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  1. #1
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    Das mir knüpfen

    Das mir knüpfen

    Anknüpfen, an jenes
    was dieser Teppich vor mir zeichnet,
    möchte ich.
    An die unglaublichsten Formen
    mit allen Mustern,
    den ältesten aller Träume
    und den unsichtbarsten aller Wünsche.

    Fliegen, mit den leichtesten
    meiner Erinnerungen,
    über die Dächer allen Lebens,
    ohne zu fallen.

    Sinken, in die
    stärksten aller Arme,
    die mich halten
    ohne zu fragen.

  2. #2
    Jona ist offline skurrile Multiplerose
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    Liebes Kerlchen,
    ein gelungeneres Symbol kann ich mir für das, was du beschreibst nach deinem Gedicht kaum mehr vorstellen.
    Wo ich es nun auf mich wirken lasse, muss ich an die türkische Teppichknüpferin denken, die mir gesagt hat, dass sie in jeden Teppich einen kleinen Teil von sich mit hineinknüpft.
    Ein Teppich ist sowohl eine Grundlage, als auch ein Halt, eine Aufgabe und ein Produkt aus verwobenen Phantasien und Träumen. Viele Menschen knüpfen im Laufe des Lebens aneinander herum und hinterlassen jeweils ihre eigenen Spuren. Wichtig ist es, zu erkennen, dass dieser Teppich nie ganz neu geknüpft werden kann, sondern dass man sich stets den vorhandenen Mustern anschließen muss, um dann auf seine eigene Art neue Elemente zu entdecken und einfließen zu lassen.
    Dein Gedicht wählt sehr schöne, starke Worte. Gekennzeichnet durch Superlative zeigen sie für mich eine Art träumerischer Hoffnung und stürmischer Leichtigkeit des Verliebtseins. Es gefällt mir ausgesprochen gut.

    Liebe Grüße,
    Jona
    Morgenspaziergang von Falcon
    Septemberabend von ferdi
    Haikus are easy
    But sometimes they don´t make sense.
    Refrigerator.

    ~neues Gedicht~: Vergebung
    ~neue Kurzgeschichte~: Maximum Size Golden Universe

  3. #3
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    Jona,

    Danke für Deine nun wirklich sehr starken und begeisterten Worte. Tut gut zu hören. Vor allem weil ich auch ne Phase hatte, in der mir irgendwie meine Gedichte zwar gelangen, ich aber das Gefühl hatte es fehlte ihnen an etwas Seele und auch etwas meiner üblichen Kerlchen-Note. Die letzten paar scheinen nun wieder den Schwung zu haben, den ich aus meinen schnurrenden Händen vom Jahresanfang, Frühsommer kenne.
    Dieser kam mir wie gerufen als er fast von alleine aufs Papier flog. Deine Interpretation ist ebenfalls sehr schön.
    Da gehe ich jetzt mal nach Deinen Texten schauen.


    Gruß Stefan

  4. #4
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    Mein Expressle,

    obwohl die gute Jona schon fast alles perfekt mit wunderbar treffenden Worten interpretiert und gewürdigt hat, Kompliment übrigens, lese ich auch noch andere Bezüge aus deinem sehr tiefsinnigen Werk.

    Ich versetze mich mal in die Lage deines LI. Es betrachtet zunächst grund-und völlig absichtslos ein beliebiges Teppichmuster, versinkt dabei nach und nach in eine Art leichter Trance und merkt, wie erste Assoziationen in ihm aufsteigen, die sich mit nachfolgenden zu einem ungewohnten Gedankenmuster verweben. Wenn man nämlich lange genug auf ein solches(Mandala) starrt und die Augen leicht schielen lässt, sich dabei gedanklich einfach fallen lässt, dann gerät man unwillkürlich in diesen Schwebezustand, der einen weit forttragen kann.

    In der Tat eignet sich ein stark gemusterter Teppich ganz wunderbar für eine solche allegorische Reise, zumal wir ja seine märchenhaften "Flugkünste" längst verinnerlicht haben.

    Und so driftet dein LI mit seinen Träumen und Wünschen immer weiter weg von der Realität, lässt sich nur zu gerne -vom Teppicheinfluss beseelt- ins Nirgendwo tragen, wobei es von schönen Erinnerungen gestreift wird und es das bunte Treiben dort unten, auch Leben genannt, aus der Vogelperspektive
    betrachtend als einen wundersamen Vorgang wahrnimmt.

