1. #1
    Condor Guest

    Für immer Sein

    Als man noch Kind war
    und wenig von der Welt begriff,
    glaubte man den Eltern.

    Als man noch Kind war
    und noch keine Enttäuschung erlebte,
    vertraute man den Menschen.

    Später, als man Erwachsen war
    und eigene Wege ging,
    betrachtete man die Dinge differenzierter.

    Aber zweifelte man deshalb
    am guten Willen der Eltern,
    bloß weil man diesen nicht sah?
    Geändert von Condor (09.01.2007 um 18:45 Uhr)

  2. #2
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    Hallo El Condor,

    "Forever Kids" schreibt man ohne Apostroph.
    Ich bin recht neu beim Gedichte-Interpretieren und kann in Deinem kein Versmaß erkennen. Die Formulierungen sind eine Spur zu langatmig und könnten, wenn Du etwas an ihnen feilst, recht elegant sein.

    Auf den zweiten Blick wirkt die etwas abgewandelte Wiederholung eines Gedankens interessant. Das "noch" in der zweiten Strophe würde ich weggeben, die letzte Strophe enthält einen guten Gedanken.

    lg Fritz

  3. #3
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    Titel auf Wunsch des Autoren geändert

    yarasa / Moderatorin
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  4. #4
    Condor Guest

    Hallo Berg,

    nun ja, mein Gedicht ist in freier Form gehalten, mehr ein Gedankengedicht. Vielleicht könntest Du mir ggfls. ein Beispiel geben, wie Du es kürzen würdest. Mit dem von Dir angesprochenen "noch" werde ich mich beschäftigen und es ggfls. herausnehmen. Mein Gedicht ist auch eine Reflexion unseres Verhältnisses zu Gott. Ich bin mir nicht sicher, ob Du das erkanntest. Ich habe deshalb den Titel abändern lassen.

    Dir ganz lieben Dank für Deinen Beitrag und liebe Grüße

    Condor

  5. #5
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    Hallo Condor,

    jetzt, beim dritten oder vierten Besuch Deines Gedichts, wirkt es stärker auf mich. Aber mit der letzten Strophe stimmt etwas nicht ...

    Die Aussage: "Aber zweifelte man deshalb am guten Willen der Eltern?" ist ein ungemein schöner Satz. Was ich tun würde:

    Aber zweifelte man deshalb
    am guten Willen der Eltern?

    (Bloß weil man diesen nie gesehen hatte)

    Aber mein Geschmack ist etwas eigenwillig. Vielleicht kommen Vorschläge für noch stimmigere Lösungen.
    Der Gedanke, die Eltern mit Gott gleichzusetzen, ist mir nicht gekommen, nein. Was würde wohl Freud zu so einer Sichtweise sagen?

    Liebe Grüße zurück,

    Fritz

  6. #6
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    Forever young?
    Das erinnert mich doch an einen Song ...

    Ehrlich gesagt, ich komme in deinem Gedicht bei bestem Willen nicht auf eine religiöse Thematik, der neue Titel macht alles nur unverständlicher.
    Es geht um "Kind" und "Eltern", diese Wörter gebrauchst du ausschließlich, um das Verhältnis zu kennzeichnen, also bieten sich keine weiteren Deutungsmöglichkeiten an.

    Die Formulierung der letzten Strophe erscheint wenig plausibel. Es ist eine Frage.

    Aber zweifelte man deshalb
    am guten Willen der Eltern,
    bloß weil man diesen nie gesehen hatte?


    Als Zweifel würde die Frage allerdings wenig Sinn ergeben.
    Es wäre nämlich unzweifelhaft sinnvoll, am guten Willen der Eltern zu zweifeln, wenn man ihn nie wahrgenommen hat --> es gibt ja auch schlechte Eltern, die wenig guten Willen aufweisen, und die sollte man kritisieren!
    Also, wenn die Frage keinen Zweifel (am Sinn oder der Existenz des Zweifels am nie erkannten guten Willen der Eltern) darstellt, was dann?
    Eine "bloße" Frage?

