1. #1
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    HEP! Wir sind Papst

    HEP! Grüße aus der Schmiede.

    Hallo Freunde. Ich habe ein wenig in euren Werkstätten gestöbert und bin da bei edorre hängen geblieben… Sie hat da meinen Geist mit ein paar - auch mir wichtigen Aspekten - angefüttert und so habe ich zugeschnappt.
    Und um mich von der Angel dieses Themas wieder zu befreien habe ich es mir von der Seele geschrieben. (Rot = edorre)

    So arm im Geist sind wir geworden?
    Arm. Ok. Geworden? Nein. Geblieben.
    Kein Wunder, dass die Begeisterung sich schaudernd abwendet… Nun, die Preußen hatten – wenn sie sich denn begeisterten, so ihre ganz eigene Art… nun ja.
    Doch schwingen wir uns zu einem kleinen Gedicht empor und halten der Banalität des unromantischen, unverträumten deutschen Alltags ein kulturelles Ereignis entgegen von dem in der Bild wohl nichts stehen wird… Und doch las ich erst "jüngst" in diesem Kulturmagzin:


    Wir sind Papst!

    Wir sind Papst!
    So stand es kürzlich in der Bild!
    Mein Herz schlug da vor Freude wild,
    denn WIR, das wollt ich immer sein,
    und noch dazu mit Heiligenschein.

    Allein bleib ich ein kleiner Furz,
    die Hosenbeine viel zu kurz.
    Doch kann ich einst die „Zeit“ mal lesen
    Find ich bestimmt mein wahres Wesen.

    Da bin ich weder Papst noch Bach
    Bin nüchtern nun und kritisch wach.
    Wie find ich, wer ich wirklich bin,
    zudem auch noch den Lebenssinn?

    So quält ich meinen Geist,
    den flachen,
    und find es schon fast dreist,
    in Deutschland auch noch aufzuwachen!

    HKD

    Ansonsten hast du dir selbst die Antworten gegeben:

    Die westliche Welt hat fast den Zenit der Individuation erreicht. (Und damit den Höhepunkt ihrer Neurose.)
    Gemeinschaft aber entsteht nur dann, wenn ein Ziel da ist, das entweder notwendig ist (d.h. das Not wendet), oder begeistert.

    Nun, das Ziel ist ja kein gemeinsames. Oder kann man gemeinsam individuieren?
    Wir können zurzeit nicht an einem gemeinsamen Strang ziehen. Und das ist auch gut so.
    Für das Gemeinsamkeitsgefühl und der Identität des Volkes ist das natürlich schlecht. Mangelnde Identität und so. Es geht uns noch (Gott sei Dank) zu gut, als dass wir eine gemeinsame Not-Wendigkeit erführen.
    Woher könnte eine neue Begeisterung kommen und worin könnte sie bestehen?
    Sobald mir zu diesem Punkt eine Inspiration geschenkt wird, melde ich mich wieder aus meiner Werkstatt.
    Bis dann, Hep Hep, hurra!
    Geändert von Kopp-Delaney (15.11.2006 um 23:51 Uhr)

