Thema: Frost

  1. #1
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    Frost

    Wie kühl bist du an meiner Brust,
    wie kalt in meinen Augen.
    Es friert uns selbst in höchster Lust
    und deine Worte taugen
    nicht, sich daran zu wärmen.

    Weiß stehen sie zwischen uns in der Luft,
    um an der Stille darauf zu zerbrechen.
    Die Blumen von dir bleiben ohne Duft,
    als eisiges Versprechen,
    an meinem Fenster kleben.

    Es gibt hier Nichts zu lernen.
    Es bleibt uns Nichts zu geben.
    Vom letzten Winter liegt mir noch
    der Schnee auf meinem Haar.

    Mit dir kann ich nicht sterben.
    Mit mir kannst du nicht leben.
    Und du und ich, wir wussten doch
    wie kurz ein Sommer war.
    Geändert von Dete (23.11.2006 um 11:09 Uhr)
    Cavete-Late-Night-Lesen, die Lesebühne in Marburg an der Lahn, immer am ersten Mitwoch des Monats.
    Wer bei uns auftreten möchte melde sich mit Textprobe per e-mail bei mir.

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  2. #2
    Niquita Guest
    Liebe Dete,
    ich bin begeistert, dich hier zu lesen. Und dann noch mit diesem sehr schönen Werk. Mir gefällt das Sinnbild des Frosts sehr und irgendwie habe ich hier zwei Menschen am Ende einer kurzen Beziehung gesehen.
    Herzliche Grüße
    Nicole

  3. #3
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    Hallo Dete!

    Persönlich haben wir uns wahrscheinlich noch nicht gelesen, aber ich habe schon oft in deinen Werken gestöbert und war angenehm überrascht, hier ein neues zu finden (du scheinst ja nicht so oft onnline zu sein).

    Dieses Gedicht hier fasziniert mich, und ich muss einfach etwas dazuschreiben, auch wenn ich eigentlich nicht viel Zeit habe.
    Obwohl die Frostmetaphorik kein Neuland ist, schaffst du es, eigene Bilder zu weben.
    Besonders gefällt mir das Wortspiel mit den Eisblumen: Die Blumen von dir bleiben ohne Duft, / als eisiges Versprechen, / an meinem Fenster kleben.
    Das ist unheimlich schön verdichtet.
    Sowohl inhaltlich als auch formal kann man es wohl in zwei Hälften gliedern:
    Strophe 1 und 2, die die Situation zwischen dem lyr. Ich und dem lyr. Du skizzieren und Strophe 3 und 4, die fast an den Singsang eines Kinderverses erinnern und eine Art Ausblick geben.

    Das wars jetzt mal im ganz Kurzen, ich werde bei Zeit gerne wieder vorbeischauen und eventuell eine ausführlichere Kritik dalassen.

    Sehr gern gelesen.

    Liebe Grüße
    raven

    PS: Verbessere doch schnell den Tippfehler in S4V3: wussten
    The doctor says, I´ll be alright
    but I´m feelin blue
    Tom Waits

  4. #4
    königindernacht Guest
    Die erste Strophe ist faszinierend in jeglicher Hinsicht- Inhalt, Form, Rhythmus- alles bildet eine Einheit. Ich habe sie schon mehrfach gelesen und empfinde sie wie ein Lied. Ach, wenn du die zweite Strophe dem doch anpassen könntest,

    herzlichst, KÖ

  5. #5
    Rosiel ist offline Theatralisches Gebilde
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    Hallo Dete,
    schließe mich Kö an, mir gefällt dein Gedicht ausnehmend gut, nur die zweite Strophe will nicht so richtig.
    Ach und dir fehlt in der vorletzten Strophe ein 's' bei 'wusste'.

    Ansonsten ein wirklich schönes Werk, werd auf jeden Fall dran bleiben und sehn was sich noch so tut

    LG
    Rosiel
    Mit dem Kopf in den Wolken

    Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein.
    Faust

    ...frech grinsend in Richtung Schweiz

  6. #6
    ria.roos Guest
    Hallo Dete,

    ein sehr schönes Gedicht, sehr fantasievoll.
    Das muss ja eine kurze, eisige Liaison gewesen sein. Besonders etzückend finde ich den Vers mit den Eisblumen.

