Herbstlied

Leise senkt sich der Herbst des Alten übers Tal,
Nebelschwaden kriechen um seine Knöchel,
durchfließen die taugetränkte Wiese seines Gartens,
sanft senkt sich sein Leib über die Decke seiner Kindheit.

zögernd flehende Herzenstöne wogen in seine Brust,
angstbetrübter Atem weht in sein grau-blühendes Haar,
die zaghafte, kindliche Stimme erhebt sich flüsternd,
und erstirbt in den Weiten der Lebenszeit.

Komm näher, alter Bettler!
Den Ruf eines Königs erahnst du in dir,
jetzt schenk´ ihm ein Lächeln,
ein kräftiges Band der Liebe kreier´

schmiegt er sein welkes Blattwerk um ihn,
nimmt seine Hand und führt ihn ins Tal,
wer führet hier wen, wer bettet wen in weiße Laken,
wer leidet mehr Qual, wohin blüht der Kindheit Stamm ihn jenes Mal.

Wortlos sinkt sein Stern ins Totenbett,
weint Tränen der Sehnsucht um ihn.
Warum erst jetzt, warum das Warten,
wo liegt der Urgrund der Trennung in ihm.

Komm noch näher, alter Bettler!
Den Ruf eines Kindes erahnst du in dir,
jetzt schenk´ ihm ein Kätzchen,
ein Band der Führung kreier´

kleiner Vogel, flieg empor ins Geäst der fernen Zukunft,
lausche leis´ der webend Lüfte,
finde, was dir deinen Schmerz erleichtert,
dort sind Reinheit, Weisheit, edle Düfte.

Lass, Alter, lass den Totenpfahl ins Herz hinein,
lass hitzig von des Schmerzes Pein,
dir deine Seele rauben,
und schau den großen Plan, der dich erhebt zu hellem Schein.

Komm näher, alter Bettler!
Den Ruf deiner Seele erahnst du in dir,
jetzt lass dich beschenken,
ein Band der Glückseeligkeit zieht dich zu ihr –
ein Band des Erwachens umschließt dein Revier.