Thema: ich falle

  1. #1
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    ich falle

    _________________________________________________________________




    ich falle
    lächelnd nach unten starrend
    weinend nach oben blickend
    fliege in die grüne Hoffnung
    rase in meine lebendige Hölle
    in ein Meer von giftigen Nadeln

    ich tauche
    gleitend durch Legionen von Speerspitzen
    schwimme gegen Dornen
    sie spornen mich an
    den Widerstand zu brechen
    entgegen der Norm
    werde ich schneller

    träumend stürze ich
    dem lebendigen Tod entgegen
    sie nehmen mich auf
    reichen mich weiter
    das Ende naht
    die Zukunft kommt

    ich erwache
    umgeben von grauen Mauern
    in einem grauen Raum
    erschreckend
    fühle ich die Realität nahen
    ich bin tot und lebe doch
    ich schließe die Augen


    ich falle





    ___________________________________________________________Matti


    Bitte LAUT lesen.
    Geändert von -Matti- (24.11.2006 um 00:07 Uhr)

  2. #2
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    ...läd zum mehrfachen lesen ein...
    "Eureka, I'm gonna get myself a loudspeaker"

  3. #3
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    also da hier bis jetzt nur recht dürftig kommentiert wurde, werde ich mich mal ein wenig einmischen
    also dein gedicht gefällt mir.
    es ist interessant geschrieben, auch wenn ich mit meiner interpretation noch nicht wirklich weit gekommen bin.
    aber das ist auch gut so. ich interpretiere für mein leben gerne
    der formale aufbau gefällt mir schon mal sehr gut und die fehlenden reime stören hier kein bisschen.
    in S3V2 muss es aber dem heißen.
    auch die interpunktion solltest du nicht außer acht lasse, so wie du es hier gemacht hast.
    also mir sind einige interessante gegensätze in den strophen aufgefallen.

    Zitat Zitat von Matti-Barna
    ich falle
    lächelnd nach unten starrend
    weinend nach oben blickenddie gegensätze gefallen mir
    fliege in die grüne Hoffnung
    rase in meine lebendige Hölleund schon wieder einer
    in ein Meer von giftigen Nadeln
    und so sehen ja sämtliche strophen aus.
    das ist wirklich einer interpretation würdig, aber so leid es mir tut...ich komme auch bei mehrfachem studieren deines werkes einfach nicht weiter..*menno*
    ....also unter den grauen mauern und grauen wänden könnte ich mir vielleicht ein gefängnis vorstellen...oder etwas in der art...ein mensch der in einem gefängnis lebt?
    und dadurch in diesen zustand zwischen leben und tot gezogen wird..
    ne vermutlich nich...
    klärst du mich bitte auf?
    mag nicht mehr raten

    lg
    rose
    Zum Schwarzen Rosengarten (Werkeverzeichnis)


    frisch aus meiner Feder Seelenbrand im Stundenschlaf, Göttertanz, Seelenduett,
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben
    Hermann Hesse

    *schwarzeRose*

  4. #4
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    Interpunktion wurde bewusst weggelassen.
    Danke fuer die Verbesserung.
    Interpretationsfreier Raum fuer jeden.
    Bei Schwierigkeiten werde ich das Gedicht genauer erklaeren.
    Wichtig ist, dass es mehrere Interpretationsmoeglichkeiten gibt, da auch verschiedene Ebenen dargestellt werden. Mit dem Gefaengnis gehst du schon zum Teil in die richtige Richtung (richtige Richtung <- ha, lustige Wortwahl)

    Matti
    Geändert von -Matti- (24.11.2006 um 14:58 Uhr)

  5. #5
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    hmm...dann muss ich vielleicht noch ein wenig weiterrumprobieren
    ich melde mich, falls ich schlauer bin

    lg
    rose
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  6. #6
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    ich falle
    Das LI fällt. Aha. Vom Stuhl, vom Tisch, vom Bett, aus dem Flugzeug, aus der Rolle, vielleicht nur aus?

    lächelnd nach unten starrend
    Schlimm kann das Fallen nach unten auf den ersten Blick nicht sein, denn der Erzähler lächelt, während er fällt. Ach nee da muß ja ein Punkt hin: Ich falle lächelnd. Nach unten starrend. Aber Starr lächelnd nach unten fallen ist eine Übung, die ich nur mit 5g in der Nase schaffe.

    -sniff-

    weinend nach oben blickend
    fliege in die grüne Hoffnung
    Das geht ja mal. Weinend blicke ich nach oben und fliege in die grüne Höffnung. Das Leben, den Wald, die Hoffnung der Grünen Partei (aber da kann ich nicht reinfliegen)?

    Aus dem Fallen wird ein Fliegen und:

    rase in meine lebendige Hölle
    in ein Meer von giftigen Nadeln
    Mittlerweile rast das LI. In seine lebendige Hölle. Toll. Ich möchte möchten die zwei Worte stundenlang aufsagend Groß wirklich unreal. Kommentar sich verlaufend ins Ziel zu treffen. Ich darf ärgerlich mich freuen, nach all dem Fallen, Fliegen, Rasen nun ein – platsch –tauchen.


    ich tauche
    gleitend durch Legionen von Speerspitzen
    schwimme gegen Dornen
    sie spornen mich an
    Nicht Drohnen? Ich hätte Drohnen liegen lassend genommen.

    den Widerstand zu brechen
    entgegen der Norm
    werde ich schneller
    – sensationell!

    Ich verstehe alles. Aber___________ Das mein lieber Matti ist viel zu einfach schwierig, dass ich nur betreten freudig applaudieren gemöchtet werden.


