Thema: Wüstenrosen

  1. #1
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    Wüstenrosen

    Die Luft flimmert trocken und heiß,
    verstreute Knochen im Sand;
    der Tod ist hier Herr im Land,
    der Himmel nicht blau sondern weiß.

    Die gleißend lodernde Flut
    des grellen Sonnenlichts brennt
    auf Blüten aus Pergament,
    verdorrt in der glühenden Wut.

    Sie hat mir entgegengelacht,
    wo alles Leben sonst flieht.
    Mein einsamer Schatten kniet
    vor der nun vergangenen Pracht,

    aus deren verblichenem Rot
    ihr mattes Leben entweicht;
    der Sand wird von Tränen feucht;
    kurz zögert der staubige Tod.

    Vom Anblick des Sterbens gebannt
    seh' ich die Blätter dann fall'n;
    verzweifelte Hände krall'n
    sich hilflos in brennenden Sand.

    Von grausamen Winden verweht,
    so wird zuletzt auch ihr Staub
    der sengenden Hitze Raub,
    in der alles Schöne vergeht.

    Und doch: etwas hat überlebt.
    Es ist nicht alles verglüht
    und rastlos davongeschwebt;
    ich weiß einen Ort, wo es blüht.

    Sie säte im Herzen sich ein;
    nun trag' ich Rosen in mir.
    Dort blüh'n sie für Dich allein;
    samt meinem Herz schenk' ich sie Dir.
    Ich versuche auch nur, zu sagen, wovon ich glaube, es seien meine Gedanken, in der Hoffnung, meine Meinung beruhe nicht einfach nur auf Irrtümern.
    Liebe macht blind - nicht blöd!

  2. #2
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    hallo Y~shark
    dein gedicht überzeugt mich.
    es gefällt mir sehr gut, liest sich flüssig und auch der inhalt ist schön ausgearbeitet.
    die metrik stimmt und das umarmende reimschema hats mir ohnehin angetan.
    aauch die bilder, die du hier vermittelst sind echt schön.

    gern gelesen

    lg
    rose
    Zum Schwarzen Rosengarten (Werkeverzeichnis)


    frisch aus meiner Feder Seelenbrand im Stundenschlaf, Göttertanz, Seelenduett,
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben
    Hermann Hesse

    *schwarzeRose*

  3. #3
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    Aloha Y~shark

    Deine Bilder gefallen mir sehr gut, erzeugen eine schwere Stimmung.
    Das Reimschema passt, wieshwrze Rose schon anmerkte, gut zum Inhalt.
    Lediglich mit der Interpunktion tue ich mich schwer. Die ist mir zum einen zu unregelmäßig und zum anderen strikt/endgütig gesezt. Ich hätte dein Gedicht gerne ohne jegliche Interpunktion gelesen. So fällt es mit schwer den Fluss zu finden.
    Aber wie schon gesagt, der Inhalt ist sehr schön umgesetzt.

    Gruß, Shadyn

  4. #4
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    Hallo *schwarzeRose*, aloha Shadyn!
    Es freut mich natürlich sehr, wenn euch das Bild der Wüstenrose angesprochen hat. Zu wissen, daß man anderen Menschen eine kleine Freude machen konnte, ist mir immer ein süßer Lohn für die investierte Mühe. Vielen Dank also für eure Aufmerksamkeit.

    Was die Interpunktion angeht: ich habe nahezu jeden Punkt, jedes Komma und jedes Semikolon mehrfach geändert und eigentlich bräuchte ich neben den 26 Buchstaben des Alphabets nocheinmal ebensoviele Abstufungen an Interpunktionszeichen, um es auch nur für meinen Geschmack einigermaßen zufriedenstellend hinzubekommen. Trotzdem halte ich korrekte Syntax auch bei Gedichten für sinnvoll und werde sie beibehalten. Meines Erachtens fällt es viel leichter, beim Lesen die Interpunktion zu ignorieren (ich wäre der letzte, der jemandem deswegen böse wäre), als sie neu setzen zu müssen. Sie soll schwachen Geistern (ich denke da in erster Linie an mich selbst) als Hilfe und Stütze dienen, keinesfalls jedoch als Gefängnis für diejenigen, welche solcher Hilfen nicht bedürfen.

    Grüße vom Y~shark
    Geändert von Y~shark (18.11.2006 um 17:36 Uhr)
    Ich versuche auch nur, zu sagen, wovon ich glaube, es seien meine Gedanken, in der Hoffnung, meine Meinung beruhe nicht einfach nur auf Irrtümern.
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  5. #5
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    Hallo Y , ich weiß immer noch nicht, wie es geht) shark,
    da blüht mir doch am Abend eine romantische Blume auf! Mein Lieber, da hast Du aber mal ein Ding reingestellt, an dem sich so manche/r messen lassen muss! Ich habe Dein Werk mit Genuss gelesen und werde es noch öfter tun. Sehr schön ist der Wechsel von den umschlingenden zu den Kreuzreimen in den letzten beiden Strophen, in denen Du von der realistischen Beschreibung der Wüste (ich kürz das mal so ab) sozusagen zu Deiner Empfindung kommst.
    Rundum gelungen und sehr schön. Es hebt sich wie ein Milan (Adler lass ich mir als Steigerung noch offen) über die Schar der ängstlich flatternden Küken und deren Piepsen. Bewunderung mischt sich mit Lob.
    Liebe Grüße,
    heinzi

