Thema: Hexentanz

  1. #1
    Flamme ist offline Krauseminze, Minze, krause
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    Hexentanz

    Hexentanz

    Der Wald versank im Weiß der Nebelschwaden;
    Leise frisst sich jeder müde Schritt
    durch nasses Laub und nimmt die Kälte mit,
    in der die braunen Blätter lustvoll baden.

    Und so verstummt der Marsch erst tief im Dunkel
    der Nacht; Geborgen scheint das weiche Zelt,
    bis ein greller Schrei die Nacht erhellt;
    Die Herzen pochen unter Sterngefunkel.

    - Weiß auf Schwarz - Seht! - steht es geschrieben -
    - Kommt zu mir - Kommt! - ich bete sieben
    Schwüre - o Gehörnter! - mich zu beugen
    Deiner Güte, denn sie sollen leiden
    und die Furcht in ihren Eingeweiden
    soll erstarren und Vernunft betäuben!

    Beruhigend leuchten jene Tageslichter,
    In denen man die Nacht vergessen kann
    und doch sind ihre zitternden Gesichter
    vor fahler Weiße starr und ängstlich stramm;

    Gedanken schweben in die heile Welt,
    in der die Wege stets nach Hause führen
    und die schwarzen Fänge nicht berühren,
    die Furcht den Atem nicht gefroren hält.

    Ihr ahnt, dass euer Leid mir sehr gefällt;
    Nun kommt zu mir, ich will euch bei mir spüren
    und zu meinen nächsten Opfern küren,
    denn so erhalte ich mir meine Welt!

    Lechzend scharre ich den fünften meiner Kreise
    in den entweihten Waldesgrund hinein
    und schleicht ihr über ihn auch noch so leise:
    Ihr werdet niemals sicher vor mir sein!


    Von Verzweiflung werden sie getrieben
    und verfluchen jenen, den sie lieben,
    denn er muss, er muss sie doch erretten!
    - Herr! - erhöre sie, die dich nun rufen!
    - Sprich ein Wort! - Sprich! - denn sie erschufen
    dich doch einst - beende diesen Schrecken!

    Ich lache wenn ich seh, wie ihr euch windet,
    Ihr wisst von nichts, erträumt euch Harmonie
    und verdrängt die leise Symmetrie,
    die unsre Welten doch so stark verbindet!

    Nun flieht ihr, wollt den Wald nicht mehr behausen,
    den ich längst schon Heimat nennen kann,
    doch meine Zauber finden euch und dann
    kehrt euer Innerstes sich wüst nach Außen./
    Geändert von Flamme (16.12.2006 um 16:16 Uhr)


    Sag nichts dagegen, gewiß, Du kannst alles widerlegen, aber zum Schluß ist garnichts widerlegt. (F. Kafka - Das Schloß)

  2. #2
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    Liebes Flämmchen,

    stimmt, hier wunderte ich mich beim ersten Hinsehen über die freien Stellen - aber da ist der Kern der Sache versteckt;
    sehr schön gemacht.

    Inhalt und Art der Darstellung muss unbedingt interpretiert werden;
    leider hab ich nicht die Ruhe heute abend.
    Ich schau es mir morgen nochmal an.

    Vielleicht hat ja inzwischen jemand anderer Lust, hier reinzuschauen.
    Es lohnt sich.

    Lieben Gruß,
    Katzi

    Übrigens, *freu* mein "Steinerner König" ist in deinen gesammelten Empfehlungen
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    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

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  3. #3
    Flamme ist offline Krauseminze, Minze, krause
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    liebe supikatzi

    danke schön für deinen Kommentar - ich habe hier etwas ganz neues versucht (sowohl formal als auch inhaltlich) - ich habe mir einiges dabei gedacht, würde mich daher sehr freuen auf eine Interpretation und - natürlich - auch auf Kritik

    Übrigens, *freu* mein "Steinerner König" ist in deinen gesammelten Empfehlungen
    wer weiß, vielleicht landet dort demnächst noch mehr von dir

    liebe grüße
    flamme


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  4. #4
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    Hi, Flamme
    ich bin heinzi, da wir noch nicht die Ehre hatten, stelle ich mich vor.
    Dein Hexentanz hat mich, neben supikatzis Werken, drauf gebracht, mal nicht nur in Liebe und Romantik herumzusuchen wie Diogenes mit der Laterne auf dem Athener Markt. Und - es hat sich gelohnt. Offenbar sind in diesem Forum nicht ganz so viele Möchtegernpoeten auf einem Haufen versammelt wie hier.
    Ich habe mit Genuss Dein Gedicht gelesen. Eine Interpretation käme mir vor wie das Stören der gescharrten Kreise, deshalb sage ich nur: Bei noch mehr Düsternis bekäme ich wirklich Bedenken, nachts allein und auch noch als Mann in den Wald zu gehen. Mit anderen Worten: Meines Handkusses bist Du sicher!
    heinzi

  5. #5
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    Liebes Flämmchen,

    schade, dass hier noch keiner weiter geschrieben hat.