    Zweiter Durchlauf (falls das bisher zu unklar war): Versuchen wir die Frage zu beantworten:
    Ja, man zweifelt, weil guter Wille nie erkennbar war.
    Macht Sinn.

    Nein, man zweifelt nicht daran, obwohl guter Wille nie erkennbar war.
    Macht keinen Sinn!
    - Wer würde denn nicht zweifeln, wenn die postulierte Größe "guter Wille" sich in der Realität einfach nicht blicken ließe? Der Zweifel ist in diesem Fall díe natürlichste Sache der Menschheit, also handelt es sich genau genommen nicht um eine sinnvolle Frage, sondern um eine überflüssige, sie stellt in Frage, was klar ist, nämlich die Existenz und Notwendigkeit des Zweifels an einer nicht erwiesenen Sache (am guten Willen).

    So, ich hoffe, dass nach zwei Durchläufen Klarheit herrscht, warum die Frage in der vierten Strophe mit ihrem jetzigen Inhalt unangemessen ist.

    Eine Lösung für das Problem könnte sein, in den vorhergehenden Strophen das Eltern-Kind-Verhältnis näher zu beleuchten, denn in seiner momentanen Unschärfe lässt es diese abschließende Frage (noch) nicht zu. Vor allem fehlt ein früherer und deutlicher Bezug auf den guten Willen.


    Metrik finde auch ich nicht, außer durch Parallelismus entstehende Wiederholungen. Dennoch hat die Sprache Rhythmus, der durchaus eingängig ist, weil sie sich an der Alltagssprache orientiert.

    Die Zeile
    "Bloß, weil man diesen nie gesehen hatte?"
    entgeht jedoch nicht dem abfälligen Urteil: zu lang.
    "Obwohl man ihn nie sah?" ist genauso gut und reimt sich sogar auf "war", welches in allen drei vorangehenden Strophen vorkommt, in der letzten aber fehlt dieser Klang, der nötig wäre, um mehr Geschlossenheit zu erzielen. Ich empfehle den Reim dringendst, freier Vers hin oder her!

    Also, zusammengefasst:
    1) Wer was über Gott sagen will, sollte das auch irgendwie, an irgendeiner Stelle, deutlich machen.
    2) Der Inhalt, der die abschließende Fragestellung ausreichend notwendig machen würde, existiert leider noch nicht.
    3) Durch einen das Gedicht beschließenden Reim (auf das häufige "war") könnte man es klanglich abrunden. Es muss ja kein reiner Reim sein, da kann man auch freier vorgehen, aber irgendein Gleichklang sollte sich ergeben, der die vielen Paralellismen in dem kurzen lyrischen Text überzeugender macht.

    Noch wach?
    Viel Spaß beim nächsten Gedicht!
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

    Tippsen: \_anamolie_/\_Flamme_/\_Anti Chris._/ ~ Bewegungsschule(fit for fun) ~

  7. #7
    Condor Guest

    Hallo Ihr Beiden,

    @ Berg

    Freut mich, dass sich Dir der Sinn des Gedichtes nach meinem Hinweis jetzt mehr erschlossen hat. Ich möchte die letzte Strophe allderdings gerne so belassen wie sie ist.

    @ f@c@

    "Für immer Sein" soll eigentlich aussagen, dass wir im Prinzip Gottes Kinder sind.
    Das Verhältnis von uns zu unseren Eltern dient hier als Metapher unseres Verhältnisses zu Gott. Genauso wie wir, und ich gehe jetzt vom Normalfall aus, in dem ein gutes Verhältnis zu den Eltern besteht, nicht am guten Willen derselben zweifeln, wiewohl wir ihn oftmals in seinen Entscheidungen nicht verstanden haben, sollten wir auch Gott gute Absichten uns gegenüber unterstellen, auch wenn wir seine Wege selten verstehen und seine Gedanken oftmals nicht nachvollziehen können. Auch wenn wir diesen Willen oder auch die Gefühle der Eltern nie sehen konnten, haben wir doch ihre Auswirkungen an uns erlebt und würden darum nie an ihrer Aufrichtigkeit oder ihrem Vorhandensein zweifeln.