  6. #6
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    Hi Y~Shark



    das ist eine Wüstenrose

    Ich mag dein Gedicht.
    Es liest sich schön und flüssig, die Reime und der Inhalt sprechen mich an.
    Eine Interpretation ist ja schon erfolgt, wobei du die Wüstenrose im übertragenen Sinne gemeint haben kannst (als Geliebte z.B.)
    oder die oben gezeigte als echte Wüstenrose, lt. Wikipedia ein "bizarres Kristallgebilde" ?

    Jedenfalls habe ich dein Gedicht sehr gern gelesen.

    Mit Gruß,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  7. #7
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    Endlich finde ich Zeit, mich gebührend für eure Mühe zu bedanken, einem unbedeutenden Hobby-Poeten eure geschätzte Meinung kundzutun.

    Hallo Kulturheinzi!
    Als ich deinen Kommentar gelesen hatte, mußte ich erst einmal schlucken. Gleichzeitig ist mein Gesicht wahrscheinlich ganz schön rot geworden . Wie ein sich über die Schar der ängstlich flatternden Küken und deren Piepsen erhebender Milan soll es sein? Welch schwere Prüfung für meine armseligen Versuche, mich in der hohen Tugend der Demut zu üben (zumal mir dies als von Natur aus unerträglich arroganter Menschen ohnehin schon reichlich schwerfällt). Aber um Mißverständnisse zu vermeiden: ich habe mich wirklich sehr über deinen wohlwollenden Kommentar gefreut (und solange es mir gelingen darf, alle Ehre ungeschmälert an meinen Schöpfer weiterzureichen, bleibt auch alles in bester Ordnung, hoffe ich). Wenn du es nur ehrlich meinst (aber ich kann mir jetzt nur schwer vorstellen, daß du dich einfach über mich lustig machst und ich bloß zu blöd bin, um es zu merken ).
    Ich bin zwar nicht wagemutig genug, explizit um härtestmögliche Kritik zu bitten, aber ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn du (und natürlich auch jede/r andere hier) einen Blick auf folgende zwei Werke meiner Wenigkeit werfen könntest, welche bislang ohne viel Beachtung verhallt sind: "Engelchen" und "im Nebel". Es geht mir nicht darum, alte Themen wiederzubeleben, ich würde einfach nur gerne eine weitere Meinung hören. Deshalb wäre ich mit einer kurzen, ehrlichen Stellungnahme per privater Nachricht auch vollauf zufrieden. (Falls sich jemand doch zu einem richtigen Kommentar gedrungen fühlen sollte, kann und will ich das natürlich auch nicht verwehren.)
    Noch ein paar kurze Worte zu der ominösen Welle: die Taste mit der Aufschrift "Alt Gr" (rechts neben der Leertaste) gedrückt halten und dabei dann die Taste mit den drei Symbolen "+*~" (rechts neben dem "ü") drücken.
    Viel Spaß beim Wellenmachen und lieben Gruß vom Y~shark

    Hallo supikatzi!
    Ich freue mich aufrichtig, daß es dich angesprochen hat. Daß die Wüstenrose als "bizarres Kristallgebilde" tatsächlich in der Realität existiert, habe ich gar nicht gewußt. Ich hatte einfach das Bild einer herkömmlichen Rose im Wüstensand vor Augen. Das eine Interpretation bereits erfolgt ist, wage ich, ein wenig in Frage zu stellen. (Die Wüstenrose steht nicht für einen Menschen. Sie stirbt ja in dem Gedicht und solch eine Todeserfahrung ist mir in der Realität bislang glücklicherweise erspart geblieben.) Mit dem Bild der Rose in der Wüste vor meinem inneren Auge und einer ordentlichen Portion Liebeskummer im Herzen hatte ich ursprünglich zwar keine weitere Intention als etwas psychologische Eigentherapie, im Nachhinein ist mir dann aber folgende, wie ich finde recht schöne Interpretationsmöglichkeit aufgefallen (wer lieber noch ein wenig auf eigene Faust interpretieren will, möge den folgenden Absatz bitte vorerst ignorieren):
    Ein junger Mann erzählt seiner Geliebten seine Geschichte: wie er schon einmal glaubte, die wahre Liebe gefunden zu haben; wie vieler widrigen Umstände zum Trotz wunderbare Hoffnungen aufgekeimten und alles so rosig aussah; wie dann die große Enttäuschung (keine Gegenliebe) alles zunichte machte; wie seine Tränen zu einem kurzen, mitleidsvollen Aufschub des Unvermeidlichen führten, dann doch die grausame Erkenntnis kam und er schließlich mit der Gewißheit zurückblieb, nie wieder jemanden wirklich lieben zu können. Aber nun ist nach langer Zeit das scheinbar Unmögliche doch geschehen. Obwohl sich Manches ganz anders äußert als damals, trägt er eine tiefe, unfaßbare Liebe zu der vor ihm stehenden/in seinen Armen liegenden Person in seinem Herzen...
    Auch dir einen lieben Gruß vom Y~shark