    Es ist aber auch eine ungewöhnlich Stück, dass du uns hier zu lesen gibst.
    Vor allem das, was man auf den ersten Blick nicht gleich erkennen kann

    Ein wahrhaft mystischer Hexentanz.
    Im Zwiegespräch mit dem Teufel bietet Hexe all ihre Verführungs- und andere magischen Künste auf.

    Nur des Nachts kann sie aktiv sein - da ist ihre Zeit.
    Und dann hält sie den Menschen den Spiegel vors Gesicht; keiner kann ihr entkommen.

    Das ist ein Gedicht von der Art, das man sich viele Male zu Gemüte führen muss.
    Keines von den leichten, die man liest und wieder vergisst.

    Bin gespannt auf weitere Mystik -Teile.
    Ich geh einfach mal davon aus

    Lieben Gruß,
    Katzi
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  6. #6
    Flamme ist offline Krauseminze, Minze, krause
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    hallo heinzi

    danke für deinen Kommentar es freut mich, dass Katzi und ich dich ein wenig von deinem Lieblingsforum weglocken konnten (ein Blick in andere Foren lohnt sich immer, obwohl ich zugeben muss, dass ich wiederum die ersten beiden - Romantik und Erotik - bisher fast immer gemieden habe )

    das mit dem stören der gescharrten Kreise wäre durchaus eine Möglichkeit, an das Gedicht heranzugehen

    das Gedicht ist sehr düster, da hast du recht (wollte es aber nicht in diese rubrik stecken - innerhalb von einem halben Tag wäre es ja schon verschollen )

    liebe supikatzi

    ja, ein ungewöhnliches Stück - ich hoffe aber mal, dass sich noch ein paar Kommentatoren finden

    Nur des Nachts kann sie aktiv sein - da ist ihre Zeit.
    Und dann hält sie den Menschen den Spiegel vors Gesicht; keiner kann ihr entkommen.
    das mit dem Spiegel finde ich nun recht interessant - ich habe vor allen wert darauf gelegt, zwischen diesen 2 Parteien Parallelen zu ziehen (deswegen auch der Aufbau) - ein paar ähnlichkeiten haben sie ja: die Hexe mit ihren Gehörnten und die Menschen mit ihren Herrn zum Beispiel...
    naja zuviel will ich nicht verraten, denn vielleicht schreibt ja noch einer etwas dazu

    Bin gespannt auf weitere Mystik -Teile.
    Ich geh einfach mal davon aus
    hm... mal sehen - aber ich denke schon
    danke auch dir für deinen Kommentar (bzw. für die zwei Kommentare )

    liebe grüße an euch
    flamme


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  7. #7
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    Das ist ja ein tolles Gedicht , wirklich gelungen soweit ich das als Leie beurteilen kann.Davon würde ich gerne mehr lesen.

  8. #8
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    Hexentanz - Veitstanz

