1. #1
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    Arrow Verfluchte Kunst

    Verfluchte Kunst (bearbeitet)

    Mit leichtem Herzen steht er lächelnd
    dicht am Fenster mit der Nase,
    von Laternen schwach beleuchtet -
    und erspäht die eine Vase.

    Licht und Schatten und ein Leben
    zeigt die reine Oberfläche,
    als ob der Vase mystisch' Stimme
    leise flüsternd mit ihm spräche...

    Unheimlich sollte ihm jetzt werden,
    würde jederman erkennen,
    doch er wirkt wie festgebunden,
    nicht imstande fortzurennen.

    So viele Vasen schon gesehen:
    Rote, blaue, schwarze, weiße,
    reich verzierte oder schlichte
    auf seiner langen Weltenreise.

    Ist jene hier im Grunde hässlich,
    grüngestreift, am Halse braun,
    erzählt sie jedoch leis’ Geschichten,
    sodass er wagt, sie anzuschauen.

    Auf ihrer glatten Oberfläche
    formen sich vergang'ne Dinge,
    zeigen eines Mädchens Körper
    mit dem Kopfe in der Schlinge,

    umringt von grinsenden Gesichtern,
    gut gekleidet, wohl genährt,
    die mit Inbrunst darauf hoffen,
    dass die Maid zur Hölle fährt.

    Des Mädchens lange dunkle Haare
    fließen über Hals und Brüste,
    fantastisch ihre Proportionen,
    denen „Mann“ verfallen müsste.

    Ihre Augen spielen Ängste,
    wissend, dass der Tod nicht fern.
    Noch vor wenigen von Tagen
    hatte sie ein jeder gern.

    Doch warum dies plötzlich' Hassen,
    was zum Henker ist geschehen,
    dass die Menschen auf dem Schauplatz
    sie mit Todesgier ansehen?

    Wir werden es wohl nie erfahren,
    denn des Betrachters Mitgefühl
    seine Handlung schwer beeinflusst,
    als der Henker walten will.

    Noch bevor der schöne Körper
    an dem Seile baumeln kann,
    greift der Mann nach einem Steine,
    wirft gezielt und trifft sodann

    diese Scheibe, hinter welcher
    die gestreifte Vase steht,
    hebt und wirft sie derb zu Boden,
    dass das Stück zu Bruche geht:

    Mit lautem Klirren, Rauch und Zischen
    birst die Vase, und mit Schrecken
    sehn wir unseren Betrachter
    sich hinter einer Wand verstecken.

    Aus der Scherben kläglich Reste
    steigt in hellem Licht empor
    jenes Mädchen, quicklebendig,
    das noch hing am Strang zuvor.

    Nachdem Spuk und Dunst verschwunden,
    hört er das Mädchen leise lachen:
    „Komm zu mir und küss mich, Retter
    dann werde ich dich glücklich machen.“

    Zögernd blickt er um die Ecke -
    oh, was will ihr Blick verführen!
    Da verlässt er sein Verstecke,
    um sie doch von nah zu spüren.

    Mit jedem Schritt spürt er es klopfen,
    sein Herz ist schwerer als Zement.
    Er stürzt in Ihre weichen Arme,
    küsst ihren Mund ganz ungehemmt.

    Plötzlich hört er sie höhnisch lachen.
    Im Dunst reißt sie ihn mit sich fort,
    zum Schluss hört man ein lautes Krachen,
    danach ist still und leer der Ort.

    ~

    Jahre später in dem Fenster
    einer völlig and'ren Straße
    beim Antiquitäten-Händler
    sieht man eine neue Vase.

    Sie ist blau mit weißen Punkten
    und am Halse etwas braun,
    sie ist unwahrscheinlich hässlich
    jedoch wagt man sie anzuschauen.

    Auf ihrer glatten Oberfläche
    formen sich vergang'ne Dinge:
    Des Mannes angsterfüllte Augen
    und seinen Kopf in einer Schlinge...
    Geändert von massivemind (21.11.2006 um 18:28 Uhr)
    In einer Fakewelt kannst du selbst nicht realer sein.

