Thema: welker Klee

  1. #1
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    welker Klee

    Gestern,
    als ich die Folianten
    meiner Verzweiflung
    wälzte und versuchte
    die Bilanzen zu schönen,

    fiel aus den Seiten
    das welke
    Kreuz eines Kleeblattes.

    Wer hatte sich vor Zeiten
    diesen Moment Glück
    versagt,
    damit ich ihn,
    spröde geworden,
    fände?
    Geändert von yarasa (25.11.2006 um 13:27 Uhr)
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  2. #2
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    Das Ungereimte, in deinem Gedicht lässt eine Melodie entstehen, die sich sanft und gut liest.
    Die Idee von dem alten wiedergefundenen Glück, ist nicht wirklich neu, jedoch fand ich das Kleeblatt, als Symbol dafür höhst anmutig.
    So, jetzt kommt mein kleiner Kritikpunkt, ohne den dieser Kommentar wohl nicht entstanden wäre: "diesen Moment glück" das Glück schreibt man groß , das als zusätzliches Sandkorn im Meer.

    Sonst bin ich überzeugt - dolphin
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  3. #3
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    schöne, wenn auch etwas zu einfache sprache, nette idee. gern gelesen.

  4. #4
    yaira Guest
    hallo yarasa,

    ich mag diese kleinen Gedichte nach yarasa-Manier wirklich gerne, da sie eigentlich immer aus Bildrn bestehen, in die man sich wunderbar einfinden kann. Ein kleines bisschen stört mich die nachgestellte Frage, weil sie sprachlich nicht besonders schön ist und mir irgendwie den Freiraum nimmt.
    Gern gelesen.
    Liebe Grüße
    yaira

  5. #5
    Condor Guest

    Liebe yarasa,

    komme aufgrund privater Beanspruchung in anderen Bereichen selten dazu, hier im Forum zusätzlich zum posten eigener Gedichte solche anderer anzuklicken und zu lesen. Deshalb stiess ich eher zufällig auf dein Gedicht.

    Muss sagen, ich bin äußerst beindruckt von der Ausdrucksform und den gewählten Metaphern. Hat mich äußerst überzeugt, obschon ich eher sparsam mit Lob umgehe und Gedichte, die mir nicht gefallen, überhaupt nicht kommentieren würde.

    Noch einen Tick besser hätte es mir gefallen, wenn die letzte Zeile nicht dort stehen würde. Sie engt die Interpretationsmöglichkeiten des Lesers unnötig ein.

    Schönen Dank für die Zeilen und lieben Gruß von

    Condor
    Geändert von Condor (25.11.2006 um 13:08 Uhr)

  6. #6
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    Hallo ihr vier

    vielen Dank für die Kommentare. Das Bild schien mir auch gelungen - und die Frage am Schluss kam später dazu, und scheint das Bild doch mehr zu stören, als gedacht. Daher werde ich sie ersatzlos streichen

    @dolphin
    Das kommt daher, wenn man nach der Wordkorrektur noch einmal daran herumbastelt - dann passieren die Tippfehler.

    LG
    yarasa
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    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

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  7. #7
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    welker Klee

    Liebe yarasa,
    es war kein Zufall, der mich zu deinem Gedicht geführt hat - und ich habe beim Lesen erst einmal tief durchgeatmet.
    Die Frage hat mich besonders angesprochen. Die Antwort kann hier auch das lyr. Ich nicht geben.
    Als Leser wird man nicht tief traurig, aber sehr nachdenklich, erst recht, wenn man gerade Blätter gepresst hat.
    Auf jeden Fall erzählt dein Gedicht eine große Geschichte, die du in wenige Verse "gepresst" hast.
    Immer wieder fällt mir bei deinen Gedichten - Leben pur - ein.
    Liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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  8. #8
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    Liebe yarasa,

    immer, wenn in einem Gedicht das Wort "Verzweiflung" auftaucht, ist mein Interesse insofern besonders geweckt, weil es ein so extrem negatives Gefühl umschreibt das sich von der Intensität her kaum noch steigern lässt. Es vermittelt sofort etwas hoch Grenzwertiges, dem man nur dann nachempfinden kann, wenn man selbst schon einmal in einer verzweifelten Lage war.

    Hier sinnt dein LI im Vers libré über seine Situation nach, die es offensichtlich schon länger begleitet und es versucht, nur allzumenschlich, sich die Lage durch bestimmte Vorstellungen zu schönen, um es dadurch erträglicher für sich zu gestalten, was natürlich auf Dauer reiner Selbstbetrug wäre, für den Moment aber sehr nützlich sein kann. Sehr ambivalent zu betrachten.

    Warum du ein welkes Kleeblatt als Symbol für nicht erlebtes Glück verwendest, erscheint mir zwar noch nicht ganz schlüssig, zumal ja die gestellte Frage suggeriert, dass sich jemand anderes vor Zeiten dieses Glück versagte, damit das LI dieses Kleeblatt eines fernen Tages fände, aber ich denke, dass du damit einfach eine vom LI verpasste Chance umschreiben wolltest, als es sein Glück noch hätte selbst schmieden können, jedoch versagte.

    Habe ich sehr gerne gelesen und ich finde Danas Schlusssatz so treffend...

    Liebe Grüße
    crux

  9. #9
    Johan Guest
    Hallo Yarasa,

    du schreibst hier gedanklich recht kurvenreiche Zeilen, die in eine lange Vergangenheit führen. Sonst hättest du das Wort ’Folianten’ nicht benutzt. Ich bin mir nicht sicher, ob zur Zeit des Gebrauchs von Folianten eine moderne Buchhaltung – aus der stammt dein Ausdruck ’Bilanzen schönen’ - existierte. Also, eine etwas freie Wortwahl deinerseits.

