1. #1
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    Auch Hinterhöfe haben Fenster

    Zur Mittagszeit
    Der Hof war nass vom Regenschauer
    Da ging ein Junge Müll raus tragen
    Als plötzlich jemand warf ihn gegen die Mauer
    Warum, dass kann der Junge nicht mehr fragen.

    Kann sich nur noch ganz klein machen
    sich vor den harten Schlägen schützen.
    Hört nur das hässliche Lachen.
    Als er liegt in den Regenpfützen.

    Er zuckt bei jedem Tritt
    Ihm schwindelt bei jedem Schlag
    Schlimmer als der Albtraum den er oft durchlitt,
    Denn nun ist nicht Nacht sondern Tag.

    Doch trotz all der Schmerzen
    Trotz all der Qualen die nicht zu verzeihen
    trotz all der Prellungen die sich schon schwärzen
    Bleibt der Junge stumm und tut nicht schreien

    Endlich entfernen sich die schweren Schritte
    Lassen ihn dort liegen in seiner Not
    Der Körper gebrochen durch all die Tritte,
    Doch der Junge merkt nicht´s denn er ist tot

    Erst die Schwester die tat ihren Bruder schrecklich lieben,
    Die kam um ihn ins warme Haus zu holen,
    Die fand ihn dort leblos im Regen liegen,
    Die wird wohl nie mehr lachen, denn das hat der Fremde ihr gestohlen.

    Ich bitte um Kritik und wenn es noch so banal ist.

  2. #2
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    Hallo Five-leafclover,

    habe mir Dein Gedicht angeschaut, weil ich den Titel eigentlich ganz vielversprechend fand. Inhaltlich scheint es ein konkretes Thema von körperlicher Misshandlung aufzugreifen. Allerdings könnte das Verhalten des Jungen darauf hinweisen, das körperliche Misshandlung nur als Bild für seelische Gewalt diente.

    Beim Lesen sind mir formal ein paar Sachen aufgefallen:

    Zitat Zitat von Five-leafclover
    Zur Mittagszeit
    Der Hof war nass vom Regenschauer
    Da ging ein Junge Müll raus tragen
    Als plötzlich jemand warf ihn gegen die Mauer
    Warum, dass kann der Junge nicht mehr fragen.
    Rhythmisch passt es nicht so richtig. Besser wäre:
    Der Hof war nass vom Regenschauer
    Da ging ein Junge Müll raus tragen
    Ganz plötzlich warf's ihn an die Mauer
    blieb keine Zeit, "warum" zu fragen.



    Zitat Zitat von Five-leafclover
    Kann sich nur noch ganz klein machen
    sich vor den harten Schlägen schützen.
    Hört nur das hässliche Lachen.
    Als er liegt in den Regenpfützen.
    Die erste Zeile ist rhythmisch eigentlich prosa. Insgesamt stimmt der Rhythmus auch nicht so gut, so dass es sich nicht flüssig lesen läßt.

    In einem ersten Versuch würde ich es vielleicht so umstellen:
    Blieb nur noch Zeit, sich klein zu machen,
    sich vor den harten Schlägen schützen,
    er hörte nur das kalte Lachen
    liegt stöhnend in den Regenpfützen



    Zitat Zitat von Five-leafclover
    Er zuckt bei jedem Tritt
    Ihm schwindelt bei jedem Schlag
    Schlimmer als der Albtraum den er oft durchlitt,
    Denn nun ist nicht Nacht sondern Tag.
    Die dritte Zeile ist einfach zu lang, die vierte Zeile schafft inhaltlich nur mühsam den Anschluß und wirkt etwas auf den Reim hin formuliert.


    Zitat Zitat von Five-leafclover
    Doch trotz all der Schmerzen
    Trotz all der Qualen die nicht zu verzeihen
    trotz all der Prellungen die sich schon schwärzen
    Bleibt der Junge stumm und tut nicht schreien
    Auch hier sind Rhythmus und Zeilenlängen ziemlich unterschiedlich.
    Grammatikalisch ist "tut nicht schreien" schlicht grausam (genau wie "tat lieben")


    Zitat Zitat von Five-leafclover
    Endlich entfernen sich die schweren Schritte
    Lassen ihn dort liegen in seiner Not
    Der Körper gebrochen durch all die Tritte,
    Doch der Junge merkt nicht´s denn er ist tot

    Erst die Schwester die tat ihren Bruder schrecklich lieben,
    Die kam um ihn ins warme Haus zu holen,
    Die fand ihn dort leblos im Regen liegen,
    Die wird wohl nie mehr lachen, denn das hat der Fremde ihr gestohlen.
    Das Ende wirkt dann ein bisschen wie "fertig werden wollen".
    Ich hätte dazu noch folgenden Vorschlag:

    Nun zieh' sie ab mit harten Schritten
    lassen ihn zurück in höchster Not
    so viel gebrochen von den Tritten
    der Junge spürt's nicht, fast schon tot.


    Auch die letzte Strophe müsste hinsichtlich der Länge und des Rhythmus überarbeitet werden.

    Meine Vorschläge sind sicherlich nicht der Dichterkunst letzter Schluss, aber vielleicht zeigen sie schon auf, was man noch besser machen könnte.
    Ich denke, man muss einfach noch mehr Arbeit in das Gedicht stecken, dann kann man etwas Gutes daraus schaffen.

    Viele Grüße,
    Gedanquill

  3. #3
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    Danke deine Vorschläge sind sehr hilfreich auch wenn ich sie nicht 1 :1 übernehmen werde geben sie mir einen guten Ansatz.

    Ich habe bis jetzt noch nicht viel Erfahrung mit dem Rhytmus einen Gedichtes gemacht und werde wohl nie DER Poet schlechthin sein, aber ich gebe mir Mühe und werde alles auf jeden Fall nochmal bearbeiten.

    Deine Interpretation ist sehr gut ^^

    Ich danke dir sehr, dass du dir so viel Mühe damit gegeben hast...
    Auch wenn deine Erwartungen wohl etwas enttäuscht wurden.

    Grüße vom Clover

  4. #4
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    Hallo Clover,

    ich bin sehr froh, dass Du meine Vorschläge nicht 1:1 übernehmen willst. Schließlich ist es Dein Gedicht.

    Der Geschichte mit dem Rhythmus kann man sich aus meiner persönlichen Sicht ruhig langsam nähern. Je mehr Gedichte man schreibt, je sensibler wird man selbst für das Thema.
    Ich denke, zu Anfang reicht es aus, wenn man sich alle Stellen anschaut,
    über die man beim Lesen (vielleicht 1 oder 2 Tage nach dem Schreiben) stolpert.
    Muss man sie unnatürlich betonen, in die Länge ziehen oder im Zungenspurt zurücklegen, dann stimmt etwas nicht.
    In einem weiteren Schritt kann man dann mal schauen, ob es große Abweichungen in der Zahl der Silben je Zeile gibt. Nicht jede Zeile muss gleich lang wie die andere sein, aber oft haben zumindest sich reimende Zeilen die gleiche Länge.

    Im Übrigen:
    Es gibt keine Erwartungen, die enttäuscht werden, außer Deine eigenen.

    Also, frisch ans Werk!

    Gedanquill

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