1. #1
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    Ein staubig kurzer Wimpernschlag der Zeit

    Ein staubig kurzer Wimpernschlag der Zeit

    Banausische Barbaren-Plapperer
    auf weißen Schimmeln
    reiten auf der geduldig sandigen Mitte
    hissen mitgefühlige Fähnchen
    spielen und drehen mit dem Wind.

    Swingende Adaption ist die bluesige Botschaft
    von nachweltlichen Geschichts-Geschichten.
    Herodots Denkmal malt sich
    ein tintenblaues Tyrranenstürzerherz.

    Das Fremde ist das abgespaltene Eigene
    so küßt Narziß sich selbst
    und der Idealist den Konservierten.



    Geändert von sora (21.11.2006 um 13:01 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Sora

    ganz kurz, nach der ersten Zeilen schon eingestellt:
    Meinst du wirklich Babar, den Elefanten - oder meintest du nicht eher Barbaren-Horden.

    So liest es sich irgendwie süss, was nicht zum Rest passen will

    LG
    yarasa
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    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
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    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  3. #3
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    Du hast recht, ich hab mich süß vertippt! *lach*

    Und versteh ich recht, der Rest gefällt dir nicht?

  4. #4
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    Hallo sora

    gut, dass du nachfragst - ich war dort unpräzise.
    Ich denke, der Text ist nicht schlecht, aber ja, er gefällt mir nicht. Aber wirklich vor allem vom persönlichen Geschmack her, dieses kryptisch-verschachtelte ist nicht mein Ding. Du verwendest sehr viel Monsterwörter (lange, mehrsilbige, zusammengesetzte) und Neologismen. Sie sind nicht zwingend, und ich mag nun mal die einfache, leicht verständliche Sprache besser.
    Das hat, wie gesagt, weniger mit Qualität als mit Geschmack zu tun

    LG
    yarasa
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    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

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  5. #5
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    Aloha sora!

    Jetzt bin ich der yarasa dankbar, denn sie hat deinen Text wieder ans Tageslicht befördert.

    Ich störe mich auch ein wenig an den Kettenwörtern, denn ich denke, dass sich deine Botschaft auch mit einer schlichteren Sprache vermitteln lässt und dann auch mehr Wirkung erzielt. Wie yarasa schon angedeutet hat, finden sich hier im Forum aber auch Liebhaber solcher Wortkonstrukte.

    Jedoch finde ich besonderen Gefallen am letzten Abschnitt deiner Verdichtung. Diese Form von Kritik (die im Übrigen auch mich meint) trifft einen wunden Punkt, denn als Idealist muss man sich die berechtigte Frage stellen, inwiefern ein Idealzustand sich in den stetigen Fluss und Wandel des Seins einfügen lässt. Gar nicht? Gar nicht.

    Die Abschnitte zwei und drei hinterlassen, wie gesagt, bei mir den Eindruck nicht besonders starker Verdichtungen, was ich auf die Substantivzusammensetzungen zurückführe. Sie wirken auf mich zu prosaisch.

    Trotzdem gern gelesen.

    Edit: Den Titel finde ich schön. Ich mag Staub. Vor allen Dingen assoziiere ich damit eine gewisse Blicktrübung der Zeit.

    Liebe Grüße
    Geändert von Francine (22.11.2006 um 16:02 Uhr)
    Now, for the Poet, he nothing affirmeth, and therefore never lieth:
    for as I take it, to lie, is to affirm that to be true, which is false.

    An Apology for Poetry - Sir Philip Sidney


  6. #6
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    Hallo yarasa und wolle77,

    danke für´s Lesen und Kommentieren! Ich wäre gar nicht bös drum gewesen, wenn ihr es mir zerissen hättet. War nämlich ein wenig nur dahin gekritzelt. Eigentlich wollte ich was transportieren, was in der Umsetzung nicht wirklich durchdacht gelang. Das Thema der Definitionsmacht von Ereigenissen (Handlungen/ Worten) und ihre Bewertung das hat mich in letzter Zeit so häufig beim Lesen dieses Forums umgetrieben. Aber es ging mir auch um das Thema Anpassung und Gegensatzdenken. Ich denke die Umsetzung ist sehr zu bekritteln! Aber das war wie ein kochender Wassertopf, der "Dampf" wollte mal raus und pfeifen!
    Ach und Staub ist wirklich was Tragendes, zu Staub werden wir, manche sollen sogar aus Schlamm geformt worden sein. Überhaupt nicht auf dem Gebiet sattelfest mein ich auch mal gehört zu haben, dass die Atomstruktur eines Sandkorns nicht wesentlich simpler ist als unsere eigene. Bin ich ne schlimme Relativistin und dafür sich nicht als absolut zu setzen!