    Hallo Flämmchen,
    wie lange habe ich doch gewartet, um dir endlich meinen Kommentar zu geben.
    Ich kann nur staunen, habe ich doch einen Teil der Entstehung mitbekommen und nun das hier!
    Dieses Gedicht - und ich denke, es ist einer deiner besten - hat mich gänzlich in seinen Bann gezogen
    und ich lese es immer wieder, um neue Sichten zu finden.
    Darf ich sagen, dass du dich selbst übertroffen hast? (schmunzel)
    Ein herrliches Kopfkino, das du mir bereitest hast:
    Ich sehe hier Wanderer, Jugendliche (Blair Witch ), die durch den Wald streifen.
    Der Nebel hat die herbstliche Landschaft (hier: den Wald) allmählich verschleiert.
    Die Müdigkeit zwingt zur Rast und so verkriechen sie sich in das Zelt, um Kraft und Wärme zu tanken.
    Doch die Stille trügt, denn ein Schrei hallt durch die Nacht, der den Atem stocken lässt.
    Hier folgt nun der Monolog der Hexe, in der sie verkündet,
    dass das Schicksal der Eindringlige bereits fest liegt ("Weiß auf Schwarz- seht!-steht es geschrieben").
    Sieben (eine typische Hexenzahl) Schwüre will sie nun als Opfergabe ("beugen") ihrem Herren ("Gehörter") darbieten,
    indem sie die Opfern in die Irre, in den Wahnsinn ("Vernunft betäuben") treiben will.
    Es wird allmählich wieder Tag, aber die Angst, die Furcht bleibt erhalten.
    Der Zauber hat wohl bereits gewirkt, denn in Gedanken befinden sich die Wanderer wieder in der heilen Welt,
    um dem Grauen zu entfliehen.
    Nun kommt die Hexe wieder zum Worte: Sie macht verständlich,
    dass sie Opfer benötigt, um ihre Welt aufrecht zu erhalten.
    In Strophe 7 erläutet sie, dass sie ihren 5. Kreis (von 7, vermute ich) gezogen hat,
    somit begang der 1. in Strophe 3, als sie auftrat.
    Es gibt kein Entkommen, kein Entrinnen vor dem Schicksal.
    Es folgt eine Beobachtererzählung, die farblich mit dem des Hexen Monologs übereintrifft.
    Man erkennt, dass beide gegenübergestellten Parteien jemanden blind folgen
    und an je einem geistlichen Führer gebunden sind. Die Verzweiflung stürzt die Opfer in die Blasphemie,
    sie verfluchen Gott, da keine Rettung in Sicht ist. Besonders interessant finde ich diesen Vers
    Sprich ein Wort! - Sprich! - denn sie erschufen dich doch einst . Verdeutlicht wird hier,
    dass der Begriff "Gott" nur erschaffen wurde einst von den Wanderern. Ohne sie ,als Menschen,
    würde Gott nicht einmal existieren. Und nun wird diese selbstgeschaffene Illusion, genannt Gott, angefleht, sie zu retten.
    Die Hexe da darüber nur spöttisch lachen. Die Menschen scheinen in ihrer eigenen Harmonie zu leben,
    um zu vergessen, dass die Symetrien (Zahl 7 vermutlich; 3(göttlich)+ 4 (irdisch)= 7(Hexenzahl) )
    diese beiden Welten direkt verbindet.
    Die Hexe, hier wieder Beobachterin, davor Agierende, sieht den Wanderern zu wie sie dem Wald entfliehen,
    aber sie weden ihrem Zauber/Fluch nie entkommen können. "Ihr Innerstes wird sich wüst nach Außen kehren."
    (der plötzliche Unglaube an Gott, die Wahrheit, dass er nur geschaffen wurde?)


    Puh, Flamme, da hast du uns aber starken Tobak geliefert.
    Ich denke, dass dieses Gedicht wesentlich mehr enthält, als ich bis dato für mich feststellt habe.
    Sollte ich noch andere Feinheiten finden, werde ich mich natürlich melden.
    Ein Lesegenuss auf höchstem Niveau - was will man mehr als Leser?
    Ich danke dir für dieses Gedicht, dass mich zum Nachdenken angeregt hat.
    Ich kann dir nur mein Lob geben und knicksen.
    Es ist einfach wundervoll.
    Sehr, sehr gerne gelesen und kommentiert.
    Ganz liebe, nächtliche Grüße,
    Kügelchen
    PS: S1V3 "Kälte" groß schreiben. Ich habe nichts gesagt.*g*
    Geändert von Kugel (12.12.2006 um 02:08 Uhr)
    "Kunst ohne Ethik ist Kosmetik"
    (Marina Abramovic)

  9. #9
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    Hexentanz

    Lieber Flamme,
    auf ein Wort zwischen Hexe und Hexenmeister,

    Ich weiß nicht, wie oft ich dein Gedicht heute schon gelesen habe. Du hast es in einer Zeit gepostet, als ich vom Forum abgeschnitten lebte (eine schwere und grausame Zeit) und mich danach durch unendlich viele gute und schöne Gedichte durchkämmen musste.
    Schön, dieses Weiß auf Schwarz, die Worte sind magisch gewählt, dem Hexenbann sehr nahe.
    Mir erschloss sich das Bild von Tag und Nacht, heile Welt und die Welt der Magie.
    Wer einmal dort hineingerät, der kommt davon nicht mehr los. Sie, die Dämonen, die Hexer und Hexen lauern, sie brauchen die Opfer aus heilen Welten, sie sind ihnen Nahrung.
    So wie du bildlich erzählst, so bannend sind die Worte.
    "Ich lache, wenn ich seh ..." oh, dann höre ich das böse, schrill klingende Lachen, doch ist man erst in der Nähe ihrer "Behausung" gibt es kein Entkommen.

