1. #1
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    Kürbiskernsuppe und Hollunderlimonade

    Ein Herbstgedicht. Freue mich über Anmerkungen.

    ---

    Kürbiskernsuppe und Hollunderlimonade
    Es wehen hier wildbunte
    Feuerblätter durch die Luft
    Alte Enten schnattern knarzend
    Sonnenwelkeblumenduft

    Kürbisköpfe plustern sich
    an Rauschebächen rosig
    Nasen laufen um die Wette
    Wildwinterflug riecht moosig

    Die Sonnenuhr schlägt bald Dreiviertel
    Der Jahrestag glimmt Munter aus
    Es weh'n die Mantschalenden
    Warmgoldpunsch zieht hinaus
    Geändert von Ceraib (23.11.2006 um 14:52 Uhr)

  2. #2
    Niquita Guest
    Ein wahrlich bezaubernder Titel, der mich hierhin gelockt hat. Einige Anmerkungen hätte ich jedoch. Mir gefallen deine Wortschöpfungen im Großen und Ganzen, aber Zugvogelwildwinterflug bekomme ich nüchtern mal so gerade eben ausgesprochen. Das ist ein wenig zu viel des Guten.
    Kürbisköpfe und plustern bekomme ich in meinen Gedanken auch nicht wirklich zusammen. Plustern ist ein Wort für leichte Dinge, ein Kürbis ist jedoch alles andere als das.
    Munter müsste klein geschrieben werden.
    "Mantschalenden"? Enden von Schals, die aus Mäntel gucken? Auf die Version bin ich nach 3x Lesen gekommen, sicher bin ich mir jedoch nicht.
    So, jetzt aber genug der Krittelei. Der Warmgoldpunsch macht mich schon beim Lesen warm. Und ich sitze hier gerade mit einer Erkältung zu Hause. Die alten Enten gefallen mir auch sehr gut.
    Insgesamt - trotz aller Meckerei - gern gelesen.
    Liebe Grüße
    Nicole

  3. #3
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    Ein wenig Schade, dass die Resonanz so spärrlich ausfällt, dennoch freue ich mich selbstredend über deine Antwort, Niquita! Im Zuge der Veröffentlichung hier habe ich nochmals am Gedicht gefeilt und die Änderungen oben farbig hervorgehoben.

  4. #4
    königindernacht Guest
    Guten Abend, c.,

    das Problem bei deinem Text liegt darin, dass du ihn überfrachtest mit Wortschöpfungen. Dein Text plustert sich auf wie eine frierende Wildgans. Gibt es denn einen Wildwinterflug? Und riecht der, wenn es ihn gibt, moosig? Und was ist ein Sonnenwelkeblumenduft? Wenn die Sonne welkt, duftet sie doch nicht wie eine Blume. Und zum Schluss zieht sich der Herr Warmgoldpunsch die Schuhe an, um hinaus zu gehen?

    Weniger würde hier mehr ausmachen!


  5. #5
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    Danke für deine konstruktive Meinung:

    Das Problem bei deinem Text liegt darin, dass du ihn überfrachtest mit Wortschöpfungen.
    Das ist ja gerade prägend für dieses Gedicht. Durch, vor allem vielschichtige, Wortneuschöpfungen ist es mir möglich, verschwommene Bilder zu zeichnen, die den Herbst facettenreich abbilden. Einfach nur beschreiben wäre zu eindimensional, wie ich finde, darum sind die zahlreichen Wortschöpfungen durchaus meiner Intention entsprechend.

    Gibt es denn einen Wildwinterflug? Und riecht der, wenn es ihn gibt, moosig?
    Natürlich nicht, aber stelle dir docheinmal die Szenerie vor, wenn du im Winter an einen Baum gedrückt im Walde stehst, über deinen Köpfen die letzten Zugvögel schnatternd und quakend in den Süden ziehen und du die kalte Winterluft auf erröteter Haut spürst und mit einem tiefen Zug klare, frische Luft einatmest und sich der Duft von Moos auf deine Zunge legt? Das ist nur eines der Bilder, die mir dazu in den Sinn kommen - Und von ebensolchen Lebt das Gedicht.

    Und was ist ein Sonnenwelkeblumenduft? Wenn die Sonne welkt, duftet sie doch nicht wie eine Blume.
    Sonnenblumen. Sommer welkt. Körnerduft. Phantasie?

    Und zum Schluss zieht sich der Herr Warmgoldpunsch die Schuhe an, um hinaus zu gehen?
    Nein, aber der Duft von warmen, goldenem und fruchtigem Punsch zieht aus den Häusern und klettern in deine Nase. Vielleicht begegnet er dir auch auf dem Weihnachtsmarkt.

    Schade, dass die Bilder wie ich sie mir ausmalte nicht zu dir gesprochen haben
    Geändert von Ceraib (23.11.2006 um 21:36 Uhr)

  6. #6
    königindernacht Guest
    Nun, c., ich habe durchaus Phantasie, vielleicht sogar sehr viel.

    Die Kritik betraf also 1. die Überfrachtung des Gedichtes mit Neologismen.
    2. Diese müssen natürlich auch einen Sinn ergeben.
    Beispiel: Nicht der Punsch zieht hinaus, sondern der Duft von ihm. So schreibst du auch in deiner Antwort. Genau.
    Oder: Nicht der Winter fliegt, sondern die letzten Zugvögel sind unterwegs. Und nicht sie riechen moosig, sondern die Winterluft, wenn du an einen Baum gelehnt stehst. usw.

