Thema: Eden

  1. #1
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    Eden

    Du warst Eden unter meinem leib.
    ich war gott in Deinen armen.
    dreifaltigkeit aus körper, herz und geist.
    einfalt aus erträumter ewigkeit.

    Eden gab mich preis.

    nun brennt der gott in mir
    gefallen, wund, verloren
    in fegefeuern toter einzigkeit.
    bald stirbt auch er.

    doch sehnt sein blut fortan
    aus kalter asche schwarzen mohns
    zum gottesParadies zurück.
    zurück zu Eden.

  2. #2
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    Der Vergleich gefällt mir, auch wenn sich für mich die Frage stellt, warum Gott ins Paradies/Eden will - hat er es doch selbst erschaffen (das fegefeuer nehm ich mal ganz raus). Die skizzierte Entwicklung ist für mich daher nicht ganz überzeugend, wenn auch wert gelesen zu werden!!
    Für formelle Dinge sind hier andere zuständig =o) Inhaltlich verstehe ich nicht was du mit dem "schwarzen Mohn" bezeichnest. Vielleicht hast du Lust mir einen Denkanstoß zu geben.


    merci!
    "Eureka, I'm gonna get myself a loudspeaker"

  3. #3
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    Hallo, Guybrush!

    Solange Du nicht davon ausgehst, dass es sich hier wirklich um Gott und das Paradies handelt, sondern um echte Personen, die nur in bestimmten Eigenschaften mit ihnen gleichgesetzt werden, kann der Verlauf durchaus in sich schlüssig sein.

    Nimm als Nachweis dafür, dass das lyrische ich von seinem Leib spricht und von Armen des lyrischen Du. Es kann hier also nicht wirklich gemeint sein, dass es um Gott und das von ihm erschaffene Paradies geht. Gott hat vermutlich keinen Leib und das Paradies definitiv keine Arme.


    Der Mohn ist eine Pflanze, die stark mit der Bedeutung Traum verbunden ist. Dichter wie Celan haben sie zu Schwermut und Trauer in Bezug gesetzt. Das ist hier nur eine Symbolik, die zugegebenermaßen nicht ganz in die gewählte Bilderwelt dieses Textes passt. Ich habe es aufgrund der relativ einschlägigen Nutzung von Bildern mit Mohn trotzdem gewagt.

    Danke für das Lesen und das konstruktive Auseinandersetzen!

    liebe Grüße,
    Flam

  4. #4
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    Ich würds so interpretieren (machs mal eben stakkatohaft, bin bissl müde für lange Sätze, ich werds bei Zeiten nochmal deutlicher beantworten):

    Lyr. Ich und lyr. Du haben eine Beziehung, welche hier mit der Dreifaltigkeit mit Herz, Geist, Körper beschrieben wird. Ich interpretier dies als sehr leidenschaftliche Beziehung. Jedoch geht die erträumte Ewigkeit mit einher, ein törichter Glaube. An der Stelle übrigens schönes Wortspiel mit Dreifaltigkeit und Einfältigkeit.

    Das lyr. ich wird fallen gelassen, der "Gottstatus" verbrennt, der Glaube etwas einzigartiges, also diese Beziehung, zu halten schwindet, bzw. ist zerstört worden. Das lyr. ich verliert den Glauben an sich selber.

    Einzig die Trauer, die Sehnsucht scheint ein Antrieb zu sein und von Eden zu zeugen.

    Sehr schönes Werk, welches mir gut gefällt. Nur eine Frage, weshalb schreibst du alles klein? Soll das die schwindende Stärke unterstützen?

    Gruß,
    Flo
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
    Die Melancholie des Seins - Gesammelte Werke

  5. #5
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    Stimmt, das Kleinschreiben scheint gewollt zu sein;
    da nur "Eden", "Deinem" und "Paradies" grossgeschrieben wurden.

    Dahinter steckt sicher Methode, weil das die Kernpunkte sind, bzw.
    nur das wichtig ist, alles andere dagegen nebensächlich.

    Mit Gruss,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  6. #6
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    Hi, Flo!

    Ich freue mich, dass Deine Interpretation fast genau meine Absicht zur Darstellung beschreibt. Dann kann diese nicht so sehr an der Sache vorbeigehen.



    Hi, Katzi!

    Lyr. Du = Eden = Paradies.

    Du hast völlig Recht. Das ist das Wichtigste hier und deswegen jeweils groß geschrieben.



    Danke schön Euch beiden,
    Flam

  7. #7
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    Hallo Flam,

    Dein mit so absoluten Bildern geschmücktes Gedicht hat mich angehalten und nachdem wir uns unterhalten haben hat es mich wie folgt weiterziehen lassen:
    Du warst Eden unter meinem leib.
    ich war gott in Deinen armen....ich ward Gott in Deinen armen
    dreifaltigkeit aus körper, herz und geist.
    einfalt aus erträumter ewigkeit....einfalt erträumt, bleibt ewigkeit.

    Eden gab mich preis.

    nun brennt der gott in mir
    gefallen, wund, verloren
    in fegefeuern toter einzigkeit.
    bald stirbt auch er....schon wandelnd sich zur asche,

    doch sehnt sein blut fortan
    aus kalter asche schwarzen mohns
    zum gottesParadies zurück....unwandelbar zum Paradies zurück
    zurück zu Eden....zu Dir mein Eden.

    Wie schon gemeint, gewaltige Metapphern, die Du verwendest, aber da wir in diesem Bereich hier unsere wohl stärksten Gefühle erleben, durchaus akzeptabel.

    Gut unterhalten und mit Applausgruß, wenigviel
    Geändert von wenigviel (11.12.2006 um 19:12 Uhr)
    wenigviel


    Es kann sein, alles ist anders als wir es wahrnehmen und erkennen und doch müssen wir es uns glauben.

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