Thema: Stadtstaub

  1. #1
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    Stadtstaub

    Stadtstaub

    Dunst steigt auf, flieht fort in den Himmel.
    Mit fahlgrauen Augen blickt die Stadt,
    durch halbgeschlossne Fensterlider.
    Wo der Traum zwischen Mauern erstickt.

    Wind treibt sanft durch Gardinenschleier,
    in müde Zimmer matten Lebens.
    Erinnerungsfänger atmen sacht,
    einen Hauch von alten Farben ein.

    Äste knochiger Linden ächzen,
    unter dem Druck von Sorge und Angst.
    Wenn Bombenleger lautlos wandeln
    und Kinderschänder Freiheit hauchen.

    Wo Kätzchen im Stadtstaub erblinden
    und der Asphalt das Atmen erschwert,
    zerfällt diese Nacht wieder ein Licht.
    Und wird nie mehr angezündet.


    liebe grüße
    "Zeit die wir uns nehmen, ist Zeit die uns etwas gibt" (Ernst Ferstl)

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    Was dich forttreibt
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  2. #2
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    hallo infinity
    mein kompliment!
    das ist echt gut geworden.
    die bilder, die du damit vermittelst sind beeintruckend.
    gern gelesen

    lg
    rose
    Zum Schwarzen Rosengarten (Werkeverzeichnis)


    frisch aus meiner Feder Seelenbrand im Stundenschlaf, Göttertanz, Seelenduett,
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben
    Hermann Hesse

    *schwarzeRose*

  3. #3
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    Liebe Infinity,

    schön, mal wieder ein Neues von dir.
    Und was für eines.

    Traurigkeit, Düsternis, Melancholie, Ausweglosigkeit und Bitternis - dies alles atmet dein schöner Text.

    Ich will nicht von kleinen Kommas reden, die ich da und dort nicht gesetzt hätte,
    sondern von der Stimmung, die dein Gedicht verbreitet.

    Wenn ich mir diese Dinge alle in echt und bildlich vorstelle, konnte ich weinen und verzweifeln.

    Eine Lyrikperle. Danke fürs Lesenlassen.

    Lieben Gruß,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  4. #4
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    N'Abend Infinity,

    mir gefällts nicht so gut, S3 ist zu Klischeehaft, die Bombenleger, die Kinderschänder, tut mir Leid, das trieft vor Plakativität. Der Rest mag mich mehr überzeugen, wobei es teils zuviel des guten an Alliterationen ist und auch einige Zäsuren durch ein Kommata zu stark betont werden. Aber das mag Geschmackssache sein.

    Es vermag keine bleibende Wirkung dazubleiben, es fehlt nämlich doch ein wenig am Inhalt. Der bleibt auf der einen Seite sehr seicht (auch durch die Alliterationen unterstützt) klingt weich, und dann das plakative auf der anderen Seite. Ich weiß nicht so recht, entweder mir fehlt heute einfach der Zugang zu deinem Werk, oder es ist mir wirklich allgemein zu wenig.

    Handwerklich gibts allerdings nicht wirklich was dran zu bemängeln.

    So, dies meine vorläufige Meinung, morgen überdenke ich die nochmal.

    Gruß,
    Flo
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
    Die Melancholie des Seins - Gesammelte Werke

  5. #5
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    Liebe Rose

    Danke für dein Lob. Es freut mich, dass es dir gefallen hat und dass du gleich so schnell geantwortet hast. Wir lesen uns

    Liebe Katzi

    Auch dir ein großes Danke für deine lieben Worte. Es freut mich, dass dich mein Gedicht berührt und der Text auch das wiederspiegelt, was er wiederspiegeln sollte. Es ist ein trauriges Gefühl, wenn man sich in den Text hineinversetzen kann ... grade jetzt im Herbst überkommt mich meist diese Aussichtslosigkeit und Düsternis. Anbahnende Winterdepressionen? Nun ja, der Text ist schon ein wenig älter, aber es trifft gerade auf das "heute" zu.
    Ich persönlich finde, dass etwas "Schweres" auf ihm lastet... vielleicht grade wegen den vielen Bildern. Ich hoffe, nicht zu überladen. Jedenfalls dankeschön.

