1. #1
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    Novemberblüte

    Jetzt lässt der kalte Regen nach, aus fadem Rauschen schwillt
    ein trommelndes Stakkato, dass unvermittelt innehält.
    Es rinnt und rieselt lange noch, der letzte Tropfen fällt.
    Die Form und Eigenart vergeht, wenn sich sein Los erfüllt.

    Acht Stufen führen mich hinab zu dem feuchten Pflaster.
    Im Hof, am Rande, nicken nass und schwer die Rosen, rot
    und blass. In Apfelbaum und Kirsche herrscht der klamme Tod.
    Gelb-bräunlich Chrysanthemen und eine letzte Aster.

    Gemächlich gehe ich, doch fröstelnd, hin zum Strassentor.
    Am Himmel gleiten zügig graue Wolken auch davor
    nur regenschwer und grau, Wolken ohne jedes Strahlen.

    Ich wende mich dem Hause zu, in dem die Kinder, Du,
    noch schlafen. Dort werde ich wohlig sitzen und in Ruh
    Novemberblüten malen.
    Geändert von Erebus (14.11.2006 um 17:50 Uhr)
    .....
    D i e.....v e r s u c h t e.....W e l t ............
    ......a u s g e w ä h l t e .....T e x t e ......
    Alles ist Lüge an mir; aber dass ich zerbreche - diess mein Zerbrechen ist ächt! (Friedrich Wilhelm Nietzsche: Also sprach Zarathustra - Der Zauberer)

  2. #2
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    Huhu Grey.zone,

    ich muss sagen, der Titel hat mich total angezogen, der ist wirklich klasse.
    Das Gedicht hat mich dann im Vergleich zum Titel eher enttäuscht - was nicht heißen soll das es schlecht ist.
    Es trifft meinen Geschmack einfach nicht, ich finde es zu erzählend. Trotzdem hat das Ende irgendwie eine enorme Wirkung.
    Mir würde es besser gefallen, wenn du es noch etwas bearbeitest und eine Kurzgeschichte daraus machen würdest.

    Liebe Grüße,
    Dark Rain
    ! N E U !
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  3. #3
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    Hallo grey.zone,

    netter Nick
    Dein Gedicht ist nicht schlecht, aber auch nicht so besonders doll.
    Du hast es in Sonett-Form verfasst.

    Jetzt lässt der Regen nach und einzeln tritt aus all dem Rauschen
    mit Plitsch und Platsch hervor der fallnden Tropfen Abschiedsgruß.
    Es rinnt und gluckst ums Haus. Verloren im Zusammenfluß:
    es endet jede Perle. Form und Eigenarten tauschen.

    xXxXxXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXxXxXx

    "Mit Plitsch und Platsch" klingt sehr albern. "fallnden" ist auch nicht sonderlich originell.
    Es "gluckst" ums Haus, aha. Bei mir gluckst es, wenn ich ein Bier trinke in der Kehle.

    Ich steig hinab die Treppe und betret’ das feuchte Pflaster.
    Im Hof, am Rande nicken nass und schwer die Rosen, rot.
    Ich rauche eine Zigarette, denk an meine Not:
    Novemberblüte, Chrysanthemen und die letzte Aster.

    xXxXxXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXxXxXx

    Die zweite Zeile klingt in meinen Ohren absolut fürchterlich.
    Die Zigarette ist auch nicht sehr schön. Aber ich kann das ja versetehen, so als Raucher muß man ja seine Not haben.
    Chrysanthemen sind ja Winteraster, also hast du hier eine Doppelung.

    Gemächlich gehe ich ans Strassentor. Im Kasten Werbung.
    Es fröstelt mich, ich dreh mich um, zurück zum Haus. Erschöpfung.
    Ich hab es tausendmal betrachtet, voller Stolz vollendet.

    xXxXxXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXxXxXx

    Irgendwie passt die Werbung im Briefkasten nicht in dieses Gedicht. Ich kann keinen Zusammenhang herstellen.

    Die Kinder wuchsen hier heran, hier verließ mich meine Frau.
    Bald werden Herrn zur Schätzung kommen. Wann, ich weiß es nicht genau.
    So wusst' ich: dass, doch niemals: wann sich mein Schicksal wendet.

    xXxXxXxXxxXxXxX Metrikfehler
    xXxXxXxXxXxXxXxX
    xXxXxXxxXxXxXx Metrikfehler

    Die letzte Strophe erinnert mich stark an ein Jammern und Klagen.
    Jeden Tag werden vielen Menschen die Häuser unter dem Hintern weggepfändet.
    Das interessiert doch eigentlich niemanden.
    Ich glaube, du möchtest hier mit deinem LyrIch nur auf der Beileidsschiene reiten.
    Ich bin zu Tränen gerührt.

    Durch die langen Sätze läßt sich dieser Text nicht so flüssig lesen.
    Die Metrikfehler in der letzten Strophe sind nicht zu übersehen.
    Mein Fazit lautet, dass dieses Gedicht höchstens zum unteren Mittelmaß zu zählen ist.

    Naja, ein wirkliches Lob kann ich dir dafür nicht aussprechen.

    Herzlichst

    Prophezeiung
    Geändert von Prophezeiung (12.11.2006 um 16:55 Uhr)

  4. #4
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    @Prophezeiung

    Wenig hilfreich, aber dümmlich.
    Sonett erkannt, dafür ein "Bravo", allerdings: botanisch Nachhilfe bedürfig.

    Die x gehen Dir flott von der Hand, dass ist toll !
    Vorletzter Metrikfehler ist jedoch Flüchtigkeitsfehler Deinerseits.
    Da solltest Du doch etwas aufmerksamer Lesen lernen.
    (Manchmal sieht man Dinge, die nicht sind.)

