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Thema: Briefwechsel

  1. #1
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    Briefwechsel

    Liebe Tochter

    Hab den Brief, den du geschrieben,
    jüngst erhalten. All den lieben
    Worten fehlte wieder nur
    des Respektes ! kleinste Spur!

    Schließlich bin ich doch schon älter,
    grauer auch -am Kopf- und kälter
    rinnt durch abgeschlaffte Bahnen
    Vaterblut: Ich zähl zu deinen Ahnen!

    Du wischst das einfach alles weg.
    Unbekümmert, viel zu keck
    schreibst du Briefe an den Alten,
    Augenringe, Sorgenfalten

    stark vertiefend und - noch schlimmer!,
    denkst du komische Tochter immer,
    alles was du sagst sei wichtig,
    ungeheuer stark und richtig.

    Dennoch, sie sind ganz berückend,
    deine Briefe, mich entzückend.
    Merk ich doch an jeder Zeile,
    dass ich erst vor kurzer Weile

    selbst so frisch und frech geschrieben
    zum Ergötzen meiner Lieben.
    Manche(r) wurde grundlos sauer,
    schaute eben nicht genauer

    hinter meiner Worte Sinn,
    nahm halt alles wörtlich hin,
    trank die Tinte, nicht mein Blut,
    hat mich gänzlich gar verdammt,

    spürte nicht die heiße Glut,
    die mein Herz so stark entflammt.
    Ach, ich wünsche, dass du bleibst
    wie du bist und weiter schreibst

    wie bisher! Nun kein Verweilen,
    schreib schon deine frechen Zeilen!
    Ganz egal, wie du `s mir gibst,
    ich weiß doch, wie du mich liebst.
    Geändert von Festival (24.01.2007 um 22:14 Uhr)

  2. #2
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    Kompliment! Ich finde es sehr schön.
    Da spricht ein liebevoller und toleranter Vater mit grossen Ansprüchen und doch ganz kleinen Erwartungen.
    Alles Liebe
    Karolina

  3. #3
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    Hi Karolina,
    fast meinte man, du seiest die "Entfernte Geliebte Karolina" von Heinzi

    Hallo Heinzi
    ein paar Bekrittelungen habe ich - aber nicht mehr heute.
    Ich komm morgen nochmal vorbei, ok?

    Nur soviel - ein typisches Vatergedicht, musste schmunzeln.
    Bärbeißig, aber liebevoll.

    Lieben Gruß,
    Katzi
    Geändert von Chavali (31.10.2006 um 23:22 Uhr) Grund: Schreibfehler
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  4. #4
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    supikatzi:
    hey, bin stolz auf meinen titel!!!

  5. #5
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    Hallo, Ihr beiden
    also erst einmal Danke für den liebevollen, bärbeißigen und toleranten Vater. Wäre meine Tochter nicht meine Tochter, dann hätte mein Schwiegersohn keine Chance bei ihr gehabt. Ich glaube, und da bin ich stolz und glücklich, dass es kein Tochter-Vater/Vater-Tochter - Verhältnis gibt wie unseres. Wenn das aus dem "Briefwechsel" heraus zu lesen ist, dann habe ich ja fast alles richtig gemacht. Auf die Bekrittelungen durch supi bin ich ganz gespannt.
    Ach so, supikatzi, klar ist Karolina die "Entfernte Geliebte".
    Liebe Grüße, heinzi
    Geändert von Festival (01.11.2006 um 08:38 Uhr)

  6. #6
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    Hallo Kulturdingsda

    Habe den Briefwechsel sehr gern gelesen - wollte mal wieder im Keller graben!

    stark vertiefend und - noch schlimmer!,
    denkst du komische Tochter immer,

    Hier holperte es für meinen Begriff recht deutlich - oder lese ich falsch ?

    Grüßle vom Bauchpoeten

  7. #7
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    Briefwechsel

    Lieber Heinz,
    ja, nachdem ich diesen sehr persönlichen Brief auch lesen durfte, zwinker ich dem Töchterlein zu und drücke dem stolzen Vater die Hand.
    Schön, dass gerade sie deine Tochter ist und gerade du, ihr Vater.
    Das Gedicht überzeugt mit Ehrlichkeit und jener bedingungslosen Liebe zum Kind.
    Möchte am liebsten mit "Glückwunsch" schließen - und tue es auch,
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  8. #8
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    Guiten Abend, liebe Dana,
    vielen Dank für den Glückwunsch! Du hast es richtig erkannt, hier "verstecke" ich mich nicht hinter einem LI, sondern in diesem Werklein geht es tatsächlich um meine Tochter und mich. Sie ist meine liebste Tochter (weil ich nur eine habe), aber sie ist auch wirklich ein Goldstück! Wenn man das aus dem kleinen Gedicht heraus spürt, freue ich mich natürlich sehr.
    Ganz herzlichen Dank!
    Heinz

  9. #9
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    Haddu da nicht wad vergessen - Ich nehm Dir sonst die Mohrrübe weg....

