1. #1
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    Post Die Legende von Anwynn I

    Epilog

    Gewandet in farblose Fetzen,
    zitternd noch trotzend dem Wind.
    Den Blick voller Stolz hoch erhoben,
    Ein Jüngling , doch fast noch ein Kind.

    Entschlossenen Schrittes erscheitet
    er Wege und Felder zu Fuß,
    Den Zug um die Augen verborgen,
    sagt still er der Heimat den Gruß.

    Ihm selbst ist nun nichts mehr geblieben,
    Die Mutter, der Vater sind tot.
    Wie auch die Schwestern und Brüder,
    Am Himmel das flammende Rot.

    Die schweigende Miene verrät nichts.
    Sagt nichts von der brennenden Qual.
    Vom Morden, vom Plündern und Rauben,
    von thronendem, wilden Schakal.

    Er steigt über Berge, durch Täler.
    Ein einz'ges Mal schaut er zurück.
    Schwört trauernd und zornig sich Rache,
    den Dolch seines Vaters gezückt.

    Er trägt eine Maske aus Eisen
    mit stählernem , traurigem Blick.
    Die Jugend ist längst ihm gewichen,
    lässt Spuren im Schnee nur zurück.


    Die Legende von Anwynn I.

    Am Tore der Königsstadt Anwynn,
    stehn Wächter, bei Tag und bei Nacht.
    Beschützen die steinernen Mauern,
    den Herrscher mit brennender Macht.

    Ein Jüngling in feinem Gewande,
    der Blick seiner Augen so klar.
    Er geht wie ein König im Fußvolk,
    wohl da, doch der Welt nicht gewahr.

    Die Händler und Kaufleute buckeln.
    Ein Prinz aus entlegenem Land ?
    Man hört bald die Spieler leis munkeln,
    "...zum Kaiser sei er wohl gesannt!"

    Mit wortloser Mine ersteigt er,
    den Berg, hoch zum großen Palast,
    und bittet dort freundlich um Einlass
    um Essen, um Schlaf und um Rast.

    Man weist ihm vornehmlich den Wege,
    und führt jenen Jüngling voran .
    Dass er Trank und Speis zu sich nehme,
    das bruzelnd im Feuer gerann.

    Er folgt ihnen stumm wie ein Edler,
    gemessenen Schrittes heran ,
    kniet nieder und preiset den König,
    erscheint es ihm auch wie ein Wahn.

    Es steckt in den leisen Gedanken,
    die keiner mehr außer ihm kennt,
    die Ironie beißenden Hohnes,
    die niemals beim Namen er nennt.

    Der Herscher blickt huldvoll hernieder,
    und nickt voller Gunst nun ihm zu.
    "So sagt mir denn bald euren Namen,
    und raubt mir nicht mehr meiner Ruh".

    "Ich komm aus entlegenen Ländern,
    durch Täler und Schluchten hindurch.
    Den Namen weiß ich nicht zu sagen ,
    doch lautet er nimmer mehr Furcht.

    Ich ging einem König zu dienen ,
    mit Worten , mit Feuer und Schwert.
    Und seh nun dem Schicksal entgegen,
    wohin sich mein Weg wohl auch kehrt."

    "Nun Jüngling so ist es gewesen ,
    dann nenn dich von heute an Fynn .
    Dien treu deinem einzigen König,
    des Lebens wohl wichtigster Sinn."
    Geändert von Nightinbird (02.11.2006 um 10:57 Uhr)
    "Mein Schwert , den Schild leg ich nun nieder .
    Den Krieg ... führ ich nie wieder !" (Der Wilde Wald - Tonke Dragd)

  2. #2
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    Liebe Nachtvogel,

    ich möchte rufen: weiter, weiter, ich will noch mehr lesen!
    Diese Geschichte hat mich sehr gefesselt, wenn ich auch den Hintergrund nicht kenne (ich geh dann erstmal googlen )

    Einige Schreibfehler sind drin, so tod=tot; trohnend= thronend; Schackal= Schakal; gesannt=gesandt usw.

    Einen tollen Lesefluss hast du hinbekommen und der Inhalt und die Umsetzung beeindrucken mich.
    Also: weitermachen

    Lieben Gruß,
    katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  3. #3
    Flamme ist offline Krauseminze, Minze, krause
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    Hallo Nightinbird

    mir gefällt diese fesselnde Geschichte sehr gut, besonders das Metrum hat es mir angetan
    ich nehme mal an, sie wird irgendwann fortgesetzt? -also ich würde mich darüber freuen
    es wimmelt allerdings noch von kleinen Fehlerchen:

    Die Mutter, der Vater sind tod. (tot - das Adjektiv mit t am Ende)
    von trohnendem, reißend Schackal. (vom; thronenden; Schakal - ohne ck)
    das reißend klingt gezwungen , vielleicht:
    vom thronenden, wilden Schakal
    mit stählernem , traurigem Blick. (vor dem Komma gehört kein Freizeichen, nur danach - das selbe in Str. 1, Vers 4; Schakal - ohne ck)
    "...zum Kaiser sei er wohl gesannt!" (gesandt)
    besser vielleicht:
    "...zum Kaiser ward er wohl gesandt!"
    Und seh nun dem Schicksaal entgegen, (Schicksal)
    außerdem hast du vor zahlreichen Satzzeichen am Ende von manchen Versen ein Freizeichen- ist zwar nur eine Kleinigkeit, stört mich aber irgendwie...

    ach mist... jetzt ist mir Supikatzi zwar zuvorgekommen, aber ich lass das da oben mal stehen

    ansonsten... wirklich gelungen- eine interessante Geschichte fesselnd erzählt
    gerne gelesen

    lg
    Flamme


    Sag nichts dagegen, gewiß, Du kannst alles widerlegen, aber zum Schluß ist garnichts widerlegt. (F. Kafka - Das Schloß)

  4. #4
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    Guten Morgen liebe Dichterwelt !
    Na , da haben sich wohl mal wieder eine Menge von meinen mittlerweile schon fast berühmten Schreibfehlern eingeschlichen ! Und dabei schau ich doch immer so danach !! mhmmpf
    Ich dank euch beiden für die Korrektur !
    @Supikatzi : Was den Hintergrund betriff wirst du nicht viel finden ! Die Geschichte entsteht erst ! Es hatte sich so eine Idee in meinem Hinterkopf festgestetzt ! Und obwohl ich ziemlich unsicher war was die Metrik betrifft , hab ich jetzt mit der Umsetzung angefangen !!

    @Flamme
    schön dass es dir auch gefällt . Klar , die Umsetzung folgt , abend für abend , wann immer ich Zeit dazu finde

    *freu*
    lieber Gruß ,
    Nightinbird
    "Mein Schwert , den Schild leg ich nun nieder .
    Den Krieg ... führ ich nie wieder !" (Der Wilde Wald - Tonke Dragd)

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