1. #1
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    Herzliche Überraschung

    "Ach," hör ich mich tief seufzend sagen,
    als hätt' ich schwer an was zu tragen.
    Als ich mich frage:"Fehlt Dir was?"
    Merk ich, mein Herz ist tränennass.

    Erschreckt, so frag' ich meine Seele,
    ob sie denn wisse, was mir fehle?
    Da sieht sie vorwurfsvoll mich an
    und fragt, ob sie mich sprechen kann?

    "Natürlich," sag' ich,"gleich, sofort,
    hier und an jedem and'ren Ort.
    Sag alles mir, ich will es wissen,
    die ganze Wahrheit, möcht' nichts missen."

    "Nun denn", spricht sie," ich muss Dir sagen,
    schon länger häufen sich die Klagen,
    Dein Herz traf es besonders schwer,
    Du hast getönt, verschenkst's, gibst's her.

    Das hat es tief und schwer getroffen.
    seitdem es weint, ist ohne Hoffen,
    denn Dein Verstand ihm hat berichtet,
    Du meidest Prosa, schreibst gedichtet.

    Es kennt das, wenn Du wie besessen.
    Papier verbrauchst, meidest das Essen,
    dann kommen für es schwere Zeiten,
    es hat dann furchtbar schlimm zu leiden."

    Ich war perplex, weil angenommen,
    ihm würde dies entgegenkommen.
    So hat ich plötzlich ein Problem,
    das echt war, mehr als unbequem.

    So bat ich meine gute Seele,
    vor der nur wenig ich verhehle:
    "Lad' Dich, Verstand und's Herz zum Wein,
    zu einer Krisensitzung ein."

    Da diese noch nicht ist gewesen,
    erst und vielleicht hier ist zu lesen,
    wenn diese ich konnt überleben,
    und mir mein Herz hat auch vergeben.
    Geändert von wenigviel (18.11.2006 um 23:09 Uhr)
    wenigviel


    Es kann sein, alles ist anders als wir es wahrnehmen und erkennen und doch müssen wir es uns glauben.

  2. #2
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    Hallo, wenigviel!

    Alles, was mir dazu einfällt, ist: wie süß!! (nicht falsch verstehen, ich finde nicht viele Dinge süß... )
    Nein, wirklich, das 'tränennasse Herz' ist ein fürchterlich schönes Bild...
    Wie kann man auch so gemein zu seinem Herzen sein und es brechen, verschenken, am laufenden Band!


    Na dann, frisch ans Werk! Die Metrik...

    "Ach," hör ich mich tief seufzend sagen,
    als hätt' ich schwer an was zu tragen.
    Als ich mich frage:"Fehlt Dir 'was?"--- ohne ' am 'was'...
    Merk ich, mein Herz ist tränennass.

    Erschreckt ich frage meine Seele,--- hmmm... Satzbau... whatabout 'Erschreckt, so frag' ich meine Seele'?
    ob sie denn wisse, was mir fehle?
    Da sieht sie vorwurfsvoll mich an
    und fragt, ob sie mich sprechen kann? ---wieder so ein treffendes Bild...

    "Natürlich," sag' ich,"gleich, sofort,
    hier und an jedem and'ren Ort.
    Sag alles mir, ich will es wissen,
    möchte von der Wahrheit nichts vermissen."--- möcht', dann ein weiteres Metrik -

    "Nun denn", spricht sie," ich muss Dir sagen,
    schon länger häufen sich die Klagen,
    Dein Herz traf es besonders schwer,
    Du sprachst, Du es verschenkst, gibst's her. ---nur 'sprachst' ist nicht völlig einsichtig...

    Das hat es tief und schwer getroffen.
    seitdem es weint, ist ohne Hoffen,
    da Dein Verstand ihm hat berichtet,--- 'denn Dein Verstand hat ihm berichtet' ?
    Du meidest Prosa, schreibst gedichtet. ---schön!

    Sie kennt das, wenn Du wie besessen. ---Sie?
    Papier verbrauchst, meidest das Essen,
    dann kommen für es schwere Zeiten,
    es hat dann furchtbar schlimm zu leiden."

    Ich war perplex, weil angenommen,
    ihm würde dies entgegenkommen.
    So hat ich plötzlich ein Problem,
    das echt, viel mehr als unbequem. --- 'das so viel mehr'? echt klingt fehl am Platz... Metrik:

    So bat ich meine gute Seele,
    vor der nur wenig ich verhehle:
    "Lad' Dich, Verstand und's Herz zum Wein,
    zu einer Krisensitzung ein."