    Sehr gern gelesen und kommentiert,

    liebe Grüße
    ria.roos

  7. #7
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    Das ist total schön.. allerdings hätte ich es eher unter "Liebe" oder unter "Trauer" verfasst....
    Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe..

    Es eght hier ja nciht um gefrorenes Wasser, oder? Aber es vermittelt genau die eisige Atmorphäre.. die es wohl vermitteln soll...
    Ich mag solche gedichte...
    "Schreiben ist eine Kunst wie jede andere: der Künstler legt mit jedem neuen Wort ein Stück mehr von seiner Seele hinein; niemand kann mir erzählen, dass Schreiben ein Handwerk ist..."
    Der Baum
    Spaziergang
    In Black
    Schöne Sternschnuppe
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    Gedicht Über Einen Toten oder Grabrede

  8. #8
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    hey du ,

    Wie kühl bist du an meiner Brust,
    wie kalt in meinen Augen.
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    und deine Worte taugen
    nicht, sich daran zu wärmen.
    xXxXxXxX
    xXxXxXx
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    xXxXxXx
    xXxXxXx

    Weiß stehen sie zwischen uns in der Luft,
    um an der Stille darauf zu zerbrechen. <- find ich irgendwie komisch vom bau her
    Die Blumen von dir bleiben ohne Duft,
    als eisiges Versprechen,
    an meinem Fenster kleben.
    xXxXXxXxxX <- kann man die anders betonen?
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX
    xXxXxXx
    xXxXxXx

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    xXxXxXxX
    xXxXxX

    Mit dir kann ich nicht sterben.
    Mit mir kannst du nicht leben.
    Und du und ich, wir wusten doch <- + ein s , es heißt wussten
    wie kurz ein Sommer war.
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxX
    hat mir gefallen vom inhalt.
    auch sonst.

    gern gelesen
    liebe grüße
    Onkie

  9. #9
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    Herzlichen Dank an euch alle für eure Kommentare.

    @Niquita: Danke. Lob von dir tut gut. Und schön auch, dass du an diesem Ort von mir ließt.

    @Raven91: Ja zur Zeit schaffe ich es nicht viel im Internet zu tun... Toll, dass dir die Eisblumen gefallen, sie sind nämlich das Bild um welches Willen ich das Gedicht geschrieben habe und dann hat eine Freundin, der ich das Gedicht zeigte nicht verstanden, dass es sich um Eisblumen handeln sollte und ich war etwas frustriert. Danke dir für dein empathisches Lesen.

    @KöniginderNacht und Rosiel: Ja die zweite Strophe...Ich weiß, dass sie holpert und nicht ins Versmaß passt. Ich bastel schon die ganze Zeit an ihr herum. Ursprünglich hieß es: "Sie stehen weiß zwischen uns in der Luft, bevor sie an der Stille zerbrechen", aber glücklich war ich damit aus verschieden Gründen auch nicht.
    Das fehlende s habe ich verbessert. Danke sehr.

    @ria.roos: Danke auch dir.

    @Yuki Eiri: Ich hatte lange überlegt, welche Rubrik ich nehmen sollte. Klar hätte Liebe gepasst und Trauer auch, aber dann waren mir die Jahreszeiten doch am liebsten.

    @Onkie IIV: Herzlichen Dank für die Versanalyse. Wie schon gesagt und von allen hier zu Recht bemängelt ist die zweite Strophe das Problem. Ich hatte erst: "Sie stehen weiß zwischen uns in der Luft, bevor sie an der Stille zerbrechen." änderte das dann aber. Erstens, weil ich den Sprung in ein stark und grob betontes "WEIß" zu Beginn der zweiten Strophe mochte, da es mir klanglich die scharfkantige Kälte von Eis zu untermalen schien. Zweitens aber auch, weil auch hier schon das Versmaß ins Wanken geriet und mir der Wechsel in einen Anapäst nicht gefiel. Drittens, weil ich das doppelte "Sie" nicht mochte und mir die zweite Zeile ohne einem "Sie" klanglich schöner erschien...Gut ist es jetzt trotzdem nicht. Ich sollte weiter daran grübeln, vielleicht gibt es da draußen ja irgendwo doch eine Version, die sowohl klanglich stimmig als auch der Melodie des Gedichtes treu ist.
    Danke.

    Dete
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