1. #1
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    Töten aus Langweile

    "Töten aus Langweile- Destruktives Handeln in sinnlosen Tagen"

    Eine kleine Kurzgeschichte:

    Ich hatte eine furchtbare Langweile, als ich an diesem frischen Morgen, während ich ungeduldig auf dich wartete, mein Messer aus meiner Ledertasche hervorkramte. Als du kamst, war ich schon längst tot. Mir war eben so langweilig.

    An einem anderen Morgen in derselben Wochen, wartete ich auf niemanden und doch hatte ich das Gefühl in der Warteschleife zu stehen. Ich zog einen Revolver und erschoss den Postboten aus Langweile. Danach ärgerte ich mich, denn ich erwartete einen wichtigen Brief.

    Zwischen dem zweiten und dem ersten Vorfall ist noch etwas vorgefallen. Wir waren im Bus, ich und du. Du hast etwas über schreckliche Mäuseversuche erzählt und ich habe furchtbar laut gelacht. Daraufhin hat ein älterer Herr mir ein Zeichen gegeben, dass ich etwas leiser reden sollte. Ich erwürgte meine Freundin und zog den Hut vor dem Alten."So besser"? Er nickte lächelnd.

    ende

  2. #2
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    Genial, sowas von krank, einfach genial. Zumindest die Idee, ich habe mich sehr amüsiert, formal war es allerdings nicht ganz so toll. Die vielen Wiederholungen waren nicht sehr berauschend, du solltest mehr mit Passivsätzen arbeiten um solche "Ich-Orgien" zu vermeiden.
    Tu was du willst, das ist das ganze Gesetz - Aleister Crowley

  3. #3
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    Die Grundidee ist nicht schlecht - allerdings schon bekannt und an anderer Stelle (z. B. "American Psycho") doch wesentlicher besser dargestellt...für mich sind das hier Fragmente, aus denen sich vielleicht was machen lässt, wahrscheinlich sogar...allerdings sollte es dann doch etwas ausgearbeiteter sein ("plot" und so)...ausserdem erfährt man nichts über das Ich (warum es sich langweilt, z. B.)...also: inhaltlich und sprachlich (wie Demon ja auch schon sagte) rudimentär, aber es könnte Potential haben...

    Till
    "Here was a generation...grown up to find all gods dead, all wars fought, all faith in man shaken."
    (F. Scott Fitzgerald)


  4. #4
    Gemini Guest
    Ich halte diesen Text, der allerdings keine Kurzgeschichte ist auch für ausgesprochen gut. Gerade diese lapidare Art es niederzuschreiben macht noch einen speziellen Reiz aus, der die Reife des Lesers fordert. Ich kann in keinster Weise nachvollziehen, was über das Ausbauen und Verschönern oben schon geschrieben wurde. Auch ist dieser Text durch seine offensichtliche Gefühlslosigkeit dem Film American Psycho bei weitem überlegen. Es ist die Kombination aus Kürze und Kaltblütigkeit die mich formal hier sehr anspricht. Ein gelungenes Stück.

    Grüße Gem

  5. #5
    Plaristo ist offline Hier könnte Ihre Werbung stehen!
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    Wie schrieb schon Erich Fried:

    "Erst die Zeit
    dann eine Fliege
    vielleicht eine Maus
    dann
    möglichst viele Menschen
    dann
    wieder die Zeit"

    Gefällt mir ebenfalls sehr gut, deine "kleine Kurzgeschichte". Ich möchte meinen Vorredern nicht nochmals das Wort aus dem Mund nehmen, doch muss ich bemerken, dass mir ein Satz besonders gut gefallen hat

    Ich erwürgte meine Freundin und zog den Hut vor dem Alten."So besser"? Er nickte lächelnd.
    So furchtbar sinnlos, und ein herrliches Bild. Doch was gefällt mir? Leider kann ich das nicht genau bestimmen. Aber vielleicht ist es die Unsterblichkeit?

    mit Grüßen,
    Plaristo
    Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. (F. Nietzsche)

  6. #6
    apple Guest
    Hallo zusammen,

    der Text ist wirklich gut geschrieben, eine Kurzgeschichte, da gebe ich Gem recht, ist er jedoch nicht.

    Was mir unerschlossen bleibt, ist die Selbsttötung in der ersten Zeile.

    Wenn das im übertragenen gemeint sein soll, ist das hier zu schwammig, andernfalls stellt sich mir die Frage, wie nach der Tötung aus der Ich-Perspektive weitererzählt werden kann, ohne dass im folgenden auf die Vergangenheitsform zurückgegriffen wird und sich die Selbsttötung in der "Aktivform" des Futur hält ((...)werde ich längst tot sein, mir ist ...).

