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  1. #16
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    Laut den meisten Literaturwissenschaftlern, die ich bisher gelesen habe, wird der Beginn der Postmoderne Ende der 60er Jahre angesiedelt...

    Zu den "goldenen Ähren"...ein Stilmerkmal der Postmoderne ist Intertextualität...das heisst, der (verfremdete) Bezug auf die Kunst vorangegangener Epochen, und das kann man durchaus als Charakteristikum ansehen...dieses "völlig Neue" besteht also, jedenfalls in intertextuellen Werken, in der Neukombination von Bekanntem...darum auch die ganzen "Neo-"irgendwas Richtungen in den 80ern und 90ern...wenn man so will, war die Moderne avantgardistisch geprägt, denn es gab eben immer wieder den Versuch des "völlig Neuen"...die Postmoderne versucht das nicht mehr, das ist ein weiterer elementarer Unterschied..."Postmoderne" ist auch nur ein Name für eine neue Kunstepoche, nämlich jene, die nach der "klassischen Moderne" kam...dass Moderne das Jetzt ist, ist eine andere Frage - vielleicht wird man die Postmoderne auch mal anders nennen, noch heißt sie aber so...

    Sarah Kirsch wird glaube ich eher der Moderne als der Postmoderne zugerechnet, oder?

    @Larissalein: Wirf doch mal einen Blick in das "Jahrbuch der Lyrik 2006", wenn du dir das irgendwie beschaffen kannst, da hast du dann Gegenwartsdichter - zumal man aus dem Glossar auch grob schätzen kann, wie präsent sie tatsächlich sind...
    "Here was a generation...grown up to find all gods dead, all wars fought, all faith in man shaken."
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  2. #17
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    Was die Ansätze für Larissaleins Aufgabenstellung angeht, schließe ich mich Kajns Vorschlägen an. Es wäre wohl ratsam, verschiedenstes herauszupicken und getrennt vorzustellen ohne den Versuch zu unternehmen, sich Vergleichspunkte aus den Fingern zu saugen, die kaum da sind.

    Um aber noch mal auf die von mir angestoßene Grundsatzdebatte zu kommen und meine These zu erläutern, die wohl leicht misszuverstehen war:
    Was Lyrik (Literatur) zu Lyrik macht, ist eben das Unvergängliche, nicht die Zugehörigkeit zu einer Epoche oder einem Stil, auch nicht die individuelle Mischung von Stilen. Heutzutage ist alles, was wir kennen, möglich (wie in allen Zeiten), nur ist die Zahl möglicher Alternativen natürlich schon viel höher als annodazumal. Leider wird die "Artenvielfalt" häufig so ausgelegt, dass alles gleichermaßen Literatur ist, da kann ich nicht zustimmen. Literatur funktioniert, wenn sie Muster des menschlichen Geistes wiedergeben kann - egal, ob auf semantischer, struktureller oder auch phonetischer Ebene, denn dieselben Prinzipien können auf allen Ebenen wirken.

    (Beispiele für Prinzipien: Dialektik, was Dualismus und Synthese einschließt, also Trennung und Verknüpfung, außerdem Assoziation (aber ohne Dialektik) ähhm... vielleicht war's das auch schon?)

    Wichtig ist auch immer eine gewisse Folgerichtigkeit, mag sie auch nur empfindbar, nicht aussprechbar sein.

    Gerade bei der heutigen Vielfalt fällt es schwer derartige Urteile zu treffen, und zum Glück gibt es eher wenige publizierende Autoren, die sich nicht in den Grenzen der Kunst bewegen, wie ich sie oben dargestellt habe.

    Woraufs mir ankam, war also nur, den Zeigefinger zu heben und erneut festzustellen: Nicht alles ist Lyrik (oder Literatur), bloß weil es sich so ausgibt!
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

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  3. #18
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    @ f@c@

    Hey, danke ^^
    Wir sollen keine DDR Autoren und deren Gedichte einbringen, da es für DDR Literatur wieder einen extra Gruppe gibt.
    Also am Besten 2 oder 3 Gedichte und anhand derer halt Merkmale aufzeigen.
    Hab bis jetzt gefunden:

    Moderne Lyrik
    - Neologismen
    - Rhythmus statt "üblichem" Metrum
    - Koexistenz verschiedener Schreibstile (Haiku, Sonett...), da man sich früherer Formen "bedienen" kann
    - Spiel mit der Form des Gedichts und desse Inhalt
    - banale, einfache Sprache ohne Reim
    - keine Metaphern/Bilder --> wörtlich

    Kann das in etwa hinkommen?


    LG, Larissalein

  4. #19
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    HI, Larissalein,

    die Liste scheint ganz gut zu sein.

    Die meisten Merkmale sind zwar nicht nur modern, aber natürlich kommen sie, auch heute noch, besonders oft vor.