    Vielleicht wolltest du mit dem Gedicht sagen, dass es auch im Leben einen Bann gibt, dem wir uns nicht entziehen können, wohl wissend, dass das Eintreten nichts Gutes bedeutet. Wir geraten in "Kreise", glauben zunächst noch die Übersicht zu behalten und merken erst, wenn es zu spät ist, dass wir bereits ganz tief drin stecken.

    Mit lieben Hexengrüßen
    Dana
    Geändert von Dana (12.12.2006 um 21:36 Uhr)
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  10. #10
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    Hallo Donnervogel
    schön, dass es dir gefällt


    Hallo Kügelchen
    Ich danke dir im Vorraus schon mal für die viele Mühe, die hinter diesen Beitrag steckt und für das Lob, mit dem du mich damit überhäufst... ich hoffe nur, ich habe es auch verdient.
    Du hast wirklich sehr vieles erkannt, was mich erstaunt hat, denn während ich dieses Gedicht schrieb sind mir immer wieder neue Aspekte aufgefallen und ich habe schon befürchtet, dass keiner mehr durchblickt. Ich bin mir auch sicher, dass noch wesentlich mehr dahinter steckt, als ich selbst vermute, aber das ist ja unter anderen das Gute an Gedichten: Es liegt an der Betrachtungsweise, wie viel und was man mit dem Gedicht verbindet. Daher werde ich zu einzelnen Aspekten mal schreiben, wie ich mir das so gedacht habe, wobei natürlich nie etwas falsch sein kann, was du geschrieben hast, denn es sind ja schließlich deine Gedanken zum Gedicht (und außerdem fast deckend mit meiner Intension ):