  10. #10
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    Hallo Kulturheinzi,
    das nenn ich mal Vaterliebe ohne viel wenn und aber, dein Text beeindruckt mich schon sehr und ich danke dir das du so etwas schönes wie deine tolle Vaterliebe der öffentlichkeit zu verfügung stellst, da sollten sich andere mal ein Beispiel daran nehmen, mich nicht ausgeschlossen, auch wenn ich meine Kids liebe, manchmal mag ich sie halt gar nicht!
    Tolles Gedicht!!!
    Erhoffe nicht was Du erwartest,
    warte auf das was Du erhoffst!
    Angel C

  11. #11
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    Liebe Angel,
    herzlichen Dank! Ja, das haben Mütter und Väter wohl alle gemeinsam, einmal dieses Gefühl einer alles überwältigenden Liebe und zwischendurch das Gefühl, man könne die "Blagen an die Decke dübeln" (wenn Du den Ausdruck "Blagen" nicht kennst, den habe ich mir am Niederrhein eingesammelt). Das enge Verhältnis zwischen meiner Tochter und mir ist, und ich kenne eine Menge Mütter und Väter samt ihrer Töchter, schon sehr außergewöhnlich. Das Schöne daran ist, dass sie es auch so sieht.
    Okay, zurück zum "Gedicht" (ich setze das in Anführung, weil ich mit diesem Begriff auch meinen eigenen Werklein gegenüber sehr vorsichtig bin). Auslöser war ein Foto, auf dem nur der Unterarm mit der ausgestreckten Hand meiner Tochter -ohne Futter- und der entgegengestreckte Rüssel eines Elefanten zu sehen ist. Ich habe es nach langem Suchen vor kurzer Zeit wiedergefunden.
    Nochmals: Merci und liebe Grüße,
    Heinz

  12. #12
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    Liebes Kerlchen,
    hatte ich wirklich vergessen! Aber Du hattest mit Dana, die Dir auf den Fersen folgte, auch eine charmante Konkurrenz.
    "stark vertiefend und - noch schlimmer!,
    denkst du komische Tochter immer",
    das war ja der Stein des Anstoßes.
    Durch den Gedankenstrich wollte ich die Betonung auf dem "und" rechtfertigen.
    Ich bitte also, so zu lesen:
    stark vertiefend und - noch schlimmer!,
    denkst du komische Tochter immer
    und die beiden Senkungen auf ...mische einfach zu schlucken.
    Bitte lass mir meine Möhre!
    Ich danke für den Kommentar und - alles ist eben nicht perfekt.
    Liebe Grüe!
    Heinz

  13. #13
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    Hallo Kulturheinzi,

    solche Briefe zu erhalten,
    zeigt wie Jugend fragt die Alten.
    Solche Briefe zu vermissen,
    zeigt ein Band ist wohl zerrissen.
    Solche Briefe zeigen beiden,
    Liebe lebt durch manche Leiden.

    Mit Lob für Idee und Ausführung grüßt, wenigviel
    wenigviel


    Es kann sein, alles ist anders als wir es wahrnehmen und erkennen und doch müssen wir es uns glauben.

  14. #14
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    Lieber Heinzi,
    es ist ja schon alles gesagt. Ich fühle mich stark an unser Nesthäkchen erinnert. Aber bemerkenswert ist immerhin, dass es richtige Briefe gibt, außer Kurzmitteilungen Mails usw.( zu dem Thema hab ich hier vor einigen Wochen etwas geschrieben mit dem Titel: Ein Brief kam an). Was ich eigentlich sagen wollte:
    Diese Verse wirken auf mich wesentlich frischer als deine abstrakten Naturbeschreibungen, vielleicht, weil sie dich selbst betreffen. Nun ja, darüber, was dir die formale Klassik bedeutet hat, haben wir uns ja schon unterhalten.
    Liebe Grüße,
    P.

  15. #15
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    Das Gedicht ist wirklich berührend. Da das, meiner Meinung nach, der Sinn eines Gedichtes ist, kann ich nur sagen: Das Gedicht gefällt mir sehr!
    Der Lesefluss bleibt, bis auf wenige unbedeutende Komplikationen, sauber erhalten. Ich bin noch nicht lange Teil dieses Forums, freue mich aber, weitere Werke von dir zu lesen.

    Gruß
    Kaarma
    Gedichte sind manifestierte Einsamkeit.

    Bitte kommentiert auch dieses Gedicht: Ach, Dunkle Welt

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