1. #1
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    Schneewittchens Stiefmama und das defekte Spieglein

    Schneewittchens Stiefmama und das defekte Spieglein

    Eines schönen Morgens war
    des Königs Frau im Bodoir,
    in dem ihr Spiegel kommentiert,
    was er so sieht und reflektiert.
    Heut’ sieht sie aber leider nicht
    in ihm ihr Stiefmama-Gesicht
    und was er spricht man kaum noch hört,
    das Spieglein scheint funktionsgestört!

    Das Ding ist hin, bemerkt die Frau,
    denn sie erkennt nicht mehr genau
    was dieser zeigt und was er spricht,
    so nützt er ihr natürlich nicht,
    und auch ein Tritt nicht dazu führt,
    dass jener wieder funktioniert,
    obwohl in manchem Falle schon
    ein Fußtritt half bei Dysfunktion.

    Wie soll nun fürderhin das gehen?
    Wie sich die Stiefmama besehen?
    Wer sagt ihr nun, dass, wie sie fand,
    sie Schönste wär’ im ganzen Land?
    Na und so weiter und so fort,
    und dass in einem kleinen Ort,
    kein junges Frollein mehr zu seh’n,
    das circa tausendmal so schön!

    Damit man diese Fragen klärt,
    der König hin zum Baumarkt fährt,
    sieht Spiegel dort in großer Zahl,
    In jeder Form ( auch zweite Wahl ).
    Was ihn jedoch dabei erstaunt,
    er findet keinen der mit Sound,
    dass könnte, meint er, glaubt er eben,
    bei seiner Rückkunft Ärger geben.

    Die weit’re Handlung, die verschweigt
    das Märchenbuch, denn dieses zeigt,
    so wie’s bekannt ist und man kennt
    und hat es gern, das Happy End.
    Doch Wahrheit ist, was prophezeit,
    das ging der Stiefmama zu weit,
    ein simpler Spiegel, der nichts sagt,
    das hätt’ er früher nicht gewagt!

    Dann hat sie sich vom Wirtschaftsgeld
    den Hexenmeister einbestellt,
    der Willens war und mit Geschick,
    zum Funktionieren bringt das Stück,
    sodass zu guter Letzt sie schon,
    zu hören glaubte Bild und Ton,
    zunächst jedoch noch nicht konkret,
    weil’s erst noch um ’ne Probe geht.

    „Wer ist am schönsten“ und so fort,
    befragt den Spiegel sie, „vor Ort
    und außerdem in aller Welt?“
    (... weil sie sich für die Schönste hält
    und weil modern, auch gleich global)
    der Spiegel meint „Momentchen mal“
    Man ist gespannt, nun wird es Zeit,
    die Spannung steigt, bald ist’s soweit.

    Und nun geht’s los, man hört’s genau:
    „Wer ist am schönsten?“, schöne Frau,
    das war die Frage, die gestellt:
    George Clooney ist’s !!! In aller Welt,
    hat nämlich man für den votiert,
    die Gute hyperventiliert
    und sinkt zusammen dann im Stuhl,
    „Das Spieglein“ haucht sie „scheint mir schwul!“


    ...noch mal eine Geschichte, die in meinem nächsten Buch erscheinen wird "Skandal im Knusperhaus". Die Story ist geteilt, die Zwerge kommen gesondert in einem eigenen Text. Grüße in alle Himmelsrichtungen von Bruno
    Geändert von bruno bansen (01.11.2006 um 23:11 Uhr)

  2. #2
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    Lieber Bruno,
    hübsch hübsch hübsch Ich ahnte die Pointe schon aber die ist wirklich gut!!! Auch im Text hast du wieder typische Brunos eingebaut, die mir so gut gefallen (z.B. "die zweite Wahl" oder das lapidare "na und so weiter und so fort") Klasse
    Paar technische Sachen noch: Bevor du es zwischen Buchdeckel bringst, würde ich noch paar Stellen verbessern:
    Zeile 4:
    was er so sieht und reflektiert .... ist für mich runder
    und an paar Stellen ist die Satzreihenfolge etwas gebogen, wie z.B. hier:
    und was er spricht man kaum noch hört
    , vielleicht bekommst du das eine oder andere noch hin, dann ist es perfekt
    Dennoch, ein klasse Teil mit tollen Einfällen und super fluffig zu lesen
    LG Steffen
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  3. #3
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    Hi Steffen,

    die Sache wartet natürlich noch auf die endgültige Fertigstellung und auf den Lektor. Wie bei mir üblich, wird es bis dahin noch etliche überarbeitete Versionen geben, dieses hier ist die 12te!