    Und so träumt es letztlich auch von einer bedingungslosen Liebe, den stärksten aller Arme, in die es wohlig sinken kann, ohne das ihm Fragen gestellt werden. Meine Lieblingsstelle übrigens...

    Eine verträumte Allegorie auf die geheimen Wünsche des Menschen hast du hier geschrieben: es möge sich doch bitte alles im Leben so wunderbar leicht und wie von selbst arrangieren, so, wie es der angstfreie Schwebezustand eines fliegenden Teppichs eben suggeriert.

    Gefällt mir ausgesprochen gut dein neuestes Baby und gehört für mich durchaus zu deinen top ten...

    Liebe Grüße
    crux
    Geändert von crux (02.11.2006 um 20:58 Uhr)

  5. #5
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    Schließe mich da bedenkenlos an. Der Text vermittelt mit einer ungekünstelten Leichtigkeit den einfachsten und ursprünglichsten Wunsch des Menschseins, die ich schon lange nicht mehr lesen durfte.
    Komisch, wieso höre ich da Peter Pan im Hintergrund lachen? Sind vielleicht die leichtesten Gedanken auch die glücklichsten?

    Gerne mitgeflogen,
    Peter

  6. #6
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    Hallo kerlchen,

    wie fast immer, atmet dein Text pure Melancholie, wenn auch die Worte leicht daher kommen,
    träumend, sich in bunten Gedanken verlierend....

    Die letzte Strophe ist die Kernaussage - sich fallen lassen, in den Arm,
    dem man vertraut und in dem man sich geborgen fühlt.

    Ein wenig ließ mich der Titel zögern: "Das mir knüpfen" ...
    Magst du noch einmal darüber nachdenken?
    "Ich will anknüpfen"
    oder
    "Lass mich anknüpfen"
    oder
    "Teppichmuster"

    würde ich (bin Titelfetischist) passender finden.

    Ein feines Stückchen, dass ich gern gelesen und kommentiert habe.

    Lieben Gruß,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  7. #7
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    Hallo Stefan,

    kann mich da meinen überschwänglichen Vorrednern zu anschließen - ein wirklich rundum gelungenes Gedicht mit einer wunderbar passenden, dabei gleichzeitig unverbrauchten Metaphorik und einer klaren Aussage. Für mich das beste Gedicht, das ich von dir in der letzten Zeit gelesen habe. Einfach perfekt!

    Was den Titel betrifft, so ist der vielleicht ein wenig ungewöhnlich, aber er passt.

    Viele Grüße

    Thomas
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
    Jorge Luis Borges


    Mein Wiedereinstiegsgedicht nach all der Zeit: So ist mein Herz ein dunkler Teich

    Meine Werke und meine Empfehlungen.

    Freiwillige Selbstverpflichtung 3:1

    Und hier noch auf Wunsch von Nachteule etwas von ihm (als Dank für die Hilfe im Mod-Faden): Nachteule

  8. #8
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    Hallo Peter, Thomas, Katz crux,

    bin wahnsinnig erfreut über die Kommentare zu einem Text, der mich bereits nach dem Schreiben anlächelte und mir sagte "Ich gefall Dir ganz besonders " ....

    Schön, dass es anderen auch so geht. Auch wenn der Titel ungewöhnlich ist will ich ihn nicht ändern. Wie Thomas sagt. Passt!

    Danke

    Gruß vom Kerlchen

  9. #9
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    und ob er das tut!!

    Da spielte dir wirklich eine Magie in die Hände, die aus einem fernen, Märchenhaften Orient zu kommen schien. Lässt uns fliegen, lässt uns sinken - malt schöne Muster.

    Mir kommt da auch eine Zeile aus einem Lied in den Sinn:
    'A single thread in the tapistry, though its colour brightly shine - can never know its purpose in the pattern of the grand design.' (Rechtschreibung ohne jede Garantie)

    Gefällt rundum.
    Danke für's Lesen lassen.

    LG
    yarasa
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  10. #10
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    Ganz einfallslos kann ich nur loben, preisen und sagen wie schön es sich liest. Ach positives sagen, ist ja auch viel erhebender! Ein entführender Wortteppich...