    Wie du richtig erkannt hast, habe ich in den ersten beiden Strophen Wanderer beschrieben, ein Eindringen in den Wald (Blair Witch, was ja eine wichtige Inspiration für dieses Gedicht war, wie du weißt ). Nun wird die trügerische Ruhe durch die Hexe gestört.
    Hier folgt nun der Monolog der Hexe, in der sie verkündet,
    dass das Schicksal der Eindringlige bereits fest liegt ("Weiß auf Schwarz- seht!-steht es geschrieben").
    Sieben (eine typische Hexenzahl) Schwüre will sie nun als Opfergabe ("beugen") ihrem Herren ("Gehörter") darbieten,
    indem sie die Opfern in die Irre, in den Wahnsinn ("Vernunft betäuben") treiben will.
    ja genau, die Hexe ist sich sicher, dass sie an ihr Ziel kommt, dass sie ihre Opfer bekommt und will sich ihrem Herrn beugen, dem Teufel. Da bleibt mir nur noch hinzuzufügen, dass sie es kaum noch erwarten kann: Kommt zu mir, Kommt! und ihre Opfer schon ungeduldig erwartet...
    Es wird allmählich wieder Tag, aber die Angst, die Furcht bleibt erhalten.
    Der Zauber hat wohl bereits gewirkt, denn in Gedanken befinden sich die Wanderer wieder in der heilen Welt,
    um dem Grauen zu entfliehen.
    genau, so langsam bemerken sie, dass etwas nicht stimmt und flüchten in ihre "heile Welt", müssen jedoch bald bemerken, dass das Wunschdenken ist...
    Nun kommt die Hexe wieder zum Worte: Sie macht verständlich,
    dass sie Opfer benötigt, um ihre Welt aufrecht zu erhalten.
    In Strophe 7 erläutet sie, dass sie ihren 5. Kreis (von 7, vermute ich) gezogen hat,
    somit begang der 1. in Strophe 3, als sie auftrat.
    Es gibt kein Entkommen, kein Entrinnen vor dem Schicksal.
    das mit dem Kreisen war so eigentlich nicht gedacht, aber natürlich durchaus denkbar. Ich wollte nach der 7 nur wieder eine Hexenzahl anbringen, und die 5 kreise sollten die Ecken eines Pentagramms darstellen (sie markiert also ihr Gebiet und verdeutlicht, dass es -wie du auch erkannt hast- kein Entkommen gibt für die Menschen, die ihr Schicksal selbst besiegelt haben, denn sie sind schließlich die Eindringlinge).
    Es folgt eine Beobachtererzählung, die farblich mit dem des Hexen Monologs übereintrifft.
    Man erkennt, dass beide gegenübergestellten Parteien jemanden blind folgen
    und an je einem geistlichen Führer gebunden sind.
    dieser Aspekt halte ich für einen der wichtigsten und es freut mich daher sehr, dass du ihn erkannt hast, aber später dazu mehr.
    Die Verzweiflung stürzt die Opfer in die Blasphemie,
    sie verfluchen Gott, da keine Rettung in Sicht ist. Besonders interessant finde ich diesen Vers
    Sprich ein Wort! - Sprich! - denn sie erschufen dich doch einst . Verdeutlicht wird hier,
    dass der Begriff "Gott" nur erschaffen wurde einst von den Wanderern. Ohne sie ,als Menschen,
    würde Gott nicht einmal existieren. Und nun wird diese selbstgeschaffene Illusion, genannt Gott, angefleht, sie zu retten.
    Ich wollte vor allem in diesen Gedicht darstellen, dass ein Gut und ein Böse nicht zu definieren sind, schließlich ist es doch nicht die Hexe, die in fremdes Territorium eindringt; und sie ist es, die ihren Herren huldigt, aber die Menschen, die eigentlich "gut" sein sollten, verfluchen ihren Herrn, weil er sie im Stich lässt. Das habe ich vor allem versucht, mit Parallelen der beiden Parteien darzustellen, die du richtig erkannt hast.
    Die Hexe da darüber nur spöttisch lachen. Die Menschen scheinen in ihrer eigenen Harmonie zu leben,
    um zu vergessen, dass die Symetrien (Zahl 7 vermutlich; 3(göttlich)+ 4 (irdisch)= 7(Hexenzahl) )
    diese beiden Welten direkt verbindet.
    Das war mir zwar unbekannt, aber ich meinte mit der Symmetrie diese Parallelen, die ich schon erwähnte, und dazu könnte man natürlich auch diesen Aspekt zählen.
    Dass die Menschen in ihrer eigenen Harmonie leben (die Kategorisierung von Gut und Böse, mit der sie sich wohl fühlen, weil sie alles einstufen) kann sie nur verachten, da sie diese Parallelen kennt und weiß, dass sie sich irren.
    Die Hexe, hier wieder Beobachterin, davor Agierende, sieht den Wanderern zu wie sie dem Wald entfliehen,
    aber sie weden ihrem Zauber/Fluch nie entkommen können. "Ihr Innerstes wird sich wüst nach Außen kehren."
    (der plötzliche Unglaube an Gott, die Wahrheit, dass er nur geschaffen wurde?)
    ja, das hast du wunderbar erkannt!*strahl* Es sollte verdeutlichen, dass die Dinge, so wie sie die Menschen kennen und kategorisieren, letztendlich nicht sind, weil sich nichts so einfach in irgenwelche Schubladen stecken lässt, da gehört ihr Glaube sicherlich dazu.

    Also ich denke, du hast das Wesentliche erkannt, dass mit dem Gut und Böse hast du zwar nie direkt erwähnt, aber du hast die Parallelen erkannt und das ist das Wichtigste. Dass man nicht alle Feinheiten erkennen kann (erst recht nicht bei einem so langen Gedicht), ist ja allgemein bekannt undselbst der Autor hat Probleme, das wahre Ausmaß seiner Zeilen zu erkennen.
    Ich freue mich, dass du dir so viel Mühe gemacht hast und dass dir das Gedicht gefällt.


    Hallo Dana,
    es freut mich, dass dir mein Hexengedicht gefällt, obwohl es sich ja sehr von deinem unterscheidet.
    Wie ich oben schon zu Kugel gesagt habe, war es mir wichtig, zwischen diesen zwei Parteien Parallelen zu ziehen, um darzustellen, wie verschwommen diese Begriffe Gut und Böse sind.
    Vielleicht wolltest du mit dem Gedicht sagen, dass es auch im Leben einen Bann gibt, dem wir uns nicht entziehen können, wohl wissend, dass das Eintreten nichts Gutes bedeutet. Wir geraten in "Kreise", glauben zunächst noch die Übersicht zu behalten und merken erst, wenn es zu spät ist, dass wir bereits ganz tief drin stecken.
    Daher freue ich mich vor allem über diese Zeilen deines Kommentars, da sie ähnliches beschreiben. Das friedvolle Leben vermischt sich mit solchen Erlebnissen, und was wir glauben und was wirklich Tatsache ist, wird wohl immer verschieden sein, ob wir es wissen/wollen, oder nicht...
    Ich danke auch dir für deinen Kommentar, schön, dass es dir gefällt.

    liebe Grüße an euch
    flamme


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