    Nur im Verhältnis Gott gegenüber wird oftmals ein Logikbruch dahingehen begangen, indem man sagt: "Wenn es einen Gott gäbe, dann würde er dieses oder jenes nicht zulassen." Ich sage aber, dass er unseren freien Willen ohne Wenn und Aber respektiert und durch sein Eingreifen auch keinen Zwang auf die Menschen ausüben möchte.

    Wegen Deines Vorschlags hinsichtlich der letzten Zeile der letzten Strophe danke ich Dir, ich haben diesen gleich umgesetzt.

    Ansonsten kann ich beim besten Willen keinen Widerspruch in der Entwicklung der Gedanken des Gedichtes erkennen.

    Euch Beiden meinen geneigtesten Dank für Euer Interesse und Eure konstruktiven Gedanken.

    Liebe Grüße Condor

  8. #8
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    Ok, dann präzisiere ich noch einmal: Es gibt einen Unterschied zwischen zwei deiner Äußerungen:

    Zitat Zitat von condor
    in dem ein gutes Verhältnis zu den Eltern besteht, nicht am guten Willen derselben zweifeln, wiewohl wir ihn oftmals in seinen Entscheidungen nicht verstanden haben, sollten wir auch Gott gute Absichten uns gegenüber unterstellen, auch wenn wir seine Wege selten verstehen und seine Gedanken oftmals nicht nachvollziehen können.
    wo ich dir zustimme,

    andererseits aber dieses statement:
    Zitat Zitat von Condor
    Auch wenn wir diesen Willen oder auch die Gefühle der Eltern nie sehen konnten, haben wir doch ihre Auswirkungen an uns erlebt [Anm.: ???] und würden darum nie an ihrer Aufrichtigkeit oder ihrem Vorhandensein zweifeln.
    "Nie sehen" korrespondiert doch mit "nie erleben", meiner Meinung nach, du machst daraus aber zwei Paar Schuhe. Ich zweifle an Dingen, die ich nie erlebt habe, und halte diesen Zweifel für das Natürlichste bei dem vernünftigen Menschen, für den ich mich halte.
    Das ist nunmal meine Ansicht zum Thema (sowohl bei Eltern als auch bei religiösen Fragen). Trotzdem solltest du die letzte Strophe noch nicht ganz verwerfen, da bisher nur ich so klar dagegen gesprochen habe.

    (Außerdem freue ich mich, dass du meinen Verbesserungsvorschlag umgesetzt hast Nur hast du jetzt eine Wortwiederholung, die etwas ungeschickt klingt, nämlich zweimal "sah". Vielleicht fällt dir an einer der beiden Stellen was Anderes ein (ohne "gesehen hatte"))

    Danke auch für den erneuten Hinweis auf den Titel; das groß geschriebene "Sein" ist ja doch recht eindeutig, ich habs aber irgendwie übersehen.
    Ja, es gibt Parellen, in religiösen Texten existieren ja viele Vergleiche mit Vater- und Mutterfiguren (Gott selbst, die heilige Mutter, Abraham und viele weitere). Dennoch ist der Text ein wenig sparsam mit religiösen Bezügen, will mir scheinen.

    Trotzdem keine schlechte Sache, dein Werk, vielleicht lesen wir uns ja mal wieder. Bis dahin: A dieu!
    f@c@

    PS: Hier noch eine Empfehlung an dich: Aufruf gegen Gott von Taurus
    Geändert von fatcat (15.11.2006 um 22:32 Uhr)
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    Es ist etwas an meinem Wort
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  9. #9
    Condor Guest

    Hallo f@c@,

    mit nie gesehen meine ich einfach, dass man ihn nicht sehen konnte, weil er eben nicht materiell ist. Und trotzdem spürt man seine Auswirkung. So ist es auch mit dem Willen Gottes. Man sieht ihn nicht, und doch ist er vorhanden.

    Die letzte Zeile habe ich jetzt nochmals verändert, um keine Wortwiederholung zu haben.

    Danke für Deine Gedanken. Ich werde mir den Text noch einmal durchdenken, ob nicht wirklich ein Widerspruch vorhanden ist.

    Lieben Gruß Condor

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