eure Hilfe.
    ocmp
    Hallo,
    die Schreiberin heißt Lulu von Strauß und Torney. Das Gedicht ist in dem Buch Tulipan abgedruckt. Da ich es selbst für meine Großmutter gesucht und gefunden habe, schreibe ich den Text einfach mal nachfolgend. Viel Spaß damit.
    Viele Grüße
    Sonja

    Die Christnacht der Hallig

    Lulu von Strauß und Torney


    Hohlbrandender Seegang und Sturmgebraus,
    Das Lämpchen flackert im Hallighaus.
    Breitspurig stand er dem Herd zur Seite,
    Er hieb die Faust auf des Tisches Bort:
    „Du kennst mich, Weib!“ Klaas Nilsen hält Wort!“
    Schweig von dem Jungen! Fünf Jahr sind’s heute –
    Er lief von der Slup in die Welt hinaus,
    Und ich hab’s ihm gesagt: komm du mir nach Haus!
    Und kämst du auf eigenen Planken her,
    Über meine Schwelle kommst du nicht mehr!
    Was red’st du? Verzeihen? Bloß weil’s ihn reut?
    Er soll sich besinnen zu rechter Zeit!
    Nun heul’ nicht, Weib, und laß mich in Ruh’!
    Meine Haustür bleibt zu!“
    „Daß Gott erbarm!“ Das Weib sah hinaus,
    Ans Fenster sprühten die Salzschaumflocken;
    „Unfriede drinnen, Unfriede drauß’,
    Klaas Nilsen, hörst du die Christnachtglocken?“

    Auf hoher Wurte, umstöhnt vom Sturm,
    Ein niedres Dach und ein Glockenturm,
    Und tief aus wuchtiger Mauern Stein
    Der Fensteraugen gedämpfter Schein.
    Und im Sand der Hallig, von Haus und Hütten,
    Keucht’s auf zum Kirchlein mit schweren Schritten,
    Gepeitscht von Schloßen und Hagelschlag.
    Und unterm Südwester späh’n sie im Schreiten
    Auf die dunkeln brüllenden Wogenweiten:
    „Der blanke Hans hat heut bösen Tag!
    Gott helf’ uns, wenn sich der Wind nicht dreht!“

    Die Christnacht über die Hallig geht.
    Im alten Kirchlein die Wände kahl,
    Ein Kruzifix nur im Kerzenstrahl.
    Klaas Nilsen tritt in den Männerstand,
    Den Graukopf bar, sein Licht in der Hand,
    Zwei Schritte von ihm ein andres Licht,
    Das sieht er nicht, das achtet er nicht:
    Nils Klaassen, sein Jung’, der steht da vorn,
    Und zwischen den beiden steht der Zorn.
    Und der Halligpfarrer im weißen Haare
    Tritt mit dem Heiligen Buch zum Altare;
    Er hebt die Stimme – sie hören’s kaum –
    An die Fenster prasseln Schloßen und Schaum,
    Und wild wie höllische Christnachfeier
    Umheult’s da draußen das Steingemäuer,
    Daß die kalte Furcht in die Fenster schaut.
    Der Greis tritt vor, und sein Wort klingt laut –
    Doch da – ein Schlag, dass die Mauern schüttern,
    Dass die Scheiben aus bleiernen Rauten splittern,
    Und es löschen die Lichter hier und dort,
    Und am Altartuch zerrt wild der Nord;
    Und aus hundert Kehlen ein geller Schrei:
    „Die See“ Die See kommt“ Gott steh uns bei!“

    Wer denkt an Ruh noch, an Christnachtfeier?
    Schrill schreit die Glocke vom Halligturm,
    Den Notruf wimmernd durch Nacht und Sturm,
    Und dröhnend branden an Wurt und Gemäuer
    Weißköpfiger Wogen rollende Reih’n –
    Und es schüttert der Stein!
    Sie stehen zusammen, Weib und Mann,
    Und schluchzende Kinder drängen heran.
    Klaas Nilsens Weib bei dem Manne steht.
    Er hält noch sein Licht, doch es zuckt und weht,
    Und es löscht – der Docht nur verglostet rot –
    „Klaas Nilsen“, spricht sie, „das ist der Tod!“
    Er schaut zur Seite, Klaas Nilsen der Alte,
    Zwischen den Brauen die finstre Falte –
    Nils Klaassen, sein Jung’, steht zwei Schritt’ fort –
    Sie schauen sich an – doch spricht keins ein Wort.

    Und wieder ein Stoß, dass die Mauer bebt,
    Gischtflocken weiß durch die Fenster sprühen.
    Der Greis am Altare die Hände hebt,
    Und um ihn betet’s und schluchzt’s auf Knien:
    „Herr, führ’ uns Sünder nicht ins Gericht!
    Gott sei uns gnädig! Die Mauer bricht!“
    Klaas Nilsen der Alte betet nicht mit,
    Auf den Steinen hallt nur sein schwerer Schritt –
    „In Gottes Namen!“ er stößt’s heraus,
    „Die Hand her, Junge! Willkommen zu Haus!“
    Des Jungen Stirne wird flammend rot:
    „Ihr ruft mich – Vater – ihr wollt vergeben?“
    „Das ist vorüber. Das war das Leben.
    Nils Klaassen, hörst du? Jetzt kommt der Tod!
    Komm, Jung’, wir wollen zusammensteh’n
    und sterben geh’n!“

    Ein Licht ums andre verglostet sacht,
    Und auf den Wassern liegt noch die Nacht.
    Es verhallt im Donner von Sturm und See
    Der Halligfischer „Christ Kyrie“ –
    Sie warten, warten – wann kommt der Tod?

    Und endlich dämmert’s, ein fahles Rot –
    Da schweigt der Notruf im Glockenturm,
    Und polternd stürmt es herab die Leiter
    Und schreit: “Gerettet! Aus West der Sturm!“
    Und einer ruft es dem andern weiter,
    Und ein schluchzendes Jubeln geht durch die Reih’n! –
    Klaas Nilsen steht an des Sohnes Seite:
    „Junge, schlag’ ein! ’s ist Christtag heute!
    War’s nicht zum Tod, soll’s zum Leben sein!“

    Und das Weib daneben lauscht froh erschrocken,
    Sie faltet die Hände, ihr Auge lacht:
    „Die Sonne geht auf aus Streit und Nacht,
    Klaas Nilsen, hörst du die Christtagglocken?
    Über der Hallig will’s Weihnacht werden.“
    Dumpf ebbt der grollende See Gedröhn,
    Der Sturm veratmet. Die Glocken geh’n:
    Friede auf Erden!

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