    Da diese noch nicht ist gewesen,
    erst und vielleicht hier ist zu lesen,
    wenn diese ich konnt überleben,
    und mir mein Herz hat auch vergeben. --- Hier muss ich jetzt drei ??? setzten, diese Strophe musst Du mir noch einmal erklären, aber trotzdem ich gerade auf dem Schlauch stehe....

    Gut gemacht!
    Die Bilder, die Du hier verwendest, diese schöne interne Krisensitzung, werde ich mir merken!

    Dickes Lob!!



    lg, Trill
    'Terror gripped her.
    But because she was Tiffany, she ran towards it, raising the pan.'
    -----T. Pratchett, 'The Wee Free Men'

    'Fighters fight...'
    -----'Rocky Balboa'

  3. #3
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    Hallo wenigviel!

    Die letzte Strophe ist mir auch nicht ganz klar...
    Aber ansonsten Bis auf die paar Schnitzer, die Trillian angesprochen hat, finde ich das Gedicht echt gelungen. Es entlockt nicht nur ein Schmunzeln, nein, so ganz nebenbei ist es auch noch tiefsinnig

    Ich hab es auf jeden Fall sehr gern gelesen.
    Ich kann hier nicht mal sagen, dass ich eine Lieblingsstrophe habe, weil mir einfach alle gut gefallen.

    Liebe Grüße, Branq

    P.S.: S7 Z3, müsste es da nicht hatt' heißen?
    Veröffentlich wird jetzt schwarz auf weiß, auf echten Seiten. Infos auf meinem Blog.

  4. #4
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    Hallo, Trillian,

    es bereitet mir eine besondere Freude, dass Dir mein heute nach dem Mittagessen aus etwas Langeweile, in der ich mir mal die Zeit gegönnt hatte, mal aufmerksamer als sonst in mich hineinzuhören, gut gefällt.
    Deine Vorschläge werde ich mir sorgfälltig anschauen und ich vermute, Du wirst die meisten von ihnen übernommen sehen.

    Die letzte Strophe soll sagen:

    Die Krisensitzung hat noch nicht stattgefunden und ich werde nur dann über diese hier öffentlich berichten, sofern ich diese überlebe, eine von allen Beteiligten getragene Vereinbarung gefunden wird und mir mein Herz, mein, für aus seiner Sicht, anscheinend oft herzloses Verhalten, nur um es gegen ein anderes einzutauschen oder es sogar einfach umsonst herzuschenken, verziehen hat.

    Ab- und erwartend, mit liebem Gruß, wenigviel
    wenigviel


    Es kann sein, alles ist anders als wir es wahrnehmen und erkennen und doch müssen wir es uns glauben.

  5. #5
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    Hallo, Branquignole,

    wir waren wohl beide zur gleichen Zeit hier am Schreiben und da Du aber vor mir gepostet hast, hatte ich Deine Post vorhin nicht bemerkt.

    Dank für Deine freundlichen Zeilen, über die ich mich außerordentlich freue.
    Meine Erläuterung zu der letzten Strophe, kannst Du, so sie für Dich noch von Interesse, hier in meiner Post an Trillian bitte lesen.

    Mit liebem Dankgruß, wenigviel
    wenigviel


    Es kann sein, alles ist anders als wir es wahrnehmen und erkennen und doch müssen wir es uns glauben.

  6. #6
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    Ah, ok... jetzt ergibt das für mich auch einen Sinn
    Danke für die Erklärung.

    Liebe Grüße
    Veröffentlich wird jetzt schwarz auf weiß, auf echten Seiten. Infos auf meinem Blog.

  7. #7
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    hallo wenigviel,

    wow dein Gedicht gefällt mir unheimlich gut und ich finde es erzeugt irgendwie tolle Bilder (:
    ...auch wenn es für meinen Geschmack eigentlich ein kleines bisschen zu lang ist... (: Aber da nichts wiederholt wird finde ich das vollkommen okay (:

    Hat viel Spaß gemacht es zu lesen, danke! (:

    Liebe Grüße,
    Tiffany

  8. #8
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    diese Diskussion mit dir selbst find ich eine tolle idee. in deinen Zeilen befindet sich ein leicht zynischer und lustiger untertton der trotz der länge des gedicht den leser hält. hat mir gut gefallen und ich warte gespannt was dein herz dir auferlegt damit es eine entschuldigung akzeptiert

    LG Gelea

  9. #9
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    Hallo, wenigviel!

    Jetzt wird mir viel klar!


    Danke sehr, ein gelungenes Spontangedicht!!





    lg, Trill
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