    Lieben Gruß
    sora

  11. #11
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    yarasa - freut mich, dass ich mich nicht geirrt habe ... es ist schon komisch ...manchmal hat man diese zauberhafte Stimmung und Gabe in den Händen ... das war so ein Moment wie bei "Liebe bleibt" ...und doch sind diese Momente so selten. Der Stift fliegt nur so übers Blatt - und da ist dann der Text, der einem schon so lange durch die Venen fließt. Kennst Du das ?Vielleicht ist das auch gut so, dass es so selten ist. DANKE Dir. Freut mich sehr - ein Kompliment von Dir hängt hoch bei mir.

    sora

    Nanu - da ist ja ein Name der sagt mir gar nichts - da muss ich gleich mal in den Lyrikkeller gehen. Danke auch Dir :- )

    Gruß vom Kerlchen32

  12. #12
    Tessa Guest
    Liebes Kerlchen,

    ein richtiger Schatz in dieser Rubrik, wie ich finde.
    Anknüpfen oder das Knüpfen eines Teppichs.
    Ihn mit Wünsche, Träume, Liebe und positiven Erinnerungen versehen.
    Muster neu gestalten, Leben neu gestalten.
    Glücklich und frei mit diesem Teppich fliegen, sich hinwegsetzen über gesellschaftliche Normen, Schmerzen, Enttäuschungen.

    Fliegen, mit den leichtesten
    meiner Erinnerungen,
    über die Dächer allen Lebens,
    ohne zu fallen.
    Mit leichtem Gepäck, der Liebe, der Hoffnung und einem Lächeln.
    Nur schöne Gedanken, über die Dächer, die Menschen, das eigene Leben.

    In die geliebten Arme, die vorbehaltlos und uneigennützig das LI halten.
    Schließe mich den lobenden Worten meiner Vorschreiber an.

    Gefällt, lässt nachdenklich sein und lädt zum Träumen ein.
    Gern gelesen, gern kommentiert, mein Kompliment.

    Ganz liebe Grüße,
    Tessa

  13. #13
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    Guten Abend, Kerlchen

    Wenn ich in des Abends Dämmerung
    mondbestrahlt spazieren gehe,
    macht mein Herz `nen Freudensprung,
    denn ich sehe,
    dort im Dunkel,
    fast von Schatten ganz verstecktes,
    raschelblätterüberdecktes,
    augentröstendes Gefunkel.
    Berge den gefund`nen Schatz,
    trage ihn geschwind nach Hause,
    schau ihn mir genauer an,
    - kleine Pause -
    Sag mir dann: O Mann, o Mann:
    Dieser Kerl, jawohl, der hat`s!

    Kein weiterer Kommentar.
    Liebe Grüße,
    heinzi
    Geändert von Festival (04.11.2006 um 21:02 Uhr)

  14. #14
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    Hallo Tessa & Kulturheinzi,


    ich bin erfreut über die vielen schönen Kommentare zu meinem "Teppich"!
    Danke auch Tessa was den "Schatz" betrifft!

    Gruß vom Kerlchen

  15. #15
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    Aloha kerlchen!

    Wolkenteppich. Geschichtenteppich. Länderteppich. Menschenteppich. Lebensteppich. Auf dem Teppich bleiben. Warme Füße. Bunte Muster. Freude am Leben. Und Liebe, ganz viel Liebe von dem und für das, was einen umgibt.

    Daran muss ich jetzt so spontan denken und das habe ich gespürt, während ich deine Zeilen las. Dein Gedicht strahlt pure Stärke und positive Energie aus, aufgrund seines Optimismuses und seiner phantasievollen Weite, jedoch nicht ohne eine gewisse Schlichtheit zu entbehren, die ich bei dir immer wieder auf's Neue bewundere.

    Ich will nicht wiederholen, was andere hier vor mir schrieben. Ich kann nur an ihre Worte anknüpfen: Sitzt wie angegossen und das freut mich für dich.

    Liebe Grüße
    Now, for the Poet, he nothing affirmeth, and therefore never lieth:
    for as I take it, to lie, is to affirm that to be true, which is false.

    An Apology for Poetry - Sir Philip Sidney


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