Der alte König saß im Runde,
aller Treuen seiner Länder,
bei der Glocke dann, zur Stunde,
erhob mittig sich ein Fremder.

„Wer wagt es zu klagen in unserem Rund?“
voll Zornes hob der König an,
„Nun gib uns deinen Namen kund,
und vernehme Deine Straf alsdann!“

„Großer König, Herrscher im Lande,
ihr fraget mich nach meinem Namen?
Spürt ihr nicht des Endes Bande,
die mit mir heute zu euch kamen?“

„Was erlaubet sich der freche Wicht,
wer glaubt ihr dass ich sei?
Seht ihr all die Leute nicht,
die mir immer stehen bei?“

„Welch Leute meint ihr hoher Herr,
jene die im Glanz sich sonnen?
Die um euch herum bisher,
feistes Lügennetz gesponnen?“

„Meine Treuen, eilt herbei,
schützt mir mein Leben schnell,
denn dieser dort ist nun dabei,
zu meucheln wie ein Mordgesell!“

„Nicht meucheln möchte ich,
nur den Weg euch weisen,
denn ihr wisst doch sicherlich,
wie alle Leut mich heißen!“

„Nun spricht er auch in Rätseln noch,
als seie er der Narr am Hofe,
geht, werft ihn in das tiefste Loch,
so sprech er seine letzte Strophe.“

„Gevatter nennt man mich mein Herr,
für mich sind alle Menschen gleich,
nun führte mich mein Weg hierher,
zu holen Dich ins Todesreich!“

Grausig Erkenntnis im Gesicht,
sank der alte König nieder,
als sein Odem dann versicht,
entschwand der Fremde wieder.