    So gesehen, kannst du diese "Epochenmerkmale" für deinen Vortrag ruhig als Grundlage nehmen und in exemplarischen Werken nachweisen, was nicht das Problem werden dürfte.

    (Ich störe mich zwar sehr an diesem ganzen "Epochen"-Denken, aber das dürfte deine Lehrerin und Mitschüler herzlich wenig interessieren, *seufz*, also-->)

    Mach es einfach so. Ich wünsche dir viel Erfolg!



    PS: Meine unnötigen Thesen hatten hier wirklich nicht viel verloren, ich bitte dich um Entschuldigung!
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  5. #20
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    Macht doch nix, hat mich sehr gefreut, dass ich überhaupt eine Antwort bekommen habe

    LG

  6. #21
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    Zitat Zitat von fa@c@
    ...Was Lyrik (Literatur) zu Lyrik macht, ist eben das Unvergängliche, nicht die Zugehörigkeit zu einer Epoche oder einem Stil, auch nicht die individuelle Mischung von Stilen. .... Literatur funktioniert, wenn sie Muster des menschlichen Geistes wiedergeben kann - egal, ob auf semantischer, struktureller oder auch phonetischer Ebene, denn dieselben Prinzipien können auf allen Ebenen wirken.
    Lyrik ist doch nicht mit Literatur gleichzusetzen - Lyrik ist ein Gattungsbegriff und neben Epik und Dramatik einer der drei Pfeiler der Lieratur. Wenn du sagen willst was Lyrik zu Lyrik macht, dann müsstestst du doch viel eher definieren, wie die Untermenge "Lyrik" aus der Gesamtmenge der literarischen Texte herausdestilliert werden kann.

    Das können nicht qualitative Merkmale sein. Schlechte Gedichte gehören zur Gattung der Lyrik, genau so wie gute Gedichte zur Lyrik gehören. Ansonsten müsste ich auch behaupten, dass "Wintersturm" von Mary Higgins Clark nicht zur Epik gehört - will heissen kein Roman sei.

    Was m.E. den lyrischen Texten fast immer gemeinsam ist, ist ihre Kürze und die dadurch resultierende sprachliche Komprimierung (verdichtete Sprache).

    Schon nur diese Bemerkung steht auf wackligen Beinen, weshalb ich zum Schluss gekommen bin, dass die Gattung der Lyrik genau diejenigen Texte umfasst, die vom Autor als Gedicht gemeint sind.
    Geändert von Andvari (01.12.2006 um 11:55 Uhr)

  7. #22
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    @Larissalein: In deiner Aufzählung steht, banale Sprache und die wörtliche Bedeutung (keine Metaphern) seien Merkmale der modernen Lyrik...

    das mit der banalen Sprache kommt vor, ist aber keineswegs ein allgemeiner Trend...vielmehr geht es heutzutage darum, Wortfelder in die Lyrik zu integrieren, die bisher eher verschmäht wurden - z. B. das technische Vokabular der Naturwissenschaften...außerdem sind moderne Gedichte sprachlich meist hochkomplex (z. B. Durs Grünbein) und sehr weit von Alltagssprache entfernt...

    Und das mit der Wörtlichkeit ist falsch...erstens gibt es noch massig Metaphern und Vergleiche...oftmals werden einzelne Metaphern durch das ganze Gedicht gezogen, ohne (!) aufgelöst zu werden...zweitens geht es heute weniger um allgemeinverständliche Metaphern als um Chiffren, das heißt Verschlüsselungen, die nur mit gesundem Menschenverstand oft nicht mehr nachvollzogen werden können...

    Nochwas zu dem Nebeneinander von bestimmten Formen des Gedichts: da musst du aufpassen...in den allermeisten Fällen wird nämlich eine alte Form verwandt, um sich ironisch mit ihr auseinanderzusetzen - kaum jemand schreibt heute noch Sonette mit wirklich ernst gemeinten Inhalten (und wird veröffentlicht)...in Frankreich sieht das etwas anders aus (Houellebecq z. B., der fast nur in klassischer Form schreibt)...oft werden auch Formen oder Fragmente von alten Gedichten aufgegriffen (Intertextualität), um sie zu verändern, sie "einzubauen" oder "zu umbauen" und so ein neues Kunstwerk zu schaffen...aber auch das oft ironisch, Ironie ist eine zentrale Tendenz in der Postmoderne...

    Schwieriges Thema, das du dir da ausgesucht hast - ich denke, man wird ihm am ehesten gerecht, wenn man möglichst viele Partikularitäten erklärt und im Endeffekt aber zugibt, dass Kategorisierungen hier sehr schwer bis unmöglich sind...