  2. #2
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    Weißt du wo ich momentan meine Schwierigkeiten mit Deutschland habe?
    Das ist die Einstellung zu Hartz Empfängern, die von Presse und Politik zur Zeit manipuliert wird. Mir ist es Gott-sei-Dank bis jetzt erspart worden, denn man muß sich ja fast schämen zu zugeben das man Hilfe vom Staat braucht. Das Bild das in der Öffentlichkeit gezeichnet wird: Alles arbeitsscheue Individien die sich lieber auf die faule Haut legen anstatt zu arbeiten, die es drauf haben den Staat auszunutzen und dem Steuerzahler auf der Tasche liegen. Ich will ja gerne zugeben das es in jedem System Menschen gibt die dieses System auszunutzen wissen, aber bei ca. 5 Millionen Arbeitslosen glaube ich einfach nicht, dass das alles Sozialschmarotzer sind. Dann soll doch mal Arbeit beschafft werden und dann sollen unsere Politiker mal zusehen wieviel tatsächlich von diesen "Schmarotzern" überbleiben. Doch ich befürchte solange unser Staat diesen "Heuschreckenkapitalismus" Vorrang gibt und große Firmen ihrer sozialen Verantwortung nicht gerecht werden, werden die Arbeitslosenzahlen weitersteigen und die Unkenrufe von Politikern und Presse immer lauter schallen um eigene Unzulänglichkeiten zu verstecken.
    Wie kann es denn angehen, dass große Versicherungsgesellschaften ein Milliardengewinn einstecken und ihren Aktionären schöne Dividenden ausschütten können, aber im gleichen Atemzug Massenentlassungen bekannt geben? Das gleich gilt für einen bekannten Autokonzern, niemand fühlt sich für den Menschen, der doch gleichzeitig auch Konsument ist, verantwortlich, nur für seinen Geldbeutel. Und sich dann beschweren das die Umsätze zurückgehen weil niemand mehr was kauft. In meiner Stadt hat ein gut gehendes Unternehmen mit vielen Arbeitsplätzen verkauft, (an einen asiatischen Investor) wohl wissend das nicht die Firma erhalten werden sollte sondern die gut gehenden Firmenteile ausgeschlachtet und verkauft werden sollten. DAs Ergebnis: dem Investor geht es gut, dem ehemaligen Besitzer geht es gut. Die Firmenteile die nicht so gut liefen blieben übrig und werden nun wegen Unrentabilität geschloßen. Sind die Leute, die in einer relativ schwachen wirtschaftlichen Zone am linken Niederrhein wohnen, alle nun "Sozialschmarotzer" ?
    Haben sie diesen Weg freiwillig gewählt? Liegen sie gerne "dem Steuerzahler" auf der Tasche? Was wäre ihnen wohl lieber gewesen?
    Aber lassen wir ruhig weiter unsere Politiker diese Menschen schlecht machen, sehen wir uns weiter Bilder an von Leuten die mit Hartz auf Mallorca in der Sonne liegen. Denn die scheinen ja in den Köpfen einiger Verantwortlicher in der Mehrzahl zu sein. Ich kenne auf jeden Fall niemanden der es schafft von den paar Kröten auch noch in Urlaub zu fahren. Also ich hebe meinen Kaffeebecher auf alle die es sind und künftig sein werden( denn es kann jederzeit jeden treffen) auf die Sozialschmarotzer in Deutschland.

    badico
    Geändert von badico (15.11.2006 um 08:47 Uhr)

  3. #3
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    Zitat Zitat von badico
    Weißt du wo ich momentan meine Schwierigkeiten mit Deutschland habe?
    Das ist die Einstellung zu Hartz Empfängern, die von Presse und Politik zur Zeit manipuliert wird. Ich will ja gerne zugeben das es in jedem System Menschen gibt die dieses System auszunutzen wissen, aber bei ca. 5 Millionen Arbeitslosen glaube ich einfach nicht, dass das alles Sozialschmarotzer sind. Dann soll doch mal Arbeit beschafft werden und dann sollen unsere Politiker mal zusehen wieviel tatsächlich von diesen "Schmarotzern" überbleiben.
    Haben sie diesen Weg freiwillig gewählt? Liegen sie gerne "dem Steuerzahler" auf der Tasche? Was wäre ihnen wohl lieber gewesen?
    Aber lassen wir ruhig weiter unsere Politiker diese Menschen schlecht machen, sehen wir uns weiter Bilder an von Leuten die mit Hartz auf Mallorca in der Sonne liegen. Denn die scheinen ja in den Köpfen einiger Verantwortlicher in der Mehrzahl zu sein.
    badico
    hallo badico
    Ich verstehe deinen Frust total. In der ganzen deutschen Polit-Mannschaft ist keiner da, der es sich zum Ziel und das meine ich wirklich, zum echten Ziel setzt, mehr Arbeitsplätze zu schaffen, komme was da wolle! Das müsste die erste Priorität sein! Stattdessen wird die Verantwortung auf die Bevölkerung geschoben, auf die Arbeitslosen.
    Und das nennt sich nun neue Führung! Für mich sind die zurzeit ein absolut ideenloser Haufen. Nicht dass ich gute Ideen hätte, aber ich kassiere auch keine Abertausende. Ich habe mich nicht vollmundig zur Wahl gestellt.

