Thema: Kuss im Regen

  1. #1
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    Kuss im Regen

    Kuss im Regen


    granit und gneis
    moor und leichen
    alles einsam
    wir küssen uns
    im tiefdruckgebiet

    lauer regen
    verwässert den
    fauligen gestank
    moor und leichen
    und wir

    granit und gneis
    hochland
    im tiefdruckgebiet
    und schnürlegen
    wir küssen uns

    verschiebungen
    kristallines grundgebirge
    kristalliner kuss gehaucht
    tektonik und
    herzverschiebung

    granit und gneis
    und der regen
    alles einsam
    herzverschiebung
    in die falsche richtung

    deine lippen lösen sich
    von den meinen
    und nichts bleibt
    nur moor und leichen
    granit und gneis
    Geändert von Roderich (16.11.2006 um 23:27 Uhr)
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
    Jorge Luis Borges


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  2. #2
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    bedrückende stimmung, respekt...
    schöne wörter, vor allem: NEUE wörter, die nicht so oft verwendet werden...
    schön gemacht, mir persönlich missfallen ein bisschen die wiederholungen, aber es ist sicher mit vollster absicht gemacht, ich mags nur net soooo...
    trotzdem schöne atmosphäre, die du aufbaust! wirklich ein gelungenes werk, meine hochachtung!

    MfG,
    PoD
    Das Leben ist hart, aber unfair!...............................................36144mal gelesen, 622 Antworten... Danke! (Stand 17.3.2009)

    < Der Fliesenboden > als Fortsetzung von < Ein Routinier? >
    < Es schweigt und tickt >

  3. #3
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    Hallo Patron of Death,

    vielen herzlichen Dank für deine anerkennenden Worte. Es freut mich sehr, wenn du die Stimmung des Gedichtes so aufnimmst, wie ich es vermitteln wollte.

    Was die Wiederholungen betrifft, so wurden die natürlich mit Absicht gesetzt. Der Hintergrund ist der, dass dadurch der Text quasi "zusammengeknotet" wird, da ein einziger, flüchtiger Moment beschrieben wird. Hier ist natürlich das Hauptaugenmerk auf "granit und gneis" (Frage nach dem Ort, gleichzeitig dient der Stein als Metapher, Versteinerung, Härte, auch gefühlsmäßige Kälte) und "moor und leichen" (tragendes Stimmungselement).

    Natürlich sind solche Wiederholungen Geschmackssache. Ich mag sie ganz gerne, wenn sie in einen Text passen und hier haben sie mir ganz gut reingepasst. Aber ich habe auch vollstes Verständnis für Leute, die Wiederholungen nicht mögen. Das bleibt jedem selbst überlassen.

    Viele Grüße

    Thomas
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  4. #4
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    Lieber Roderich!

    Endlich find ich mal die Zeit, auf eins Deiner Werke zu antworten.
    Wie meistens, ist auch dieses kein lockerer Flocken, sondern schwermuetig angehauchte Lektuere, nicht ganz leicht zu verdauen.

    Obwohl ich mehr ein Freund des Reimes bin, vermag es mich nicht nur zu ueberzeugen, sondern aussergewoehnlich gut zu gefallen.

    Die Stimmung, die es hervorruft, ist duester und wehmuetig, den Leser erfasst Beklemmung und Traurigkeit, ob des Abschieds des lyrIchs von der geliebten Person, der verlorenen Liebe.
    Granit und Gneis veranschaulichen die Verhaertung der Gefuehle, die Moorleichen haben den Anruch der Zersetzung, Fauelnis, des Zerfalls...sehr geschickt gewaehlte Metaphern.

    Die Wiederholungen haben mich nur beim ersten Mal lesen ein wenig gestoert, beim nochmaligen Lesen (und Einsinkenlassen) haben sie sich ganz einwandfrei in den Text eingefuegt, ohne sich nochmals aufzudraengen.

    Das einzige, mit dem ich mich nicht anfreunden kann, ist, dass Du S2 mit 'und' beginnst.
    Mir ist die Absicht, die Du dabei gehabt hast, klar, Du willst die Strophen ineinanderfliessen lassen, aber mM nach ist dieses 'und' hier zu flach und nichtssagend, nur ein Fuellwort eben.
    Ganz spontan ist mir 'lauer Regen' eingefallen, was bei wiederholtem Einlesen fuer gut angebracht erschien, das Wort 'lau' fuegt sich mM nach stimmlich gut ins Gesamtwerk ein.

    Alles in allem, ein toll gezeichnetes Bild, wie man es von Dir ja schon gewohnt ist.

    Sehr gern gelesen und mich damit auseinandergesetzt.

    Herzliche Gruesse in die alte Heimat
    von Lailany

  5. #5
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    Hallo Lailany,

    vielen lieben Dank für deinen so ausführlichen und wohlwollenden Kommentar. Es freut mich sehr, dass auch du als Fan der eher klassischen Dichtung mit meinem Gedicht etwas anfangen kannst. Denn leichte Kost ist das, wie du schon geschrieben hast, nicht und ich akzeptiere es daher voll und ganz, wenn jemand keinen Zugang dazu findet.

    Was die von dir kritisierte Stelle betrifft, so stimme ich dir zu und bin dir sehr dankbar für deinen Vorschlag, der wirklich wunderbar ist. Der laue Regen passt hier wirklich super rein, v.a. im Hinblick auf den fauligen Gestank. Ja, das gefällt mir gut und gerne werde ich das einbauen. Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße

    Thomas
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  6. #6
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    Lieber Roderich!

    Nix zu danken, freut mich, dass es Dir zugesagt hat.
    Bei Fremdwerken kommen mir meistens wesentlich bessere Einfaelle als zu meinen eigenen.

    Es winkt nach Salzburg
    Eva

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