1. #1
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    Die unangenehm hiflreiche Kritik

    Kritik an mir, berechtigt, mehr genauer, ungern mal betrachtet,
    zeigt auch man mich, gar nicht vielleicht, zu und im Recht dann wohl verachtet',
    wenn, meinem Irrtum weiter glaubend, hielt ich treu, standhaft an ihm fest,
    an dem, der mir erschien ein reines Kind aus Wahrheiteninzest.
    (Berechtigte Kritik an mir, genauer, wenn auch ungern, mal betrachtet,
    zeigt auch es ist und kann berechtigt sein, dass ich dafür werde verachtet,
    halt weiter ich an meinem Irrtum als der Wahrheit fest,
    weil der mir ihn selbst als nur sie erscheinen lässt.)

    Furchtbar, als Folge spürt' ich meistens meine Meinung sich entwichten,
    wenn's nur noch Freunde waren, die höflich, hörte mir zupflichten.
    Dadurch erschreckt, ich alles mir erneut, oft mehrmals vorgenommen,
    ward ich belohnt, wenn der Erleuchtung Licht, mich rettend, noch geglommen.
    ( Als für mich furchtbar, folgend, meine Meinung velor für mich Bedeutung und Gewicht,
    als mir dann spürbar wurde, ihre Zustimmung bestand nur noch aus Höflichkeites Pflicht.
    Dadurch erschreckt, hab ich mir alles nochmals gründlich vorgenommen,
    und ward belohnt, wenn, mich rettend, mir der Erleuchtung Licht geglommen.)

    Trotz der Erfahrung, mir Kritikt an mir erst immer höchst suspekt,
    weil sie den mir so wichtig angenehmen Blick auf mich meist schnell trübt und verdeckt.
    Dann überfliege suchend ich selbst von urältesten Gedichten
    Kritiken, die erneut von einst, mir ovationenschön, berichten.
    Geändert von wenigviel (28.11.2006 um 07:15 Uhr)
    wenigviel


    Es kann sein, alles ist anders als wir es wahrnehmen und erkennen und doch müssen wir es uns glauben.

  2. #2
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    Hallo Wenigviel,

    Respekt! Du hast es geschafft, in wenigen Zeilen die häufigsten Verbrechen an lyrischer Sprache einzubauen. Ich gehe mal davon aus (obwohl wir uns noch nicht so genau kennen), dass dies gewollt ist. Die Idee ist zwar so neu nicht, jedoch war bisher keiner so konsequent. Wollen wir doch mal schauen:
    1. Rechtschreibfehler
    2. Grammatikfehler
    3. verkrampfte Wortstellung - Satzbau
    4. Furchtbar lange Verse
    5. Verzicht auf ein Metrum
    6. Unsaubere Reime
    7. Sinnloser Zeilenumbruch
    8. Sprachlich so gekonnt verschlüsselt, dass ich immer noch nicht zum Inhalt vorgedrungen bin


    Hab' ich etwas übersehen? Hmm, schaun wir mal was noch fehlt:
    1. Umgangssprache (z.B. S1V3: hielt ich voll standhaft an ihm fest...)
    2. Anglizismen (vllt. einfach Erfahrung durch experience ersetzen)
    3. falsche Benutzung von Fremdwörtern (schwierig, da kann ich auf die Schnelle auch nicht helfen)

    Aber sonst, prima, gut durchdacht. Hoffe, ich konnte weiterhelfen.

    Lieben Gruß

    VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  3. #3
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    Hallo Verbalcarpaccio,

    obwohl sich meine Emotionen noch, wie in der ersten und tritten Strophe geschildert, gegenüber Deiner Kritik verhalten, was das Gedicht für mich auch mir selbst gegenüber wesensauthentisch erscheinen lässt, bin ich beeindruckt von Deiner schnellen, wie gründlichen Reaktion, weswegen ich über Deine Meinung, nicht zum Inhalt des Gedichtes vorgedrungen zu sein, noch irritiert bin.
    Nun bleibe ich abwartend, ob der Inhalt meines Gedichtes auch noch weiteren Wahrheitsgehalt besitzt.


    Mit Erwartungs- und Dankgruß für Deine Kritik, wenigviel
    wenigviel


    Es kann sein, alles ist anders als wir es wahrnehmen und erkennen und doch müssen wir es uns glauben.

  4. #4
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    Hallo Verbalcarpaccio,

    die Phase Zwei meines Gedichtes ist hoffentlich eingetreten:

    Die unangenehme aber helfende Kritik:

    Kritik an mir berechtigt, ungern wird von mir betrachtet,
    zeigt sie mir zu Recht, dass man mich verachtet,
    wenn dem Irrtum glaubend, halte an ihm fest,
    nur weil er mir scheint Kind aus Wahrheiteninzest.