    Viel Erfolg,

    Till
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  8. #23
    Gemini Guest
    Sry wenn ich hier hereinplatze, aber ich möchte hier kurz einen Satz aufgreifen und dann gleich wieder verschwinden.
    Es geht mir um die "banale Sprache".
    Ich denke, dass unser Zeitalter dermaßen überladen ist und einem schon alleine durch die Werbung und die Musik die Metaphern um die Ohren gehaut werden, dass es automatisch einen Gegenpol dazu geben sollte. Ich sehe es als eine natürliche Reaktion, dass die Dichtung wieder zum Ursprung der Sprache zurückkehrt. Nehmen wir junge Webdichter. Die stopfen oft ihre Gedichte mit metaphern voll, nur um in höchsten lyrischen Sphären zu schweben. Nach der Zeit verzichten die meißten dann immer mehr auf eine blumige Sprache und gehen zum Ursprung zurück. Ich denke immer, dass derjenige der meine Sachen liest reif genug ist um das Gefühl Angst zu kennen oder Freude. Ich brauche dies nicht mehr zu beschreiben.
    Die Menschen heutzutage sind aufgeklärt und doch wieder verblendet. Einerseits erwartet jeder, wenn er ein Gedicht liest angelogen zu werden. Die klare Sprache verunsichert die Leser wieder, weil sie sich dann mit den eigenen Gefühlen außeinandersetzen müssen. Je einfacher ein Text also ist, desto klüger muss der Leser sein oder besser: Reifer
    Das ist natürlich nur meine Meinung, aber die wollte ich natürlich nicht unverkündet lassen.

    Bis denne Gem

  9. #24
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    @Andvari:
    Du hast meine (vielleicht etwas unklar geäußerte) Meinung falsch verstanden. Ich wollte keine Definition irgendeiner Gattung abgeben, sondern beschreiben, ab wann Literatur für uns überhaupt erst bedeutsam sein sollte. Ich halte mit fortschreitender Literatur-Geschichte eine solche (künstlerische) Unterdefinition für nötig, um die Massen von Wörtern, die keine relevante Funktion erfüllen, klarer erkennbar zu machen. Natürlich bleibt dann immer noch jedem die Freiheit, dieses oder jenes als Literatur aufzufassen, oder auch nicht. Die Begründungsmechanismen wären, worauf es ankommt.

    Aber vielleicht ist das alles großer Quatsch von mir gewesen, nur ein unbeholfener Versuch der Profilierung meiner eigenen Ästhetik oder Ähnliches, vielleicht. Wie gesagt, ich bereue ein wenig, mich in diesem Thread derart allgemein geäußert zu haben.

    Ich habe hier nichts mehr beizutragen, außer, dass es mich nicht überrascht, wie die Meinungen über moderne Lyrik auseinander gehen. Für einen Vortrag hat Larissalein jetzt jedenfalls genügend Stoff!

    gruß

  10. #25
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    Zitat Zitat von ferdi
    Andreas Böhn hat ein nettes kleines Buch geschrieben
    Jaja, wie ich schon sagte ...nein, im Ernst: das wusste ich nicht, und es kann durchaus sein, dass es das -so als Nische- noch gibt, das ist ja gerade ein Merkmal unserer Zeit, dass alles noch irgendwie, irgendwo weitervegetiert, auch wenn der künstlerische Zug eigentlich schon abgefahren ist..wenn du dir aber mal die "großen" zeitgenössischen Anthologien anschaust, wie auch literaraturwissenschaftliche Eingrenzungen der Postmoderne (mir fällt gerade das Buch von Herbert Grabes ein), dann siehst du, dass derartig klassische Formen doch eine seeeehr untergeordnete Rolle spielen...ich glaube, im "Jahrbuch" von 2006 ist ein Sonett, aber das hat unter anderem durchaus auch die Demontage der Form, bzw. ihre Entfremdung, im Sinn...will sagen, mit einem Barocksonnett nicht mehr allzu viel gemeinsam...

    Um es kurz zu machen: sicher gibt es hier und da noch Sonettdichter - die aber jetzt als eine wichtige Spielart der literarischen Postmodene anzusehen, wie oben geschehen, ist dann meines Erachtens doch eher falsch...

    Till
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  11. #26
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    Hallihallo...
    ich habs soweit fertig *stolz*, werds euch bei Gelegenheit mal zeigen

    Danke für eure Hilfe ^^!

  12. #27
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    Die Lyrik wird immer mehr ausgeweitet und -geweidet. Die konkrete Poesie im 20. Jhd. ist nur eine Richtung. Egozentrierung und Medienabhängigkeit sind meiner Meinung nach auch Charakteristika der heutigen so genannten "Lyrik" - wobei das erste wohl logischerweise immer Bestandteil derjenigen war.
    Mehr von mir? Arno Boldt, seit Jahren mit Blog auch auf Wordpress: arnoboldt.wordpress.com

    --------------------------------
    Das letzte Angebot von mir auf dot-com:
    The Lyrical Battleground von Schorschen und mir (+ diverse Gäste im Prolog des Worttanzes).

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