    Lieber Flo

    Auch dir danke ich natürlich für deine Kritik und die damit verbundene Ehrlichkeit
    Was du zu den Bombenlegern und Kinderschändern sagst, das mag stimmen. Es wirkt sehr plakativ... aber klischeehaft? Hmm...
    es sticht sehr aus dem Text heraus, da magst du recht haben und vielleicht könnte man es anders schreiben... ich bin geteilter Meinung, werd mal drüber nachdenken.
    Was den Inhalt angeht... der Inhalt ist hier lediglich das bedrückende, einengende Gefühl... wie bereits gesagt: Aussichtslosigkeit. Ich glaube, dass man sie vor Allem dann verspürt, wenn man immer nur die gleichen Wände betrachtet, den strengen Arbeitsrhythmus folgt etc. Die Stadt hat etwas Einengendes, da die Natur/das Land ja eigentlich oftmals in Verbindung mit Freiheit gesehen wird. Daher dieser Schauplatz... zumal ich gern Menschen beobachte und der Meinung bin, dass ich in der Stadt vielen Gesichtern begegne, die dieses Gefühl, dass ich versucht hab in Worte zu fassen, ausdrücken.
    Was meine Alliterationen angeht... ja, ein paar sind schon drin, wenn auch eher unbewusst gewählt (mal vom Stadtstaub abgesehen). Ich fand sie klangen gut, doch wenn es als störend empfunden wird, bin auch gern bereit sie zu ändern... letztendlich ist es nicht schwer andere Worte einzusetzen. Davon bin ich überzeugt
    Die Kommata... immer raus damit! Ich habe sie nicht bewusst gesetzt, eher so aus dem Bauch heraus entfernt jeder Zeichenüberprüfung. Wenn sie falsch gesetzt sind, teil es mir ruhig mit. Ich bin gern bereit es zu ändern.
    Jedenfalls vielen Dank für deine Kritik... und wer weiß, vielleicht erschließt sich dir mein Text ja doch noch ein wenig.
    Wir lesen uns

    liebe Grüße euch dreien und vielen Dank fürs Kommentieren
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  6. #6
    königindernacht Guest
    Liebe Infinity,

    habe Dank für deine Begrüßung, die du mir geschrieben hast.
    Ich bin gerne noch einmal ins Forum zurück gekommen und hoffe, dass ich die alten Unzulänglichkeiten im Umgang miteinander nicht mehr antreffen werde.

    Nun aber zu deinem Gedicht "Stadtstaub":

    Dunst steigt auf, flieht fort in den Himmel.
    Mit fahlgrauen Augen blickt die Stadt
    durch halbgeschlossne Fensterlider.
    Bis hierher (Komma weg) toll.
    Träume ersticken zwischen Mauern.

    Wind treibt sanft durch Gardinenschleier,
    in müde Zimmer matten Lebens.
    Erinnerungsfänger atmen sacht,
    einen Hauch von alten Farben ein.

    (Diese vom Inhalt her gute Strophe erstickt nicht im Staub, sondern in Adjektiven- Du solltest sie unbedingt reduzieren.)

    Äste knochiger Linden ächzen,
    unter dem Druck von Sorge und Angst.
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    und Kinderschänder Freiheit hauchen.

    (Diese Strophe empfinde ich als konstruiert und nicht notwendig. Zudem vermenschelst du hier die Äste zu stark.)

    Wo Kätzchen im Stadtstaub erblinden
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    Und wird nie mehr angezündet.

    (Ein bisschen pathetisch, aber ist schon OK.)

    Es lohnt sich aus meiner Sicht, an diesem Text noch zu arbeiten, um die beabsichtigte Aussage auf den Punkt zu bringen ohne zu aufgesetzt zu wirken,

    herzlichst, KÖ

  7. #7
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    Liebe Kö,

    danke, dass du reingeschaut und dich mit meinem Gedicht beschäftigt hast.
    Ich habe einmal die alte Version überarbeitet... die eine Strophe ganz wegfallen zu lassen... da war ich mir ein wenig unschlüssig. Aber ich habe sie verändert... ob es besser klingen mag, kann ich selbst gerade nicht entscheiden. Sie nimmt der Strophe jedenfalls die Plakativität, von der Ensi bereits geschrieben hatte.

    Stadtstaub

    Dunst steigt auf, flieht fort in den Himmel.
    Mit fahlgrauen Augen blickt die Stadt
    durch halbgeschlossne Fensterlider.
    Träume ersticken zwischen Mauern.

    Ein Luftzug durch Gardinenschleier
    durchfließt die Zimmer matten Lebens.
    Während die Erinnerungsfänger
    einen Hauch alter Farben atmen.

    Äste knochiger Linden brechen
    unter dem Druck der Ausweglosen.
    Hinter den verschlossenen Türen,
    verbirgt sich ihre Sorglosigkeit.

    Wo Kätzchen im Stadtstaub erblinden
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    zerfällt diese Nacht wieder ein Licht.
    Und wird nicht mehr angezündet.


    liebe grüße
    Geändert von Infinity (16.11.2006 um 20:52 Uhr)
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  8. #8
    königindernacht Guest
    Liebe I.,

    lasse mich der Reihe nach vorgehen:

    Strophe Eins: Bitte denke doch über eine Veränderung der Zeile 4 nach. Dieses "Wo" ist 1. doppelt im Gedicht, ist grammatikalisch nicht richtig und klingt nicht gut. Mache doch, angepasst an die ersten drei Zeilen eine Aussage daraus. "Träume ersticken..." Was meinst du zur Idee?

    Herzlichst, KÖ

  9. #9
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    Liebe Kö, ich habs verändert... grammatikalisch hatte ich's eigentlich nicht zu bemängeln... aber du bist die Erfahrenere von uns beiden und ich vertrau dir in diesem Punkt.

    liebe Grüße
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