    Insgesamt will ich einfach noch einmal allen ganz herzlich danken, die sich hier geäußert haben. Eure in weiten Teilen so positive Kritik gibt mir besonderen Grund, dem dreieinigen Gott für das Gelingen zu danken.
    Euch allen liebe Grüße vom Y~shark
    Geändert von Y~shark (20.11.2006 um 12:56 Uhr)
    Ich versuche auch nur, zu sagen, wovon ich glaube, es seien meine Gedanken, in der Hoffnung, meine Meinung beruhe nicht einfach nur auf Irrtümern.
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  8. #8
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    Also, jetzt bin ich erst einmal ganz baff! Hört sich ein Lob von mir so zweifelhaft an? Nein! Es war ehrlich gemeint. Das zweite Mal war ich baffbaff, als ich las, dass Du die Wüstenrose, wie von katzi abgebildet (sie hat mir immer noch nicht verraten, wie sie ein Bild ins Forum , bzw. in eine Antwort kriegt) bisher nicht kanntest. Jetzt könntest Du glatt noch `ne Strophe dran hängen, in der dieses kristalline Röschen in einen Bezug zu der Rose im Herzen gesetzt wird.
    Liebe Grüße,
    heinzi

  9. #9
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    Hallo Kulturheinzi!
    Nein, eigentlich hört sich dein Lob nicht zweifelhaft an. Ich war einfach nur quasi baffbaffbaff, von solch einem unverholenen Kritiker wie dir (ich brauch dir jetzt ja nicht erzählen, daß deine Antworten manchmal doch recht hart rüberkommen) zweimal in Folge so viel Lob zu ernten. Bevor mich da der Größenwahn übermannt (ist ja erst mein viertes Gedicht, das ich zum Abschuß, also zur Kritik freigegeben habe), zweifel ich lieber kurz an meinem Verstand und Auffassungsvermögen. Außerdem bin ich mir etwa einer Handvoll möglicher Kritikpunkte bewußt, die jedoch von niemandem genannt wurden. Im Wesentlichen wollte ich einfach nur betonen, daß ich mir auf jeden Fall ehrliche Kritiken wünsche ('tschuldigung, wenn ich das nicht so passend ausgedrückt habe, das sollte keinesfalls irgendeine Unterstellung sein).
    Das mit der zusätzlichen Strophe werde ich mir noch gut überlegen müssen. Ich will ja auch nichts zerstören (die sehen recht fragil aus diese Wüstenrosen). Mal schau'n...

    So und damit ich nicht den Eindruck eines verschüchterten Seepferdchens zurücklasse:
    Mit lebensfrohem Lobpreis seines Schöpfers verläßt euch nun in die Mittagspause der (lyrische) Weltmeerbeherrscher und Poet mit Welle nach dem Y!
    Grüße vom Y~shark
    Geändert von Y~shark (20.11.2006 um 13:32 Uhr)
    Ich versuche auch nur, zu sagen, wovon ich glaube, es seien meine Gedanken, in der Hoffnung, meine Meinung beruhe nicht einfach nur auf Irrtümern.
    Liebe macht blind - nicht blöd!

  10. #10
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    Hallo Y~shark,

    bewundernder Applaus.
    Beeindruckend viele deutlich vorstellbare und für mich wie temperaturbegleitete Bilder,
    die sich zu einem stimmigen Zyklus reihen und so in ihrer Gesamtheit ein zusätlich verschönerndes Element darstellen.

    Es ist kein sachlich zu rechtfertigendes Empfinden meinerseits und doch hat die letzte Zeile des Gedichtes mein Sprachgefühl beunruhigt.
    Sollte es sich für mich verständlich äußern, melde ich mich wieder.

    Mit tiefem Verbeugungsgruß, wenigviel
    wenigviel


    Es kann sein, alles ist anders als wir es wahrnehmen und erkennen und doch müssen wir es uns glauben.

  11. #11
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    Hallo wenigviel!
    Da habe ich dich ja beinah übersehen, obwohl dein Beitrag genau in dem Moment hier erschienen sein muß, als ich das Forum verließ. (Schande auf mein Haupt, aber die meisten Beiträge hier verschwinden so schnell in der Versenkung, da hatte ich gar nicht mehr damit gerechnet, daß da noch was kommt.) Angesichts des Beifalls will ich mich einfach ebenfalls nur tief verbeugen. Es freut mich sehr, das du dem ganzen so viel abgewinnen konntest. Was die letzte Zeile betrifft, bin ich echt gespannt, was du meinen könntest, ich will ja schließlich lernen. (Besagte Zeile lese ich persönlich übrigens oft ausbrechend aus der Metrik meist etwa so: XxxX_X_X_X_X)

    Herzliches Dankeschön und ebenso tiefer Verbeugungsgruß vom Y~shark
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    Liebe macht blind - nicht blöd!

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