    Gruß
    sora
    Geändert von sora (24.11.2006 um 08:41 Uhr)

  7. #7
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    Hi, sora,

    dein Stil erweckt mein grundsätzliches Interesse. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist der Inhalt ziemlich satirisch. Dass es um Kommunikation und irgendeine Form von Entscheidungsfindung geht, an der viele unterschiedliche Charaktere beteiligt sind, habe ich jedenfalls sofort verstanden (schon vor deiner Erklärung). Es liest sich leider insgesamt mehr als Aufzählung ohne konkreteren Zusammenhang, mir fehlt da die "Spannung" (wenig wär auch schon gut).
    Besonders gefällt mir, das jeder Vers eine eigene Anschauung hat/zeigt, und eine eigene Sprache / eigenen Ton aufweist. Nur der "Herodot"- und der "Narziss"-Vers fallen da ein Bissel raus, sind dafür aber parallel gestaltet und nehmen also eine Sonderstellung ein, vielleicht wie eine Art Fazit, zusammen mit dem letzten Vers.
    So weit doch gar nicht so übel, man könnte, ja, man könnte noch dies und das ... Es geht aber schon, nur wacklig.

    Ganz im Allgemeinen finde ich schade, dass das Metrum so gar nicht da ist, es gibt halt keins, damit muss ich wohl leben. Levampyre sagte einst: "formlos [ist auch] bloß lose Form", und ich glaubte ihr, nämlich dass die bewusste Umsetzung formaler Mittel und Strukturen das künstlerisch anzustrebende Ziel, gerade auch im freien Vers, ist. Aber natürlich wäre das auch sehr schwierig. Also kein Vorwurf an dich, vielleicht eine Anregung für Zukünftiges.

    Der Titel hat übrigens was von "Eine Minute der Menschheit", was ein sehr lesenswertes Buch vom kürzlich verstorbenen Stanislaw Lem ist, dort könnte man sicher auch viele Anregungen für eine Fortsetzung finden.

    gruß des positiv geneigten
    fatcat
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    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

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  8. #8
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    Hallo fatcat,

    also danke für das positiv geneigt sein, zu aller erst aber für das Lesen und Kommentieren.

    Wie gesagt, das hier hab ich zu meiner Schande etwas schnodrig einfach gepostet, Neugierig auf Reaktionen natürlich, mich selber und dieses Werk aber nicht so ernst nehmend. Ich hatte selber was ziemlich Unbestimmtes und vor allem nicht so Durchstrukturiertes im Sinn...naja das ist mir vielleicht sogar gelungen...aber so dann eben auch wieder nicht!

    Und was die Form betrifft, dass leuchtet mir schon ein, aber ich bin wohl häufig zu faul, impulsiv und zu chaotisch! Aber auch daran, bin ich nicht völlig unwillig etwas zu ändern!

    Hmmm und zu Stanislaw Lem...hab vor Urzeiten mal was Scienc Fiction mäßiges angelesen, kann das sein? Sonst kenn ich den eigentlich gar nicht. Vielleicht ist das ebenso noch etwas Nachholenswertes?

    Lieben Gruß
    sora

  9. #9
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    Also, so doll peinlich muss dir das nicht sein, es gab doch einiges Positive für mich zu entdecken. Sicher kein schlechter Eindruck, der da bei mir blieb! Aber ich weiß, Unzufriedenheit ist unser aller Motor ... umso besser!

    zu Lem: Ja, so im Groben kann man Science-Fiction als Hauptrichtung dieses "Autors der Zukunft" angeben. Darüber hinaus ist er der intelligenteste und wichtigste Verfasser unterhaltsamer Literatur, der mir je begegnet ist, sogar bei seiner "leichten" Kost, z. B. den Sterntagebüchern, Abenteuern der Piloten Pirx oder Tichy (unterschiedliche Serien, besonders gut: "Die Verhandlung" und "Der futurologische Kongress"), oder Trurl und Klabauzius. Wenn dir das zu putzig klingt, bzw. Science-Fiction nicht so dein Ding ist, kannst du mit "Eine Minute der Menschheit" oder "Also sprach Golem" gleich in die volle Tiefe dieses großen Genies einsteigen (das letztere ist aber nicht grade leicht als Einstieg). Ich kann dir nur empfehlen, den Versuch zu wagen, auch sprachlich hat der Mann was zu bieten, ist immer unterhaltsam, und du wirst auf jeden Fall geistig bereichert aus der Lektüre hervorgehen. Denke ich jedenfalls, so nach meiner Erfahrung.

    Gurß, bis demnächst!
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