    Solange unter dem Politikervölkchen nicht endlich einer aufsteht und sagt, was absolute Priorität hat, nämlich Arbeitsplätze (um jeden Preis!!), solange wird es einfach bei Steuererhöhungen bleiben.

    Die Phantasielosigkeit in Berlin schreit wirklich zum Himmel!!
    Ich gebe dir voll und ganz Recht!
    HKD
    Geändert von Kopp-Delaney (15.11.2006 um 23:09 Uhr)

  4. #4
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    Zitat Zitat von Kopp-Delaney
    Die westliche Welt hat fast den Zenit der Individuation erreicht. (Und damit den Höhepunkt ihrer Neurose.)
    Nicht der Neurose, sondern der exogenen Depression...das ist ja gerade der springende Punkt...kennst du die Untersuchung des Franzosen Michel Ehrenberg mit dem etwas reißerischen Titel "Das erschöpfte Selbst"?...Ist lesenswert...der interessanteste Aspekt ist die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit der westlichen Gesellschaft und ihrer Leitbilder, und natürlich deren Auswirkungen auf die Psyche (Depression, wie gesagt)...soll heißen: "Jeder ist seines Glückes Schmied" als Mantra, de facto aber ja sehr beschränkte Möglichkeiten der Selbstverwirklichung...die Neurose ist nach Ehrenberg eher ein Charakteristikum des beginnenden 20. Jahrhunderts, als die Modernisierung der Lebenswelten aufgrund mangelnder kultureller, traditioneller und sozialer Schemata des Umgangs diese Welle der psychischen Erkrankung auslöste...

    Till
    "Here was a generation...grown up to find all gods dead, all wars fought, all faith in man shaken."
    (F. Scott Fitzgerald)


  5. #5
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    Zitat Zitat von Till
    Nicht der Neurose, sondern der exogenen Depression...
    Till
    Hallo Till.
    Da kann ich etwas mit anfangen, denn für mich endet jede Neurose in der Depression, bzw. geht diese mit der Neurose einher. Die Neurose ist für mich der innere Konflikt, der mit wachsendem Bewusstsein unvermeidbar ist. Wenn die Gegensäzte im Innern aufbrechen, wird die Handlungsfähigkeit immer stärker gelähmt, weil man immer weniger weiß, was richtig und was falsch ist. Ich kann deine Aussage nur bestätigen: Ja, das alte Europa steckt in einer Depression! Das ist nach der Katastrophe des II. Weltkrieges geradezu schlussfolgerichtig. Ich selbst überlege noch, wie man dem kranken Mitteleuropa und natürlich den Menschen, wieder einen neuen Lebenssinn geben könnte. Im Augenblick erscheint es mir angebracht, dem "Patienten" erst einmal bewusst zu machen, was als gefühlter Umstand schon längst da ist. Die meisten spüren es dumpf, die wenigsten wissen es: Mitteleuropa leidet unter Melancholia.
    Ich habe Ehrenberg nicht gelesen, doch kann ich mir vorstellen, dass er interessant sein könnte.
    "Jeder ist seines Glückes Schmied" ist natürlich ein vollkommen unzutreffendes "Mantra", ich könnte auch sagen: Ein blöder Spruch! Der gehört ins 19. Jhd. wo die Psychologen noch meinten, der Ego-Wille sei der Nabel der Welt und man könne ihn ganz einfach aus dem Hut zaubern... Als könne man einem Depressiven sagen: Hör ganz einfach auf mit deinen Grübelleien. M. E. gibt es nur einen Weg: Diagnose akzeptieren und Bewusstheit weiter ausbauen. Es gibt ein Ende der Depression sobald ein neuer Lebenssinn am Horizont auftaucht. Für den einzelnen Menschen kann das eine "neue Liebe" oder eine neue "Leidenschaft" sein. Da Kriege mehr oder weniger dem 20. Jhd. angehören könnte es sein, dass auch für das Kollektiv ein Bewusstseinssprung ansteht, ins Herz und in mehr Bewusstheit.
    Ich bin noch mit ein paar Ideen "schwanger". Mal schaun, wie man "Völker" durch ihre Depression begleiten könnte...
    Alles Liebe HKD

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