  2. #2
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    Hallo massivmind,
    die Story hat mir sehr gut gefallen. Die Umsetzung ist leider nicht so gut wie der Inhalt. Nach der ersten Strophe habe ich überlegt, ob ich weiterlesen soll. Wenn du zB in S1/Z2 "vor dem" ersetzt durch "nah am" dann brauche ich nicht überlegen, ob das Fenster eine Nase hat. (Was für dich klar ist, muß ich ja erst rausfinden) Die Reime sind manchmal etwas unrein, und metrisch holpert es noch an einigen Stellen (zB "Unheimlich sollte ihm jetzt werden,") Dadurch ist der Sprachfluss nicht so, dass ich mich voll auf die Handlung konzentrieren kann. Es ist nicht einfach, so ein langes Gedicht zu schreiben, ohne an schwierigen Stellen mal zu Gunsten des Handlungsablaufs oder der Wortwahl ein Auge bezüglich Metrik oder Reim zuzudrücken. Da das Gedicht sonst gelungen ist, stören mich diese kleinen Fehler. Gerade die erste Strophe ist ja der Einstieg. Jetzt hätte ich mich geärgert, wenn ich nicht weitergelesen hätte. Ich möchte auch nicht miesmachend jeden kleinen Fehler suchen, dazu gefällt es mir von der Geschichte zu gut. Nur wenn du es wünschst und es dir helfen würde, zeige ich dir die Stellen, die mE noch verbessert werden könnten. Ich habe es gerne gelesen und das nicht alles optimal ist, ändert nichts daran, dass es ein gutes Gedicht ist.

    Krähe

  3. #3
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    ersteinmal vielen dank. ich denke, mit einer solchen kritik kann ich gut arbeiten und leben...
    hm, ich wage allerdings wegen "unheimlich sollte ihm jetzt werden" zu widersprechen, kann man natürlich verschieden sehen, für mich liegt aber die betonung hier nicht auf "un", sondern auf "heimlich", und daher passte es wohl für mich.
    die sache mit dem fenster überzeugt mich, dies zu überarbeiten.

    liebe grüße
    In einer Fakewelt kannst du selbst nicht realer sein.

  4. #4
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    Hallo massivemind,
    der Duden sieht es so wie du (unheimlich, nur als auch möglich steht dort unheimlich). Da hat mein Sprachgefühl getrogen und ich hätte eher nachschlagen sollen. Das ist manchmal nicht so einfach.

    Krähe

  5. #5
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    ICH LAS DIE ERSTE ZEILE BIS ZUR LETZTEN
    WEIL DIE GESCHICHTE MICH VERSCHLANG
    WO ANDERE AUGEN HINÜBERHETZTEN
    FOLGTE ICH DES REIMES KLANG

    JA SO WARS BIS AUF ZWEI STELLEN (UND DIE NASE!)

    Nachdem Spuk und Dunst verschwunden,
    -? vllt. der Spuk...

    einer völlig and'ren Straße
    -vllt.passt Stadt besser?
    beim Antiquitäten-Händler
    -? mmh

    VIELLEICHT MUSS MANS AUCH ANDERS LESEN

  6. #6
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    also das ist ja schon einiges mehr. so konstruktive kritik bin ich echt nicht gewohnt. danke!

    dennoch @zigovia:
    Zitat:
    Nachdem Spuk und Dunst verschwunden,
    -? vllt. der Spuk...

    -->wenn ich "der spuk" schreibe, sollte ich, um dem klang des satzes zu folgen, auch "der dunst" schreiben. das allerdings verlängert die zeile und lässt es holpern. das lasse ich lieber so und zwinge dem leser das bemühen auf, entweder beim lesen "hört er" tendenziell zu verschlucken oder dann zwischen "Mädchen" und "leise lachen" eine kurze Spannungspause einzulegen.
    ist schwer zu erklären, ich schreibe meist nach gefühl, und es passt für mich irgendwie und holpert doch nicht soo sehr, dass man probleme beim lesen bekommt.

    Zitat:
    einer völlig and'ren Straße
    -vllt.passt Stadt besser?

    --> guter vorschlag, reimt sich aber nicht auf "vase".

    Zitat:
    beim Antiquitäten-Händler
    -? mmh
    VIELLEICHT MUSS MANS AUCH ANDERS LESEN

    -->in der tat. jede silbe dieses satzes wird mit der gleichen länge betont, nämlich so: "beim-an-ti-qui-tä-ten-händ-ler", und dabei ist jegliche dem duden entsprechende silbentrennung wurscht, man kann sich da an die vokale in den "silben" halten.


    @krähe:
    oh, ich war mir echt nicht klar, was der duden dazu sagt. hatten wir also beide recht. ich schreib seit jahren nach gefühl und schlage das nie nach. nun, ich finde, man muss das alles nicht so eng sehen. dazu hat man doch die künstlerische freiheit, oder? letztendlich ist es auch egal, wie man "unheimlich" betont, weil diejenigen, die das wort kennen - ja und wer denn nicht? - ja wohl in der lage sind, dessen bedeutung zu assoziieren...?

    so, ich werd mich jetzt mal mit der überarbeitung befassen und gleich updaten.
    greetz
    In einer Fakewelt kannst du selbst nicht realer sein.

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