    Deine Erklärungen sind nachvollziehbar (auch ohne große Phantasie) aber deine Wortschöpfungen entsprechen ihnen nicht.

    Ich denke, die Facetten dieses Zeit zu beschreiben bedarf eben auch der passenden Wörter,


  7. #7
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    Oder die einfach die entsprechenden Assoziationen dazu. Zumindest in diesem Falle sehe ich das so

  8. #8
    königindernacht Guest
    OK. Es ist gut, wenn ein Autor seinen Text verteidigt. Es ist schade, wenn er auf Hinweise zum Nachdenken oder Kritik so ablehnend reagiert oder dem Leser unterschwellig aber etwas überheblich die Fähigkeit zum phantasievollen Assoziieren abspricht.

    Ich wünsche dir viele gelungene Texte, KÖ

  9. #9
    Niquita Guest
    Hallo Ceraib,

    ich nochmal. Ich finde es wichtig, dem Leser auch seine Phantasie zu lassen. Jedoch ist es auch genauso wichtig, passende Bilder zu finden, die eben jene Phantasie erlauben. Die Idee mit den Zugvögeln fand ich persönlich sehr gut, allein schon, weil ich auf dem Land aufgewachsen bin und immer selbst den Zugvögeln hinterschaute. Mit dem "moosig" hast du dieser Zeile nun eine völlig andere Wendung gegeben und dazu noch zwei Bilder miteinander verquickt. Ohne Erklärung kommt hier der Leser tatsächlich nicht mehr mit.

    Das "rosig" scheint auch neu zu sein. Wenn es sich auf die Kürbisköpfe bezieht, ist die Farbe falsch.

    Ein kleiner Tipp für die Zukunft. Die Änderungen nicht farbig hervorheben, sondern unter dem Orginaltext nochmal in geänderter Version neu posten. Das hat den Vorteil, dass man besser die Arbeit an dem Text sieht und es hilft vor allem auch bei der Beurteilunge. Und vielleicht sogar mehr Kritiken zu bekommen. Probier's einfach mal.

    Liebe Grüße
    Nicole

  10. #10
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    Zitat Zitat von königindernacht
    OK. Es ist gut, wenn ein Autor seinen Text verteidigt. Es ist schade, wenn er auf Hinweise zum Nachdenken oder Kritik so ablehnend reagiert oder dem Leser unterschwellig aber etwas überheblich die Fähigkeit zum phantasievollen Assoziieren abspricht.
    Man verzeihe mir meine Ausfälle oben. Ich scheine einen schlechten Tag gehabt zu haben, wenn ich das so im Nachhinein lese, war meine Antwort wirklich ein wenig harsch. Ich hoffe du nimmst meine Entschuldigung an.

    Eure Kritik habe ich durch eine Variation einzuarbeiten versucht. Sagt mir doch, ob ihr sie mehr oder weniger gelungen findet, als das Orginal:

    Kürbiskernsuppe und Hollunderlimonade(II)
    Es wehen hier wildbunte
    Feuerblätter durch die Luft
    Alte Enten schnattern knarzend
    Sonnenwelkeblumenduft

    Kürbisköpfe lächeln
    sich an Rauschebächen satt
    Nasen laufen um die Wette
    Kerzenlichter glimmen matt

    Die Sonnenuhr schlägt bald Dreiviertel
    Der Jahrestag glimmt Munter aus
    Es weh'n die Mantschalenden
    Warmgoldpunsch duftet aus dem Haus

  11. #11
    Tessa Guest
    Hallo Ceraib,

    die geänderte Version ist deutlich besser, komme etwas spät und habe den ganzen Werdegang erst jetzt verfolgen können.
    Die aufgezeigten Stellen und Kommentare entsprechen ganz meinem Gefühl,
    Fantasie in des Lesers Kopf, er soll sich ruhig ein wenig bemühen.
    Nur Überfrachtungen geben kein Bild, man denkt und geht weiter....
    es fehlt der Nachhall, es fehlen Bilder.

    Noch immer gibt es Krittelstellen:

    Es wehen hier wildbunte
    Feuerblätter durch die Luft
    Alte Enten schnattern knarzend
    Sonnenwelkeblumenduft
    Wilbunte Feuerblätter, da stelle ich mir auf den Blättern eine Zeichnung des Leoparden, einer Giraffe, Zebra? vor..Feuerblätter hätte genug gesagt. Feuer..rot viell.auch rotbraune Töne.
    Wie wäre "brauntönig", wobei ich verstehe, dass du die Maserung der Blätter meinst, wenn man sie von der Nähe betrachtet.


    Kürbisköpfe lächeln (lieblich? o.ä.metrisch besser?)
    sich an Rauschebächen satt
    Nasen laufen um die Wette
    Kerzenlichter glimmen matt
    Diese Strophe gefällt mir wirklich gut, vor allem die laufenden Nasen.

    Die Sonnenuhr schlägt bald Dreiviertel
    Der Jahrestag glimmt Munter aus
    Es weh'n die Mantschalenden
    Warmgoldpunsch duftet aus dem Haus
    S1 ist wirklich gelungen, ein Bild, welches mir gefallen mag.

    Sonnenuhr schlägt bald Dreiviertel
    Jahrestag glimmt munter aus
    Mantschalenden wehen luftig
    Punschduft steigt aus jedem Haus.

    Mitunter ist weniger mehr, doch es ist dein Baby und nur Vorschläge.
    Dennoch gern gelesen und Punschduft gerochen, lächel.

    Ganz liebe Grüße,
    Tessa

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