    Furchtbar zu spüren der sicheren Meinung Entwichten,
    weil nur noch Freunde ihr aus Höflichkeit zupflichten.
    Dadurch erschreckt, mir alles nochmals vorgenommen,
    nun wart ich sehnlichst, mir wird die Erleuchtung kommen.

    Trotz der Erfahrung bleibt Kritik an mir, mir erst einmal suspekt,
    wenn sie mein Bild von mir, mir allzusehr verdreckt.
    Zum Schutz halt ich bereit von älteren Gedichten,
    Schmeichelkritiken die mir ovationenschön berichten.


    Mit auf das Helfende wartendem Gruß, wenigviel
    Geändert von wenigviel (26.11.2006 um 20:00 Uhr)
    wenigviel


    Es kann sein, alles ist anders als wir es wahrnehmen und erkennen und doch müssen wir es uns glauben.

  5. #5
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    Hallo Wenigviel,

    zunächst: Weniger ist manchmal viel mehr - vor allem bei Doppelpostings. Du ziehst dir sonst schnell den Unmut anderer User zu. Und ein bisschen Geduld musst du schon haben, da parallel zum Forendasein mein reales Leben ganz frech einfach weiterläuft (der eine oder andere im Forum kennt's vielleicht auch noch).

    Zitat Zitat von wenigviel
    ... weswegen ich über Deine Meinung, nicht zum Inhalt des Gedichtes vorgedrungen zu sein, noch irritiert bin.
    Inzwischen bin ich es, der irritiert ist. Wahrscheinlich muss ich mich entschuldigen. Ich bin in meinem ersten Kommentar davon ausgegangen, dass deine Zeilen eine Satire auf die Form manch anderer Werke sein sollte. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.

    Ich habe inzwischen ein paar Sachen von dir gelesen und festgestellt, dass da formal viele Dinge drin sind, die mir nicht so gefallen. Das größte Problem dabei ist dein umständlicher und dadurch sehr schwer zu verstehender Satzbau. Ich weiß nicht, ob du das Gefühl hast, dass es dadurch lyrischer klingt, für mich als Leser ist das zu anstrengend, weil zudem in fast allen Fällen unnötig.

    Den Inhalt des Originaltextes hier konnte ich auch nach 6maligem ruhigen und intensiven Durchlesen allenfalls erahnen, sorry. Das sind alles nur Fetzen, irgendwelche Gedanken aneinandergereiht und man kann alles hineininterpretieren oder auch gar nichts herauslesen. Ich hab's halt als Satire auf die Form genommen und nicht weiter versucht, einen Sinn im Inhalt zu finden.

    Deine überarbeitete Version ist schon ein ganzes Stück besser geworden. Ich verstehe jetzt, was ich bisher nur erahnt hatte. Juchuu.
    O.k. das LI hat Probleme mit schlechten Kritiken, weil es sich dabei persönlich angegriffen fühlt. (Richtig, erlebt man hier sehr oft. Ich hoffe, dir geht es nicht so.) Jetzt erkennt der Dichter die Problematik der "falschen" Freunde, die der lieben Harmonie zu Liebe Süßholz raspeln. Aus solchen Kritiken kann man natürlich nichts lernen. Es freut mich, dass dein LI lernwillig ist. Und in S3 kommt dann auch der Schmunzler, da das LI zwar einsichtig ist, aber dennoch rückfällig wird und in Zeiten, wo die Kritiken nur sehr schwer zu verdauen sind, gern die alten Lobhudeleien (oder auch berechtigt gute Kommentare) auskramt und so sein Ego etwas stärkt.

    Die Idee ist gar nicht so übel. Nur, um ein Gedicht daraus zu machen, müsstest du einiges ändern:
    Humor lebt von kurzen, spritzigen Versen. heb' dir die langen, schweren für Nachdenkliches auf.

    Habe hier mal versucht deine ersten beiden Zeilen in diese Richtung hin zu ändern, ohne viel am Inhalt zu rütteln (das müsstest du selbst tun).

    Berechtigte Kritik an mir
    mag ich nicht gern betrachten,
    vermut' ich doch, sie impliziert,
    dass and're mich verachten.


    Ich kann unmöglich alles hier erklären, was nicht funktioniert. Nur ein paar Stichpunkte:

    - Was willst du mit "Entwichten" sagen?
    - "Wahrheiteninzest" finde ich gar nicht schlecht, nur funktiniert der Reim auf "fest" nicht richtig, da "Inzest" auf der ersten Silbe betont wird.
    - Wortwiederholungen (z.B. "mir" 10 mal benutzt)
    - Rechtschreibung, Grammatik sind wichtig.
    - ...