    Die letzten beiden Anfangsstrophen treffen es dann in ihrer präzisen Unschärfe exakt daneben. Will sagen auf dem zur Linie gewordenen Punkt. Bravo. Nicht doch. Hat jemand noch 1g. Ich brauch’s dringend langsam. Nochmals: Bravo. Mir gefallts.

  7. #7
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    Hallo,

    Ich kann mich überhaupt nicht mit diesem Partizipienstil anfreunden. Schon sparsam eingesetzt, stören mich diese ersten Mittelworte doch recht schnell, doch hier werden sie bis auf den Exzess zelebriert und nehmen dem Ganzen den Drive, den es doch gerade auf Grund des Themas haben sollte.

    Lieben Gruss

    Andvari

  8. #8
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    Es freut mich sehr, dass es gefaellt und zum Nachdenken anregt.

    Plumperquatsch, habe mich herrlich amuesiert ueber gewisse Aussagen von dir.
    Gefällt mir was du schreibst.





    Zu Andvari


    Danke, dass dich der Partizipienstil stoert.

    Ja, er kann unter gewissen Perspektiven den Drive nehmen. Das soll er aber auch. Er soll den Lesefluss bewusst bremsen. Er soll bewusst stören.

    Danke trotzdem fuer deine Kritik.


    Matti
    Geändert von -Matti- (28.06.2019 um 02:48 Uhr)

  9. #9
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    Hallo Matti,

    ich will mich einmal an deinem Gedicht versuchen.

    ich falle
    lächelnd nach unten starrend
    weinend nach oben blickend
    fliege in die grüne Hoffnung
    rase in meine lebendige Hölle
    in ein Meer von giftigen Nadeln



    Wenn da LI lächeln nach unten starrt, dahin wo es fällt, wo es aber auch vor Zeiten herkam - denn ich unterstelle, der Fall erfolgt aus einer erhöhten Position, nicht etwa in eine Schlucht, die sich unvermittelt auftut - dann kann ich das so deuten, als wende sich das LI einer fernen Erinnerung zu.
    Aber es kommt natürlich grade jetzt von oben, vom kürzlich Geschehenen, dem es weinend (nach)blickt.
    Grüne Hoffnung - lebendige Hölle : dies reizt mich sofort, eine "grüne Hölle" zu assoziieren, einen Dschungel, der Hoffnungen und Gefahren birgt, ein Meer von giftigen Nadeln ?

    ich tauche
    gleitend durch Legionen von Speerspitzen
    schwimme gegen Dornen
    sie spornen mich an
    den Widerstand zu brechen
    entgegen der Norm
    werde ich schneller

    Jetzt wechselt dem Verb nach das Medium, jedoch werden Bilder von Widernissen aufgezogen, die nichts mit dem Wasser zu tun haben. Speerspitzen und Normen deuten auf menschlichen Ursprung, Dornen und Nadeln auf einen natürlichen. Letzteres irritiert mich nun, da ich mir bereits ein eigens Bild machen wollte.
    Der Widerstand spornt das LI an, die in S1 auch in den Verben dargestellte Passivität wird durch aktive Fortbewegung ersetzt.

    träumend stürze ich
    dem lebendigen Tod entgegen
    sie nehmen mich auf
    reichen mich weiter
    das Ende naht
    die Zukunft kommt

    Dann wieder passives dem lebendigen Tod Entgegenstürzen ? Wieder ein Rückfall in Agonie, wie hypnotisiert - und wie das Durchbrechen einer Mauer: die Erlösung. Das LI wird aufgenommen, weitergereicht (?), das Ende ist auch Zukunft, also: Wendepunkt.

    ich erwache
    umgeben von grauen Mauern
    in einem grauen Raum
    erschreckend
    fühle ich die Realität nahen
    ich bin tot und lebe doch
    ich schließe die Augen

    ich falle


    Jedoch ist die Erlösung nur geträumt. Die Realität naht nach dem Aufwachen in grauem Grau und verursacht erneute Agonie. Und in der daraus entstehenden Passivität erneutes Fallen.


    Ha ! Ich würde sagen, das LI hat etwas an sich ausgemacht, das nicht den Normen entspricht und fürchtet ein Coming-out. Fände ich in diesem Sinne gut dargestellt und würde mir in dieser Form als angemessen gefallen.
    Natürlich kann ich auch meilenweit daneben liegen...


    Gruß

    Ulrich
    Geändert von Erebus (25.11.2006 um 01:38 Uhr)
    .....
    D i e.....v e r s u c h t e.....W e l t ............
    ......a u s g e w ä h l t e .....T e x t e ......
    Alles ist Lüge an mir; aber dass ich zerbreche - diess mein Zerbrechen ist ächt! (Friedrich Wilhelm Nietzsche: Also sprach Zarathustra - Der Zauberer)

  10. #10
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    Danke, dass dich der Partizipienstil stoert.
    Da gibts nichts zu danken. Der hat mich gerne gestört

    Ne ernsthaft: schön, wenn du auch eine Kritik verträgst, die nicht direkt aus dem Weichspüler kommt. Das ist doch schon mal ne gute Voraussetzung .

  11. #11
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    ______________________________ PIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEEEEP


    Nüchtern werden ist kacke. Man kommt zu sich, möchte aber lieber sterben.

    Also das ist _______________ die Null Linie. Und da will einer sterben und wird immer wieder zurückgeholt. Kriege ich jetzt einen Mürbekeks als Preis, Matti?

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