    Interessant dann deine Überleitung zum Kleeblatt als Glückssymbol, wobei – nur zur Erwähnung – das Blattkreuz des einfachen Kleeblatts das Fingerzeichen für Erfolg oder Aufmunterung zum Erreichen des Erfolgs symbolisiert. Ebenso ist dieses ‚Kreuz’ aber auch eine Spielkarte. Damit hast du eine unterstützende Querverbindung geschaffen. Du verbindest in deiner Frage dieses Kreuz mit Glück – Glück, das sich jemand versagt hatte. Oder Glück, dass er im Kreuz hätte finden können? Damit präsentierst du in wenigen Worten eine zumindest dreisätzige Aussage, wenn man bedenkt, dass das Kreuz auch das Zeichen für den Tod ist.

    Es ist nicht leicht, mehrere Gedankengänge und Gedankenquellen miteinander zu verflechten, noch dazu, wenn sie Zeit umspannend sein sollen. Du hast es in deiner Komposition geschafft und mir als Leser dabei eine Melodie gespielt, die ich dir nicht zugetraut hätte.

    Mein Respekt!

    Lieben Gruß
    Johan

  10. #10
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    Hallo ihr Lieben

    endlich komme ich dazu, mit einiger verspätung, diese Antworten zu besprechen.

    @crux und dana
    Danke für euer Lesen und Interpretieren - mit der Zeit, wenn man sich etwas kennt, werden ja die Gedankengänge des andern offensichtlicher.
    Danke für das 'Leben pur' - was mehr könnte ich anstreben?

    @Johan
    auch dir danke ich für die Auseinandersetzung mit dem Text - du hast noch mehr an Symbolik gefunden, als beabsichtigt war. Und anderes hast du deutlich gelesen in seiner Vielschichtigkeit.
    Schön, dass dich der Text überzeugen konnte.

    LG
    yarasa
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  11. #11
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    yarasa,

    dies ist eins jener Gedichte, die ich einfach empfinde ohne sie wirklich sprachlich greifen und erklären zu können. Vielleicht ist es auch deswegen irgendwie besonders...der Wein kanns nicht sein...ich hatte nur ein Glas....
    Was brachte Dich denn dazu ..das gurkt mir jetzt in der Birne rum.

    Grüßle vom Kerlchen


    PS: Bin schon fast wieder da

  12. #12
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    Hallo kerlchen

    welcome back

    Was mich dazu gebracht hat? DU... *kicher*

    Erinnerst du dich an unser grässliche spontandichtung: "Ich bade im blutigen Meer deines Vertrauens und wälze mich in deiner Scham"?
    Da blitzte die Alliteration "Folianten der Verzweiflung" durch meinen Kopf - und meine Mutter hat noch so alte, dicke, verstaubte Bücher und in denen findet man alle paar Seiten irgendein Überbleibsel ihres Lebens: Briefchen, Blumen, Schleifen - und alle Nase lang ein vierblättriges Kleeblatt, einfach weil sie die auf der Strasse aufliest wie andere Leute Schnupfen.

    Keine Verzweiflung - nur eine schöne Alliteration.

    Aber schön, dass es dir gefällt. Es 'gehört' in gewissem Masse dir.

    LG
    yarasa
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  13. #13
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    Mhh ich tanz hier mal ganz frech aus der Reihe und sag mal ganz unverblümt: Ich finds nicht so toll^^
    Die Bilder die du erzeugst sind ja wirklich schön aber ich muss schon die Augen zu machen um das Gedicht genießen zu können weil mir diese paar Wortbrocken da nicht so förderlich sind.
    Nach jedem Vers schwing ich mich so ein bisschen auf und hoff auf einen Reim oder zumindest auf passende Metrik aber dann plotz ich immer wieder runter und das find ich schade.
    Also so empfinde ich es...
    FSV 3:1

    Das Verzeichnis:


  14. #14
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    Hallo Demian

    Nun ja, es ist im Vers libre geschrieben, und der wartet mit andern Stilmitteln auf, nicht mit Reimen und eher selten mit einer gleichmässigen Metrik. Dieses hier ist sicher nicht mein gelungenstes.
    Aber ich kann dir aufzeigen, mit was ich hier gearbeitet habe:

    Alliterationen:
    Gestern,
    als ich die Folianten
    meiner Verzweiflung
    wälzte und versuchte
    die Bilanzen zu schönen,

    fiel aus den Seiten
    das welke
    Kreuz eines Kleeblattes.

    Wer hatte sich vor Zeiten
    diesen Moment Glück
    versagt,
    damit ich ihn,
    spröde geworden,
    fände?

    Das als erste Ebene.
    Daneben gibt es eine ganze Reihe Assonanzen, oder zumindest Ähnlich-Klänge; zum Beispiel mit dem ei - aber auch die Steigerungsreihe der Umlaute in der letzten Strophe finde ich 'lecker': ü - ö - ä macht für mein Empfinden auf, während die Abfolge ä -ö eher 'schliesst'. *smile*

    Gestern,
    als ich die Folianten
    meiner Verzweiflung
    wälzte und versuchte
    die Bilanzen zu schönen,

    fiel aus den Seiten
    das welke
    Kreuz eines Kleeblattes.

    Wer hatte sich vor Zeiten
    diesen Moment Glück
    versagt,
    damit ich ihn,
    spröde geworden,
    fände?

    Handwerkerstolz, nur um zu zeigen, dass da nicht nur aneinandergereihte Wörter sind. Ob's gefällt, steht immer auf einem anderen Blatt.

    LG
    yarasa
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