    Frage: Wieso hast Du so früh die Pointe erahnt, habe ich zu früh einen Hinweis gegeben?

    Danke für Deine Hinweise, die mir sehr hilfreich sind.

    Grüße von Bruno

  4. #4
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    Lieber Bruno,
    als der Spiegel einen Mann nannte, schoss mir sofort der Gedanke durch den Kopf
    LG Steffen
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  5. #5
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    ...wobei natürlich sofort die Frage auftaucht, obs so kurz vor Schluß nicht doch OK ist? Ich werds daraufhin nochmal abklopfen.

    Danke Dir sehr, lieber Steffen!

    Gute Nacht und Grüße
    von Bruno

  6. #6
    x_Headshot Guest
    Lieber Bruno,
    die geschichte ist sehr amüsant ein großes lob,
    jedoch las es sich etwas schwer =)

  7. #7
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    Hallo Bruno

    Amüsiert habe ich dein Dings gelesen und finde die Geschichte an sich auch wirklich lustig. Aber wie du schon schreibst, wird und muss es wohl noch einige Überarbeitungen geben, weil mir dieses Stück hier im Gegensatz zu manch anderem knackigem Ding deiner Feder, ziemlich schwachbrüstig daherkommt, was die Sprache angeht. Zum einen verwendest du eine wilde Wortstellung mitunter so, dass Sätze verdreht und verschachtelt zu lesen, den Genuss mindern, den man von einem flockig leichtem Gedicht erwartet und zum anderen simplifizierst du durch diverse Flappsigkeiten oder Abkürzungen, oft durch Apostroph gekennzeichnet, das Ganze so, dass die Sprache wiederum verkümmert daherkommt. Als drittes scheint mir die Erwähnung des George Cloony als unpassend wie möglich. Ein klassisches Thema zwar modern aufbereitet, sollte aber nicht allzu grotesk in die Realität eingreifen, weil so die Erwartung doppelt gebrochen wird. Als Alternative bieten sich aus Märchen und Legenden genügend Figuren, die der schwule Spiegel erblicken könnte. So bleibt der Themenkreis geschlossen, der Schuster bleibt bei seinen Leisten.

    Deswegen denke ich ist dein Dings, vom Ansatz her zwar gut, aber durchaus noch bearbeitungswürdig.

    Beste lyr. Grüße
    mechellion

  8. #8
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    Moin Bruno,

    möchte mich zunächst mal den berechtigten Einwänden von Steffen und mechellion anschließen, denn auch mir erging es ähnlich, was die teilweise doch sehr verdrehte respektive überstrapazierte Syntax betrifft, die ja nicht nur den Lesefluss mindert, sondern eben auch leicht erzwungen wirkt, wodurch dir ein gutes Stück Leichtigkeit und Schwung abhanden kommt.

    Will gerne schauen, ob ich etwas zur Verbesserung dieser Passagen beitragen kann. Auch die Interpunktion ist hier und da verbesserungswürdig, ich erlaube mir daher, auch diese ein wenig neu zu ordnen.

    Dass es insgesamt ein herrliches Amüsierstück mit wunderbar typischen Bruno-Einfällen geworden ist, steht zweifelsfrei fest, aber gerade deswegen und weil du es demnächst veröffentlichen willst, sollten wir gemeinsam noch ein wenig daran schleifen, auf dass daraus bald ein funkelnder Brilli entsteht...


    Eines schönen Morgens war
    des Königs Frau im Bodoir, (schreibt sich: Boudoir)
    in dem ihr Spiegel kommentiert,
    was er so sieht und reflektiert.
    Heut’ sieht sie aber leider nicht
    in ihm ihr Stiefmama-Gesicht.
    Und was er spricht, man kaum noch hört,
    das Spieglein scheint funktionsgestört.

    Das Ding ist hin, bemerkt die Frau,
    denn sie erkennt nicht mehr genau,
    was dieser zeigt und was er spricht,
    so nützt er ihr natürlich nicht. (Punkt und mit "Denn" weiter)
    Denn auch ein Tritt nicht dazu führt,
    dass jener wieder funktioniert,
    obwohl in manchem Falle schon
    ein Fußtritt half, bei Dysfunktion.