    Diesen Abschnitt würde ich so oder so ans Ende setzen.

    Grüße aus dem Jenseits
    apple

  7. #7
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    Da wo du nich bist =)
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    hmmm...
    da sind 3 kaum zusammenhängende kurztexte.

    Der erste, naja... bei dem kann ich beim besten willen absolut nichts positives sehen. Der hat einfach weder Sinn noch Verstand.

    Im zweiten widersprichst du dir selbst. Du wartest auf niemanden, erwartest allerdings einen wichtigen Brief? oO

    Erst im dritten Text, da sehe ich etwas interessantes. Auf die bitte leiser zu sein tötet das "Ich" seine Freundin, und der ältere Herr ist ganz zufrieden damit. Hauptsache er hat seinen Frieden. Wobei man hier noch bedenken muss, das "Ich" hat laut gelacht nicht die Freundin, die am ende umgekommen ist.
    Das finde ich sehr interessant. Egoismus im höchsten maße gepaart mit brutalität. Da kann man durchaus mal länger drüber nachdenken

    Die ersten beiden sind schrott, meiner meinung nach. Es gibt weder einen Grund für die taten(ok... langeweile, aber das ist mir definitiv nicht genug.) das ganze passiert einfach ohne das etwas zuvor passiert ist was den protagonist zusolch einer tat hätte beeinflussen können. Es gibt nur eine HAndlung(relativ kurze, einfache und nicht durchdachte) und weder etwas danach, noch etwas das dieser Handlung folgt.
    Wie viel Blut muss vergossen werden, um die Wolken rot zu färben?

  8. #8
    Gemini Guest
    Nein, eine KG ist es nicht. Es ist ein kurzer surreal anmutender Text. Eher noch ein Gedicht als eine Geschichte. Die Strukturierung ist hier auch sehr gelungen gewählt. Dieser Text ist als rein metaphorisch zu verstehen, wobei es egal ist wann der Pro. den Löffel abgibt. Der Überbegriff, denke ich, ist hier das gebilligte tägliche Töten in einer desinteressierten Umwelt.
    Die Gedanken sollen hier tiefer abschweifen als vom Griff bis zur Messerspitze. Das Grundthema hat muselmann gelungen transportiert. Gerade durch den Tod des Pros zu Beginn, wird klar wohin uns der Autor bringen will. Er will uns ein übergeordnetes Bild eröffnen, das man sonst nicht so leicht erkennen hätte können.

    LG Gem

  9. #9
    apple Guest
    Neee, also wenn das hier einen Sinn ergeben soll, muss schon die Selbsttötung ans Ende oder der Autor baut noch ein Orakel oder eine seherische Glaskugel ein.

    Dieser Abschnitt zu Beginn einer kurzen Erzählung macht - für mich jedenfalls - keinerlei Sinn. Da ist insgesamt ein Wurm drin. Entweder Freundin umbringen, sich eine neue anlachen, um am Ende wieder eine zu haben, die einen tot vorfinden kann oder sich am Ende umbringen, ohne das jemand kommt, weil man die Ische schon vorher um die Ecke gebracht hat.

    Als unabhänhige Kurzzeilererzählungen, wie zuvor angebracht wurde, hätten die Dinger Bestand und man wüsste nicht an den Zeitformen und Tötungsreihenfolgen drehen, damit das Ding sinnig wird. Kommt darauf an, was Absicht war.

    LG apple

  10. #10
    Gemini Guest
    Wie gesagt apple. Hier geht es nicht darum, dass eine Geschichte erzählt werden soll. Hier geht es rein um den Begriff töten. Der alte Mann am Ende billigt den Mord an dem Mädchen, weil er schlichtweg seine Ruhe haben will. Hier wird anhand einer vermeintlich einfachen Geschichte eine höhere Ebene dargestellt. Wenn nun der Pro. am Ende gestorben wäre, hätte man diese Ebene womöglich nicht so einfach erkennen können. So denkt man sich: Hä? Da ist doch der Wurm drinnen. Natürlich weiß Muselmann, dass es Unsinn ist, wenn der Protagonist am Anfang stirbt, aber gerade dieses bizarre Bild ist vonnöten um den Leser auf das Verdeckte hinzuweisen.
    So ist das.

    LG Gem

  11. #11
    apple Guest
    Hallo Gem,

    das mag ja sein, stelle ich auch nicht in Abrede, nur würde ich der Logik halber den Text mit "Töten aus Langeweile - 3 kurze Tode" überschreiben

    Dann hör ich auch das Knöttern auf

    LG apple

  12. #12
    Gemini Guest
    Weiber

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