1. #1
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    Kampf der Giganten

    So schön, sich in Vergangenheit zu quälen
    lasst uns die Schmerzen lustvoll zelebrieren
    und alle Lebensgeister schockgefrieren
    voll Gier, mit kalter Hand die Sinne pfählen.

    Dem Jetzt, dem Takt der Gegenwart zu lauschen
    das ist die Quelle, willst du Leben spüren
    in hellsten Farben eignen Willen führen
    dich jeden Tag am Duft des Seins berauschen.

    Gib auf, lass alte Narben triumphieren.
    Niemals - im Lachen soll mein Glück erstrahlen.
    Genieß die Lust dich blutend zu sezieren.

    Komm mit, Erfüllung lässt sich nicht bezahlen.
    Im Blick nach Vorne kannst Du nicht verlieren
    lass uns vergangnes Leid voll Kraft zermahlen

  2. #2
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    Hey lilly-rose,
    ich bin begeistert, deine Wortwahl lässt Schauer rieseln, man spürt die Kraft und Stärke richtig, die Form deines Werkes ist auch passend (Sonnett oder?)
    Das Problem Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart zu verknüpfen und dennoch zu leben, ist vielfach zu finden, dennoch gefällt mir deine Version, die eine richtige Entwicklung zwischen These und Antithese aufweist und damit ein echtes Sonnett ist. Besonders der Imperativ wirkt ansprechend, dein Gedicht klingt nach.
    Wunderbar, Respekt!
    Bisou+baibai
    lini
    Schnee glitzert nur, wenn man langsam genug geht...

  3. #3
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    Hi Lini,

    tausend Dank.
    Ja, Du hast es völlig richtig erkannt, ein Sonett

    Dieser Kampf zwischen Selbstmitleid, Schwäche und der Lust nach Leben schreit förmlich danach.

    LG
    Thomas

  4. #4
    Falderwald Guest
    Hallo Thomas,

    auch von mir ein Lob für dieses schöne Sonett.

    So schön, sich in Vergangenheit zu quälen
    lasst uns die Schmerzen lustvoll zelebrieren
    und alle Lebensgeister schockgefrieren
    voll Gier, mit kalter Hand die Sinne pfählen.

    Ein Mensch der sich im vergangenen Leid suhlt und Vergnügen dabei empfindet, sich selbst mit seinen Gedanken zu quälen.
    Sehr schöne Bilder, die du hier verwendest.

    Dem Jetzt, dem Takt der Gegenwart zu lauschen
    das ist die Quelle, willst du Leben spüren
    in hellsten Farben eignen Willen führen
    dich jeden Tag am Duft des Seins berauschen.

    Jetzt kommt der Rat, wie das Leben wieder genossen werden könnte, und zwar indem man sich der Gegenwart hingibt und das Hier und Jetzt bejaht.
    Das heißt wohl: "Alte Zöpfe abschneiden".

    Gib auf, lass alte Narben triumphieren.
    Niemals - im Lachen soll mein Glück erstrahlen.
    Genieß die Lust dich blutend zu sezieren.

    Zuerst die Aufforderung, daß die alten Narben und Wunden wieder aufbrechen sollen, dann folgt ein Aufbäumen des LI's, daß es lieber im Lachen sein Glück sucht, dann erfolgt wieder eine Forderung sich selbst auseinander zu nehmen.

    Komm mit, Erfüllung lässt sich nicht bezahlen.
    Im Blick nach Vorne kannst Du nicht verlieren
    lass uns vergangnes Leid voll Kraft zermahlen

    Und hier kommt am Ende die Hoffnung und der gutgemeinte Rat nach Vorne zu schauen, denn dies ist niemals falsch, sondern der richtige Weg.
    Dann gelingt es auch, über das vergangene Leid hinweg zu kommen.

    Es gefällt mir sehr gut, wie du hier mit These und Antithese jonglierst und dabei niemals das Gleichgewicht verlierst.
    Und trotz des recht düsteren Themas gelingt die am Ende eine glaubwürdige Wende hin zur Hoffnung.

    Gerne gelesen, gerne kommentiert und ein dickes Daumen hoch von mir...


    Liebe Grüße

    Bis bald

    Falderwald

  5. #5
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    Hallo Falderwald,

    das freut mich ganz besonders, dass Dir mein Spiel mit den elf Silben, der These, Antithes und Sybiose so gut gefällt!! Danke für das ausführliche interpretieren und kommentieren.

    Liebe Grüße
    Thomas
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  6. #6
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    hallo lilly
    klasse!
    der inhalt ist wirklich gut, die metrik liest sich flüssig und dein reimschema gefällt mir.

    lg
    rose
    Zum Schwarzen Rosengarten (Werkeverzeichnis)


    frisch aus meiner Feder Seelenbrand im Stundenschlaf, Göttertanz, Seelenduett,
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben
    Hermann Hesse

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  7. #7
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    Hi lilly-rose,

    Dein Sonett hat mich von der ersten bis zur letzen Silbe erfasst und nicht wieder losgelassen. Es sind die kraftvollen Bilder die du benutzt und die sich eingraben. Dieses hin und her zwischen Lebenslust und "sich selbst quälen" hast du gekonnt umgesetzt(gehören sie doch unweigerlich zusammen)

    Sehr gerne gelesen

    Liebe Grüsse Wunnie
    ___Nicht am Rand-nein-Mittendurch___

  8. #8
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    Hallo rose,
    Danke Dir. Freilich ist es nicht "mein" Reimschema", sondern das enge Korsett eines Sonetts (abba – abba – cdc – dcd), dass mich hier gereizt hat, und es hat Spass gemacht, sich dort hinein zu "zwängen".

    "Die einzelnen Verse (Zeilen) des italienischen Sonetts sind Elfsilber mit meist weiblicher Kadenz. Dem entspricht im Deutschen der jambische Pentameter, dessen Kadenz weiblich (11 Silben) oder männlich (10 Silben) sein kann." so kann man es nachlesen...

    Ich glaube nicht, dass ich das 100% ig hinbekommen habe, aber das macht nix, wie gesagt, es war ein grosser Spass. Und der grösste Spass für mich war es dann, diese Wechselstimmung aus These und Antithese dann auch noch in der Vertonung, den Hintergrundklängen und der Musik umzusetzten .)


    Hallo Wunnie,
    Ich gebe Dir uneingeschränkt Recht, Lebenslust und die Sucht sich zu quälen sind manchmal wie siamesische Zwillinge, fast unmöglich, sie zu trennen...

    Euch Beiden, tausend Dank für die lobenden Worte und....
    Liebe Grüße
    Thomas
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