    Wie soll nun fürderhin das gehen,
    wie sich die Stiefmama besehen?
    Wer sagt ihr nun -wie sie selbst fand-
    sie sei die Schönste wohl im Land?
    Na, und so weiter und so fort.
    An keinem noch so fernen Ort,
    sei eine Dame mehr zu seh’n,
    die etwa tausendfach so schön!


    Damit man diese Fragen klärt,
    der König hin zum Baumarkt fährt. (sehr witzig, wirklich)
    Sieht Spiegel dort in großer Zahl,
    in jeder Form -auch zweite Wahl-.
    Was ihn jedoch dabei erstaunt,
    er findet keinen voll mit Sound. (Punkt, unbedingt hier)
    Das könnte, meint er, glaubt er eben,
    bei Rückankunft gleich Ärger geben.

    Die weit’re Handlung, sie verschweigt
    das Märchenbuch, denn dieses zeigt,
    so wie’s man es im Grunde kennt
    und hat es gern, das Happy End.
    Wird reine Wahrheit prophezeit,
    geht's Stiefmama dann doch zu weit.
    (Punkt)
    Ein simpler Spiegel, der nichts sagt,
    das hat noch keiner sich gewagt. ("!" möglichst immer weglassen)

    Dann hat sie sich vom Wirtschaftsgeld
    den Hexenmeister einbestellt, (wieder eine schöne Zwischenpointe)
    der dieses Stück mit viel Geschick,
    bald reparierte, welch ein Glück,

    so dass zu guter Letzt sie schon (kein Komma)
    zu hören glaubte, Bild und Ton, (ein Bild hören? besser: "zu hören glaubte einen Ton. (Punkt)
    Sie meint zu hör'n schon leis das Ding,
    obwohl's erst um ’ne Probe ging.
    (Zeitenmix, "geht" = Gegenwart!!)

    „Wer ist am schönsten“ und so fort,
    befragt den Spiegel sie, „vor Ort
    und außerdem in aller Welt?“
    (... weil sie sich für die Schönste hält
    und, da modern, auch gleich global)
    der Spiegel meint „Momentchen mal“
    Man ist gespannt, nun wird es Zeit,
    die Spannung steigt, bald ist’s soweit.

    Und nun geht’s los, man hört’s genau:
    „Wer ist am schönsten?“ -fragt die Frau,
    die selbst sich für die geilste hält.
    "George Clooney ist’s, in aller Welt",
    so hat der Spiegel grad votiert.
    Die Zicke hyperventiliert
    und sinkt zusammen dann im Stuhl,
    „Der Spiegel“ haucht sie „scheint mir schwul!“

    Alles nur simple Vorschläge, keine Bevormundungen, du weißt es.

    Liebe Grüße in den hohen Dichternorden
    crux

  9. #9
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    einfach nur herrlich zu lesen, lieber Bruno. Ich merke erst jetzt beim lesen, wie sehr ich die Gedichte vermisst habe in meiner dot-com freien Phase.

  10. #10
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    Hallo Bruno!

    Wenn sich der köstliche Humor durch dein ganzes neues Buch zieht - kann es nur ein Bestseller werden. Lg Ingo
    Ibrahim (Ingo Baumgartner)

  11. #11
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    Hallo Bruno,

    einige der anderen Humorgrößen von Dotcom haben ja schon hilfreich angemerkt und gelobt, dann kann jetzt auch nochmal eine kommen, die im humorlyrischen Fach als Schreiberin fast jar nüscht zu bieten hat, dafür aber umso lieber Werke wie deine goutiert.
    Was mich betrifft, hab ich bis zur letzten Zeile, auch nach dem George Clooney, kein Stück weit geahnt, was denn dort als Pointe kommen könnte. Umso amüsanter war's dann auch, aber das sind wir von dir ja gut gewohnt.
    Herrlich flapsig, macht Spaß!

    Lieben Gruß,
    Malle

  12. #12
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    das buch würd ich gern lesen *lach* herrlich...sehr gut gelungen. dickes lob
    Sinnlos ist ein Leben ohne Unsinn.

  13. #13
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    Genial , einfach nur noch genial
    ich lach mich kaputt drüber
    "Mein Schwert , den Schild leg ich nun nieder .
    Den Krieg ... führ ich nie wieder !" (Der Wilde Wald - Tonke Dragd)

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