    Der letzte Metrikfehler ist für Dich einer, von mir so gewollt.
    (Und machmal sieht man Dinge eben nicht, vor allem, wenn man verbohrt ist.)

    Denn mit dem Verstehenkönnen ist es eine Crux
    (ich darf meinen Mathematiklehrer zitieren) :

    "Es ist nicht jedem gegeben, alles zu verstehen"

    Grüßtitsch und Danke für die Mühe !
    grey.zone
    .....
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    Alles ist Lüge an mir; aber dass ich zerbreche - diess mein Zerbrechen ist ächt! (Friedrich Wilhelm Nietzsche: Also sprach Zarathustra - Der Zauberer)

  5. #5
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    Hallo grey.zone,

    deine Antwort ändert nichts an der Mittelmäßigkeit deines Gedichtes.
    Du scheinst von diesem Machwerk ja zutiefst überzeugt zu sein.
    Es bleibt dabei, die Aussage ist einfach nur kümmerlich und kann keinen Leser wirklich vom Hocker reißen, weil er im Endeffekt nur mit einem alltäglichen Ereignis auf die Tränendrüse drücken soll.
    Das ist nur billige Effekthascherei, die auf der Mitleidsschiene reitet.

    Die Kinder wuchsen hier heran, hier verließ mich meine Frau.
    Bald werden Herrn zur Schätzung kommen. Wann, ich weiß es nicht genau.
    So wusst' ich: dass, doch niemals: wann sich mein Schicksal wendet.

    xXxXxXxXxxXxXxX Metrikfehler xXxXxXxXXxXxXxX tatsächlich, hier machte ich einen Fehler. Doch es bleibt ein Metrikfehler, wenn auch an anderer Stelle
    xXxXxXxXxXxXxXxX
    xXxXxXxxXxXxXx Metrikfehler

    So so, den letzten Fehler haben wir also absichtlich eingebaut?
    Nun ja, wer's glaubt...

    Zitat:
    "Es ist nicht jedem gegeben, alles zu verstehen".

    Da stimme ich dir vollkommen zu, denn das sieht man ja an deiner Antwort.
    Bist du vielleicht etwas dünnhäutig und daher nicht kritikfähig? Du mußt noch viel lernen.

    Herzlichst

    Prophezeiung
    Geändert von Prophezeiung (12.11.2006 um 21:12 Uhr)

  6. #6
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    Wink Reue

    Hallo Prophezeiung.


    So. Jetzt ist einige Zeit verstrichen, und ich hab das etwas sacken lassen.

    Ich habe wohl wirklich überzogen auf Deine - sicherlich gut gemeinte - Kritik reagiert.
    Das hat seine Ursache in einer ganz anderen Geschichte, aus der ich ziemlich angeknabbert entlassen wurde, ausserdem klangst Du für mich wie das Produkt eines Sehers.

    Und: es hat mich Deine Kritik tatsächlich sehr verunsichert.

    Ursprünglich hatte ich nur vor, einmal ein Sonett zu probieren.

    Es beschreibt den Gang zum Briefkasten und wieder zurück. Weil es schüttete wie aus Kübeln, blieb ich erst einmal unter dem Vordach stehen und rauchte. Diese ewigen "Raucher-sind-dumme-Deppen"-Sprüche hängen mir natürlich schon meterweit zum Hals heraus. Wie ein Schlips, auf den ich mich dann getreten fühle. Ist ja auch Sinn der Sache.

    Als der Regen nachließ, bin ich an den Rosen, der Aster und den (-davon verschiedenen) Chrysanthemen vorbei zum Briefkasten, dort habe ich 2 Kg Werbung geerntet und bin wieder zurück. Alles in die blaue Tonne abgekippt, dann hob sich mein Blick auf's Haus und ein - was-wäre-wenn-Gedanke durchzuckte mich.
    Den habe ich versucht umzusetzen.
    Der Metrikfehler war ganz bewusst so gelassen, weil das ja der Kernsatz sein sollte.
    Das Ganze war dann für mich eine "Novemberblüte".

    Jetzt habe ich folgende Erkenntnisse gesammelt /
    abträglich sind in der ernsthaften Lyrik:
    - "Plitsch", "Platsch", "glucksen"
    - Umgang mit Werbung und Zigaretten
    - Der Geruch von Mitleid

    Ha, nein, den Gedanken, solche Themen aufzugreifen, finde ich nicht so schlecht. War ja auch gar nicht so Mitleid heischend dargestellt. Oder ?

    Ich habe mir die Kritik sehr zu Herzen genommen und werde an mir arbeiten, nicht mehr gegen Kritik zu poltern.

    Beim Überarbeiten stellte ich zu allem Überfluß noch fest, das ein Sonett mit Heptametern wohl eine ziemlich unübliche Form ist, ich habe trotzdem weitergemacht. Deshalb wohl auch die empfundene (zu große) Länge der Sätze.

    Jetzt ist aus dem Beitrag etwas anderes entstanden, das ich wiederum der Vernichtung preisgebe. ( Ich hab auch wieder einen Metrikfehler eingebaut )

    Gruß

    grey.zone


    Novemberblüte

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    Acht Stufen führen mich hinab zu dem feuchten Pflaster.
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    und blass. In Apfelbaum und Kirsche herrscht der klamme Tod.
    Gelb-bräunlich Chrysanthemen und eine letzte Aster.

    Gemächlich gehe ich, doch fröstelnd, hin zum Strassentor.
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