    Hast du dich schon einmal mit Metrik beschäftigt? Tu das, du wirst Lyrik mit neuen Augen sehen. Ausführliche Infos gibts im Sprechzimmer oder Wikipedia.

    In der Hoffnung, dass ich dir vielleicht diesmal weiterhelfen konnte, grüßt entschuldigend

    VC
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    Peter Arbeitsloser

  6. #6
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    Hallo Verbalcarpaccio,

    ich freue mich riesig, dass unser Gespräch sich fortsetzt, obwohl ich, wie Goethes Zauberlehrling, meine Fähigkeiten wohl falsch eingeschätzt hatte und wie diesem die Rettung durch den Meister ward.
    Aber solches kann in der Offenbarung von Fehlendem helfende Einsicht und Lernbereitschaft bringen, die, wenn auch zunächst, weil nicht erkannt, garnicht gewollt, doch bewusst geworden, zur Notwendigkeit hochgestuft werden.
    So muss ich mich hier für meine Fehler sowohl entschuldigen wie auch bei ihnen bedanken.
    Damit habe ich auch mehr erreicht als gewollt und geahnt und das *hilfreiche* der Überschrift war, wie es mir jetzt erscheint, regelrecht prophetisch, wurde aber, wie bei solchem meist üblich, verkannt und hat, wie mir scheint, noch kein Ende.
    Das Doppelposting ist meiner Fantasielosigkeit zuzuschreiben, da ich das *schuldige* Original unverändert stehen lassen wollte, aber mir nicht die Idee gekommen ist, die geänderte Version einfach unter das Original zu stellen.
    Tut mir leid und werde versuchen mich auch hierbei zu bessern.

    Mit herzlichem Dankgruß, wenigviel
    wenigviel


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  7. #7
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    Hallo wenigviel!

    Ich weiß, ich habe ein schlichtes Gemüt und denke in stiller Einfalt. Vielleicht ist es mir deshalb nicht möglich, deinen Gedanken zu folgen, auch nicht bei deinen Antworten an VC. Im Ernst, dein Stil ist tatsächlich sehr, sehr schwer nachzuempfinden. Lg Ingo
    Ibrahim (Ingo Baumgartner)

  8. #8
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    Hallo syranie,

    ich freue mich, wenn mein Beitrag Dir etwas Dir Positives geben konnte und ich bin mit Dir über Verbalcarpaccios Beitrag hier einer Meinung.

    Hallo Ibrahim,

    es ist für mich verständlich, dass meine Meinung hier für Dich schwierig nachzuvollziehen ist, da ich sie, hoffentlich bin ich jetzt besser für Dich verständlich, teilweise der Gesprächsentwicklung angepast habe.
    Will heißen: Am Anfang sollte mein Beitrag mehr nur ein Gedicht sein, doch dann hat Verbalcarpaccios Beitrag, wie ich jetzt meine glücklicherweise, daraus etwas mehr Dynamisches werden lassen, das meinem Empfinden nach noch nicht zur Ruhe gekommen sein muss.
    Da dies aber, wie ich denke, die Thematik selbst zur Aktion hat werden lassen, ist das Originalgedicht jetzt mehr Objekt als wie sonst üblich Subjekt.

    Mit Verständlichkeit erhoffendem Gruß, wenigviel
    wenigviel


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  9. #9
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    Bitte, wer?
    Wes, bitte?
    Bitte, wem?
    Wen, bitte?
    Es scheint mir ein Gedicht mit Fußnotenbedarf. Oder so.
    Ovationenschön ist nett, ansonsten hätte ich gerne Orientierung, nicht jeder steckt in jeder Hirnwindung.
    Verpuzzelte Grüße,
    R
    Ich darf das.

  10. #10
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    Hallo ruelfig,

    ich habe nochmals den Versuch gemacht, den Inhalt verständlich zu machen, weil er dazu offenbar Schwierigkeiten bereitet, indem ich unter die Strophen der Originalfassung eine vielleicht verständlichere Version , in Klammern stehend, hingestellt habe.

    Mit wohl berechtigte Kritik ertragendem Gruß, wenigviel
    ----------------------------------------------------
    P.S.: Meine, meine Fassade pflegende Abteilung, stöhnt und beschwerd sich über die, wie sie meint, ihr fast wie mutwillig erscheinende und ruinöse Beschädigung ihrer sorgsamen Arbeit.
    Ich habe versucht sie mit dem orakelhaft klingenden Spruch zu beruhigen:
    Die Sache verlangt auch unverstehbare Opfer, wenn sie es verdient oder wenn es notwendig ist. wv
    wenigviel


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